Kirche auf dem Weg

23. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Vor 100 Jahren endete das »landesherrliche Kirchenregiment«, das einst die protestantischen Fürsten in ihren Staatsgebieten installierten. Übrig geblieben ist ein Landeskirchentum mit 20 eigenständigen Einheiten unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Auf den Mitgliederschwund reagierte man mit Zusammenschlüssen. Anhalt hat bislang selbstbewusst widerstanden, ohne sich ökonomischen Überlegungen zu verschließen. So ist die Landeskirche Teil der Diakonie Mitteldeutschland im Verbund mit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Was spräche also dagegen, auch eine landeskirchliche Verwaltungsgemeinschaft einzugehen. Die identitätsstiftende Komponente müsste dabei nicht aufgegeben werden. Vielleicht wäre es auch lohnend, über eine Landeskirche neuen Typs nachzudenken, ohne vorgegebene Strukturen. Das entspräche dem apostrophierten Laborcharakter der kleinen Kirche.

Die Herausforderungen, vor der die Landeskirche Anhalts steht, sind auch den größeren Landeskirchen nicht fremd. Die kleine Einheit könnte ein Modell sein. Das bedarf des Blickwechsels, weg von den Zahlen und Bilanzen, hin zu den Menschen. Das tut man in Anhalt bereits und ist damit auf einem guten Weg. Die Selbstständigkeit ist ein ehrenwertes Ziel, die bestmögliche Verkündigung des Evangeliums ein lohnenswertes.

Die Frage, ob die Landeskirche ohne Finanzausgleich leben könnte, ist hypothetisch. Ich glaube schon, denn Not macht erfinderisch. Das Land der Frühaufsteher, in dem Johann Sebastian Bach, der Ingenieur Hugo Junkers oder der Homöopath Samuel Hahnemann wirkten, könnte doch auch hier für eine Überraschung gut sein.

Willi Wild

Immer wieder alles auf Anfang

22. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

1. Petrus 1, Vers 3

Vom Weiß des Stoffes war beinahe nichts mehr zu erkennen. Sie hatten sie eingelebt, ihre Taufkleider. Die Täuflinge, die in der Alten Kirche in der Osternacht getauft wurden, trugen die ganze Woche das Gewand der wiedergeborenen Hoffnung. Am Sonntag »Quasimodogeniti« gingen sie nun wieder darin zum Gottesdienst: vorbereitet mit der Taufe, verbunden mit dem Leben. Die erste Woche danach. Was mag alles in den Fasern des Stoffes hängengeblieben sein? Der Staub der Straße? Sicher. Der Schweiß der Arbeit? Sehr wahrscheinlich. Die Abdrücke liebevoller Umarmungen und stürmischer Begrüßungen? Hoffentlich. Der Tropfen Wehmut über das erste Scheitern nach dem Erlöstsein? Auch der gehört dazu … Eingelebt eben.

Quasimodogeniti: Wie die neugeborenen Kinder. Der Gottesdienst am Sonntag nach der Taufe weist auf den Anfang. Immer wieder alles auf Anfang. Seid wie die Kinder: wieder und wieder Anfänger. Lasst den Glauben in euch wachsen, nehmt zu in der Hoffnung, lasst euch seine Barmherzigkeit einfach gefallen. Fragt nicht nach dem Tod, lebt vielmehr mit IHM!

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Nein, keine Romantisierung des Kindlichen, keine Überhöhung, keine Niedlichkeiten lese ich hier. Vorbild sind sie, die Kinder, in ihrem Anfangen, ihrem Neubeginn. Der Petrusbrief malt dieses Bild förmlich vor unsere Augen: »Die Milch des Anfangs, zu der kehrt immer wieder zurück. Stärkt damit euern Glauben.« Das Neugeborene als Vorbild für das gierige Trinken der guten Anfangsspeise – wer in das Gesicht eines gerade sattgetrunkenen Säuglings blickt, der selig einschläft, weiß, was der Briefschreiber meint. Ostern erinnert uns daran: Kein Kleid ist zu eingelebt, zu verschmutzt, zu zerrissen, zu verbraucht – die Taufe setzt alles auf Anfang. Jeder Sonntag trägt die Chance eines solchen Taufgedächtnisses wie ein Taufkleid in sich: Wiedergeborensein zu einer lebendigen Hoffnung. Heute. Gott sei Dank!

