Feste lernen auf dem Weg nach oben

27. Juni 2016 von redaktionguh  
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Planung: Im Wörlitzer Bibelturm wird 2017 eine neue Dauerausstellung eröffnet

Der Bibelturm in Wörlitz, eine ökumenische Initiative in Anhalt, bekommt eine neue Dauerausstellung. Die derzeitige, 2009 eröffnete Schau »Zwischen Himmel und Erde« ist nur noch bis zum Saisonende im Oktober zu sehen. Angela Stoye sprach mit der Kuratorin Annett Helmecke-Possehl über den Stand der Vorbereitungen für 2017.

Frau Helmecke-Possehl, wie kommen Sie und die Gruppe voran?
Helmecke-Possehl:
Sehr gut. Die Planungen für die Ausstellung sind inhaltlich bereits sehr weit fortgeschritten. Jetzt geht es an die gestalterische Umsetzung. Die neue Schau wird den doppeldeutigen Titel »feste feiern« tragen und über den kirchlichen Jahresfestkreis informieren. Unten wird es einen Überblick über alle Feste geben. Dann geht es über die drei Ebenen zuerst um den Weihnachtsfestkreis von Advent bis Epiphanias, dann weiter zu Passion und Ostern und schließlich im obersten Raum um Himmelfahrt und Pfingsten.

Die Theologin und Historikerin Annett Helmecke-Possehl ist in einem Teil ihrer Arbeitszeit als Kuratorin für die neue Ausstellung zuständig. Foto: Lutz Sebastian

Die Theologin und Historikerin Annett Helmecke-Possehl ist in einem Teil ihrer Arbeitszeit als Kuratorin für die neue Ausstellung zuständig. Foto: Lutz Sebastian

An wen richtet sich die Schau?
Helmecke-Possehl:
Unsere Hauptzielgruppe sind Touristen, die im Dessau-Wörlitzer Gartenreich unterwegs sind und zur Plattform auf den 66 Meter hohen Turm aufsteigen, um die Aussicht zu genießen. Die meisten von ihnen gehören wohl nicht der Kirche an. Sie wollen wir auf dem Weg nach oben, der durch die Turmzimmer führt, in die Ausstellung hineinziehen. Dabei wollen wir am Alltag der Menschen von heute anknüpfen und sie einladen, etwas über die christlichen Wurzeln unseres Lebens zu erfahren.

Wie soll das umgesetzt werden?
Helmecke-Possehl:
Es wird eine Entdeckungsausstellung! Es wird Dinge zum Anfassen geben, zum Bewegen, zum Öffnen. Die Nischen im Aufgang werden mit einbezogen. Die Besucher können zum Beispiel moderne Medien nutzen oder Rätsel lösen und sich so Schritt für Schritt die Inhalte erschließen. Das Kirchenjahr soll auf diese Weise greifbar werden, sich selbst erklären. Gruppen können Führungen vereinbaren. Daran, wie alles gestaltet werden soll, arbeitet die ökumenische Vorbereitungsgruppe gerade. Auf jeden Fall werden die liturgischen Farben des Kirchenjahres eine Rolle spielen.

Logo-feste-feiernWer finanziert die neue Ausstellung?
Helmecke-Possehl:
Das Geld dafür kommt aus verschiedenen Quellen. Es sind Eigenmittel des Bibelturmes vorhanden. Die Landeskirche Anhalts als Träger des Bibelturmes finanziert nicht nur den Haushalt mit den Stellen der Mitarbeiter, sondern fördert die neue Ausstellung auch finanziell. Zudem sind Anträge auf Fördermittel gestellt. Leider gab es da bereits eine Absage. Aber der ökumenische Verein »Andere Zeiten« aus Hamburg hat uns 20 000 Euro gespendet. Das ist ein gutes Polster, jedoch sind weitere Spenden willkommen. Für die neue Ausstellung insgesamt sind rund 55 000 Euro veranschlagt.

