Leicht macht es uns der Herrgott heutzutage nicht

5. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

1. Johannes 3, Vers 8 b

Dieses Bibelwort klingt dramatisch. Der große Kampf zwischen Gut und Böse. Wenn es darum geht, ob der Teufel oder Jesus Christus in dieser Welt regiert, da kann es doch nur eine Antwort geben: Natürlich stehen wir auf der Seite des Guten.

WzW-2017-09

Pfarrer Andreas Müller, Direktor Marienstift Arnstadt

Ich fürchte freilich, dass die Wortgewalt dieses Bibelwortes die Wahrheit unserer Gegenwart eher verschleiert als erhellt. Denn das Böse kommt heute ziemlich banal und mit mancherlei »einleuchtenden Argumenten« daher. Als Kneipenwitz über Muslime oder Osteuropäer, von denen man sich nicht den Mund verbieten lassen will, oder als selbstherrliches Parteiprogramm, das aus eigenen Defiziten heraus den Anspruch formuliert, wichtiger als der Rest der Welt zu sein, oder in längst alltäglich gewordener Gewalt in Kriegen und Anschlägen, durchgeführt von all denen, die meinen, das Recht auf Leben anderer mit Füßen treten zu dürfen. So sehen die Werke des Teufels heute aus und schwappen über unsere Fernseher, Computer und Kantinengespräche in unsere Köpfe und Herzen.

Haben wir Christen der Wirklichkeit in der Welt nichts als Ratlosigkeit entgegenzusetzen? Sollen wir für das Gute noch lauter brüllen als andere für ihren Egoismus? Ist Gottes Sohn Jesus Christus abgetreten von der Bühne der Welt?

In all den Diskussionen in uns und um uns herum drohen wir Christen die Mitte dessen, was Jesus uns ist, fast zu vergessen. Die Antwort auf das Böse um uns ist unbequem, herausfordernd und provozierend. Jesus bietet keine faulen Kompromisse für unsere egoistische Ängstlichkeit. Gottes Wort gegen die Werke des Teufels heute ist die Bergpredigt, ist die Seligpreisung der Friedfertigen, Sanftmütigen und Barmherzigen, ist das Verbot, zu töten mit Worten und Waffen, ist die Forderung, auch Feinde zu lieben.

In ernsten Zeiten wie heute spüren wir wirklich, was Jesu Mahnung, Gott zu vertrauen, bedeutet. Leicht macht es uns der Herrgott nicht. Doch ratlos sind wir Christen auch nicht.

Die Frage ist, wollen wir auf Jesus hören oder lieber nicht?

Andreas Müller

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Reaktionen unserer Leser

2 Lesermeinungen zu “Leicht macht es uns der Herrgott heutzutage nicht”
  1. Gert Flessing sagt:

    Na ja. Sind wir also gerufen, die Werke des Teufels zu zerstören, in dem wir, trotzig, gegen “die anderen” anbrüllen?
    Wer ist es denn, der die Werke des Teufels zerstört?
    “Dazu ist erschienen der Sohn Gottes…”
    Er ist der Handelnde. Wir sind die, die zur Liebe gerufen sind. Wir sollen das Gerechte tun. Wir sollen die Mitmenschen lieben.
    Das haben wir der Welt entgegen zu setzen. Jesus ist die Mitte. Sein Kreuz, sein Tod, sein Auferstehen, sind die Mitte.
    Von daher geht es nicht darum, wie viel Aktionen wir starten. Seligpreisungen? Ja. aber nicht als eine Art Waffe, sondern in Demut und Geduld und voller Liebe, auch für jene, die nicht anders können, als ihren Egoismus heraus zu schreien, weil sie das kreuz aus den Augen verloren haben, das uns verbinden will. Vielleicht auch, weil wir es nicht zur Genüge in die Mitte rückten?
    Gert Flessing

  2. Britta sagt:

    Lieber Herr Flessing, Jesus handelt durch uns – wir sind aufgefordert, sein Werkzeug zu sein. Dazu gehört m.E. auch, daß wir nicht das fördern, was unseren Herrn Jesus haßt und uns die Gebote so zurechtbiegen, daß wir womöglich behaupten können, damit ein gottgefälliges Werk getan zu haben.