Du siehst mich

28. Mai 2017 von redaktionguh  
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Das ist die Losung des Kirchentags aus 1. Mose 16, Vers 13. Hagar ist eine Magd, die vor ihrer Herrin flieht, von der sie schlecht behandelt wird. Auf der Flucht, in der Wüste, begegnet sie zum ersten Mal jemandem, der sie wirklich ansieht. Ein Engel spricht zu ihr: »Du, Hagar, wo kommst du her und wo gehst du hin?« Man könnte denken, Gott sieht sowieso alles, was muss er noch fragen? Aber er lässt Hagar sich selbst erklären, selber sagen, wie es für sie ist. Der Engel hört zu – aber er greift nicht ein. Gott verändert nichts. Nichts an den Machtverhältnissen, nichts an den Unterdrückungsstrukturen, nichts an der Welt. Und doch hat sich alles geändert. Hagar ist Gott begegnet, der uns ansieht. Der mittendrin ist in dieser Welt mit seinem Geist, seiner Liebe, seiner Gegenwart. Das macht den ganzen Unterschied aus. Er ist da. Hagar kehrt sogar in das Haus zurück, aus dem sie geflohen ist. Doch sie geht zurück in der Gewissheit, dass sie zählt. Sie hat ein Ansehen. Vor Gott und deswegen auch vor den Menschen.

Hier kommen wir ins Spiel. Wir, die wir geborgen sind, weil Gott uns ansieht. Wir können diesen Blick Gottes weitergeben, können Menschen ansehen und ihnen damit ein Ansehen geben. Wenn ich dich wirklich ansehe, mir von dir sagen lasse, wer du bist, wovor du Angst hast, wonach du dich sehnst, dann lerne ich anders zu sehen als vorher. Das verändert die Welt.

Es beginnt mit dem Gott, der mich sieht. Mit den Menschen, die gesehen werden und die ihrerseits sehen lernen, geht es weiter. Gott sieht alles. Aber nicht so, dass er nicht mehr zuhört. Er lässt den Menschen sich selbst erklären. Er hört aufmerksam zu. Ohne Ansehen der Person. Du, Gott, siehst mich. Und so will auch ich den anderen sehen.

Christina Aus der Au

Die Autorin ist Kirchentagspräsidentin.

Jeden Tag wartet sie, denn er versprach: »Ick komm torügg«

27. Mai 2017 von redaktionguh  
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Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Johannes 12, Vers 32

Salz und Algen. Wie das Meer halt so riecht. Der Geruch legt sich auf die Stadt wie eine Decke. Für die, die als Gäste hierher kommen, ist es der Duft der Weite. Der Duft des Unendlichen, das hinter der Linie aus Meer und Himmel immer weitergeht und nur erfühlt werden kann.

Stefan Körner, Vikar in Gera

Stefan Körner, Vikar in Gera

Für sie riechen Algen und Salz nach Abschied, nach ihrem Mann, dem alten Matrosen mit der Anker- und Meerjungfrauentätowierung auf dem Unterarm. »Tschüss, min Herzing«, hat er gesagt, als er ging.

Und, als er ihre Tränen sah, da schob er hinterher: »Ick komm torügg.« Gegen seine Gewohnheit gab er ihr einen Kuss. Aber er kommt doch zurück? Er hat es versprochen. Jeden Tag geht sie runter zum Pier. Sieht, wie die Schiffe anlanden, ihre Ladung löschen, wieder ablegen. Sieht, wie die Männer müde von Bord gehen und weiterlaufen. Zu ihren Frauen. Nach Hause. Seit Jahren geht sie runter zum Pier. Nur einmal war sie nicht im Hafen in all der Zeit. Da lag sie krank daheim. Aber schon nach einem Tag ging sie wieder ans Wasser, trotz ihres Fiebers.

Die anderen Frauen haben aufgegeben, auf sie einzureden: Der Sturm, das kalte Meer, die unendliche blauschwarze Tiefe. Kein Schiff mehr auf keinem Radar. Die Seenotrettung, die nach Tagen hingeschmissen hat. »Find dich damit ab«, haben sie gesagt. »Die See hat ihn geholt«, haben sie gesagt. Salz und Algen. Wie sie liebt und wie sie wartet. Von seinem Kuss und seinem Versprechen lebt. Die anderen Frauen staunen, wie sie dieses Versprechen, wie sie die Hoffnung trägt. Er ist doch weg, was soll das alles noch? Wie verrückt das doch ist, auf ein uraltes Versprechen hin zu glauben, zu hoffen. Auf etwas zu bauen, was niemand sieht und so gegen jeden Augenschein spricht.

Seit Jahren geht sie wieder nach Hause ohne ihn. Macht immer zur selben Zeit für sie beide eine frische Thermoskanne Kaffee. Schön stark, wie er ihn mag. Und schön heiß. Im Fenster schaltet sie, wenn es dunkelt, den kleinen Leuchtturm an. Er leuchtet die ganze Nacht. »Damit er heimfindet, wenn er kommt.«

Stefan Körner

Martin Luther wohnt in Dermbach

27. Mai 2017 von redaktionguh  
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Der Reformator ist schon da. Jetzt kommt Martin Luther. In diesen Tagen reist ein Kirchenältester mit einem großen Namen aus dem Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach in die Lutherstadt.