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt

Anhalt: Größe im Kleinen

21. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Die Zukunft der kleinsten evangelischen Landeskirche scheint ungewiss. Bis 2025 soll die Evangelische Landeskirche Anhalts verändert werden.

Für Joachim Liebig ist es zum beruflichen Lebensthema geworden. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts kommt aus der zweitkleinsten evangelischen Landeskirche, Schaumburg-Lippe. Seit acht Jahren steht er der kleinsten Glied­kirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor. Gemessen an der Mitgliederzahl der Landeskirche Hannover, mit 2,6 Millionen die größte Gliedkirche im EKD-Verbund, nimmt sich die Zahl der Gemeindeglieder von 34 500 in Anhalt bescheiden aus.

Eine Andacht in der Petruskapelle (Foto) bildet den Auftakt der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Anhalts am 21. und 22. April in Alexisbad im Harz. Das kleine Holzgebäude wurde 1812 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel als Teehäuschen errichtet. Da Alexisbad über keine Kirche verfügte, gab es dort auf Anordnung von Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg Gottesdienste, bevor es schließlich zur Kapelle umgebaut wurde. Foto: Evangelische Landeskirche Anhalts

Eine Andacht in der Petruskapelle (Foto) bildet den Auftakt der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Anhalts am 21. und 22. April in Alexisbad im Harz. Das kleine Holzgebäude wurde 1812 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel als Teehäuschen errichtet. Da Alexisbad über keine Kirche verfügte, gab es dort auf Anordnung von Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg Gottesdienste, bevor es schließlich zur Kapelle umgebaut wurde. Foto: Evangelische Landeskirche Anhalts

In den Nachbarkirchen ist das die Größenordnung für Kirchenkreise. Davon hat man in Anhalt fünf, zu denen rund 150 selbstständige Kirchengemeinden gehören. Neben 54 Pfarrerinnen und Pfarrern sowie 39 hauptamtlich Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst müssen die Landeskirche und ihre Gemeinden eine Verwaltung vorhalten.

Vor 15 Jahren gab es Sondierungsgespräche mit der Thüringer Landeskirche und der Kirchenprovinz Sachsen über eine Kooperation. Am 16. November 2002 lehnte die anhaltische Synode allerdings den Beitritt zu einem mitteldeutschen Kirchenverbund ab und sprach sich damit für den Erhalt der »anhaltischen Identiät« aus. Zeitgleich stimmte damals die Synode der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz mit knapper Mehrheit für einen Zusammenschluss mit der Berlin-brandenburgischen Kirche.

Das Ziel, damit den Protestantismus zu stärken, scheint heute obsolet. Die Mitgliederzahl hat sich seit dem Zusammenschluss 2004 nahezu halbiert und in der öffentlichen Wahrnehmung spielt die schlesische Oberlausitz kaum eine Rolle. Das sind die Befürchtungen und das stärkste Argument der Anhalter, an ihrer Eigenständigkeit festzuhalten. Die Landeskirche ist die einzig verbliebene öffentlich-rechtliche Einrichtung in den Grenzen des Herzogtums Anhalt, wird argumentiert. Im »zusammengesetzten« Bundesland Sachsen-Anhalt habe die 400 Jahre alte Landeskirche eine wichtige identitätsstiftende Aufgabe.

Nach außen wird es allerdings immer schwieriger, die Strukturen zu rechtfertigen. Vor allem die Geber-Landeskirchen halten das kleine Gebilde hinter vorgehaltener Hand für nicht überlebensfähig. Ein Viertel des anhaltischen Haushalts kommt aus dem gemeinsamen Topf des Finanzausgleichs der EKD. Die demografische Entwicklung tut ein Übriges. Die Zahl der Kirchensteuerzahler hat sich seit den Föderationsgesprächen vor 15 Jahren – wie auch in der Nachbarkirche EKM – halbiert. Der Pfeil zeigt weiter nach unten.

Ein Anschluss an eine der Nachbarkirchen scheint, zumindest offiziell, derzeit kein Thema. Anhalt will es aus eigener Kraft schaffen. Der Reformstau müsse aufgelöst werden, so Wolfram Hädicke vom Synodenpräsidium. Dass Anhalt leistungsfähig sein kann, zeigt die Spendenbereitschaft. Bei der jährlichen Aktion von »Brot für die Welt« stehen die Kirchenmitglieder, umgerechnet auf die Gemeindegliederzahlen, im bundesweiten Vergleich an erster Stelle. Auch der Gottesdienstbesuch lässt hoffen. Die Landeskirche Anhalts liegt mit 5 Prozent auf Platz 2, hinter Sachsen, vor Württemberg.

