Osterwort

15. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Aus dem Dunkel kommen sie, Maria von Magdala und die andere Maria. Wie ein Leichentuch liegt dieses Dunkel über ihnen, seit Jesus gekreuzigt wurde und gestorben ist. Erstarrt in Schreck und Trauer sind sie. Sie können nicht fassen, dass alles zu Ende sein soll, sein Leben und ihr Leben mit ihm.

Zwei von ihnen machen sich auf den Weg. Sie waren mit den anderen Jüngerinnen in Jesu Nähe geblieben – auch als er gekreuzigt wurde, auch als er starb, auch als er begraben wurde. Die Jünger flohen, einzig die Frauen waren geblieben. Während die Männer noch im Dunkel ihres Versagens, ihrer Scham und ihrer Angst verharren, machen die Frauen sich schon auf den Weg. Die Liebe zu ihm setzt sie in Bewegung. Noch einmal wollen sie ihn berühren. Den Geruch des Todes wollen sie von ihm nehmen mit wohlriechenden Ölen.

Als sie zum Grab kommen, gerät die Welt aus ihren Fugen. Die Erde bebt. Ein Engel erscheint. Die Wächter erstarren vor Angst und Furcht. Und die Frauen? Der Engel schickt sie auf den Weg, die frohe Botschaft zu verkündigen: Der Gekreuzigte ist auferstanden! Ostern setzt in Bewegung und lässt herauskommen aus dem Dunkel von Leid und Not, Versagen und Schuld.

Ostern sendet uns auf den Weg des Lebens, hin zu Menschen, denen es übel ergeht: hin zu Kranken, Flüchtlingen, Kindern in Armut, Obdachlosen. Ostern lässt wider alle Vernunft hoffen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Frohe, bewegte Ostern wünsche ich Ihnen allen!

Ihre Landesbischöfin
Ilse Junkermann

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Reaktionen unserer Leser

9 Lesermeinungen zu “Osterwort”
  1. Der Auferstandene bahnte sich seinen Weg durch die am Boden verstreut umherliegenden Waffen der besinnungslos gewordenen Wachen. Da kam so einiges zusammen. Einige AR15 und M16, Glocks aller Kaliber und ein paar verbotene Gegenstände, was die Leute eben alles so haben. Es tat ihm ein bisschen leid, dass er sie zu Tode erschreckt hatte. Das war nicht so seine Art. Aber Auferstehung ist eben nun ein besonderer Akt – und die Extremisten jedweder Art, Linke und Rechte, sind enorm schreckhaft. Das ist bekannt …
    Die Sonne war fast am Aufgehen und er rief den Engel aus dem Stein, der sofort heraustrat und ihn anlächelte. Es hatte lange gedauert, ihm den etwas antquierten Spruch „Was befiehlt mein Gebieter?“ abzugewöhnen. Aber Zeit spielte ja nun keine Rolle mehr, seit die Ewigkeit angebrochen war. Was war zu tun? Der neue Leib fühlte sich gut an, man konnte damit feste Gegenstände durchdringen, es gab dann jedesmal einen sanften Widerstand. Etwa so, wie es war, als er früher mit den Fischern auf dem Sand am Ufer des Genezareth gelaufen war, – aus reiner Freude am Leben. Die Wunden waren wohl noch da, aber wollten zu bluten aufhören. Es hatte sich am Rand eine Art Perinäum gebildet, kein harter Schorf. Die Haut war jedoch sehr empfindlich. Man musste halt noch ein bisschen vorsichtig sein.
    Aber die Dinge, die er vorgestern (komisches Wort, da es nun keine Zeit mehr gab) noch geredet hatten, waren zu großen Teilen wieder schweigsam geworden. Auch die Steine sprachen nicht mehr. Aber alles, was dinglich war, verströmte irgendwie eine große Grundsympathie. Es hatte nun zu nieseln begonnen und ein Regenbogen war am Himmel zu ahnen. Denn jetzt ging die Sonne tatsächlich auf und der Auferstandene hörte das eiserne Pförtchen sich in den Angeln drehen – da waren sie schon, so wie er es eben noch geträumt hatte. Die Frauen mit den Salbenbüxchen nahten sich.