Martin Luther ist Rentner, 65 Jahre alt und stammt aus Wuppertal. Die Liebe zog ihn nach Thüringen. Hier lebt er seit der politischen Wende. Dass Mitteldeutschland »Lutherland« ist, nimmt er gelassen hin. Er kann es eh nicht ändern. »Ich habe mich schon lange daran gewöhnt, dass mein Name vielfältige Reaktionen auslöst. Negative Erfahrungen habe ich aber nie gemacht. Auch nicht mit Katholiken«, sagt Luther und lacht. Am Telefon reagierten die Menschen oft gar nicht auf die Namensnennung, aber wenn er vor ihnen stehe, dann schon. »Wenn ich zu meiner Bank gehe und da ist ein neuer Mitarbeiter, dem ich mich vorstelle, der staunt dann erstmal«, erzählt Luther und schmunzelt.

Lässt die Puppe tanzen: Martin Luther aus Dermbach im Wartburgkreis ist dem Verband Christlicher Pfadfinder verbunden, wie unschwer an der Handpuppe mit seinem Konterfei zu sehen ist. – Foto: Maik Schuck

Lässt die Puppe tanzen: Martin Luther aus Dermbach im Wartburgkreis ist dem Verband Christlicher Pfadfinder verbunden, wie unschwer an der Handpuppe mit seinem Konterfei zu sehen ist. – Foto: Maik Schuck

Mit seinem Namen, sagt er, könnte so gut wie jeder etwas anfangen – ob er nun Christ sei oder nicht. Mit einer Ausnahme: »Ich wollte einmal ein Wochenende in einem Hotel im Harz buchen und rief dort an. Oft sage ich ›Luther‹, Vorname Martin, wie der Reformator. Damit war für mich und das Gegenüber immer alles klar, doch die Dame am anderen Ende fragte: ›Wie schreibt man das? Mit Doppel-T?‹ Da war ich erstmal sprachlos.« Der eigene Name prägt – ganz besonders, wenn man einen berühmten Namen trägt. Für Martin Luther war er aber auch eine besondere Verpflichtung. Nach der Konfirmation als junger Erwachsener setzte er sich bewusst mit seinem Namensvetter und dem evangelischen Glauben auseinander. Er studierte Schriften und besuchte Orte, an denen der Reformator gewesen war. »Ich denke, wenn ich mich als Martin Luther äußere, dann soll das schon Hand und Fuß haben«, so der 65-Jährige.

Der Glaube bedeutet Martin Luther viel. Die Freude am Glauben erfuhr er insbesondere bei den Pfadfindern, bei denen er nach der Konfirmation lange Jahre aktiv war. »Diese Puppe hier: das bin ich«, sagt Luther und hält stolz das besondere Andenken vor die Kamera. »Ich habe im evangelischen Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder mitgearbeitet, auch auf Landesebene, und war Mitglied der Landesleitung. Als ich dort ausschied, habe ich ehrenhalber diese Puppe erhalten.« Die Puppe zeigt Luther im grauen Hemd, der sogenannten Kluft der Pfadfinder, und mit dunkelblauem Halstuch. »Ich denke, der Luther war ja ein ziemlich lebhafter Typ, und das findet man auf jeden Fall bei den Pfadfindern wieder. Das ist gelebter Glaube, Kameradschaft, Freude, Lieder.«

Luther bedauert, dass der Verband, für den sein Herz schon so lange entbrannt ist, in Mitteldeutschland noch nicht so richtig Fuß fassen konnte. »Vielleicht hängt das mit den Halstüchern zusammen«, mutmaßt er. Die hätten die Menschen nach dem Ende der DDR vermutlich einfach nicht mehr sehen wollen.

Sein Name verbindet den Martin Luther aus Thüringen immer mit dem großen Reformator. Ob er mit ihm tatsächlich verwandt ist, diese Frage hat ihn natürlich auch umgetrieben. »Ich habe viel in der Verwandtschaft herumgefragt, um zu ergründen, ob wir tatsächlich verwandt sind.« Luthers Onkel, der zur NS-Zeit geheiratet hatte, hatte für die Eheschließung einen Ariernachweis erbringen müssen, um sicherzustellen, dass in der Familie in den letzten drei Generationen keine Juden gewesen waren. Das Interesse an der Ahnenforschung war geweckt, der Onkel forschte darüber hinaus weiter. »Er ist bis 80 Jahre vor der Wirkungszeit Martin Luthers gekommen«, erklärt der jetzige Namensträger. »Dann ist der Faden abgerissen. Wenn aber 80 Jahre fehlen, dann kann man einfach nicht belegen, dass man ein Nachfahre ist«, so Luther.

Martin Luther ist ein bodenständiger Mensch, fest verwurzelt in seiner neuen Heimat. Dermbach und der Wartburgkreis sind ihm ans Herz gewachsen, hier fühlt er sich wohl. »Dermbach«, so sagt er, »ist etwas Besonderes. Hier sind die Menschen mehr bei der Kirche geblieben, auch zu DDR-Zeiten.« Das merke man bis heute deutlich. Viele wären hier stets zur Konfirmation gegangen, nur wenige zur Jugendweihe. »Ich kenne das ja nur aus Erzählungen, aber es heißt, dass ein Bürgermeister aufgab, für die Jugendweihe zu werben. Sinngemäß habe er gedacht: Euch kennen wir. Das hat ja gar keinen Zweck.«

Martin Luther, so scheint es, ist stolz auf seine Dermbacher, ihren Glauben und ihre Widerständigkeit. Ganz protestantisch, lutherisch eben.