Im Reformationsjahr will das kleine Anhalt ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Als eine der tratitionsreichsten Kulturregionen Deutschlands und bedeutender Schauplatz der Reformation. Mutig organisiert man in Dessau-Roßlau einen Kirchentag auf dem Weg, in der Hoffnung, dass die Mühen mit Publikum belohnt werden.

Die Eigenständigkeit der Landeskirche steht auf der Synode in Alexisbad nicht zur Debatte. Der Tagesordnungspunkt 14, Gesprächsimpuls »Zukunft der Landeskirche« mit Kaffee, lässt allerdings auf mehr als ein gemütliches Beisammensein hoffen.

Willi Wild

Mehr Platz, mehr Licht und neue Pläne

17. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Die Auferstehungskirche in Dessau ist für 250 000 Euro umgestaltet worden. Und die Gemeinde hat bereits weitere Umbau-Ideen.

Einmal links oder rechtsrum oder doch geradeaus? Die zweite oder dritte Tür links? Und wo noch mal war jetzt das Gemeindebüro? Die vergangenen sechs Monate waren für die beiden Pfarrerinnen, die Mitarbeiter und für die rund 800 Mitglieder der Auferstehungsgemeinde im Dessauer Stadtteil Siedlung keine leichte Zeit. Da konnte man schon einmal die Orientierung verlieren. Schließlich hat man es nicht alle Tage, dass eine Kirche einer Großbaustelle gleicht.

Seit dem vergangenen Oktober wurde am Ende der 1920er-Jahre errichteten Gotteshaus gehämmert, gebohrt, Betonwände herausgerissen, Glaswände eingesetzt und ein Anbau gezimmert. Am Palmsonntag konnte die umgebaute Kirche dann offiziell in Betrieb genommen werden. Ein lautes »Ah« und »Oh« schallte durchs Gotteshaus, als die Gäste des Festgottesdienstes erste Blicke in das neue Innenleben nach dem Umbau werfen konnten.

Wo früher ein langer dunkler Flur zum Altarraum führte, ist es jetzt lichtdurchflutet hell. Eine Glasfront lässt Sonne durch und weist den Weg. Dafür verschwanden der dunkle Flur und die angrenzenden Gemeinderäume. Als Winterkirche soll der Bereich hinter dem Haupteingang zukünftig genutzt werden. Das Gemeindebüro wurde in einen neuen Anbau an der Vorderfront der Kirche verlegt.

Für das Gemeindebüro wurde ein neuer Anbau geschaffen: Der Gemeindevorstand freut sich darüber mit Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Berenbruch (2. v. l.) und Pfarrerin Ina Killyen (3. v. r.). Foto: Lutz Sebastian

Für das Gemeindebüro wurde ein neuer Anbau geschaffen: Der Gemeindevorstand freut sich darüber mit Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Berenbruch (2. v. l.) und Pfarrerin Ina Killyen (3. v. r.). Foto: Lutz Sebastian

»Es hat sich definitiv gelohnt, diesen Weg zu gehen«, stellt Ina Killyen, eine der Gemeindepfarrerinnen, fest. Fünf Jahre ist es her, dass der hohe Grundwasserspiegel wieder einmal das Wasser in die Kellerräume der Gemeinde drückte. Wieder den Dreck beseitigen. Wieder die Räume sanieren. Die Kirchengemeinde war dessen müde.

Die Räume im Kellergeschoss wurden zunächst gesperrt. Doch im Erdgeschoss wurde es recht schnell eng. Ein regelrechtes Jonglieren, um alle Gemeindeaktivitäten unter ein Dach zu bekommen.

Ein Umbau musste her. »Wir haben viel diskutiert, geplant, wieder verworfen, neu diskutiert und geplant«, erinnert sich Ina Killyen an eine aufreibende Zeit. Es war der Denkmalschutz, der mehr als einmal einen Strich durch die Rechnung machte. Manche architektonischen Pläne waren danach noch nicht einmal das Papier wert, auf dem sie standen.

