Anspruch und Wirklichkeit

30. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Für diese Form der Basis-Demokratie beneiden uns katholische Christen. Die evangelische Landessynode ist nicht nur das oberste Entscheidungsorgan der EKM. Besetzt mit Laien und hauptamtlichen Vertretern aus den Kirchenkreisen, ist sie auch ein Seismograf für die Stimmung in den Kirchengemeinden.

Dass sich die Themen, die die Gemeindeglieder derzeit bewegen, nicht oder nur am Rande in der Tagesordnung wiederfinden, ist dabei nicht der Synodenleitung anzulasten. Jedes Kirchenmitglied kann Anträge über die gewählten Vertreter einbringen. Angesichts der hohen Krankenstände und Vakanzen in den Kirchengemeinden, eines scheinbar geistlichen Notstandes in den ländlichen Regionen, erwartet man anderes. Die Ächtung von Kriegswaffen, die fleischfreie Versorgung bei den Tagungen oder das Wahlkampfthema »Ehe für alle« sind ehrenwerte Debatten-Themen. Aber sollte nicht sprichwörtlich die Kirche im Dorf bleiben?

In einem Antrag heißt es, die EKM möge zur »Kirche des gerechten Friedens« werden. Doch wie ist es um den innerkirchlichen Frieden bestellt? Eine Synodale beklagt, dass die Entscheidungsträger kaum Verständnis für das Anliegen der ländlichen Kirchenkreise aufbrächten. Es fehle ihrer Meinung nach am räumlichen, emotionalen oder persönlichen Bezug zum Pfarrland.

Die Lutherstadt Wittenberg ist gut gewählt als Ort für die Synodentagung im Reformationsjahr. Hier hat man schon vor 500 Jahren heftig debattiert und dem Volk aufs Maul geschaut. Auf das Ergebnis komme es an, so der Wunsch einer Synodalen 2017: »Ich erwarte von der Tagung Austausch, Gespräche und Impulse für die Arbeit in unserem Kirchenkreis und für unsere ganze Landeskirche.«

Willi Wild

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Reaktionen unserer Leser

2 Lesermeinungen zu “Anspruch und Wirklichkeit”
  1. Gert Flessing sagt:

    Ja, lieber Herr Wild,
    wir haben durchaus einen geistlichen Notstand. Ein hoher Krankenstand bei hauptamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, kann auch ein Symptom dafür sein.
    Wen interessiert denn, in den Gemeinden, egal, ob in Sachsen oder Mitteldeutschland, was die Synodalen zu essen bekommen? Wer es vegan zu brauchen meint, kann sich sein Gürkchen mitbringen.
    Ich kenne auch keine Gemeinde, die Kriegswaffen hortet.
    Das sind schon nicht einmal mehr “ehrenwerte Debatten”. Das ist Vergeudung von Zeit.
    Der Umgang mit dem Pfarrland der Gemeinden und die Frage, wie wir den gekreuzigten und auferstandenen Christus, unter den Bedingungen einer entkirchlichten Gesellschaft verkündigen können, sind m.E. eher der Betrachtung durch die Synoden wert.
    Sicher, ein wenig “Wolkenkuckucksheim” gehört immer dazu. Aber im Mittelpunkt sollte das stehen, was unsere Gemeinden umtreibt und ihnen das Leben schwer macht.
    Schade, das es immer wieder anders aussieht.
    Gert Flessing

  2. Leser sagt:

    Ich sehe es genauso!
    Allerdings, die fleischfreie Versorgung bei den Tagungen oder das Wahlkampfthema »Ehe für alle« sind k e i ne ehrenwerte Debatten-Themen. Es ist unsinnige Zeitverschwendung und zum Teil sogar unbiblisch!
    Ich glaube, Luther würde ein Tintenfaß in diese Meute schleudern(und Jesus zur Peitche greifen?)!
    Danke Herr Wild für Ihre klaren Worte!

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