Diana Steinbauer

Ausnahmezustand an der Elbe

26. Mai 2017 von redaktionguh  
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Das Finale der Kirchentage zum 500. Reformationsjubiläum wird in den Elbauen mitten im Grünen gefeiert. Eine logistische Herausforderung.

Die Fläche am Elbufer misst 40 Hektar oder 56 Fußballfelder. Eine Firma aus Leipzig schafft seit Wochen den Rahmen für die XXL-Veranstaltung zum Abschluss des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages 2017 mit mehr als 100 000 erwarteten Besuchern. Allein die runde Bühne hat einen Durchmesser von 30 Metern und wird von hinten von einer Tribünenanlage umfasst, auf der während des Abschlussgottesdienstes am 28. Mai 6 500 Blechbläser sitzen. Auf der Wiese davor sitzen, stehen oder liegen dann die Besucher. »Die Bühne ist transparent«, sagt Projektleiter Jörg Wagner: »So haben die Gäste je nach Position eine einmalige Sicht auf die Silhouette von Wittenberg.« Wiesen als Kirchentagsareal kennt der Geschäftsführer des Vereins Reformationsjubiläum 2017, Hartwig Bodmann, bereits aus Bremen, Dresden oder Köln. In den vergangenen 24 Jahren hat er zwölf Kirchentage organisiert. »Nirgendwo war die Herausforderung in Sachen Naturschutz so groß wie in Wittenberg«, sagt Bodmann. Die Wiese liegt in einem Biosphärenreservat, ist aber weder Natur- noch Vogelschutzgebiet. Normalerweise wird sie bewirtschaftet. Für eine Großveranstaltung wie den Kirchentag gibt es etliche Vorschriften und Auflagen, um möglichen Schäden an der Natur vorzubeugen.

6500 Bläserinnen und Bläser gestalten den Abschlussgottesdienst in Wittenberg. Unser Foto entstand beim 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag im Stadtpark von Hamburg. – Foto: epd-bild/Matthias Rietschel

6500 Bläserinnen und Bläser gestalten den Abschlussgottesdienst in Wittenberg. Unser Foto entstand beim 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag im Stadtpark von Hamburg. – Foto: epd-bild/Matthias Rietschel

Bodmann sieht das als selbstverständliche Verantwortung eines Christen, der sich Gedanken um die Bewahrung der Schöpfung macht: »Alles ist grün. So soll es während des Fests bleiben. Und in diesen ursprünglichen Zustand soll es danach bald wieder kommen.« In früheren Zeiten lagerten hier schon Napoleons Truppen, später die Wehrmacht und die Rote Armee. Für die Jubiläumsfeier ist die Wiese ein besonderer Ort, dessen Charme in der Kombination aus dem Blick, der Weite und dem Grün liegt, sagt Bodmann. Weil der Boden wasserdurchlässig ist, ist er nie matschig. Auch aus diesem Grund ist es ein guter Platz für die Großveranstaltung, so Bod­mann. Beschallt wird das Gelände mit 400 Lautsprechern. Dazu gibt es Licht, Mobilfunkantennen, Fernsehkameras und 16 HD-Leinwände. In einem Glockenturm hängen vier frisch gegossene Glocken der Wittenberger Partnerstadt Göttingen mit einem Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen. Sie werden von einem Helferteam per Hand geläutet.

Am Ende des Areals reihen sich 2 000 blaue Toiletten-Häuschen. Selbst wenn mehr als 120 000 Besucher kommen und die 320 000 bestellten Flaschen Wasser austrinken, besteht also kein Grund zur Panik, sagt Wagner. Eigens verlegte Bodenplatten garantieren zudem einen barrierefreien Zugang. Neben rollstuhlgerechten Behindertentoiletten gibt es auch Pflege-Container mit Aufzug und Rampe, um Schwerstbehinderte hygienisch zu versorgen. Während der Veranstaltung gilt auf dem Gelände ein absolutes Fahrverbot, deshalb haben die Organisatoren ein eigenes System zur Müllentsorgung entwickelt. Zwölf Container pressen den Müll, den die mehr als 1 500 Helfer des Kirchentags zu Fuß aus den Abfalleimern einsammeln. Für PET-Flaschen und Trinkbecher gibt es ein Pfandsystem. Sie wurden extra schön gestaltet, dass der eine oder andere sie vielleicht als Souvenir mit nach Hause nimmt, berichtet Projektleiter Wagner. Auch so soll Müll gespart werden.

Hinter der Bühne stehen am Festwochenende die Übertragungswagen der Fernsehanstalten neben der Wetterzentrale des Meteorologen und den Einsatzfahrzeugen des Sicherheitskommandos aus Bund, Ländern und Kommune. Wenn nach anderthalb Tagen alles vorbei ist, machen sich die Eventbauer ans Aufräumen. Die Platten sind schnell wieder eingesammelt, der Abtransport des Schotters kann sich etwas hinziehen, sagt Wagner. Spätestens Mitte Juli ist die Wiese aber wieder so, als sei nie etwas gewesen.