Die Wende leitete vor drei Jahren das Magdeburger Architekturbüro »Dr. Ribbert Saalmann Dehmel« ein. Die Architekten haben schon einige Kirchen umgebaut. Auch die Dessauer Auferstehungskirche gehört seit Kurzem zu diesem Portfolio. »Wir haben mit allen Beteiligten hart gerungen«, blickt der ausführende Architekt Friedhelm Ribbert zurück. Der Denkmalschutz gab grünes Licht. Der Bauausschuss der Gemeinde stimmte den Plänen zum Büroanbau und zur neuen Winterkirche zu. Damit konnten auch die nötigen Umbaukosten aufgetrieben werden. Aus Spenden, Eigenmitteln der Gemeinde, Zuschüssen der Landeskirche Anhalts und durch Fördermittel, unter anderem von Lotto Toto und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, wurden die nötigen 250 000 Euro zusammengetragen und innerhalb eines halben Jahres verbaut.

Doch ist das nur eine Etappe. Nach Möglichkeit innerhalb eines Jahres sollen die Außenhülle und das Dachgebälk der Kirche saniert, der Küchentrakt erneuert und hinter dem Altar mit einer Glasfront ein Durchbruch geschaffen werden. Dahinter befindet sich der »Garten Eden« der Gemeinde. »Wir würden vom Eingang über den Altar eine neue Sichtachse zum Kirchgarten freilegen«, erklärt Friedhelm Ribbert. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Insgesamt noch einmal rund 250 000 Euro würden die geplanten weiteren Maßnahmen kosten. Spendenaktionen und Fördermittelanträge laufen bereits.

Die Verschnaufpause zwischen den Baustellen will die Gemeinde intensiv auskosten. »Platzprobleme dürften jetzt der Vergangenheit angehören. Problemlos können mehrere Veranstaltungen parallel laufen«, freut sich die Dessauer Kreisoberpfarrerin und zweite Pfarrerin der Auferstehungsgemeinde, Annegret Friedrich-Berenbruch, über die neue Freiheit. Der Gemeindekalender für die nächsten Monate ist gut gefüllt.

Danny Gitter

Welt in Atem

17. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Musikereignis: Das 19. Deutsche Chorfestival lässt ab 28. April Magdeburg erklingen

Der Zeitpunkt war günstig, als der Magdeburger Domchor vor zwei Jahren Mitglied im Verband Deutscher Konzertchöre (VDKC) wurde. So avancierte er gleich zu einem Gastgeber des 19. Deutschen Chorfestivals, das vom 28. April bis zum 1. Mai 30 Chöre mit mehr als 1 000 Sängerinnen und Sängern in der Elbestadt zusammenführt. Zwölf Konzerte gestalten die »Laienchöre auf professionellem Niveau«, wie Isabel Tönniges sagt. Die Assistentin des Domkantors gehört vor Ort zum Organisationsteam des Festivals. Natürlich freut sie sich besonders, dass sich alle drei Ensembles ihres Chores auch außerhalb des Domes vorstellen können: Die Domsingschule, die Junge Kantorei und der Oratorienchor. »Mit der Untergliederung streben wir eine bestmögliche Förderung der Sänger an. Aber natürlich treten auch alle gemeinsam auf, beispielsweise beim Weihnachtssingen«, erläutert sie.

Zu Hause ist der Magdeburger Domchor natürlich in der Kathedrale. Beim Chorfestival vom 28. April bis 1. Mai singt er jedoch an anderen Orten. Foto: Andre Seifert

Zu Hause ist der Magdeburger Domchor natürlich in der Kathedrale. Beim Chorfestival vom 28. April bis 1. Mai singt er jedoch an anderen Orten. Foto: Andre Seifert

Am Chorfestival teilnehmen dürfen Mitglieder des VDKC, außerdem einige Chöre aus Magdeburg und Umgebung als Gastgeber. Die Ensembles meldeten sich mit ihren Programmen an; der künstlerische Leiter Reinhold Stiebert stellte das Programm zusammen und Ange Langhoff hält die organisatorischen Fäden des Großprojekts in den Händen. Dazu gehören nicht nur die Konzerte. »Wir wollen den Chorgesang direkt zu den Magdeburgern bringen. Deshalb gibt es einen choreografierten Flashmob in einem Einkaufszentrum, treten Chöre auf dem Alten Markt und an anderen Orten in der Innenstadt auf«, kündigt Isabel Tönniges an. Einige Ensembles werden Stadtführungen mit einem Ständchen bereichern. Gospel-, Kinder- und Jugendchöre, Sänger mit und ohne kirchlichen Hintergrund sind dabei. Da Gesang und Gottesdienst eng verwoben sind, werden einige Ensembles am Sonntag ausschwärmen, um die Gottesdienste in acht Kirchen in und um Magdeburg zu bereichern und zugleich noch tiefer in die Atmosphäre der Gastgeberstadt einzutauchen. »Vielleicht sind die dann etwas besser besucht als sonst«, schmunzelt Isabel Tönniges. Geistlich geht es auch bei den »Sakralen Klangsphären« zu, mit denen Chöre aus Biederitz, Limburg, Hannover, Wernigerode und Versmold das gerade begonnene junge Konzertformat einer monatlichen Motette in Magdeburg bereichern.