Wann wird eröffnet?
Helmecke-Possehl:
Zum Beginn der Saison 2017, die, wie im Bibelturm üblich, auf den Palmsonntag fällt. Interessenten lade ich schon jetzt ein, am 9. April in Wörlitz vorbeizukommen.

www.bibelturm.de

Familientreffen mit Feuerwerk

27. Juni 2016 von redaktionguh  
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Gemeinschaftsbund: Thüringens Pietisten trafen sich in Bad Blankenburgs Stadthalle

Der Mann ist ein Energiebündel und zündet aus dem Rollstuhl heraus ein regelrechtes Feuerwerk. Josef Müller, einstiger Steuerberater und Multimillionär aus München, wurde im Gefängnis Christ. Dort saß er wegen Betrugs. Er weiß um die Verführung des Geldes. Seine Lebensgeschichte erschien vor einigen Jahren als Buch (»Ziemlich bester Schurke«). In Bad Blankenburg war er am vergangenen Sonntag Stargast des Jugend- und Gemeinschaftstages des Thüringer Gemeinschaftsbundes, einer Art jährlichem Familientreffen des innerkirchlichen Pietismus.

Energiebündel im Rollstuhl: Bestsellerautor Josef Müller zeigte in Bad Blankenburg, was es bedeutet, wenn jemandem »das Herz voll ist und der Mund übergeht«. Fotos: Harald Krille

Energiebündel im Rollstuhl: Bestsellerautor Josef Müller zeigte in Bad Blankenburg, was es bedeutet, wenn jemandem »das Herz voll ist und der Mund übergeht«. Foto: Harald Krille

Den rund 500 Teilnehmern aus dem Bereich der Landeskirchlichen Gemeinschaften schrieb Müller vor allem eines ins Herz: »Geld macht nicht glücklich«. Es nimmt im Gegenteil gefangen. »Weil Geld keinen Sättigungsgrad kennt«, wie er sagt. Und: »Zufriedenheit ist eine Entscheidung.«

Müller weiß, wovon er redet: 40 Millionen D-Mark als Grundausstattung auf dem Girokonto, Nobelkarossen, darunter ein weißer Rolls-Royce mit schwarzem Fahrer und ein schwarzer mit weißem Fahrer – »da fallst scho auf in München«. Doch als seine immer krummeren Geschäfte auffliegen, er im Gefängnis landet, erlebt er eine Begegnung mit Gott, die sein Leben von Grund auf verändert. Arm, aber glücklich sei er jetzt. Und er bezeugt, dass Gott gerade dann, wenn jemand ganz unten ist, einen Neuanfang schenkt.

Es war Müllers 333. öffentlicher Auftritt seit der Entlassung aus dem Gefängnis. Der seit seinem 17. Lebensjahr an den Rollstuhl Gefesselte machte Mut, die eigene Situation als Chance zu begreifen – das wurde von vielen Besuchern zum Ausdruck gebracht.

Ein herzliches Willkommen: Bläser des Auswahlposaunenchores spielten auch vor der architektonisch eindrucksvollen Stadthalle auf. Foto: Harald Krille

Ein herzliches Willkommen: Bläser des Auswahlposaunenchores spielten auch vor der architektonisch eindrucksvollen Stadthalle auf. Foto: Harald Krille

Umrahmt wurde das Treffen in der Bad Blankenburger Stadthalle von der Band der Landeskirchlichen Gemeinschaft Jena, dem Ensemble »Neue Töne« aus Pößneck und einem Auswahlposaunenchor des Thüringer Gemeinschaftsbundes; letztmalig geleitet von Ralf Splittgerber, langjähriger Musikreferent der Landeskirchlichen Gemeinschaften in Mitteldeutschland. Er wird in Kürze mit seiner Familie als Prediger der Stadtmission sowie Leiter einer Gemeindemusikschule in das pfälzische Pirmasens wechseln.

