Luther nicht verwässern

2. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Das Reformationsjubiläum in diesem Jahr soll ein Christusfest werden; die Erinnerung an Martin Luthers legendären Thesenanschlag vor 500 Jahren soll ein Zeichen der Ökumene sein. Mit diesen Zielen sind die Organisatoren aus der evangelischen Kirche angetreten. Und die Katholiken ziehen mit. Ein ökumenischer Versöhnungsgottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und dem katholischen Bischof Ulrich Neymeyr am Sonntag im Kloster Volkenroda zeugte davon.

Aber passen Luther und Ökumene zusammen? Eigentlich ja, denn Luther wollte die christliche Kirche nicht spalten. Andererseits nein, denn seine Erkenntnisse von Gottes Gnade, der Freiheit eines Christenmenschen, dem Sakramentsverständnis sowie der Fehlbarkeit des Papstes müssen unverwässert bewahrt bleiben – solange wir uns noch evangelisch-lutherische Kirche nennen wollen.

Wenn nun namhafte Theologen ihre Kritik an der EKD äußern, das Reformationsjubiläum im Zeichen der Ökumene zu verwässern, dann lässt das aufhorchen. Wir dürfen in diesem Jahr die Vielfalt christlicher Kirchen feiern, die Luther ermöglicht hat. Wir dürfen feiern, dass wir trotzdem eine Familie sind, auf Christus bezogen.

Diesen Familiengedanken leben gerade auch viele Kirchengemeinden. Denn Lutheraner nutzen dieses Jahr für vertiefte Beziehungen zu ihren katholischen Nachbarn, laden sie zu Themen in die Gemeinde ein oder diskutieren im Kirchenvorstand mit ihnen. Das ist gelebte Ökumene, Miteinander statt Nebeneinander, das uns gut tut – auch im 500. Jahr der Reformation. Aber vergessen wir dabei nicht, was der Anlass für dieses Jubiläum ist!

Uwe Naumann

Der Autor ist Redakteur bei »Der Sonntag«, der Kirchenzeitung in Sachsen.

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Reaktionen unserer Leser

12 Lesermeinungen zu “Luther nicht verwässern”
  1. Albrecht IV. von Mansfeld sagt:

    “….eine Familie auf Christus bezogen? — die Vielfalt feiern” also Herr Naumann, Sie merken nichts mehr oder…Brennst Du? Aber immer noch alle Tassen im Schrank?
    30 000 christliche Denominationen im Dauerstreit, immer wieder neue Brüche…und da schreiben Sie etwas von Vielfalt feiern!!! Wie irre kann man noch sein, um solchen Humbug als intelligente theologische Meinung zu verkaufen.Ich glaub es noch…es schneit im Mai….

  2. Friedemann Neef sagt:

    Der Tonfall so einer “Lesermeinung” wie von “Albrecht IV.” geht gar nicht: Meinungsfreiheit heißt nicht, dass man in unflätiger abschätziger Weise andere herabwürdigen kann. Zuerst setzt Meinungsfreiheit Respekt und Toleranz anderen Meinungen gegenüber voraus. Alles andere ist – wenn auch allgemein üblich jetzt – unteres Stammtischniveau, und auf solcher Grundlage sind sinnvolle Diskussionen nicht möglich.
    Es ist bedauerlich, dass so etwas auch in einer christlichen Zeitung möglich ist, zu deren Geist es ja nun überhaupt nicht passt.
    Warum greift da die Redaktion nicht ein – wie bei anderen seriösen Zeitungen auch ?

  3. Johannes Lehnert sagt:

    Vielen Dank, Friedemann Neef,
    ich befürchte nur, es wird nichts nützen. Respekt geht leider auch in Leser-Meinungen bei G + H verloren.
    Mit freundlichem Gruß
    Johannes Lehnert

  4. Matthias Weinert sagt:

    Meine Herren, ich bitte Sie. Ich gebe Ihnen Recht, dass das Synonym Albrecht sehr impulsiv geschrieben hat. Wir wissen nicht, welche schlechten Erfahrungen er mit der Ökumene gemacht hat. Möglicherweise hat er seine erste Erregung niedergeschrieben ohne noch mal darüber zu schlafen. Das wäre besser gewesen. Sie sollten sich aber daran gewöhnen, dass Christen und Meinungsäußerer auch Menschen vom Stammtisch sein können. Oftmals tun und reden Bischöfe gern Sachen, die müssen die Basis einfach zur Erregung bringen. Es ist dann Sache der Lebenserfahrenen, die Aufregung wieder runterzukühlen und trotzdem den Dialog zu suchen. Abwinken und abfällig reden, vertieft die Gräben nur. Vielleicht hat Albrecht auch noch den Fernsehgottesdienst mit Bedford-Strohm und Marx in Hildesheim gesehen. Also nach so viel Unsinn muss man auch überschäumen. Ich persönlich wünsche mir, dass Kirchenvertreter einmal Charakter und Haltung zeigen, auch mal was gegen die politische Korrektheit sagen und eben nicht jedes Theater mitspielen.