Im Jahr des Reformationsjubiläums und im 250. Todesjahr von Georg Philipp Telemann, der in Magdeburg geboren wurde, widmet sich das Programm des Festivals natürlich auch diesen Themen. Telemanns Musik erklingt in mehreren Konzerten. Die Reformation spielt beim »Nachtgesang III« mit Werken von Brahms, Purcell und Schütz – dargeboten von voces cantantes Mainz, dem Europäischen Kammerchor Köln und den Hallenser Madrigalisten – eine Rolle.

Unter dem Festivaltitel »Welt in Atem« singen der Cäcilienchor Frankfurt, der Leipziger Kammerchor und die Singakademie Dresden Chormusik zwischen Reformation und Revolution. Der Kinderchor und der Jugendkammerchor der schola cantorum weimar, der Kammerchor der Technischen Universität Ilmenau und das Vocal Concert Dresden gestalten festliche Konzerte ebenso wie lockere Programme für Familien.

Den weitesten Weg dürften die Stuttgarter Choristen zurücklegen, um in der Festivalatmosphäre den Gedanken- und Erfahrungsaustausch zu pflegen, Kontakte zu erneuern und natürlich um sich zu präsentieren. »Mit dem Podium Junger Gesangssolisten bietet das Festival auch einen kleinen Wettbewerb, der vor allem den Solisten die Möglichkeit geben soll, sich den Chören vorzustellen«, ergänzt Isabel Tönniges die Ziele des Festivals, das der VDKC etwa alle vier Jahre ausrichtet.

Renate Wähnelt

Karten und Informationen:

www.vdkc.de/dcf2017

Frühjahrsmesse mit Gottesdienst

17. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Foto: Uli Lücke

Foto: Uli Lücke

Die Schaustellersaison in Mitteldeutschland ist eröffnet. Auf der Magdeburger Frühjahrsmesse feierte Conrad Herold (Foto), Landespfarrer für Circus- und Schaustellerseelsorge der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), einen Gottesdienst auf dem Autoscooter der Familie Engelbrecht. Beteiligt waren die evangelische Kirchengemeinde St. Briccius und Immanuel und die Trinitatisgemeinde.

Bereits Ende März ist die Saison beim »Erfurter Altstadtfrühling« mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Domplatz eingeläutet worden. »Mit dem Frühling kommen die Schausteller aus der langen Winterpause zurück. Zum Start in die neue Saison ist für viele dieser Gottesdienst wichtig. Mit Gottes Segen fühlen sie sich getragen und gehen gestärkt die neuen Aufgaben an«, so Pfarrer Herold. Er begleitet Zirkusleute, Schausteller und Marktkaufleute seelsorgerisch.

Die Schlüsselfrage ist geklärt: Der Himmel steht offen

16. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

Der Schlüssel ist übergroß, sein geschmiedeter Bart wird durch ein Kreuz geziert. Wer den Schlüssel in die Hand bekommt, weiß sofort: Hiermit kann nur eine Kirchentür geöffnet werden. Die mächtige Holztür knarzt beim Schließen. Ich lausche auf das Geräusch des Schlüssels im altertümlichen Schloss. »Ach, wie schön«, sage ich zum neben mir stehenden Küster, »noch keine Schließanlage, deren Schlüssel sich an meinem Bund von keinem einer Bürotür unterscheidet!« Der Mann schmunzelt »Braucht es auch nicht, Frau Pfarrer, solch ein Schloss ist schwerer zu knacken als ein Sicherheitsschloss. Die Alten haben gewusst, was sie taten!« Er hält mir die Tür auf und vergräbt den Schlüssel wieder tief in seiner Manteltasche. Sicher ist sicher.

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Die Schlüsselfrage ist eine Machtfrage. Wer den Schlüssel hat, erhält ungehindert Eintritt, muss nicht andere um Erlaubnis fragen. Wer den Schlüssel hat, bestimmt, wer drin ist und wer draußen bleiben muss. Wer den Schlüssel hat, kann einsperren und befreien.