Harald Krille

Gott viel näher als zu Hause

27. Juni 2016 von redaktionguh  
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Flechtingen hat seit mehr als 25 Jahren eine offene Kirche

Die Kirchentür ist geöffnet – und das bedeutet mehr als ungehinderten Eintritt in die prächtig ausgestattete Patronatskirche zu Flechtingen (Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt). Ablasskasten, Tonnengewölbe, Herrenloge mit Wappen, Kanzel und Taufstein aus dem 16. Jahrhundert, sehenswerte Grabsteine und Epitaphe. »Wir haben eine schöne Kirche mit toller Ausstattung. Sie können daran die Reformationsgeschichte nachzeichnen«, sagt Pfarrerin Irene Heinecke.

Aber der größte Schatz: die geöffnete Kirchentür. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert praktiziert die 430 Mitglieder umfassende Kirchengemeinde im Luftkurort, was die Landeskirche im Zuge des Reformationsjubiläums in den Fokus rückt: Dass Kirchen auch jenseits des sonntäglichen Gottesdiensts geöffnet sind. Dass sie als Orte für Gebet und Besinnung ins Bewusstsein rücken.

Vandalismus hat es in all den Jahren nicht gegeben, aber viele überraschende Begegnungen mit Menschen und mit Gott. Foto: Kora Duberow

Vandalismus hat es in all den Jahren nicht gegeben, aber viele überraschende Begegnungen mit Menschen und mit Gott. Foto: Kora Duberow

»Sie kommen Gott in einer Kirche viel schneller näher als zu Hause in der eigenen Stube. In einer Kirche ist Ruhe, Stille, hier sind die Gebete anderer, vorangegangener Menschen«, sagt die Pfarrerin überzeugt. Dem Projekt, das begann, um den Menschen von der anderen Seite der Grenze die Kulturschätze der Börde zu zeigen, wohnt eine starke Haltung inne. Und auch eine Verpflichtung: Viele Kirchen sind mit öffentlichen Geldern saniert worden, sie sind öffentliche Gebäude, betont Pfarrerin Heinecke.

Heute sind es vor allem Ausflügler und die Patienten der beiden Reha-Kliniken in Flechtingen sowie deren Angehörige, die die Kirche besuchen. Ein Gästebuch gibt es nicht, ebenso wenig einen Kirchenführer. »Wer will schon unter Aufsicht beten?«, fragt die Pfarrerin rhetorisch. Sie wünscht sich von den Einheimischen, die Kirche stärker als ihre Kirche zu erleben. »Gehen Sie bei einer Familienfeier doch einmal hinein, halten Sie beim Friedhofsbesuch inne, machen Sie beim Spaziergang einen Abstecher«, sagt sie oft. Ob beim stillen Gebet oder im Gespräch mit Verwandten und Freunden über die eigene Konfirmation oder Trauung, das Kirchengebäude rege zum Nachdenken über den Glauben an. Und was ist es für ein schöner, ermutigender und tröstlicher Gedanke, dass mitten im Dorf ein Ort ist, in dem ein Stück Identität wohnt und in den man mit vielen Fragen hineingehen kann und mit einigen Antworten herauskommt.

Katja Schmidtke

Ich will da rein

27. Juni 2016 von redaktionguh  
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Jüngst in Süd­thüringen: Wir haben an mancher Kirchentür gerüttelt. Warum will ich in die Kirche? Seit meiner Kindheit sind diese Gebäude für mich Anziehungspunkte. Leute wie mich findet man in aller Welt an Kirchtüren rütteln. Und oft wird uns aufgetan. In Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, fahndete ich auf dem Stadtplan nach einer Kirche. Eine Rockmesse wurde gerade gefeiert, als ich eintrat. In New York saß ich in der 5th Avenue auf der Kirchenbank. In Cusco auf der Hochebene Perus zahlte ich Eintritt für die Besichtigung des Gotteshauses – und kam noch einmal zum Gottesdienst. Ich war in Riga in der Kirche und in Thailand im Tempel. Ich setzte mich auf eine Bank in dem Betonbau neben der Gedächtniskirchenruine in Berlin. Und nicht nur im Ulmer Münster zündete ich Kerzen an.

