Käthes Eltern kommen von der Saale

9. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Heimatforscher aus Burgwerben finden entscheidende Belege über Familie von Bora

Burgwerben – das ist ein kleiner Ort bei Weißenfels mit etwa 1 000 Einwohnern. Nicht weit entfernt schlängelt sich die Saale an den steilen Weinhängen des Herzogsberges vorbei. Ortsbürgermeister Hubert Schmoranzer fallen viele Attribute ein, womit sich das Örtchen auszeichnet. »Alles, was Rang und Namen hatte, war gerade im Mittelalter in Burgwerben«, verweist er auf Besuche etlicher Grafen. Sogar der Preußenkönig Friedrich II. habe im Dorf übernachtet. Die Kirche hat eine Ladegastorgel und das Dorf eine evangelische Schule. Das Schloss wird gerade saniert.

Nun sind Hobbyhistoriker aus der Kirchengemeinde und dem Wirbinaburgverein für kulturhistorische Heimatpflege auf Großes gestoßen: »Martin Luthers Schwiegermutter stammt von hier«, sagt Ortschronist Bernd Reitzenstein.

Steinmetz Wolfgang Kloß gibt den Buchstaben der Gedenktafel die Farbe. Foto: Petra Wozny

Steinmetz Wolfgang Kloß gibt den Buchstaben der Gedenktafel die Farbe. Foto: Petra Wozny

Etwa im Jahr 2003 ist er auf einen Brief von Philipp von Hessen gestoßen, in dem dieser Luther als lieben Schwager tituliert. »Das hat mich stutzig gemacht«, sagt Ortschronist Reitzenstein. Mehr als zehn Jahre haben die Vereinsmitglieder in der Geschichte gegraben, sie haben Archive in Dresden, Magdeburg, Halle und Weißenfels besucht und Bernd Reitzenstein ist es gelungen, die historischen Dokumente einzuordnen, Schreibweisen von Namen zu deuten und in der Gegend von Weißenfels zu lokalisieren. Belegt werden kann jetzt, was bislang nicht einmal im Internet bei Wikipedia zu finden ist: Die Eltern von Katharina von Bora – Katharina von Haugwitz und Jhan von Bora aus dem Adelsgeschlecht Sahla – stammen aus der Region.

Er aus Schkortleben bei Burgwerben und sie direkt aus Burgwerben. Im Jahr 1482 heiratete Jhan von Bora auf Sahla die Katharina von Haugwitz in der Kirche von Burgwerben. Er schrieb im gleichen Jahr das Gut Sahla seiner Frau als Leibgedinge zu. Dies war die Verpflichtung, Naturalleistungen wie Wohnung, Nahrungsmittel, Hege und Pflege einer Person bis zu deren Ableben zu erbringen. Gut Sahla wurde so zum Versorgungsgut Luthers späterer Schwiegermutter. Sie brachte am 29. Januar 1499 Katharina von Bora zur Welt. Diese wurde 1525 die Ehefrau des Reformators Martin Luther. Die Schwiegerleute von Luther seien armer Landadel gewesen, hat Reitzenstein herausgefunden, weshalb wohl auch Katharina von Bora als Fünfjährige ins Augustiner-Chorfrauenstift Brehna gegeben wurde. »So hatte die Bora-Familie einen Esser weniger am Tisch«, erklärt der Ortsbürgermeister diesen zur damaligen Zeit nicht unüblichen Schritt. Die Boras gaben das Rittergut Sahla schließlich auf und zogen nach Lippendorf bei Leipzig. Dort konnten sie 123 Hektar Land, 4 Pferde, 18 Kühe und 100 Schafe ihr Eigen nennen.

In der Weißenfelser Steinmetzwerkstatt Kloß & Kittler entstand in den vergangenen Wochen eine Gedenktafel aus Sandstein.

Angebracht ist sie an der romanischen Burgwerbener Kirche. Für jedermann nachzulesen ist, dass Luthers Schwiegermutter aus dem Weindorf Burgwerben stammt. »Wir sind stolz, dass wir mit diesem Forschungsergebnis gerade im 500. Jahr der Reformation damit in die Öffentlichkeit gehen können und hoffen sehr, dass diese Tatsache unseren kleinen Ort bekannter macht«, sagt Ortsbürgermeister Hubert Schmoranzer. Und Claus Hentzschel von der Kirchengemeinde ist überzeugt, dass solch einen Puzzlestein der Weltgeschichte nicht viele deutsche Kommunen zu bieten haben.

Petra Wozny

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Käthes Eltern kommen von der Saale”
  1. Jürgen Wagner sagt:

    Nur Luthers Schwiegervater kam aus Sachsen-Anhalt

    Daß Jhan von Bora, der mutmaßliche Vater der Catherina von Bora, das Vorwerk Sahla bei Schkortleben besaß, ist seit langem bekannt und nichts Neues. Daß seine Frau keine geborene von Haugwitz war, sondern aus dem niederschlesischen Sagan stammte, hätte man schon seit 1911 wissen können. Daß die Eltern der Catherina von Bora „armer“ Landadel waren, ist schon seit 1752 bezweifelt, seit 1843 in Abrede gestellt und seit 2005 endgültig widerlegt worden. Über die angebliche Schwägerschaft Landgraf Philipps von Hessen mit dem Reformator wird demnächst in einer angesehenen genealogischen Fachzeitschrift berichtet werden – es handelt sich um ein Wortspiel. Die Kirchenbücher Burgwerbens setzen zwar schon sehr früh (1564) ein, aber ein urkundlicher Beweis, daß „Jhan von Bora auf Sahla die Katharina von Haugwitz in der Kirche von Burgwerben“ im Jahre 1482 heiratete, wäre eine wissenschaftliche Sensation. Ein solcher Beleg sollte alsbald im Volltext publiziert und zur Diskussion gestellt werden. Bis dahin müssen wir uns für‘s erste mit den Literaturhinweisen zu neueren Forschungsergebnissen bei Wikipedia/Katharina von Bora begnügen.Sie scheinen in dem Beitrag vom 9.5.2017 gänzlich übersehen zu sein. Jürgen Wagner