Zu Ostern wird die Schlüsselfrage ein für alle Mal geklärt: Er, der Christus Gottes, überlebt den Tod und geht durch die Hölle. Den Schlüssel hält er fest in seiner Hand. »Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?« singt uns das Brahms’sche Requiem aus der vagen Hoffnung der Totenmesse in die feste Gewissheit der Osternacht hinüber.

Im Buch der Heilpflanzen von Hildegard von Bingen wird die Schlüsselblume beschrieben. Sie blüht als eine der ersten Frühlingsblumen und ergießt ihr Sonnengelb zu Ostern in Wälder und über Wiesen. Hildegard beschreibt die wohltuende Wirkung der Pflanze, von der man alle Teile nutzen kann. Sie preist die Blume als Wunder der guten Schöpfung Gottes und tauft sie »Himmelschlüssel«. Mit ihren Blüten, in deren Anordnung man einen Schlüsselbund erkennen kann, erinnert sie uns daran:

Seit Ostern steht uns der Himmel offen. Die Schlüsselfrage ist geklärt!

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Der besondere Osterspaziergang

16. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Den Emmausweg am Ostermontag gehen Altenburger Christen seit 18 Jahren

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick. Im Tale grünet Hoffnungsglück.«

Wer kennt ihn nicht, den »Osterspaziergang« aus Goethes Faust? Getreu den Worten des großen Dichters machen sich vielerorts zum Osterfest die Menschen auf den Weg, um sich an der erwachenden Natur und der Auferstehung Christi zu erfreuen. Eine besondere Form des Osterspaziergangs ist der Emmausweg, der auf einer Erzählung aus dem Lukasevangelium beruht. Im Mittelpunkt stehen zwei Jünger, die auf ihrem Weg von Jerusalem ins Dorf Emmaus Jesus begegnen und ihn zunächst nicht erkennen.

Zu den Kirchengemeinden, die diesen Brauch stets am Ostermontag pflegen, gehört Altenburg (Kirchenkreis Altenburger Land). Was vor 18 Jahren als kleine Wanderung begann, hat sich zur Tradition entwickelt.

Wie diese Wandergruppe machen sich auch in diesem Jahr Christen auf, um den Emmausweg in Altenburg zu gehen. Foto: Ilka Jost

Wie diese Wandergruppe machen sich auch in diesem Jahr Christen auf, um den Emmausweg in Altenburg zu gehen. Foto: Ilka Jost

Ins Leben gerufen wurde der Brauch vom damaligen Pfarrer Michael Wohlfarth. Der Brunnen vor der Brüderkirche, noch heute Startpunkt, war damals gerade wieder in Gang gesetzt worden. »Am 5. April 1999 machten wir uns das erste Mal auf den Weg nach Kosma, wo gemeinsam Gottesdienst gefeiert und zum anschließenden Osterschmaus geladen wurde. Die Kirche war voll, auch der Pfarrhof. Meist waren wir etwa zwanzig Wanderer, mal mehr, mal weniger. Zum Gottesdienst kamen ja noch die Kosmaer hinzu«, erinnert sich der heute in Berlin lebende Pfarrer.

Startpunkt, Ziel und Ablauf sind all die Jahre gleich geblieben. In diesem Jahr ist Prädikantin Birgit Kamprath für die Gestaltung des Pilgerweges verantwortlich. Beginn ist wie immer am Ostermontag um 13.15 Uhr. Nach musikalischer Einstimmung am österlich geschmückten Brüderkirch-Brunnen laufen die »Emmaus-Wanderer« durchs Stadtzentrum, am Großen Teich und Stadtwald vorbei. Über einen idyllischen Feld- und Wiesenweg geht es entlang des Flüsschens »Blaue Flut« ins drei Kilometer entfernte Kosma zum Gottesdienst mit anschließendem Kaffeetrinken.

Pfarrer Sandro Vogler, seit Januar Pfarrer in Altenburg, kennt die Tradition des Emmausweges von seiner Pfarrstelle in Zossen. Dort hatte die Evangelische Jugend des Kirchenkreises im vorigen Jahr eine solche Tour organisiert. »Die Resonanz war sehr positiv. Im Kontrast zum Kreuzweg begeht man hier sprichwörtlich die Auferstehung: von der Trauer und Niederlage zur neuen Hoffnung und Gewissheit«, so Pfarrer Vogler.