In Süddeutschland heißt es scherzhaft, bei Ausflügen gelte das Motto: Berge von unten, Kirchen von außen, Wirtshäuser von innen. Um wieder auf Südthüringen zurückzukommen: Die Berge bei Römhild haben wir nicht erklommen. Aber die Kirche – ein Ort voller Geschichte – war und ist offen. Besten Dank denen, die sich solche Mühe machen. Und die Gastronomie am Ort passt auch: Nach dem Kirchenbesuch gab es unweit die besten Klöße überhaupt.

Wie ich höre, soll die offene Kirche im Lutherjahr der Normalfall sein. Und wie ich höre, wird an vielen Orten gestöhnt. Wie soll das gehen? Wer soll das machen? Wer schützt uns vor Dieben und Zerstörern? Ja, das sind ernste Fragen. Aber wer sagt, daher bleibe die Kirche besser an fast allen Tagen geschlossen, der macht es sich wohl doch zu leicht. Mit mir jedenfalls dürfen Sie als Kirchenbesucherin rechnen.

Gerlinde Sommer

Die Autorin ist stellvertretende Chefredakteurin der Thüringischen Landeszeitung.

Hirschhausen erklärt den Glauben

26. Juni 2016 von redaktionguh  
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Eckart von Hirschhausen. Foto: Pressefoto

Eckart von Hirschhausen. Foto: Pressefoto

Weimar (G+H) – Der Kabarettist und Moderator Eckart von Hirschhausen hat für einen exklusiven Abend im Reformationsjahr 2017 im Köstritzer Spiegelzelt Weimar zugesagt. Der Mediziner und Botschafter des Reformationsjubiläums will am Dienstag, 16. Mai 2017, um 20 Uhr unter anderem der Frage nachgehen, ob Luther Komiker war. Von Hirschhausen verspricht einen einmaligen Abend über die Heilkraft von Lachen, Glauben und Wissen im Lutherjahr. Der erfolgreiche Comedian tritt ohne Gage auf, der Erlös des Abends kommt seiner Stiftung »Humor hilft heilen« zugute. Spiegelzelt-Intendant Martin Kranz: »Wir freuen uns, dass wir zusammen mit der Mitteldeutschen Kirchenzeitung Glaube + Heimat diese einmalige Veranstaltung präsentieren können.« Von Hirschhausen tritt hauptsächlich in großen Hallen auf. Deshalb sei der Abend im 500 Plätze fassenden Spiegelzelt etwas ganz Besonderes. Chefredakteur Willi Wild findet: »Luther und Humor sind eine gute Verbindung, vor allem wenn Dr. Eckart von Hirschhausen diese Verbindung herstellt und das Unerklärliche des Glaubens erklärt.«

Der Kartenvorverkauf beginnt am 11. November ausschließlich online unter koestritzer-spiegelzelt.de.

www.humorhilftheilen.de

Erst mal Klinken putzen

26. Juni 2016 von redaktionguh  
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Experiment: Gottes Haus soll nicht zugesperrt sein. Dafür wirbt Landesbischöfin Ilse Junkermann nicht nur, nein, sie fordert es ein. Die Umsetzung des Vorhabens gestaltet sich schwierig.

Diesen Satz hat René Thumser in den vergangenen Monaten oft gehört: »Was sich die Bischöfin da wieder ausdenkt!« Er fällt so oder ähnlich fast immer, wenn er und seine Mitstreiter aus der Arbeitsgruppe »Initiative Offene Kirchen« zu Besuch in Kirchengemeinden sind. Ihre Aufgabe ist es dann, zu übersetzen. »Jedes Kirchengebäude in der EKM soll spätestens ab Frühjahr 2017 tagsüber geöffnet sein.« So hat es Ilse Junkermann bei der Herbstsynode im November in Erfurt gesagt. Der Appell der Bischöfin ist unmissverständlich, an der Basis aber gibt es Missverständnisse.

