Land ohne Glauben?

9. Juni 2017 von redaktionguh  
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Die ARD-Themenwoche widmet sich dem Glauben und Nichtglauben. Fernseh- und Hörfunkprogramme begeben sich auf Spurensuche nach der religiösen Vielfalt in Deutschland und nach dem, was den Menschen Halt gibt.

Mit einer Themenwoche »Woran glaubst du?« will die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zwischen dem 11. und 17. Juni in ihren Fernseh- und Hörfunkprogrammen »der Frage nach dem Sinn des Lebens« nachgehen. Religion und Weltanschauungen und die Frage nach Halt und Orientierung seien in Zeiten der Verunsicherung hochaktuelle gesellschaftlich relevante Themen, sagte MDR-Intendantin und ARD-Vorsitzende Karola Wille.

Die ARD-Themenwoche unter Federführung des MDR werde viele Gesichter haben und »nicht nur in religiösen Dingen unterwegs sein«, sagte Wille. Gezeigt würden Vielfalt und Facetten des Glaubens. Dabei reicht das Spektrum vom besonders in Ostdeutschland verbreiteten Atheismus bis zum religiösen Fundamentalismus.

Ausgerechnet in einer der »gottlosesten Regionen der Welt« fragt der Mitteldeutsche Rundfunk nach dem Glauben. Foto: Ingo Wagner/picture alliance

Ausgerechnet in einer der »gottlosesten Regionen der Welt« fragt der Mitteldeutsche Rundfunk nach dem Glauben. Foto: Ingo Wagner/picture alliance

Ein breit gefächertes Programm­angebot will den Blick auf die vielen Spielarten des Glaubens öffnen. So soll im Ersten das Thema in Dokumentationen, Reportagen und Fernsehfilmen behandelt werden. Geplant sind unter anderem die Fernsehfilme »Atempause« (MDR/SWR) über den plötzlichen Hirntod eines Neunjährigen oder »Die Konfirmation« (siehe Seite 12) über einen Jugendlichen, der seine nicht gläubigen Eltern mit dem Wunsch nach einer Taufe überrumpelt.

Dazu kommen Serien, Dokumentationen und Talkrunden, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema beschäftigen. So wird sich das MDR-Magazin »Fakt« mit Verschwörungstheorien auseinandersetzen, das Wirtschaftsmagazin »Plusminus« mit dem Esoterik-Markt und die »Sendung mit der Maus« mit Religion. »Auf dieses Spektrum sind wir sehr stolz«, sagte der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres. Die Dritten Programme steuern nach Angaben von MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi weitere mehr als 100 Sendestunden bei. Zum Beispiel fragt der RBB nach »Yoga als Religionsersatz« und der SWR zeigt eine Dokumentation über einen früheren Priester, der heute verheiratet ist und acht Kinder hat.

Der MDR wird sich am 12. Juni um 22.45 Uhr im Ersten mit »Land ohne Glauben« auf Spurensuche nach dem Leben ohne Religion im eigenen Sendegebiet begeben. Darin wird auch die engagierte EKM-Pfarrerin Esther Maria Fauß aus Greußen (Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen) porträtiert.

Religionssoziologen sprechen von Ostdeutschland als einer der »gottlosesten Regionen der Welt«. So gehören in Sachsen-Anhalt 83 Prozent der Einwohner keiner christlichen Kirche mehr an. Das sind im Schnitt acht von zehn Menschen, die nicht an eine der großen Kirchen gebunden sind. In Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind es nur zwei bis drei von zehn.

Ergänzt wird der MDR-Beitrag durch ein Datendossier. Dafür wurden den Angaben zufolge alle großen Sozialstudien und insgesamt 1 250 Datensätze ausgewertet, die regionale Vergleiche auch auf kleinräumlicher Ebene erlauben. Herausgekommen seien interessante Ergebnisse wie jenes, dass die Lebenserwartung in Deutschland dort am höchsten ist, wo es die meisten Kirchenmitglieder gibt, sagte Jacobi.

Die Themenwoche wird inhaltlich im Internet begleitet. Dort werden alle Aktionen und Schwerpunkte vor und während der Woche gebündelt. Für das ARD-weite Multimedia-Projekt »Woran glaubt Deutschland?« erklären Menschen aus ganz Deutschland ihre persönliche Einstellung zu Glaubensfragen (siehe Seite 2 »Namen«). Daraus entsteht eine Deutschland-Karte, die mit Videos, Fotos sowie Audios ergänzt wird und einen emotionalen Zugang zum Thema schaffen soll. Darüber hinaus können sich die Nutzer über die Sozialen Netzwerke an der Diskussion beteiligen.

Ziel der seit 2006 jährlich stattfindenden Themenwochen ist, gesellschaftlich relevante Sachverhalte zu behandeln und eine öffentliche Diskussion anzustoßen.

Markus Geiler  (epd/G+H)

www.themenwoche.ard.de

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Reaktionen unserer Leser

5 Lesermeinungen zu “Land ohne Glauben?”
  1. L. Schuster sagt:

    Themenwoche Glauben, sehr unwahrscheinlich das durch die ARD der Heilige Geist ausgesendet wird. Sender die vielleicht erwarteten, wir würden ihnen immer noch alles glauben werden vielleicht dadurch noch mehr Ungläubigkeit erzeugen.
    Hinzu kommt das Glauben, Religion generell eine schlechten Ruf haben seit dem es dem islamischen Terror gibt. Bevor man hier nicht geleichzeitig mit mehr politische Bildung und Aufklärung reagiert finde ich diese Themenwoche nur als das übliche Opium für Volk mit dem üblichen religiösen Anstrich.

