Volksmusik und -kirche

19. Dezember 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Er war der unbestrittene »King of the Kings« der DDR-Volksmusikszene: Herbert Roth wäre am 14. Dezember 90 Jahre alt geworden. Dank der Schallplatte und des DDR-Fernsehens bin ich mit ihm und seinen Liedern quasi aufgewachsen. Mein Vater war absoluter Volksmusik-Fan und der heute noch in meinem Besitz befindliche Stapel seiner Vinylscheiben bringt etliche Kilo auf die Waage. Für mich als 14-, 15-Jährigen war es vor allem peinlich, wenn aus unseren Fenstern wieder und wieder das »Rennsteiglied« oder »Kleines Haus am Wald« auf die Straße drang. Inzwischen kann ich die Lieder auf der Basis der »versöhnten Verschiedenheit« tolerieren.
Was freilich kaum jemand weiß: Der gefeierte Suhler Barde, der nicht nur Volkslieder komponierte und sang, sondern unter Pseudonym auch so manchen DDR-Schlager schuf, der Träger der »Ehrenmedaille der Nationalen Front« und des »Vaterländischen Verdienstordens der DDR« in Gold, war und blieb Zeit seines Lebens Mitglied der evangelischen Kirche, wie mir seine Tochter Karin Roth bestätigte. Und zahlte damit bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1983 auch so manches nette Sümmchen an Kirchensteuern.
Die Familie von Herbert Roth verließ allerdings nach seiner Beerdigung die Kirche. Der Anlass ist aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar: Weil die offizielle Trauerfeier in Anwesenheit von DDR-Oberen als »weltliche« Feier firmierte, verweigerte die Kirchengemeinde damals das von Roth ausdrücklich gewünschte Glockengeläut.
Wie sich manche Menschen an Musikstilen reiben, reiben sich andere an der Kirche. Das ist leider bis heute so. So erklärte erst jüngst ein prominentes Mitglied der EKM gegenüber der Landesbischöfin seinen Austritt (siehe Seite 5).

Harald Krille

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Reaktionen unserer Leser

21 Lesermeinungen zu “Volksmusik und -kirche”
  1. Leser sagt:

    Ja, lieber Herr Krille, es ist so, wie Sie in Ihrem letzten Satz schreiben. Die Leute reiben sich an der Kirche! Heute (leider) weil “Kirche” in politisch einseitiger Positionierung schon mal die Glocken an- und das Licht ausstellt!

  2. Britta sagt:

    Ja, aus Reibung kann auch schnell ein Brand entstehen…
    Z.B. wenn bei offensichtlicher Umgehung der Rechtslage mantraartig Nächstenliebe angeführt wird, die über dem Gesetz stehe und damit jede Diskussion erschlagen wird. Dafür werden gern vom Heiligen Martin bis hin zu diversen biblischen Fluchtbeschreibungen Argumente aufgeführt. Gern werden die entsprechenden Lasten anderen aufgebürdet, wärend sich der Superchrist mit seinem Werk der Nächstenliebe brüstet und manch anderem ein schlechtes Gewissen einredet.
    Der Heilige Martin verschenkte aber, was SEIN war. Denn der römische Kaiser bezahlte die Hälfte der Ausrüstung seiner Offiziere, die andere Hälfte trug der Offizier selbst. Er sagte auch nicht zu einem untergebenen Legionär: gib du deinen Mantel oder hol mal schnell einen aus dem Depot. Ja, und bei den biblischen Fluchtgeschichten wird vehement verschwiegen, daß es den Ägyptern nicht im Traum eingefallen wäre, ganze fremde Sippen zu alimentieren, da wurde mit Edelmetallen bezahlt! Und keiner hätte sich erlauben können, eine ägyptische Frau auch nur schief anzusehen oder jemanden zu berauben (wie das ja bei den Josefbrüdern anschaulich beschrieben ist).

  3. Gert Flessing sagt:

    Lieber Herr Krille,
    Menschen haben die Angewohnheit, sich an diesem oder jenem zu reiben.
    Ich bin kein Fan von Herbert Roth. Aber ich würde jedem gönnen, sich an seinen Liedern zu erfreuen.
    Es gibt auch manches im kirchlichen Leben, das ich nicht so toll finde. Aber es sind doch Menschen, die es zu verantworten haben und der Herr der Kirche ist ein anderer.
    Vielleicht sollten wir ernsthaft damit beginnen, über den nachzudenken, der Herr der Kirche ist und darüber, was er uns geben möchte.
    Gerade in der zeit des Advent scheint mir das wichtig und Weihnachten macht es eindrücklich deutlich.
    Es geht nicht um das, woran ich mich reiben könnte. Es geht um die Liebe Gottes, die uns in einem Kind begegnet und uns verbinden möchte.
    “So sehr hat Gott die Welt geliebt…”
    Diese Liebe reißt uns aus dem politischen Gezänk und auch aus anderen “Frontstellungen” und führt uns dahin, wo wir Versöhnte sein dürfen.
    Gert Flessing