Einfach so die Kirchentüre aufschließen – für viele eine beängstigende Vorstellung. Beispiele zeigen: Es funktioniert, ohne größere Schäden. Foto: ArTo – Fotolia.com

Einfach so die Kirchentüre aufschließen – für viele eine beängstigende Vorstellung. Beispiele zeigen: Es funktioniert, ohne größere Schäden. Foto: ArTo – Fotolia.com

Das war so zu erwarten. Das war der Preis für die Aufmerksamkeit innerhalb und außerhalb der Kirche. Gottes zahlreiche Häuser in Mitteldeutschland sollen den Besuchern offen stehen, wenn ein halbes Jahrtausend Reformation gefeiert wird. Die EKM möchte sich als gute Gastgeberin zeigen, sie will weder sich noch ihre Gebäude vor den Menschen verschließen.

Aufschließen müssen die rund 4 000 Kirchen aber andere, die Gemeindekirchenräte in den Städten und Dörfern. Und die hören nicht zum ersten Mal von so einer Idee. Es gibt bereits Signets für verlässlich geöffnete Kirchen, für Radwegkirchen, für Pilgerkirchen. Der Erfolg ist mager. An jedes Signet an der Pforte sind Auflagen gebunden, die zu erfüllen nicht überall gelingen kann. Deswegen muss René Thumser vorsprechen. Er muss erklären, dass es eben nicht um Signets und Auflagen geht, sondern um kleine und individuelle Lösungen: Öffnungszeiten im Sommerhalbjahr, am Wochenende und an Feiertagen oder ein Hinweis, wer die Tür auf Wunsch öffnen kann.

Es ist das große Klinkenputzen, bevor sich die Schlüssel in den Schlössern drehen. »In den Gemeinden haben sich Traditionen eingeschliffen: Entweder die Kirche ist zu oder sie ist auf«, sagt René Thumser. Dort, wo sie zu ist – das ist in der Mehrheit der Gemeinden der Fall –, muss es gelingen, diese Tradition zumindest einmal infrage zu stellen. Abzuwägen, was für und was gegen geöffnete Kirchentüren einzuwenden ist. Dagegen spricht die Angst vor Diebstählen und Vandalismus, die Sorgen um zusätzliche Arbeit für die bereits Engagierten und manchmal auch die Meinung, dass ja ohnehin keiner die offene Kirche aufsuchen würde. René Thumser hat Antworten auf all diese Fragen, er kann Ängste und Sorgen relativieren. Einbrüche geschehen aller Erfahrung nach nicht am helllichten Tag, sondern nachts, wenn abgeschlossen ist. Für Schließ- und eventuelle Aufsichtsdienste lassen sich oft auch Partner außerhalb der Kirchengemeinde gewinnen, in den Kirchbauvereinen etwa. Und schließlich: »Offene Kirchen werden sehr wohl aufgesucht.«

Weil die Mitglieder der Arbeitsgruppe nicht für jede der 4 000 Kirchen selber zum Gespräch vorstellig werden können, schon gar nicht bis 2017, haben sie zunächst eine Handreichung für die Gemeindekirchenräte erstellt. Auf zehn Seiten wird mit Argumenten und Erklärungen einer diffusen Furcht Besonnenheit entgegengesetzt. Es gibt technische Sicherungsvorkehrungen, es gibt Versicherungen und vor allem gibt es keine Vorwürfe der Kirchenleitung, wenn trotz allem etwas gestohlen werden sollte.

Erste Kirchengemeinden, etwa jene in Seebach bei Eisenach, sind auf die Handreichung hin schon aktiv geworden. Sie haben René Thumser eingeladen. Im August und September werden in den Propsteien zu diesem Thema auch Workshops für Gemeindekirchenräte geplant. Außerdem soll die digitale Kirchenlandkarte der EKM mit derzeit nur 1 178 Eintragungen vervollständigt werden, damit alle Kirchen und ihre Angebote für Besucher sichtbar werden. Auch das könnte ein Ansporn für Veränderung sein.

