Der besondere Osterspaziergang

16. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Den Emmausweg am Ostermontag gehen Altenburger Christen seit 18 Jahren

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick. Im Tale grünet Hoffnungsglück.«

Wer kennt ihn nicht, den »Osterspaziergang« aus Goethes Faust? Getreu den Worten des großen Dichters machen sich vielerorts zum Osterfest die Menschen auf den Weg, um sich an der erwachenden Natur und der Auferstehung Christi zu erfreuen. Eine besondere Form des Osterspaziergangs ist der Emmausweg, der auf einer Erzählung aus dem Lukasevangelium beruht. Im Mittelpunkt stehen zwei Jünger, die auf ihrem Weg von Jerusalem ins Dorf Emmaus Jesus begegnen und ihn zunächst nicht erkennen.

Zu den Kirchengemeinden, die diesen Brauch stets am Ostermontag pflegen, gehört Altenburg (Kirchenkreis Altenburger Land). Was vor 18 Jahren als kleine Wanderung begann, hat sich zur Tradition entwickelt.

Wie diese Wandergruppe machen sich auch in diesem Jahr Christen auf, um den Emmausweg in Altenburg zu gehen. Foto: Ilka Jost

Wie diese Wandergruppe machen sich auch in diesem Jahr Christen auf, um den Emmausweg in Altenburg zu gehen. Foto: Ilka Jost

Ins Leben gerufen wurde der Brauch vom damaligen Pfarrer Michael Wohlfarth. Der Brunnen vor der Brüderkirche, noch heute Startpunkt, war damals gerade wieder in Gang gesetzt worden. »Am 5. April 1999 machten wir uns das erste Mal auf den Weg nach Kosma, wo gemeinsam Gottesdienst gefeiert und zum anschließenden Osterschmaus geladen wurde. Die Kirche war voll, auch der Pfarrhof. Meist waren wir etwa zwanzig Wanderer, mal mehr, mal weniger. Zum Gottesdienst kamen ja noch die Kosmaer hinzu«, erinnert sich der heute in Berlin lebende Pfarrer.

Startpunkt, Ziel und Ablauf sind all die Jahre gleich geblieben. In diesem Jahr ist Prädikantin Birgit Kamprath für die Gestaltung des Pilgerweges verantwortlich. Beginn ist wie immer am Ostermontag um 13.15 Uhr. Nach musikalischer Einstimmung am österlich geschmückten Brüderkirch-Brunnen laufen die »Emmaus-Wanderer« durchs Stadtzentrum, am Großen Teich und Stadtwald vorbei. Über einen idyllischen Feld- und Wiesenweg geht es entlang des Flüsschens »Blaue Flut« ins drei Kilometer entfernte Kosma zum Gottesdienst mit anschließendem Kaffeetrinken.

Pfarrer Sandro Vogler, seit Januar Pfarrer in Altenburg, kennt die Tradition des Emmausweges von seiner Pfarrstelle in Zossen. Dort hatte die Evangelische Jugend des Kirchenkreises im vorigen Jahr eine solche Tour organisiert. »Die Resonanz war sehr positiv. Im Kontrast zum Kreuzweg begeht man hier sprichwörtlich die Auferstehung: von der Trauer und Niederlage zur neuen Hoffnung und Gewissheit«, so Pfarrer Vogler.

Ilka Jost

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Reaktionen unserer Leser

2 Lesermeinungen zu “Der besondere Osterspaziergang”
  1. Von Emmaus nach Jerusalem eilen
    zwei Jünger, heilig beschwingt und hellwach.
    Sie konnten nicht mehr zu Hause verweilen,

    die Wölbung der Nacht am himmlischen Dach,
    Gestirne wie damals, geleiten die beiden –
    als Gott erwählte den Stall als Gemach.

    Drei Tage zurück. O Sterben, o Leiden.
    Man kreuzigte Jesus, den Gottessohn.
    Den Freund. Den Heiler. Erlöser der Heiden,

    er hatte versprochen zu enden die Fron.
    Verzweifelt war man nach Hause gezogen,
    der Himmel verloren, als Lohn blieb der Hohn.

    Doch plötzlich ist einer am Wegesbogen
    zu ihnen gestoßen. Sagt freundlichen Gruß.
    Und hatte zu wandern mit ihnen erwogen,

    Belehrt auf dem Weg sie in Anfang und Schluss.
    Redet von Rätseln des Himmels, der Erden.
    Wie mächtig das Wort war, so stark als ein Kuss.

    „Herr, bleibe doch hier. Denn Abend will werden.“

    So bitten sie ihn. „Vertreib die Beschwerden.“

    Schon kehren sie ein und sitzen bei Tische,
    links dieser, rechts jener, er mittig als Gast.
    Nimmt in die Hände ihr Brot und die Fische,

    spricht auch Gebete: „Bereitet du hast,
    o König, den Sinn für kommende Welten.
    So segne schon hier, womit du dort labst.

    Freuden und Leiden, ob oft oder selten,
    Fremde und Freunde, Fisch, Wein und das Brot.
    Gib in Palästen dem Frieden ein Zelten.

    Sättigest Sehnsucht, gabst Kreuz und den Tod.
    Schenkst uns die Schrift mit den heiligen Zeichen,
    sendest das Schicksal, dem Leben als Lot.

    Und niemals willst du vom Wege uns weichen.“
    Als er das Brot brach, da schauten sie hin.
    War das nicht der, den sie dachten bei Leichen?

    Ein Ruck, ein Sprung! Wie sie griffen nach ihm!
    Er aber, dass nur im Brot sie ihn fanden,
    begann sich den beiden alsbald zu entzieh´n.

    Zwei Jünger, denen die Herzen heiß brannten,
    
glaubend zurück nach Jerusalem rannten.

  2. Gert Flessing sagt:

    Das ist einfach nur bewegend und gut.
    Gert Flessing

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