  5. Leser sagt:

    Wer mich kennt (kennen gelernt hat) weiß, daß auch ich mich manchmal kaum noch zwingen, nicht auszuflippen. Ich kann deshalb den Mansfelder verstehen.
    Matthias Weinert hat recht, wenn er darauf hinweist, daß der viele Unsinn, den viele “Bischöfe” in letzter Zeit so absondern. dazu animiert, auf die Palme zu gehen. Da kommen einem schnel auch die Gedanken, daß man als gläubiger Christ dagegen aufstehen muß und laut Augsburger Bekenntnis diesen Herren die Folgschaft verwigern muß.
    P.S. Auch Herr Lehnert ist schon des Öfteren wegen seiner “freundlichen” Art in so manchem Forum aufgefallen, abgemahnt und gelöscht worden!
    Wir sind eben alle nur Menschen!

  6. Gert Flessing sagt:

    Wir sollten alle “nur” Christen sein. Christen leben in der Nachfolge.
    Nachfolge wird bestimmt von Liebe.
    Liebe aber trägt alles und duldet alles. Sie eifert nicht.
    Christen “flippen nicht auf”.
    Da sie in Gott ruhen, und dort fest verankert sind, bleiben sie auf dem Teppich und gehen nicht auf die Palme.
    Wir haben einen Herrn. Das ist Jesus, der Christus. Anderen Herren schulden wir keine Gefolgschaft.
    Von daher nehmen wir wohl den Unsinn wahr, der oft so geredet und geschrieben wird.
    Aber wir kommentieren ihn höchstens mit Worten, die von Vernunft geprägt sind, vom Glauben getragen und von Liebe formuliert.
    Doch all das scheint mir oft, auch bei Christen Mangelware zu sein.
    Also, Ihr Lieben, fern von allem weltlichen Gezänk, besinnt Euch auf den Herrn. Er wird Euch Kraft geben.
    Gert Flessing

  7. Leser sagt:

    Nein, man kann und darf als Christ nicht Alles mit Liebe zudecken. Es gibt irgendwo auch Grenzen. Und wenn unsere “Hirten” unchrichtlichen und unbiblischen Unsinn verbreiten, haben wir als gläubige Christen die Aufgabe, dem zu widersprechen und (laut Augsburger Bekenntnis), diesen Leuten die Gefolgschaft zu verweigern/ sie abzusetzen!

  8. Matthias Weinert sagt:

    Hier stimme ich Herrn Leser zu, wenn er sich auf die Reformatoren bezieht. So ähnlich verstehe ich auch Art. 20 Abs. 4 GG. Aber schon allein darin, dass gem. § 93b BVerfGG der Rechtsweg ohne Begründung beendet werden kann, ist dieser GG-Artikel schon wieder lahm gelegt. Gerechtigkeit kann es auf Erden eben nicht geben, auch nicht in der BRD der guten Menschen. Das sollte sich manche/r rote/r Moralapostel/in auch mal demütig eingestehen.
    Weil das schon immer so war, stoßen auch die menschlichen Lehren der klugen Reformatoren an ihre Grenzen. Ich meine damit, letztlich entscheidet jemand anderes, wer geirrt und wer dagegen “das Evangelium rein gepredigt” hat. Die Wahrheit und die Gerechtigkeit erfahren wir erst, wenn es für alles andere zu spät ist. Bis dahin sind wir alle neben der Schrift nur unserem Gewissen verpflichtet. Offenbar sehen Christen das sehr verschieden. Die einen sind in der Toleranz großzügiger, die anderen kleinlicher. Art. 28 CA erlaubt es Bischöfen, kleinlicher zu sein und den Bann auszusprechen, mit Worten. Das reicht aber schon, um Menschen in ihrem sozialem und beruflichen Umfeld kaputt zu machen. Sie schüren Hass und Zwietracht und nehmen in Kauf, wenn die Antifa “die weltliche Macht” (CA28) ausführt. Mit solchen Bannmaßnahmen sollte man jedoch sorgsam umgehen, weil eben auch Bischöfe irren können (bspw. was den Umgang mit kirchenfeindlichen Religionen angeht). Ich habe allerdings den Eindruck, am Bann und Exkommunikation hat mancher Kirchenherr in diesen Tagen seine Freude. Endlich mal wieder mediale Aufmerksamkeit! Endlich mal wieder Macht!