Wohl zur Herbstsynode wird es wieder Aufmerksamkeit für dieses Thema geben. Dann sollten erste Zahlen von dort vorliegen, wo der Appell der Bischöfin in die Tat umgesetzt wurde. Und wo es noch Missverständnisse gibt.

Susann Winkel

Die Handreichung und weitere Informationen finden Sie im Internet:

www.ekmd.de/service/offenekirchen

Kann man nicht selber machen: den Glauben!

25. Juni 2016 von redaktionguh  
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Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

Epheser 2, Vers 8

Es kommt nicht aus euch. Es ist eine Gabe Gottes. So schreibt uns der unbekannte Theologe in seinem Brief. Allein durch Gnade, allein durch den Glauben. Der Glaube, der doch irgendwie unserer ist, den wir aber nicht gemacht haben. Der uns geschenkt wird.

Christian Buro, Pfarrer in Güntersberge

Christian Buro, Pfarrer in Güntersberge

Mit manchen Sätzen geht es mir so, die sind so wahr, dass ich gar nicht weiß, was ich dazu sagen soll. Bleibt mir da mehr als stille Bewunderung? Sicherlich tut es gut, in unserem Glauben an die Machbarkeit daran erinnert zu werden, dass wir nicht alles herstellen und herbeiführen können. Dass wir da, wo es um das Heil der Seele geht, an eine Grenze kommen. In Momenten, wo wir Gott begegnen, überlassen wir uns, wir ergeben uns dem, was uns da erfasst. Wir hören, sehen und schmecken, ziehen uns zurück ins Empfangen, ja bis dahin, dass wir uns wünschen, von dem Zwang zum Mittun befreit zu werden.

Und doch bleibt mir die abstrakte Rede vom Geschenk unbefriedigend. Vor allem dann, wenn ich daran denke, wie oft uns doch die Suche nach solchen Momenten beschäftigt. Wenn wir in unserem Leben nach den heilmachenden Momenten suchen. Oder wenn wir uns als Mitarbeiter in der Kirche fragen, wie wir es ermöglichen können, dass andere Erfahrungen mit Gott machen können. Dann lässt mich die Rede vom Geschenk des Glaubens ratlos zurück, so wahr sie auch sein mag.

Im Evangelium dieses Sonntags zeigt Jesus den Menschen auch etwas davon, dass sie Empfangende vor Gott sind. Am Ufer des Sees Genezareth steigt er zu den Fischern ins Boot. Und sagt zu ihnen: »Fahrt hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus.« Zuerst zögern sie, von der Vergeblichkeit ihrer Bemühungen übermannt. Aber auf sein Wort hin wagen sie es doch. Mit seinen Worten redet er nicht von der Wahrheit, dass sie auf das Empfangen angewiesen sind. Er zeigt es ihnen. Er schickt sie mitten in ihr Leben und ihr alltägliches Tun. Dahin, wo es ihnen zu tief erscheint.

Christian Buro, Pfarrer in Güntersberge

Stempel aufgedrückt

23. Juni 2016 von redaktionguh  
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Lutherischer Weltbund pilgert nach Wittenberg


Die Ratstagung des Lutherischen Weltbundes in Wittenberg begann mit einer Pilgerstrecke. Der promovierte Theologe Rainer Stahl aus Erlangen begleitete die Pilger. Hier sein Erlebnisbericht.

„Die LWB Pilgerstation Wittenberg versteht sich als eine Einladung […] an die weltweite ökumenische Bewegung, die lutherischen Kirchen auf einer Strecke des Weges zum Gedenk- und Feierjahr 2017 aktiv zu begleiten“ (Pfarrer Hans W. Kasch, LWB-Zentrum Wittenberg).