Ilka Jost

Auferstehung in Rösa

15. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Rösa hat eine beeindruckende, doch bislang namenlose Dorfkirche. Zur Osternacht ändert sich das: Das Gotteshaus wird zur Auferstehungskirche. Im Reformationsjahr erhalten weitere Kirchengebäude einen Namen.

Christus kommt zu uns auf Wegen, die wir nicht immer nachvollziehen können. Keiner weiß, welche verschlungenen Pfade die geschnitzte Christus-Figur genommen hat, bis sie eines Tages im Pfarrhaus von Pouch bei Bitterfeld gefunden wurde, nach Rösa kam, restauriert wurde und nun an der Südseite der Apsis in der kleinen, aber mächtigen Dorfkirche hängt. Christus ist ein Torso, die Arme sind verloren gegangen. Ein Geschundener. Auf den ersten Blick. »Denn steht man vor ihm, merkt man: Ihm fehlt nichts«, sagt Pfarrer Albrecht Henning. »Er ist schon hindurch. Ostern ist erkennbar, spürbar.«

Die kleine Dorfkirche von Rösa im Frühlingslicht. Zur Osternacht wird dem bislang namenlosen Gotteshaus der Name »Auferstehungskirche« gegeben. Foto: Thomas Klitzsch

Die kleine Dorfkirche von Rösa im Frühlingslicht. Zur Osternacht wird dem bislang namenlosen Gotteshaus der Name »Auferstehungskirche« gegeben. Foto: Thomas Klitzsch

Besonders in Rösa. Die Gemeinde gehört zum Pfarrbereich Krina im Kirchenkreis Wittenberg. Von neun Kirchen hatte bis auf die Barockkirche Burgkemnitz keine einen Namen. Welchem Heiligen das Gebäude einst gewidmet wurde, lässt sich nicht belegen. Das Landeskirchenamt fand keine Zeugnisse, auch nicht aus vorreformatorischer Zeit. Während also im nahen Wittenberg das 500. Reformationsjubiläum mit viel Aufwand und Hunderten Veranstaltungen gefeiert wird, starten die Christen im Pfarrbereich Krina ihre eigene Erneuerungsbewegung: Sie geben ihren namenlosen Kirchen Namen.

Der Christus-Torso im Chorraum (re.) gab den Anstoß für Namenswahl und künstlerische Ausgestaltung. Fotos: Thomas Klitzsch, Katja Schmidtke

Der Christus-Torso im Chorraum (re.) gab den Anstoß für Namenswahl und künstlerische Ausgestaltung. Fotos: Thomas Klitzsch, Katja Schmidtke

Zu Ostern wird Rösa zur Auferstehungskirche. Der Gottesdienst am Karsamstag beginnt um 22.30 Uhr. Bereits zum dritten Mal wird die Auferstehung Jesu auf diese Weise so in Rösa gefeiert. In diesem Jahr werden zwei Kinder getauft – und die Kirche erhält ihren Namen. Eine Woche später bekommt dann die Kirche in Krina den Namen Trinitatiskirche. Die bisherige Barockkirche Burgkemnitz wird am 25. Mai wegen ihres Deckengemäldes umbenannt in Barockkirche Christi Himmelfahrt. Mit einem Wandelkonzert am 19. August feiert die Gemeinde die Benennung der Kirche Gröbern als Elisabethkirche.

Und zum Tag des offenen Denkmals wird die Dorfkirche Schwemsal zur Erlöserkirche – hier gibt es ein modernes Gemälde, das auf die Himmelsleiter anspielt. Zu Erntedank am 30. September erhält die Marienkirche Schlaitz ihren Namen. Noch offen sind Termine zur Namensgebung der Christuskirche in Schköna und der Dornbuschkirche in Hohenlubast. Bereits ihren Namen erhalten hat die Christophoruskirche in Gossa. Die beiden historischen Ritzzeichnungen ergänzte Jochem Poensgen mit einem Glasfenster.

»Auferstehungskirche« – damit verbindet Hans-Ulrich Eckardt auch die jüngste Geschichte des Gebäudes. Rösa liegt im Braunkohlengebiet; zu DDR-Zeiten gab es Pläne, das Dorf zu überbaggern, die Kirche war ruinös. Erst Ende der 1980er-Jahre genehmigte der Staat eine Sanierung. »Aber nur mit eigenen Mitteln«, erinnert sich Hans-Ulrich Eckardt. Von 1988 bis 1993 arbeiteten die Rösaer an ihrem Gotteshaus. Eine auferstandene Kirche.

