Ein Frühlingstraum: Mit Jesus einen Drachen steigen lassen

8. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Johannes 3, Verse 14 und 15

Mit Jesus ist das so, wie wenn man einen Drachen steigen lässt. Man liegt an einem sonnigen Frühlingstag am Strand, den Drachen an der Leine. Er kreist über meinem Kopf. Bunt bemalt am blauen Himmel. Die Sonne blendet ein wenig. Man erkennt ihn kaum. Die Sonnenstrahlen kitzeln auf der Haut. Meine Lippen schmecken nach Salz. Ich schließe die Augen. Ich brauche sie nicht, um zu wissen, dass der Drachen seine Runden über mir kreist. Ich bin frei. Erlöst. Befreit von allen Gedanken des Alltags. Denn hier kann ich ich selbst sein.

Ich lasse meinen Drachen seinen eigenen Weg fliegen. Sanft lenkt der Wind seinen Flug. Über die Schnüre lenkt er meine Hände. Es ist gar nicht so einfach, sich einmal lenken zu lassen. Zu vertrauen, dass der Drachen am Himmel schon einen Weg findet. Ich habe Angst, dass er herunterfällt. Dabei habe ich vergessen, dass es nicht der Drachen ist, der mich braucht, sondern ich brauche ihn. Denn er lässt sich auch ohne mein Zutun vom Wind tragen. Doch meine Last vergesse ich nur, wenn ich mich durch ihn führen lasse.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Leichtigkeit durchströmt mich. Wie von allein heben sich meine Arme empor. Ich erhöhe ihn, indem ich Gottes unfassbare Größe auf mich wirken lasse und mich selber dabei klein mache. Gelenkt durch ihn zieht mein Leben ungeahnte Kreise. Und dann kann ich glauben. Und hoffen. Gerade in dieser vorösterlichen Zeit hoffe ich auf Gottes allumfassende Liebe, die er uns Menschen entgegenbringt. Mit der er uns verzeiht, dass wir es doch waren, die seinen eingeborenen Sohn ans Kreuz schlugen. Und nun blicken wir zu ihm empor. Demütig und voller Ehrfurcht.

In der Sonne dreht der Drachen seine Kreise. Ungelenkt. Befreit. Lebendig. Der Blick verliert sich im strahlend blauen Himmel. Plötzlich höre ich eine Stimme: »Nächster Halt: Gotha Hauptbahnhof. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts.« Ich öffne meine Augen und steige aus. Hinein in den Alltag. Dankbar für meinen Traum.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Reaktionen unserer Leser

3 Lesermeinungen zu “Ein Frühlingstraum: Mit Jesus einen Drachen steigen lassen”
  1. Gert Flessing sagt:

    Ähm, ja. Was wir so träumen.
    Hier also Drachen fliegen lassen. Sicher, im Traum fliegt er schon so, von allein, völlig schwerelos…
    Träume sind…
    Ist das Kreuz Jesu ein Traum?
    Menschen haben den, der ohne Schuld war, an das Kreuz geschlagen.
    Dieses Kreuz ist, auch heute noch, für manche eine Torheit und für manche anderen ein Ärgernis.
    Es ist etwas, was durchaus auch weniger ein Traum, als ein Alptraum ist.
    Es waren römische Legionäre, welche die Nägel eingeschlagen haben. Männer, für die derjenige, der dort gequält wird, um Vergebung bittet.
    Ich denke an die Frage des Petrus, wie oft man vergeben soll.
    Nein, ich halte die Metapher, wir würden ihn ans Kreuz geschlagen haben, für fragwürdig.
    Aber wir leben oft genug so, auch als Kirche, als wäre dieses Kreuz nichts, als wäre es nicht existent oder nicht wichtig.
    Empor blicken? Wir sollten es in die Mitte nehmen, in die Mitte unseres Lebens und in die Mitte unserer Kirche. Jesus ist genau in diesem Kreuz ganz und gar runter gekommen, in unsere blutigen Niederungen. Es ist Liebe, die Gott in ihm dazu trieb.
    Unsere Antwort sollte ebenfalls Liebe sein, bedingungslos und offen, für den Gott, der sich hingibt und für den Menschen, der unsere Hingabe braucht.
    Gert Flessing

  2. Leser sagt:

    “Aber wir leben oft genug so, auch als Kirche, als wäre dieses Kreuz nichts, als wäre es nicht existent oder nicht wichtig”
    Wir haben inzwischen “Bischöfe”, die es verleugnen (abnehmen)!

  3. Britta sagt:

    Wörtlich genommen wäre es aber auch mal eine Idee für Konfirmandenstunde oder Christenlehre: einen Missionsdrachen bauen und fliegen lassen, so über aller Köpfe… Das merke ich mir…