Foto: Felix Kalbe

Foto: Felix Kalbe

Das haben wir am 14. Juni 2016 geleistet – Ratsmitglieder des Lutherischen Weltbundes (LWB) mit ihrem Stab, deutsche Delegierte der Vollversammlung des LWB in Namibia im kommenden Jahr und Teilnehmende einer Partnerschaftskonsultation der sächsischen Landeskirche – Aktive aus sächsischen Gemeinden und aus den jeweiligen Partnergemeinden vieler Länder.

Der Pilgerweg begann mit einem Gottesdienst in Coswig in der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Kirchenpräsident Joachim Liebig eröffnete seine Meditation zu Römer 1,16 mit der Beobachtung, dass sich hier die Menschen des Evangeliums nicht schämen, weil sie es einfach nicht kennen und beschrieb unsere Aufgabe klar: Dass wir aus den Kirchen hinausgehen, die Menschen aktiv einladen, wir selbst uns des Evangeliums nicht schämen und leben, was dieses Evangelium für uns und unsere Zeitgenossen bedeutet.

Als wir die Kirche zum Pilgerweg verließen, sahen wir, dass es gerade leicht geregnet hatte. Aber für die knappe Stunde des Pilgerns verzogen sich die Wolken und wärmte uns die Sonne! In Griebo, etwa fünf Kilometer östlich von Coswig, hatte ich eine besondere Aufgabe: Allen Teilnehmenden im jeweiligen Pilgerheft den Stempel des Tages mit dem Begriff „Wittenberger Pilgerweg 2016“ einzustempeln. Mit großer Freude habe ich im Kreis der sächsischen Partnerschaftsgruppe auch Bekannte aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland, aus Orenburg, und aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Litauens, aus Šakiai, wiedergetroffen! Selbst der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan, stellte sich für einen Eintrag im Pilgerheft an.

Sieh nicht zurück

20. Juni 2016 von redaktionguh  
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Konrad Mieth zum Gedenken

„Du tust mir kund den Weg zum Leben.“ So lautete die Losung des 7. Juni 2016, der Tag an dem Oberkonsistorialrat i. R. Pfarrer Konrad Mieth heimgerufen wurde. Genau vier Wochen vorher, am 8. Mai, hatte er seinen 90. Geburtstag in der Magdeburger Kreuzkirche mit vielen Freunden und Weggefährten gefeiert. „Ein bewegtes Leben, das für drei reicht“, hatte die Magdeburger „Volksstimme“ aus diesem Anlass getitelt. In der Tat: Konrad Mieth hat viel erlebt – weil er viel gestaltet hat. Der in Lengefeld im Erzgebirge Geborene besuchte die Thomasschule in Leipzig, machte 1944 dort das „Notabitur“, wurde zur Wehrmacht eingezogen und geriet bald in Kriegsgefangenschaft. Ab 1946 studierte er in Westberlin Theologie – ein Umstand, der 1951 dazu führte, dass der unbequeme junge Mann, der in Reichenberg in Sachsen sein Vikariat absolvierte, aus der DDR ausgewiesen wurde. Er kehrte 1953 zurück, wurde Pfarrer und Kreisjugendpfarrer in Penig in Sachsen, entkam dank des Widerstandes seiner Kirchengemeinde einer erneuten Ausweisung und blieb zehn Jahre dort. Einen solchen Mann, der Widerstände nicht scheute, brauchte die Kirche damals besonders: So rief man ihn 1963 als Studentenpfarrer in das unruhige und geschundene Ostberlin. 1969 wurde er mit der Leitung einer großen Neubaugemeinde in Karl-Marx-Stadt beauftragt, ehe ihn 1975 die damalige Kirchenprovinz Sachsen als Finanzdezernenten an das Konsistorium in Magdeburg berief.