Christina Özlem Geisler (epd)

Höhepunkte beim Kirchentag in Dessau-Roßlau

24. Mai 2017 von redaktionguh  
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Dessau-Roßlau (G+H) – Der Kirchentag auf dem Weg mit rund 200 Angeboten steht unter dem Motto »Forschen. Lieben. Wollen. Tun.« Dabei werden sich in einem Anhaltdorf auch Kirche, Stadt und Umland präsentieren.

  • Anhalt-DessauEin Höhepunkt am 26. Mai ist die Aufführung des Trinitatis-Oratoriums von Sebastian Saß mit der Kantorei Bernburg, den Amici Carminis und der Anhaltischen Philharmonie in der Johanniskirche (19.30 Uhr).
  • Am 27. Mai hält der frühere sachsen-anhaltische Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz eine Bibelarbeit unter dem Thema »Jesus sieht Zachäus« (Hochschule Anhalt, Audimax, 9.30 Uhr).
  • Das »Das Geheimnis der Wartburg« wird am Sonnabend beim Kindermusical in der Marienkirche gelüftet (11 Uhr).
  • Zur Podiumsdiskussion »Was bedeutet Religion in meinen Leben?« (27. Mai, Hochschule Anhalt, Audimax, 15 Uhr) kommen der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch, Oberbürgermeister Peter Kuras und die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke. Es moderiert Kirchenpräsident Joachim Liebig.
  • Ein großes Festkonzert »Preisen. Singen. Jubilieren« mit der Anhaltischen Philharmonie, Chören des Anhaltischen Theaters und dem Lutherchor erklingt am Sonnabend auf der Hauptbühne (19.30 Uhr).

Von Wecker bis Hasenscheisse

24. Mai 2017 von redaktionguh  
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Hochkarätig: Kulturprogramm der Kirchentage auf dem Weg
und in Wittenberg


Wer die Wahl hat, hat die Qual. Dies werden viele Interessierte denken, die sich durch das vielfältige Programm der Kirchentage auf dem Weg und des Deutschen Evangelischen Kirchentages arbeiten.

Da ist zunächst das Konzert »Live 17« zu nennen, mit dem der Kirchentag in Wittenberg am Sonntag auf der Festwiese ausklingt (28. Mai, 16.30 bis 19 Uhr). »Vom Liedermacher bis zur Rockband, von Indie-Pop bis zu karibischem Gute-Laune-Sound ist für alle Musikbegeisterten etwas dabei«, freut sich Christof Vetter vom Verein »r2017«. Da ist an erster Stelle Konstantin Wecker zu nennen, der wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag in der Lutherstadt gastiert. Er gilt neben Reinhard Mey, Hannes Wader und Franz Josef Degenhardt als einer der großen deutschen Liedermacher. Neben ihm und seiner Band sind Judy Bailey, »Bell Book + Candle« und »City« zu erleben. Bailey, die auf Barbados aufgewachsen ist und in Deutschland lebt, steht für einen Musikstil, der neben Pop- und Rockelementen auch Einflüsse von Reggae und afrikanischer Musik aufweist. Sie trat bereits bei vielen christlichen Großveranstaltungen auf. »Bell Book + Candle« gründeten sich 1994 in Berlin, besonders im Osten bekannt ist die Kultband »City«.

Zum Ausklang des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Wittenberg gibt es am Sonntag, 28. Mai, von 16.30 bis  19 Uhr ein Konzert auf der Festwiese. Unter dem Motto »Poesie und Widerstand« wird es von Konstantin Wecker (unser Bild) sowie einer Reihe weiterer namhafter Musiker gestaltet. – Foto: Thomas Karsten

Zum Ausklang des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Wittenberg gibt es am Sonntag, 28. Mai, von 16.30 bis 19 Uhr ein Konzert auf der Festwiese. Unter dem Motto »Poesie und Widerstand« wird es von Konstantin Wecker (unser Bild) sowie einer Reihe weiterer namhafter Musiker gestaltet. – Foto: Thomas Karsten

In Jena wird der Frage nachgegangen, was den politischen Widerstand in Ost und West mit heutigem Oppositionsgeist verbindet. Bands aus der DDR, der alten BRD und dem Deutschland von heute stellen sich dabei der Aufgabe, aus ihren gesellschaftlichen Realitäten heraus musikalische Antworten zu liefern. Zu erleben sind »Airtremp« (Jena), »Hasenscheisse« (Potsdam) und »Kai & Funky« von »Ton Steine Scherben« sowie der Berliner Sänger und Kabarettist Gymmick (26. Mai, 19 bis 23 Uhr, Bühne auf dem Markt).

Zwölf filmmusikreife Choralfantasien werden unter dem Titel »Lutheran Symphonics« von der Staatskapelle Weimar und dem Kammerchor der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in der Klassikerstadt dargeboten (25. Mai, 20 Uhr, Weimarhalle). Der Komponist und Posaunenprofessor Christian Sprenger hat hierfür bekannten Kirchenliedern wie »Ein feste Burg ist unser Gott«, »Verleih uns Frieden« oder »Lobe den Herren« ein episches, symphonisches Gewand gegeben. Zu den »nicht alltäglichen Konzertformen« zählt eine elektroakustische Konzert-Installation, die Studierende aus der Kompositionsklasse von Prof. Robin Minard auf dem Herderplatz präsentieren (27. Mai, 20 bis 23 Uhr). Diese beschäftigt sich mit dem Begriff Raum und seinen verschiedenen Bedeutungen für den heutigen Menschen in einer beschleunigten und hochgradig synchronisierten Welt.

