Vatertag und Männerarbeit

8. Mai 2016 von redaktionguh  
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Mehr Männer­gruppe waren sie nie. Elf Jünger haben sich eingeschlossen. Ostern vorbei, aber die Feigheit war geblieben. Haben sie über ihre Ängste gesprochen? Die kirchliche Männerarbeit wurde am Himmelfahrtstag erfunden.

Als sie mit Jesus durch das Land zogen, war fast immer eine Frau dabei. Oder es kam eine Gichtbrüchige oder Blutflüssige auf ihn zu und bat um Heilung. Das Dorf lief zusammen. Sie waren nie allein. Vor allem war Jesus immer in ihrer Mitte. Dem vertrauten sie sich an, und er führte sie. Selten durch Befehle, mehr durch die Art, wie er war.

Sie merkten erst, als er weg war, was ihnen fehlte. Und dann saßen die elf Männer in einem Haus mit geschlossenen Fenstern und erwogen, die Gruppe aus taktischen Gründen aufzulösen. Von der Auferstehung sprachen zuerst die Frauen. Die Elf witzelten darüber. Jesus habe schon gewusst, wie man eine Nachricht am besten verbreitet.

Als er selbst erschien, war Thomas gerade einkaufen. Er war der Einzige, der sich raustraute. Hinterher schafften sie es nicht, ihren Bruder zu überzeugen.

Männer bleiben gerne bei dem, wobei sie sich wohl fühlen. Am Himmelfahrtstag sehen sie Jesus gehen. Nicht als er kommt, verstehen die Jünger, wie es weitergeht. Erst als er geht, wissen sie, dass sie auf sich allein gestellt sind und dass es trotzdem weitergehen wird. Jesus geht zum Vater, die Jünger gehen vom Ölberg nach Jerusalem.

Ein schöner Spaziergang, wenn auch damals noch ohne Handwagen und Bierkiste. Männertag und Vatertag. Die Volkskultur legt beides – perfekt passend – auf den Himmelfahrtstag. Warum geht die kirchliche Kultur nicht offensiver damit um?

Dr. Frank Hiddemann

Der Autor ist Kulturbeauftragter der EKM und Pfarrer in Gera.

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