Konrad Mieth

Konrad Mieth

Schwierige Zeiten hatte Konrad Mieth schon genug erlebt – aber die Finanzen in einer schwächer werdenden ostdeutschen Kirche gestalten? Dem wich er nicht aus. Mitte der 80er Jahre führte er ein neues Kirchensteuerberechnungsmodell ein. Drei Prozent vom Nettoverdienst sollte von nun an jedes erwachsene Gemeindeglied geben. Das war nicht leicht umzusetzen: Es musste wieder und wieder erklärt und darum geworben werden. Die Erhebung durch Kreiskirchenämter, Pfarrer und Ehrenamtliche war schwierig genug. In der Kirche immer vom Geld reden? Es ging ja nicht ums Geld, es ging um die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Kirche! Wie erfolgreich dies Bemühen war, ist nicht abzuschätzen: Die friedliche Revolution brachte gewaltige Veränderungen auch für die Kirche mit sich. Das nun praktizierte Kirchensteuereinzugsverfahren ist für alle Beteiligten sehr viel einfacher. Da es die jeweilige soziale Situation berücksichtigt, ist es sogar noch gerechter und so für die meisten der Mitglieder günstiger – was heftige Diskussionen nicht ausschloss. Aber dies hatte Konrad Mieth nicht mehr zu verantworten. Schon im Herbst 1989 war er der Sozialdemokratischen Partei in der DDR beigetreten, gestaltete die Zeit des Umbruchs intensiv mit und wurde parallel zu seinem Ruhestand 1990 erster freigewählter Stadtpräsident Magdeburgs. Hier schob er an maßgeblicher Stelle die Veränderungen in unserem Land mit an und – wie immer – kümmerte er sich besonders um die Schwachen, gründete den Seniorenrat in Magdeburg, wurde Vorsitzender im Landesseniorenrat in Sachsen-Anhalt, Vorstandsmitglied der Straffälligen- und Bewährungshilfe e.V. des Landes, Landesvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Mitglied der Johanniter-Unfallhilfe. Man kann gar nicht alle seine ehrenamtlichen Aktivitäten aufzählen, die ihn fast bis zuletzt umtrieben!

Nein, Konrad Mieth blickte nie zurück. Es ging ihm immer um die vor ihm liegenden Aufgaben. Vor nichts hatte er Angst. Allem Neuen war er aufgeschlossen. Stets hatte er die neueste Technik im Einsatz, einen Computer zu Hause in Benutzung, ehe die meisten auch nur ahnten, was das ist. Ob bei all dem die Familie nicht zu kurz kam? Der Zusammenhalt dieser Familie, seiner Frau Maria und der fünf Kinder, der 18 Enkel und Urenkel, spricht eine andere Sprache.

Bei der Feier seines 90. Geburtstages wirkte er gelöst und ganz frei. Vielleicht blickte er schon wieder nach vorn, auf den Wechsel von der einen Hand Gottes in die andere… Nach kurzer Krankheit ist er am 7. Juni in den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg friedlich eingeschlafen.

Thomas Begrich

Zeichnen im Landschaftspark

20. Juni 2016 von redaktionguh  
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Acht junge Frauen haben sich in der ersten Juniwoche im Diakonie-Landgut Holzdorf (bei Weimar) der Aufgabe gewidmet, Zeichnungen vom angrenzenden Landschaftspark zu erstellen, der als Außenstelle der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt ausgewählt wurde. Unter Anleitung der Grafikerin Claudia Berg, die Lehraufträge in Halle und Darmstadt hat, erprobten sie verschiedene Techniken. Unter den Teilnehmerinnen mit verschiedenen Beeinträchtigungen, die im Christopherushof Saalfeld arbeiten, befand sich Franziska Lisker, die mit dem Fuß malt.

»Wir gehen im Park spazieren, lassen  die Landschaft auf uns wirken und wählen dann die Motive aus. Vor Ort oder in der historischen Beratungsbibliothek bringen wir die Skizzen auf große Flächen«, beschreibt Claudia Berg die Arbeitsweise.

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

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