  4. Leser sagt:

    Noch so ein Reibungspunkt, eben frisch erlebt:
    Nach einem harmonischen Abend ließ ich mich dazu hinreißen, im “Öffentlichen” in einen Gottedienst reinzuzippen. Er kan aus der Schloßkirche zu Wittenberg.
    Zu meinem Entsetzen kam mir zunächst die Stimme der Frau “Botschafterin” entgegen. Nach ein paar Algemeinsätzen erdreistete sie sich , in einem Heiligabendgottesdienst gegen Trump zu hetzen!!! Meine Reaktion, dieselbe wie früher bei Karl-Eduard von Knack! Es ist zum K…, man kann sich Deutschland keinen Gottesdienst mehr antuen!

  5. Gert Flessing sagt:

    Man muss die Nöte nicht verschweigen, die es gibt, aber man muss sie auch nicht zum Mittelpunkt machen. Das sollte ein anderer sein.
    “Micha 5:  Und du, Bethlehem-Ephrata, du bist zwar gering unter den Hauptorten von Juda1; aber aus dir soll mir hervorkommen, der Herrscher über Israel werden soll, dessen Hervorgehen2 von Anfang, von den Tagen der Ewigkeit her gewesen ist. 2 Darum gibt er sie hin bis zu der Zeit, da die, welche gebären soll, geboren haben wird; und der Überrest seiner Brüder wird zurückkehren zu den3 Kindern Israels. 3 Und Er wird auftreten und [sie] weiden in der Kraft des Herrn und in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes; und sie werden [sicher] wohnen; denn nun wird Er groß sein bis an die Enden der Erde. 4 Und dieser wird der Friede sein!
    Wer ist wie Gott? So lautet übersetzt der Name des Propheten.
    Gott ist derjenige, der Menschen Hoffnung geben kann. Seine Prophezeiung eines Herrschers, der dem Volk Israel Sicherheit und Frieden geben wird, ist der Ursprung dafür, das auch wir, in Jesus, diese Hoffnung annehmen.
    Bethlehem als Ursprung der Hoffnung für Menschen. Ein kleiner Ort, aber eine große Zukunft.
    Wir leben in einer Welt, die solch eine Hoffnung dringend braucht. Sie ist zerrissen. Sie ist voller Unfrieden. Jeder kann betroffen sein von Gewalt und Terror.G.F.

  6. Gert Flessing sagt:

    Und weiter:Wer ist wie Gott? Viele Menschen fragen sich das nicht mehr. Sie haben Gott abgewählt. Sie suchen Hoffnung in sich selbst, in den Zwängen politischer Korrektheit der Sprache. Doch allein solche Versuche sind verräterisch. Sie zeigen die Gefangenschaft von uns in selbstgebastelten Mustern der Eingrenzung und Ausgrenzung.
    Aber die Hoffnung, die in Bethlehem aufscheinen will, ist anders. Jesus verbindet. Da ist nicht mehr Jude noch Grieche, nicht mehr Mann noch Frau. Eins in Christus, durch die Liebe, die mit ihm in diese Welt kam.
    Aus ihr kommt die einzige Hoffnung. Aus dieser Liebe heraus begegnet uns der Weg zu einem Leben in guter Gemeinschaft. In ihr begegnet uns die einzige Wahrheit, die uns Orientierung gibt in einer verworrenen Welt. Sie ist es, die Leben schafft, das in Gott geborgen, nicht in Angst und Not endet. Amen
    Gert Flessing Predigt vom Heiligen Abend dieses Jahres

  7. L. Schuster sagt:

    Lieber Leser,
    Sie sind wirklich ein Ein­falts­pin­sel. In der Schlosskirche zu Wittenberg, hätte man gegen Trump gehetzt zu Ihrem Entsetzen. Glauben Sie Sie wirklich Trump ist gleich ein Heiliger, weil er die Wahl gewonnen hat. Sich daher gleich an der Kirche reiben ist doch Quatsch.
    Außerdem wir leben auch kirchlich in einer Demokratie, so kenne ich einige Pfarrer dessen Gottesdienst bestimmt auch Sie sich gern antuen würden und sicherlich gibt es diese auch in Ihrer Gegend. Gehen bzw. fahren Sie einfach dort hin wo diese Pfarrer predigen.

  8. Leser sagt:

    Lieber Herr Schuster, diese Frau hat am Heiligen, Abend, im Talar, auf der Kanzel einer Kirche ihre sehr einfältige politische Meinung kundgetan! Ich denke soetwas hat dort nichts zu suchen. Kirche hat wahrlich andere Aufgaben. Im übrigen ist der Mann demokratisch gewählt worden, hat sicher seine Ecken und Kanten, davon sind aber viele sehr gut und besser als die einer Frau Clinton, hat aber auch wieder nichts auf der Kanzel zu tun!