»Woran glaubst du?« fragen Studierende der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in einem Projekt in Halle, das auf dem Markt, im Dom und in der Moritzburg veranstaltet wird (27. Mai, 10.30 bis 12.30 Uhr). Neben Performances gibt es hier Mitmach-Angebote sowie Holy Hip-Hop: Graffiti, Breakdance, Rap und Beats.

Michael von Hintzenstern

Gute Nachrichten und ein Halleluja

24. Mai 2017 von redaktionguh  
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Programmhöhepunkte in Erfurt, Jena/Weimar, Magdeburg und Halle-Eisleben


Kirche-vO-ErfurtErfurt (G+H) – Ein buntes Glaubensfest inmitten der historischen Altstadt:

  • Eingeläutet werden die Veranstaltungen am Christi Himmelfahrtstag mit der Gloriosa. Sie ruft zum Eröffnungsgottesdienst am 25. Mai, 18.30 Uhr, auf den Domplatz
  • Konzert: »Nerly BigBand goes Gospel«, 25. Mai, 20 Uhr, Domplatz
  • Den Guss einer Glocke kann man am 25. Mai erleben, ab 14 Uhr Präparieren der Gussform, ab 17 Uhr Schmelzen der Glockenbronze. Guss: 21.30 Uhr bis 22 Uhr, Domplatz
  • »Geblitzt! Mit Luther von Stotternheim nach Erfurt«. Laufend, pilgernd oder radelnd von Stotternheim zum Augustinerkloster. 26. Mai, 11.30 Uhr, Stotternheim
  • Zum internationalen Festmahl »Erfurt tafelt« sind die Besucher am 26. Mai eingeladen: 16.30 Uhr, Domplatz

Kirche-vO-Jena-WeimarJena/Weimar (G+H) – Die Gretchenfrage wird in Jena und Weimar bewegt.

  • Am 25. Mai findet in Weimar ab 17 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Markt statt. Anschließend gibt es ein Fest in der Innenstadt.
  • Zum Fulldome Gottesdienst im Planetarium Jena sind Besucher am 26. Mai ab 22 Uhr eingeladen.
  • Am 26. Mai findet um 18 Uhr ein Abendgottesdienst in der Jenaer Stadtkirche St. Michael mit Texten und Liedern des 2015 verstorbenen Jenaer Theologen und Dichters Klaus-Peter Hertzsch statt.
  • Zum Thementag »Scham, Gewalt, Liebe« am 26. Mai sind in der Weimarhalle in Weimar verschiedene Veranstaltungen von 11 Uhr bis 22.30 Uhr vorgesehen.
  • Unter dem Motto »Grenzenlos frei« steht das Konzert am 27. Mai um 19 Uhr auf dem Markt in Jena.

Kirche-vO-MagdeburgMagdeburg (G+H) – Wer sich zum Besuch des Kirchentages auf dem Weg in Magdeburg unter dem Motto »Sie haben 1 gute Nachricht« entschließt, kann aus rund 400 Angeboten wählen. Bei vielen spielen die Themen Elbe, Frieden sowie Medien einst und heute eine große Rolle.

  • So wird am 26. Mai (18.30 Uhr) in die Wallo­nerkirche zu einem Twittergottesdienst eingeladen, an dem auch Landesbischöfin Ilse Junkermann teilnimmt.
  • Am Freitagabend ist das Elbufer am Petriförder der Treffpunkt. Um 20 Uhr starten die rudernden und paddelnden Flussfahrerinnen und Flussfahrer ihre Prozession. Um 21 Uhr beginnt am Petriförder die Welturaufführung des Stückes »Unseres Herrgotts Kanzlei« mit Licht- und Soundeffekten, Chören und die Schiffsprozession auf der Elbe. Rund 200 Mitwirkende erzählen die Geschichte Magdeburgs als ein Zentrum der Reformation.
  • »Treffpunkt Hafen« heißt es am 27. Juni von 10 bis 22 Uhr am Wissenschaftshafen mit zahlreichen Angeboten zum Zuhören, Zusehen und Mitmachen. Im Podium »Fluss und Mensch« (14 Uhr) geht es um die Nutzung der Elbe als Transportweg, in einer Lesung um »Die Elbe – Europas Geschichte im Fluss« (17.30 Uhr). Auch das Musikprogramm ist passend zum Ort gewählt.
  • Einer der Höhepunkte im Zentrum Kinder, Familie, Jugend und Sport im Rotehornpark ist am Sonnabend das Konzert »HalloGrüßGottGutenTag« des Liedermachers Gerhard Schöne (11 Uhr). Im Park und in der Stadthalle gibt es am Freitag und Sonnabend knapp 130 Angebote.
  • Als Einziger hat der Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg am 27. Mai ab 11 Uhr einen Thementag »Männer« mit zahlreichen Workshops im Programm. Treffpunkte sind die katholische Petrikirche und das Petri-Gemeindehaus daneben. Mit dazu gehört ein außergewöhnliches Konzert von Lutz Krajenski und den Hannover Harmonists (14.30 Uhr).