  9. Gert Flessing sagt:

    Wer entscheidet, über das, was richtig ist und was falsch? Es bleibt entscheidend, was Jesus dazu zu sagen hat.
    Als Christen leben wir in dieser Welt. Aber diese Welt haben wir, mit Christus, ein Stück weit, überwunden.
    Das bedeutet nicht, das wir nicht in sie hinein wirken. Unser Zeugnis des Evangeliums ist, für diese Welt wichtig.
    Das bedeutet nicht, alles “mit Liebe zudecken” zu wollen, Joachim. Wenn du mich so liest, hast du mich missverstanden.
    Aber auch meine Kritik kann ich so formulieren, das sie deutlich ist, ohne verletzend zu sein.
    Es ist nicht die Aufgabe von Menschen, die Kirche leiten, Politik zu machen. Das bedeutet nicht, das sie zu allem schweigen müssen. Es bedeutet aber sehr wohl, das sie gehalten sind, nicht Partei zu ergreifen, sondern nach Vermittlung zu suchen. Das, was dem Frieden dient, haben sie zu suchen und zu sagen.
    Wer sich da mit Radikalen gemein macht und sie unterstützt, der ist auf dem Holzweg.
    Politische Entscheidungen von Menschen zu verdammen, ist auch nicht die Aufgabe der Kirche. Schon gar nicht, den “Bann” zu werfen.
    Vor derartigem Getue würde ich mich, auch als Bischof, schwer hüten.
    Gert Flessing
    (Pfarrherr zu Lunzenau; Fürstbischof zu Groß Mützenau)

  10. Matthias Weinert sagt:

    Lieber Br. Flessing, ich stimme Ihnen zu. Danke.
    Zur Klärung: mit “jemand, der über richtig und falsch entscheidet” meine ich den, “der auf dem Richterstuhl sitzt” und “Schafe von Böcken trennt”.
    Und mit “Bann” meine ich nicht die Strafe, für die es sicher kirchenrechtliche Bestimmungen gibt. Ich meine es sinngemäß, wenn Bischöfe festlegen, wer Christ ist und wer nicht; welche Weltanschauung und Meinung Christen haben dürfen. Dann verknüpfen sie progressive, zeitgeistangepasste Parteiprogramm mit dem Evangelium. Ich denke, das ist manchmal schon Missbrauch. Mit dieser hartherzigen Denkweise dann über Menschen abfällig zu werten, die verzweifelt versuchen, das Alte und Bewährte (Familien, Sicherheit, auch Kirche und Christenheit) zu bewahren, hat wenig mit Vermittlung, Frieden und Liebe zu tun. Wenn diese Kirchenherren andere Lösungen haben, um die Christenheit und bewährte Traditionen in Europa zu erhalten, würden sich viele Menschen auch überzeugen lassen. Aber Abgrenzung mit Ausgrenzung zu beantworten und weiterhin Gemeinden zurückzubauen, Personal zu sparen und Bündnisse mit Radikalen zu suchen, ist nicht besser als was man Populisten vorwirft.

  11. Leser sagt:

    Lieber Gert,ich stimme doch Die und Matthias zu!
    Ihr habt doch Recht , daß Vieles, was unsere “Oberhirten” und Ihre angestellten Sups. usw, (wie z.B. aktuell in Köln!) veranstalten und äußern, schon Missbrauch ist! Und wenn das fortlaufend und vorsätzlich passiert, fällt es eben immer mehr bibelfesten (Noch)kirchenmitgliedern, schwer, darauf freundlich und mit Liebe zu reagieren. Nein, es ist (auch laut Augsburger Bekenntnis) ihre Pflicht, dagegen aufzustehen, den “Hirten” die Gefolschaft zu verwiegern und “Amtsenthebeungsverfahren” anzustreben!

  12. Matthias Weinert sagt:

    Wie ich eben aus den DLF-Nachrichten erfahren habe, bekommen einige Bischöfe in D. ihr Gehalt aus dem Staats-Etat, zusätzlich zu den anderen Staatsleistungen. Sie, meine Herren, wussten das, ich nicht. Jetzt gehen mir die Augen auf. Das erklärt natürlich die Loyalität einiger Zahlungsempfänger gegenüber der Staatsregierung und der alten Parteien. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Das gilt für jeden Lehrer, Polizisten und Behördenleiter auch.
    Zwar haben auch Kirchenvertreter diesbezüglich schon Änderung angeregt, wie ich las, doch können die Landesregierungen kein Interesse daran haben, sich diesen Einfluss auf die Kirchenschäflein nehmen zu lassen. Also bleibt alles, wie es ist.

    Ich will hier kein neues Diskussionsthema aufmachen, ich wollte nur mein Aha-Erlebnis mit Ihnen teilen.

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