  2. Alexios Garotman sagt:

    Ja, – aber was nun? Wie geht es weiter?

  3. Matthias Schollmeyer sagt:

    Wie es weitergeht? Unter den Schleiern verheulte Gesichter. Der Auferstandene nahm sofort die Gestalt von einem an Engel erinnernden Jüngling an, kehrte ins Grab zurück und setzte sich mit dem anderen Engel auf den steinernen Grabkasten. Die Waffen wurden durch einen kurzen Blick alles Mögliche – meistens zu Blumen oder Zweigen. Nur die Heckler&Koch sträubte sich ein wenig, nahm dann aber doch Aststückchengestalt an. Dann waren die Frauen auch schon heran – und natürlich entsetzt. Der Tote war verschwunden und dafür saßen zwei knabenhafte Jünglinge auf dem Steintrog. Er verstellte seine Stimme ein wenig und redete begütigend auf sie ein, während sie vor Furcht und Zittern fast in Ohnmacht fielen. Das hätte gerade noch gefehlt.
    „Fürchtet euch nicht. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden und geht euch nach Galiläa voran. Erzählt es den anderen.“ Weit aufgerissene Augen. Aufgerissene Münder. Er muss es wiederholen: „Fürchtet euch nicht. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden und geht euch nach Galiläa voran. Erzählt es den anderen.“ Sie sagen nichts, aber er spürt, dass sie fragen wollen, ob sie Engel sind. Er will es nicht kompliziert machen – und wiegt seinen Kopf, was beides bedeuten kann. Auf jeden Fall deuten die beiden Frauen es als „Ja“, denn die Angst weicht etwas aus ihren Gesichtern. Sie fallen zu Boden, er – das heißt sie beide helfen ihnen wieder auf. Und dann können sie die beiden nicht mehr sehen, denn er hat die Gestalt frischer Morgenluft und goldenen Lichtglanzes angenommen, die nun die Grabeshöhle ausfüllen, und der Engel ist in den Stein zurückgetreten. Die Frauen sprechen keine einziges Wort. Sie stürzen auf und davon. Ach, – diese Menschen.
    Magdalena war nicht dabei gewesen. Sonderbar. Er merkt, wie seine Gestalt wieder Formen annimmt und er sichtbar wird für die Augen der Kreatur. Ein Vogel hat ihn bereits gesichtet, schüttelt in die Richtung des Auferstandenen buntes Gefieder und stimmt die Tonleitern an.

  4. Peter Uhrmacher sagt:

    … wie schön. Ist es schon zu Ende?

  5. Matthias Schollmeyer sagt:

    Da geht er aus dem Grab wieder hinaus wie Lazarus und erfreut sich an den Rhododendren. Ja – das ist hier so eine Art Friedhof, die Leute haben Blumen gepflanzt und alles schön geharkt. Das Passafest ist noch nicht vorüber – und da kommt doch noch jemand angerannt? Das ist sie. Magdalena. Allein. Er stellt sich abseits zu einem Häuschen, wo sie allerlei Geräte verstauen und guckt, was nun wird. Die Frau betritt das Grab und kommt nach einer halben Minute unschlüssig hinaus und weint. Sie hat den Toten gesucht – und nicht gefunden. Da sieht sie ihn – und spricht ihn an. Mutig war sie ja immer, seine Magdalena. Aber die Erinnerung an die schrecklichen letzten Tage bewirken, dass sie ihn nicht erkennt, obwohl sie mit ihm spricht. Das Hirn reimt sich immer was zusammen – und so denkt sie, dass er der Grünflächenverantwortliche ist. „Haben Sie ihn weggetragen, meinen Liebsten? Dann sagen Sie mir doch wo er liegt. Dass ich ihn noch einmal sehen kann.“
    Jetzt also auch noch Sie. Da sagt er (schon ein bisschen vorwurfsvoll): „Aber Maria!“ Und da erkennt sie ihn. Wie er den Namen sagt, so kann ihn keiner sonst sagen. Sie stürzt auf ihn zu und durch ihn hindurch. Sie kann ihn nicht haben, seine Füße nicht umfassen, und er kann sie nicht halten. Denn er ist zwar wirklich und kein Phantasma, aber sein Körper ist anders, er ist aus Licht und aus Geist. Es ist für Maria Magdalena ein frohes Wiedersehen, und zugleich ein trauriges. Sie kann ihn nicht haben, denn er ist auferstanden. Da tut sie ihm leid, weil sie wieder weint. Er sieht ihre Haut. Sie ist in diesen drei Tagen um Jahre gealtert. Er sieht die Falten, die Zähne. Die zitternden Finger mit dem Schmutz des Karfreitags noch unter den Nägeln, als sie die Erde damit grub vor Verzweiflung. Und obwohl es ihn schmerzt das zu sagen, sagt er diese berühmten Worte: „Berühre mich nicht, du kannst es nicht. Ich bin noch nicht aufgefahren zu unserem Schöpfer. Du musst hier bleiben. Aber berichte meinen Brüdern von unserer Begegnung.”