  9. Zweitleser sagt:

    Lieber Herr,

    warum betonen Sie “…diese Frau hat…IM TALAR…” wo Sie doch andernorts schreiben:
    “Wenn ich mir morgen irgendeinen Kittel, oder Talar ; kaufe und mir den anziehe wenn es mir gerade einfällt, wer will mir das verbieten?” ?!

  10. Leser sagt:

    Gerade deshalb Herr Philosoph!

  11. Britta sagt:

    Es gab genug Zeiten, wo im Talar und von der Kanzel unumstößliche Wahrheiten verkündet wurden. Nur hatten die eben nichts mit der Frohen Botschaft zu tun. Und damit waren sie nicht unumstößlich – nur leider merken es die einfältigen Menschen immer erst, wenn es für ihr bescheidenes Leben zu spät ist. Nur gut, daß die, die der Frohen Botschaft vertrauen, wissen, daß es höhere Wahrheiten gibt.
    In diesem Sinne: einen angenehmen Jahreswechsel an alle hier in ein gesegnetes Neues Jahr – mögen die zu erwartenden Widernisse einen großen Bogen um uns machen!

  12. Leser sagt:

    Leider wurde daraus nichts gelrnt und die heutigen Zeiten gleichen denen schon wieder! Ihren guten Wünschen schließe ich mich an. Uns allen ein Gott behütet!

  13. Zweitleser sagt:

    Angesichts dieses Urteils über Talarträger erklärt sich, warum die “Frau Botschafterin” kritisiert wird. Warum aber Herr “Wawerker” (wie er ihn nennt) mit seinem Talarmissbrauch auf AFD-Kundgebung verteidigt wird, ist unerklärlich. Wird mit zweierlei Maß gemessen?

  14. Leser sagt:

    Ja, selbst ein so dynamischer, jugendlicher Philosoph steigt eben nicht hinter jedes Geheimnis!

  15. Leser sagt:

    Hilfe gefällig? Die Dame trug das als Amtstracht und redete8hetzte) in dieser Amtsfunktion(anmaßung)! Der Andere trat ausdrücklich nicht in dieser Funktion, sondern als Privatmann mit Privat”kittel” auf einer würdevollen Gedenkfeier auf!

  16. Zweitleser sagt:

    So kann man sich sein kleines Schwarz-Weiß-Weltbild (oder Gerettet-Dahingegeben-Weltbild) zusammenlügen…

  17. Gert Flessing sagt:

    Wir gehen ins Jubiläumsjahr der Reformation.
    Da wünsche ich uns, das wir aufhören, unseren Kleinkrieg zu führen. Das Leben, in das Gott uns sendet ist bunt und schön, wenn wir es nur nicht einengen und gängeln. Denn genau dazu hilft uns Jesus nicht.
    So möge er uns erneuern, an Herz und Geist, damit wir aus seiner Liebe leben, die niemanden außen vor lässt.
    Damit wir uns aber auch neu für sein Wort öffnen und es den Menschen bringen.
    Sie sollen die Gnade, die uns geschenkt ist darin spüren, eine Gnade, die wir nicht durch fromme Sprüche und Hartherzigkeit gewinnen, sondern durch Liebenswürdigkeit im Reden und Handeln.
    Die Menschen sollen darin auch spüren, das das Heil der Welt nicht eine heile Welt bedeutet, sondern heile Herzen, die dann vielleicht manches in der Welt heilen können.
    Ansonsten noch ein kleines Lied:
    Nach 389
    Gib mir, o Gott, ein neues Herz und stärke mich in Not und Schmerz durch deine Lieb in Jesus Christ, in dem du immer bei uns bist.

    Lass mich dem Wort traun, das du gibst und spüren, wie du uns stets liebst. Dem Worte folgen jeden Tag, der mir durch dich noch werden mag.

    Erneure Herr, mir Geist und Sinn, dass ich in dir geborgen bin. Gib, dass ich andren Hilfe geb und nicht allein für mich nur leb.
    Gert Flessing

  18. Miriam sagt:

    Herbert Roth`s Musik wirkt bis heute aktiv in den Alltag hinein. So lernte die Kindergartengruppe unseres Kindes das Rennsteiglied von ihrer Erzieherin. Eine klasse Aktion und sehr putzig. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es das Rennsteiglied am Ende eines Gottesdienstes.

  19. Leser sagt:

    Frage an den zweitlesenden Philosophen:
    Meinten Sie jetzt eigentlich sich selbst oder gar die Frau “Botschafterin”?
    Ja, Miriam, dasLied war und ist schon fast eine Nationalhymne!

  20. Zweitleser sagt:

    Was ist denn hier los? Nachdem der selbsternannte Leserobmann auf Beiträge mit Häme oder freudiger Zustimmung reagiert, schreibt keiner mehr. Soll “Tante Droll” hier etwa das Geschehen bestimmen?

  21. Leser sagt:

    Sieht nach Ihrem philosophischen “Beitrag” ganz so aus!

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