Kirche-vO-HalleHalle/Eisleben (G+H) – Zum Kirchentag auf dem Weg tun sich Halle und Eisleben unter dem Motto »Zwei Städte für ein Halleluja« zusammen. Hier steht die Musik im Mittelpunkt, und zwar in all ihren Ausprägungen. Die Top 5 der Veranstaltungen und ein Extra-Tipp:

  • Eröffnungsgottesdienst mit Nicklas Baines, Bischof von Leeds, Stadtsingechor sowie Bigband und Jugendchor der Paulusgemeinde am 25. Mai, 18.30 Uhr, auf dem Marktplatz Halle
  • Sola scriptura et musica: Johannesevangelium trifft auf Klavierimpro am 27. Mai, 10 Uhr, in der Petri-Pauli-Kirche in Lutherstadt Eisleben
  • Gospelworkshop und Abschlusskonzert: Chris Lass mit Band und Laiensänger proben für und feiern ein gemeinsames Open-Air-Konzert, 27. Mai, 10.30 Uhr in der Georgenkirche Halle (Workshop) und 20 Uhr Marktplatz (Konzert)
  • »Luthers Kampf gegen die Juden«, Vortrag mit Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann, 27. Mai, 16 Uhr, in St. Andreas zu Eisleben
  • »luthERleuchtet«, audiovisuelle Performance von und mit Lichtkünstler Ingo Bracke, 27. Mai, 22 Uhr, Marktkirche Halle

Teil des Kirchentags auf dem Weg ist zudem die Kirchennacht am 26. Mai. Auf einer Gesamtstrecke von 50 Kilometern schlängeln sich 81 Gottes- und Gemeindehäuser den Lutherweg entlang. Am nördlichen Rand der Weinregion Saale-Unstrut verbindet das »Band der offenen Kirchen« Eisleben mit Halle und in Nord-Süd-Richtung den Petersberg mit Merseburg. Bei der flächenmäßig größten zusammenhängenden Kirchennacht Deutschlands werden bis zu 10 000 Besucher erwartet. Beginn ist in Halle um 19 Uhr. Außerhalb der Saalestadt öffnen bereits um 18 Uhr die Türen der Gotteshäuser. Auf dem Programm stehen 57 Konzerte, Führungen, Ausstellungen, Lichtinstallationen, Vorträge oder Lesungen. Erstmalig wird eine Fahrradrundfahrt angeboten. Um 18 Uhr startet auf dem Eislebener Marktplatz eine 30 Kilometer lange Tour zu den Kirchen rund um den Süßen See.

Unter Gottes freiem Himmel

24. Mai 2017 von redaktionguh  
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Wittenberg: So wird das Festwochenende zum Abschluss der Kirchentage

Am Sonntag feiern Menschen aus aller Welt den Festgottesdienst des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags vor den Toren Wittenbergs auf den Elbwiesen bei Pratau. Für viele ist es der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr. Dazu werden die Besucher der sechs regionalen Kirchentage auf dem Weg in Mitteldeutschland und des zentralen Protestantentreffens in Berlin zum Ausgangspunkt der Reformation in der Lutherstadt erwartet.

Bereits am Samstagabend gibt es einen Predigt-Slam auf der Bühne vor der Schlosskirche (18.30 Uhr), um 21 Uhr beginnt das Programm auf den Elbwiesen südlich der Altstadt mit der »Nacht der Lichter«. Das Gebet zum Sonnenuntergang feiern die Besucher mit der Gemeinschaft von Taizé. Wer möchte, kann im Anschluss auf der Wiese unter freiem Himmel übernachten. Zelte und Gepäckstücke sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) präsentiert sich in Wittenberg mit wechselnden Ausstellungen und Präsentationen aus den Kirchenkreisen im Bugenhagenhaus direkt hinter der Stadtkirche St. Marien. Zum Festwochenende ist dort die Ausstellung »500 Kirchen. 500 Ideen – Querdenker für Thüringen« zu sehen. – Foto: Willi Wild

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) präsentiert sich in Wittenberg mit wechselnden Ausstellungen und Präsentationen aus den Kirchenkreisen im Bugenhagenhaus direkt hinter der Stadtkirche St. Marien. Zum Festwochenende ist dort die Ausstellung »500 Kirchen. 500 Ideen – Querdenker für Thüringen« zu sehen. – Foto: Willi Wild

Der Sonntag beginnt um 4.30 Uhr mit einer Andacht zum Sonnenaufgang (5.19 Uhr). Für 12 Uhr ist der Abendmahlsgottesdienst unter dem Titel »Von Angesicht zu Angesicht« angesetzt. Im Mittelpunkt steht die Bibelstelle 1. Korinther 13. Predigen wird der südafrikanische Erzbischof Thabo Makgoba.

Im Anschluss (13.30 Uhr) werden Grußworte von Politikern wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) sowie kirchlicherseits von Magdeburgs Bischof Gerhard Feige erwartet, der auch den Vorsitz der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz innehat.

Zu einem Reformationspicknick ab 14.30 Uhr laden rund 600 Gemeinden ein. Nach 16.30 Uhr mündet das gemeinsame Essen und Trinken in das Konzert »Live 17« mit Künstlern wie Konstantin Wecker, »Bell Book and Candle«, Judy Bailey und CITY.

Sonderzüge mit einem Fassungsvermögen von je 900 Passagieren fahren aus Berlin, Leipzig und Magdeburg im 10- bis 15-Minuten-Takt. Für Reisebusse, Pkw und Fahrräder sind Parkplätze mit einem Shuttle-Service zur Festwiese geschaffen. Im Falle eines schweren Unwetters würde das Festprogramm abgesagt.