  6. Alexios Garotman sagt:

    Ich schlage folgenden Schluss vor:

    „Berühre mich nicht, du kannst es nicht. Ich bin noch nicht aufgefahren zu unserem Schöpfer. Du musst hier bleiben. Aber berichte meinen Brüdern von unserer Begegnung. So kannst du mich dann doch haben, indem du von heute erzählst!“ Dann schiebt er sie sachte auf den Weg, den sie gehen muss. Berühren geht nicht. Er lenkt sie mit einem Lächeln seiner Augen. Und sie folgt ihm, indem sie von ihm geht – zurück in die Stadt.

    Als er wieder allein im Garten ist, nimmt er sich vor, seinen Jüngern zu verbieten, von der Auferstehung genauer zu berichten. Das würde dann doch die ganze Welt durcheinander bringen helfen. Man musste noch ein bisschen vorsichtig sein mit dieser Botschaft. Nur Anzeichen soll man geben, das reicht ja aus. Und ja keine Beweise vom ewigen Leben. Das wäre tödlich für den Glauben. Und ohne Glauben gibt es keine Auferstehung.

  7. Gert Flessing sagt:

    Danke für die schöne Ostergeschichte.
    Lied: Nach 398
    Am Ostermorgen schwinden die Sorgen kommt die Hoffnung zu uns zurück. Christ ist am Leben und er wird geben, uns die Gnade und auch das Glück.
    Sonn will aufgehen lässt Hoffnung sehen, Christ ist erstanden, Tod wird zuschanden, wir dürfen lachen. Halleuja. Nun siegt die Freude. Drum jubelt heute. Lacht ihm entgegen, er wird euch heben ins Haus des Vaters Halleluja.

    Wenn wir ihm trauen, und auf ihn bauen, birgt er uns in seinem Licht. Kinder, ganz kleine, sind nicht alleine, weil er ihnen von Segen spricht. Da gibt’s kein Klagen, Gott will sie tragen will sie begleiten, Freude bereiten, ist ihnen nahe stets. Halleluja. Jauchzt ihm mit Schalle, er liebt uns alle, will Hoffnung schenken, unser gedenken. Gibt ewges Leben. Halleluja
    Gesegnete Ostern
    Gert Flessing

  8. Leser sagt:

    Ohne unangebrachtes und unhistorisches Firmen-Bashing wäre die (merkwürdige) Geschichte ertragbarer!
    Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Das ist die wahre Oster”geschichte”!

  9. Johannes Lehnert sagt:

    “…sie feiern die Auferstehung des Herrn. Denn sie sind selber auferstanden…”
    Welch’ ein schöner Gottesdienst des HErrn in der Michaeliskirche: drei Taufen, fünfundzwanzig Kindergottesdienst-Kinder, vierhundert Gottesdienstbesucher, eine auferbauende Osterpredigt: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Ihre Lesermeinung zu diesem Artikel

Nutzen Sie gravatar, wenn Sie Ihr Bild mit der Meinung veröffentlichen wollen!