  2. Gert Flessing sagt:

    Leider gehört Deutschland und da besonders der Osten, zu den unchristlichsten Gegenden der Welt.
    Vierzig Jahre atheistischer Staat haben Spuren hinterlassen, die nur erschrecken können.
    Ich hatte neulich einen Gottesdienst zur Eheschließung. Im Gespräch fragte ich nach dem religiösen wissen der jungen Frau. Es war gleich null.
    Auf meine Frage, wie das kommt, meinte sie, sie sei ein Kind der neunziger Jahre. (Ja, neunzig geboren) Das wäre doch die Zeit der Jugendweihe gewesen. Ich: “Wie nun? Da war die DDR doch nicht mehr da, die uns die Jugendweihe aufgezwungen hat.” Antwort: “Na die meisten aus meiner Klasse sind zur Jugendweihe gegangen.”
    Religionslos, weil es die meisten sind. DAS ist der Osten unseres Vaterlandes.
    “Politische Bildung” hilft da wenig. Vor allem nicht von den Vögeln, die gerade für Politik in der Öffentlichkeit stehen und eher alle möglichen Religionen umschwärmen, als sich zu der eigenen zu bekennen.
    Gert Flessing

  3. Britta sagt:

    Natürlich haben 40 Jahre real existierender Sozialismus das ihre getan. Aber die Kirche hat auch eine große Chance verpaßt, das Vakuum auszufüllen, was der totale Zusammenbruch der Weltbilder 1945 und 1989 hinterlassen hatte. Und mit ihrer widerlichen Anbiederung an den Zeitgeist unter Verbiegung der eigenen Wurzeln wird sie nicht glaubwürdiger und anziehender. Mit ihrer Hofierung des Islam wird der Eindruck erweckt, Jesus Christus ist nur einer von vielen, dem man sich eben mal zuwenden kann oder auch nicht. Alle anderen Religionen, besonders natürlich der Islam, wären mindestens genauso richtig oder falsch. So kann ein Agnostiker sprechen, aber kein Christ. Denn auf wirklichen Glauben an Christus oder eine besondere Liebe zu ihm läßt das nicht schließen, und wie sollen da andere angesteckt werden, an Christus zu glauben?
    Bei uns sind zu DDR-Zeiten auf jeden Fall viel mehr Kinder konfirmiert worden als jetzt. Das mag an demographischen Entwicklungen liegen und/oder aber auch, daß die Kirche es nicht verstanden hat, eine geistliche Heimat im großen Stil für Suchende zu werden.

  4. ALEXIOS GAROTMAN sagt:

    Atheisten sind langweilige Leute. Und oft sehr phantasielos … Es sind so die Beethovenfreunde (Eroica) und ihr Weltbild funktioniert wie ein Billardspiel neben dem Stammtisch. Wer sich als Atheist oder Atheistin bezeichnet, hatte ja philosophisch von jeher eigentlich nicht viel begriffen – und deshalb auch heute nicht viel Neues zu sagen. Das Wort Atheist (und in weiblicher Form natürlich noch viel mehr – wie kann eine Mutter Atheistin sein!) ist als solches ein übrig gebliebener Kampfbegriff aus der Lenin/Stalin-Zeit. Die haben eine Affinität zur SKS-45 und lieben Ernst Busch-Lieder. Das waren so Leute, die sich irgendwie emanzipieren mussten – aber wie? Denn der Vater war entweder im Zuchthaus, im Kriege gefallen oder von der Mutter fortgerannt. Oder sind so Leute, die mit den Priestern irgendwelche schlechten Erfahrungen gemacht hatten. Und das nicht umsetzen können in persönliches Schicksal, sondern abgeschmackte Theoreme draus konstruieren.

    Brüder überm Sternenzelt! Dem unbekannten Gotte sollte man doch wenigstens hin und wieder eine Kerze stellen und ein Vergissmeinnicht weihen. Dazu gehört nicht viel – eben nur ein wenig intellektueller Anstand und Lebensübermut. Den haben die Atheisten nicht. Auch keinen Geschmack. Was ist die Welt denn ohne ernstzunehmende reichhaltige transzendentelle Einbildungen?

    Das Kreuz gehört auf die Kuppel des Weltenbaus. ZWEIFELLOS!

  5. Britta sagt:

    “Das Kreuz gehört auf die Kuppel des Weltenbaus.” …und auf die Kuppel des Stadtschlosses…
    Ich schrieb bewußt Agnostiker, nicht Atheist… Jemand, der alle Glaubensrichtungen untereinander lieblos relativiert und i.d.R. das für edler ansieht, was der fremde Glaube ist, ist nichtmal Atheist, sondern Agnostiker, denn was glaubt so ein Mensch denn wirklich? Wenn ich glaube, dann glaube ich und halte das, woran ich glaube, für das absolut Richtige, Glaubenswürdige. Dann suche ich auch nicht andauernd medienwirksam nach Schmutzflecken auf der eigenen Glaubens-Weste und übersehe ebenso medienwirksam die blutgetränkte Glaubens-Weste der anderen…

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