Die Kirchenzeitung finden Sie im Bugenhagenhaus hinter der Stadtkirche St. Marien oder im Mediencafé in der Neustraße 10 gegenüber der Geschäftsstelle vom Trägerverein r2017.

(epd/G+H)

Mit Herzblut bei der Sache

22. Mai 2017 von redaktionguh  
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Reformationsjubiläum: Mancher fragt sich, ob die Beteiligung für Anhalt nicht eine Nummer zu groß ist. Zwar ist manches offen, aber dass etliche Hürden genommen sind, macht Mut.

Wenn am 20. Mai in der Lutherstadt Wittenberg die Weltausstellung Reformation eröffnet wird, ist die Landeskirche Anhalts mit ihrem Übersee-Container-Projekt mitten im Geschehen. Im Vorfeld tauchte mehrfach die Frage auf, ob die kleinste Landeskirche in der EKD die Anforderungen des Reformationssommers überhaupt bewältigen könne. »Das ist sicher eine Bürde für unsere Landeskirche«, sagt Andreas Janßen, Leiter der anhaltischen Arbeitsstelle »Luther 2017«, »aber keine untragbare Last.« Anhalt habe sich durch seine Vorbereitung auf das Jubiläum 2017 in der EKD »ein Standing geschaffen, das uns als Kirche zurzeit nicht in Frage stellt«. Anhalt sei im Gespräch, werde aber manchmal sehr kritisch hinterfragt.

Mit Blick auf den Europäischen Stationenweg am 18. Mai in Bernburg sagte Janßen, dass sich das Programm mit dem großer Städte messen könne. »Man merkt sehr deutlich, dass der Kirchenkreis über die Erfahrungen aus zwei anhaltischen Kirchentagen verfügt.«

In der Ausstellung »Frauen(er)leben in Anhalt«, die am 14. Mai in der Dessauer Marienkirche eröffnet wurde und die auch zum Kirchentag auf dem Weg gezeigt wird, steckt viel zusätzlicher Einsatz einer Autorinnengruppe (mehr in der nächsten Ausgabe). Zur Eröffnung musizierten ein Projektchor und das Broken Consort Dessau.n Foto: Johannes Killyen

In der Ausstellung »Frauen(er)leben in Anhalt«, die am 14. Mai in der Dessauer Marienkirche eröffnet wurde und die auch zum Kirchentag auf dem Weg gezeigt wird, steckt viel zusätzlicher Einsatz einer Autorinnengruppe (mehr in der nächsten Ausgabe). Zur Eröffnung musizierten ein Projektchor und das Broken Consort Dessau.n Foto: Johannes Killyen

Für den Kirchentag auf dem Weg in Dessau sei es schwierig gewesen, Gastgeber für das Anhalt-Mahl zu finden. Deshalb habe es lange Zeit auf der Kippe gestanden. Aber: »Bei der letzten Infoveranstaltung wurden wir dann plötzlich so überrannt, dass wir Bierzeltgarnituren nachordern mussten.« Solche Begebenheiten machten Mut und ließen hoffen, dass der gesamte Kirchentag die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Zudem sei die Programmvielfalt nur möglich, weil Haupt- und Ehrenamtliche unermüdlich daran mitgearbeitet hätten. »Darin steckt viel anhaltisches Herzblut.« Grundsätzlich sei zum Thema »Ehrenamt« zu sagen, dass es immer schwieriger werde, die benötigten Helfer zu finden. »Wir merken, dass die Kirchengemeinden mit ihren älter werdenden Gemeindegliedern an ihre Grenzen stoßen.« Darin, dass nicht nur Anhalt, sondern auch dem Deutschen Evangelischen Kirchentag Helfer fehlten, sieht Janßen ein gesellschaftliches Problem, »dass uns in den nächsten Jahren noch zu beschäftigen hat«.

Die Vorbereitung der Weltausstellung Reformation vom 20. Mai bis 10. September stelle Anhalt jeden Tag vor neue Herausforderungen. Viele habe man vor einigen Monaten nicht absehen können.

Zum Beispiel den Standortwechsel der drei Übersee-Container, die nun im Luthergarten in der Nähe des Wittenberger Altstadtbahnhofes zu finden seien. »Der Standortwechsel führte dazu, dass wir einen neuen umfangreichen Bauantrag bei der Stadt Wittenberg stellen mussten, der mit Kosten verbunden ist.« Zudem habe sich herausgestellt, dass Verabredungen, die zu Beginn der zweijährigen Vorbereitung auf die Weltausstellung getroffen wurden, nicht mehr einzuhalten seien. So habe der Café-Betreiber auf dem Container-Sonnendeck abgesagt. Mit der Bernburger Kanzlerstiftung sei aber eine Alternative gefunden worden. Zudem habe ein Gewerbetreibender, der die Übersee-Container nach der Weltausstellung kaufen wollte, abgesagt. Sollten die Container nicht bis September verkauft werden, müssten sie nach Dessau zurück. Das sei mit hohen Kosten verbunden. Auch die Suche nach Sponsoren und Teamern für das Containerprojekt verlaufe nicht ohne Probleme. Gut ist, dass der obere der drei Container (die beiden unteren enthalten eine Ausstellung) fast durchgehend an Interessenten habe vermietet werden können. So sei vom 20. Mai bis Mitte Juni die Landeskirche Baden zu Gast, danach die Kirche der Pfalz. Von Juli bis September kommen unter anderen anhaltische Städte und die Tourismusregion Harz.