Die Auferstehung Jesu greift im Kircheninneren nicht nur der Christus-Torso auf. Ausgehend von ihm hat der Künstler Sven Göttsche ein Apsisfenster sowie ein Altarkreuz und zwei Leuchter geschaffen. Sven Göttsche erinnert sich noch wie heute, wie er die Figur zum ersten Mal sah. Eigentlich hatte der Druckgrafiker, Bildhauer und Glaskünstler, der direkt gegenüber der Kirche wohnt, gerade den Entwurf für das Fenster vorgestellt, Pfarrer und Gemeinde waren zufrieden. Dann sah Göttsche den Christus. »Das war für mich als Künstler ein Schock, weil mein Fenster-Entwurf mit dieser Figur nicht zusammenging. Andererseits war dieser Christus beeindruckend. Das war kein Korpus am Kreuz. Seine Armlosigkeit hat etwas Raketenhaftes. Er hat mich zum Gespräch herausgefordert«, erinnert sich der Künstler.

Er verwarf seinen ersten Entwurf, begann die Arbeit neu – mit dem Christus-Torso als Leitmotiv. Die Umrisse der spätgotischen Schnitzerei sind im Fensterbild zu erkennen, ebenso wie im Altarkreuz. Auch hier ist Jesus nicht der Leidende, das Kreuz kein Marterwerkzeug, sondern Hoffnungszeichen. Die Kerzenleuchter hat Sven Göttsche als stilisierte Hände gestaltet, die das Licht bringen. Auch sie sind vom Kreuz gelöst.

Der Künstler lädt dazu ein, Kreuz und Leuchter zu erkunden, Anfassen ausdrücklich erwünscht. Das hilft, Ostern zu begreifen. Das große Geheimnis der Auferstehung, das, so sagt Pfarrer Albrecht Henning, so schwer in Worte zu fassen ist.

Katja Schmidtke

Kirchennamen – woher sie kommen

95 Prozent der Kirchen erhielten ihren Namen im Mittelalter, berichtet Dr. Bettina Seyderhelm, Kirchenkonservatorin im Referat Kunst- und Kulturgut bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die Benennung ging meist mit Reliquienbesitz einher.

Auch regionale Besonderheiten spielen eine Rolle: So gibt es im Kirchenkreis Halberstadt viele Gotteshäuser, die dem Heiligen Stephanus geweiht sind. Eine detaillierte Statistik hat die EKM nicht, aber die »Hitliste« der Kirchennamen führen St. Nicolai, St. Johannis, St. Michaelis und Maria sowie Dreifaltigkeitskirche an.

Osterwort

15. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Aus dem Dunkel kommen sie, Maria von Magdala und die andere Maria. Wie ein Leichentuch liegt dieses Dunkel über ihnen, seit Jesus gekreuzigt wurde und gestorben ist. Erstarrt in Schreck und Trauer sind sie. Sie können nicht fassen, dass alles zu Ende sein soll, sein Leben und ihr Leben mit ihm.

Zwei von ihnen machen sich auf den Weg. Sie waren mit den anderen Jüngerinnen in Jesu Nähe geblieben – auch als er gekreuzigt wurde, auch als er starb, auch als er begraben wurde. Die Jünger flohen, einzig die Frauen waren geblieben. Während die Männer noch im Dunkel ihres Versagens, ihrer Scham und ihrer Angst verharren, machen die Frauen sich schon auf den Weg. Die Liebe zu ihm setzt sie in Bewegung. Noch einmal wollen sie ihn berühren. Den Geruch des Todes wollen sie von ihm nehmen mit wohlriechenden Ölen.

Als sie zum Grab kommen, gerät die Welt aus ihren Fugen. Die Erde bebt. Ein Engel erscheint. Die Wächter erstarren vor Angst und Furcht. Und die Frauen? Der Engel schickt sie auf den Weg, die frohe Botschaft zu verkündigen: Der Gekreuzigte ist auferstanden! Ostern setzt in Bewegung und lässt herauskommen aus dem Dunkel von Leid und Not, Versagen und Schuld.

Ostern sendet uns auf den Weg des Lebens, hin zu Menschen, denen es übel ergeht: hin zu Kranken, Flüchtlingen, Kindern in Armut, Obdachlosen. Ostern lässt wider alle Vernunft hoffen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Frohe, bewegte Ostern wünsche ich Ihnen allen!

Ihre Landesbischöfin
Ilse Junkermann

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