»Die Präsenz Anhalts in Wittenberg«, so Andreas Janßen, »wird sicherlich an manchen Stellen zur Herausforderung.« Trotzdem gibt er sich optimistisch. »Ich kann nicht im Geringsten sagen, wie dieser Sommer zu Ende gehen wird. Ich weiß aber, dass es immer einen Weg gibt.«

Angela Stoye

»Luther! 95 Schätze – 95 Menschen«

22. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

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Die dritte Nationale Sonderausstellung zum 500. Reformationsjubiläum zeigt in Wittenberg die Entwicklung von Martin Luder zum Reformator Luther und seine Wirkung auf Menschen.

Was haben Steve Jobs, Astrid Lindgren und Axel Springer gemeinsam? Alle drei standen in der Nachfolge eines Mannes. Alle drei trugen zur Verbreitung seiner Botschaft bei. Jener Mann ist Martin Luther (1483–1546), im 16. Jahrhundert Mönch, aus heutiger Sicht Reformator.

Intensiv liefen die Vorbereitungen seit Oktober 2014, erzählt Benjamin Hasselhorn. Der Theologe und Historiker ist einer der vier Kuratoren, die in den vergangenen Jahren nach interessanten Figuren aus dem 16. bis 21. Jahrhundert forschten, die in irgendeiner Beziehung zu Luther stehen – und sei es als seine Kritiker. Zu jedem dieser Menschen suchten die Wissenschaftler dann nach einem Gegenstand, der mit der Person verbunden ist, aber zugleich zeigt, was der Mensch mit Martin Luther zu tun hat.

In Anlehnung an die 95 Thesen, die Martin Luther 1517 gegen die Missstände in der katholischen Kirche veröffentlicht hat, gibt es in der Wittenberger Sonderausstellung nun 95 Menschen zu entdecken. Sie sind die Ergebnisse harter Recherche, aber auch »schöne Zufallsfunde«, wie Hasselhorn sie nennt. Unter ihnen sind natürlich solche, die man erwartet wie den Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer. Oder den Bürgerrechtler Martin Luther King, der 1966 in Chicago Thesen anschlug und sich damit in Kontinuität zu seinem Namenspatron setzte. Zu den eher unerwarteten Menschen zählen womöglich der dänische Filmemacher Lars von Trier oder der norwegische Maler Edvard Munch.

Medieninstallation: Nikolaus Kopernikus erforschte, dass sich die Erde um die Sonne bewegt. Foto: Thomas Bruns

Medieninstallation: Nikolaus Kopernikus erforschte, dass sich die Erde um die Sonne bewegt. Foto: Thomas Bruns

»Zu jeder Person gibt es mindestens ein Exponat«, sagt Hasselhorn. Einen Film, ein Kleidungsstück, Audio­mitschnitte, Manuskripte. Unterteilt sind die »95 Menschen« in drei Kapitel, der »Dreiteilung menschlicher Existenz« folgend, die Luther in seiner berühmten Freiheitsschrift aufgestellt hat: der inwendige, auf sich bezogene Mensch, der äußere, wirkende Mensch und der soziale Mensch unter Menschen.

In zwei weiteren Kapiteln geht es um den Reformator selbst. »Wir erzählen anhand von 95 Schätzen aus Luthers Umfeld seinen Weg in die Welt und zur Reformation«, erklärt der Kurator. »So umrunden wir in der Ausstellung ein Mal sein Leben.«

Stefan Rhein, der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, ist besonders stolz auf einen Brief Luthers vom 31. Oktober 1517, dem heutigen Reformationstag. Diese Leihgabe aus dem Stockholmer Archiv soll der als Luder Geborene zum ersten Mal mit »Luther« unterschrieben haben. »Der 31. Oktober ist also nicht nur ein weltgeschichtliches Ereignis, für Luther selbst war dieser Tag auch ein biografischer Bruch«, sagt Rhein. Den Namen leitete er von dem griechischen Eleutherios, der Freie, ab. »Das zeigt auch, dass Luther die Wichtigkeit dieses Tages erkannt hat«, so Rhein. Im historischen Teil der Ausstellung, in dem Besucher dem Menschen Martin nahekommen sollen, sei dieser Brief ein zentraler Beleg für Luthers Verwandlung vom Mönch zum Reformator.

Und was erfährt man in der Ausstellung nun über Lindgren, Jobs und Springer? Der Zeitungsverleger soll stets ein Büchlein mit Sprüchen seines Vorbildes bei sich gehabt haben und ein Luther-Porträt in seinem Büro. Beim Apple-Gründer und Lutheraner Jobs war die Erfindung des Mac eine Revolutionierung unseres (Arbeits-)Lebens. Sozusagen eine technische Reformation. Und die schwedische Kinderbuchautorin Lindgren »setzt in ihren Büchern dem lutherisch geprägten ländlichen Schweden ein Denkmal«, sagt Kurator Hasselhorn.

Christina Özlem Geisler (epd)

Die Ausstellung ist bis 5. November im Augusteum des Lutherhauses zu sehen.

www.3xhammer.de

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