Meine Kirche, deine Kirche?

11. Juni 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Unsere Landeskirche ist reich an Kirchgebäuden und an Menschen, die sich dafür einsetzen. Viele helfen mit, auch Kirchenferne, wenn »ihre« Kirche ein neues Dach braucht oder das Mauerwerk trockengelegt werden muss. »Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des Herrn bauen« (Sacharja 6,15). Wie schön. Und wie anstrengend.

Zu erleben gerade in Kemberg bei Wittenberg: Mit guter Absicht hat eine private Initiative die Nachmalung eines bei einem Brand zerstörten Cranach-Altars in Auftrag gegeben. Und lässt nun nicht locker, um das Werk dauerhaft in der Kirche zu zeigen. Was allen bisherigen Absprachen widerspricht.

Es geht in Kemberg längst nicht mehr um theologische Fragen, ob es nun gut sei oder nicht, einen kopierten Altar ins Zentrum des Gottesdienstes zu stellen, oder um den künstlerischen Wert der Nachbildung. Es geht nicht einmal um Glaubensfragen.

Es geht darum, wem die Kirchen »gehören«, wer wie mitentscheiden kann. Mein Geld, meine Kirche. Mein Glauben, meine Kirche. Und es geht um Heimat. Dieses diffuse Gefühl, das sich aus Geschichte, Erinnerungen, Begegnungen und eben jenen besonderen Orten speist, wie unsere Kirchen sie nun einmal sind. Dieses Kirchturmdenken, gerade bei Konfessionslosen und Atheisten, ist erstaunlich und bemerkenswert.

Die Kirchengemeinde in Kemberg nimmt dies ernst. Sie steht zu ihrem demokratisch gefassten Beschluss, die Altar-Kopie nicht aufzustellen. Andererseits geht sie auf die anderen zu, will helfen, einen Kompromiss zu finden. Im Gegenzug darf sie Verständnis dafür erwarten, dass Kirchen für Christen mehr sind als Gebäude. Abseits der Steine ist das unser Reichtum. (siehe Seite 5)

Katja Schmidtke

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Reaktionen unserer Leser

10 Lesermeinungen zu “Meine Kirche, deine Kirche?”
  1. Gert Flessing sagt:

    Warum ist die Kirchgemeinde nicht einfach dankbar, das sie einen Altar geschenkt bekommt?
    Sicher – es ist kein Original mehr. aber es ist eine schöne Idee und selbst eine Cranach Kopie dürfte allemal besser aussehen, als so manches modernistische Machwerk.
    Da hat das Auge was, wenn das Ohr, bei der Predigt, gelangweilt sein sollte.
    Gert Flessing

  2. Matthias Schollmeyer sagt:

    Da hat Gert Flessing Recht. Im Zentrum des reformatorischen Gottesdienstes steht nicht das Bild, sondern das Wort. Zusammen mit dem Sakrament, von denen uns zwei geblieben sind. …

    Ja, – wie ist das eigentlich. Was steht im Zentrum. Christus – ja doch! Aber die Mitte ist eigentlich leer. Da muss Raum bleiben. Die Mitte fühlt sich leicht an. Sonst ist es belastend. Es gibt viele gutgemeinte Altarbilder. Wenn sie aus dem 18. Jahrhundert stammen, kann man sich irgendwie historistisch dazu verhalten. Wenn sie aus der Jetztzeit sind … geht das Rumgeeiere los.

    Wenn nun also schon mal das Feuer als Bilderstürmerin im Raum gewesen ist, sollte man diese Fügung nicht irgendwie ernst nehmen? Das auf´s lateinische Kreuz reduzierte Ersatzbild in Kemberg mag manchen nicht gefallen. Ich fand es immer sehr anspruchsvoll. Es hat eine eigene Aussage und erinnert mit dem Rot/Braun an den Brand und die Asche. Aber Gelb und Gold ist auch dabei. Die Flamme reinigt sich vom Rauch – so muss es auch dem Glauben gehen.

    Insofern die Sakristei mit den Resten des Bildes aufwartet – und eine Schwarz-Weiß-Kopie des verbrannten Bildes in der Jahmoer Kirche zu sehen ist (unter einer Holzplastik der Hlg. Notburga!!! – wer wollte sich da beschweren? Das Jahmoer Cranach-Bild ist in den 70ern geklaut worden.

    Aber – Ein nachgemachter Cranach in der würdigen Kemberger Kirche – damit macht man eine Aussage, die vom kunstgeschichtlichen Anspruch und auch vom Künstlerischen so irgendwie gar nicht recht wirklich geht. Ist so, als ob die Protestanten einen Gegenpapst wählen würden. Das ist nun mal vorbei.

    Es geht wahrscheinlich wieder einmal um völlig was anderes als um Kunst oder Gemeindetheologie. Irgendwie um die Macht? Auch hier zeigt sich wieder, dass es nötig ist, die Machtfrage von der Wahrheitsfrage zu entkoppeln. Übrigens – früher waren in den Kirchen mehrere Altäre. Da kann man vom Hochmittelalter lernen … Lasst sie beide drinne. Und am besten noch ein paar andere dazu

  3. Alexios Garotman sagt:

    Ha, ha, ha – Herr Schollmeyer! Gut gebrüllt. Aber in den abstrakten Bildern der Neuzeit ist die protestantische Kirche irgendwie verloren gegangen. meinen Sie nicht auch? Die Leute auf dem Dorf wollen richtig bunte Bilder haben, an denen man sich ergötzen kann. Ich habe das Ersatz-Bild im Internet gesehen (Link darf ich nicht setzen). Da drauf gibt es richtig was zu sehen! Das Kreuz dagegen, das Sie so loben – (Internetbild!) gibt nur wieder was zu denken!!! Es ist immer wieder dasselbe. Die Protestanten mit ihrem intellektuellen Zwangs-Tick ruinieren die Kirchen bis auf die Grundmauern. So treibt man die Leute in die Arme der Katholiken! Wenn sie wenigstens dort landen, wäre es ja gut. Aber die Alternative ist ja noch ganz woanders – durch Bilder kann man Klarheiten definieren. Die sind heute wichtiger als irgendwann je.

    „Wer das Tiefste gedacht / liebt das Lebendige / Und neigt am Ende zu Schönem sich!“ So zitiert Bonhoeffer 1944 Hölderlin, der wiederum (wenn ich mich recht erinnere) Sokrates und Alkibiades im Blick hatte.

    Die Kirche ist keine verspielte Kunstmäzenin mehr, besondes nicht für dekonstruktivistische Autistenspielereien – sondern sie muss das Abendland retten. Wer macht das sonst? Und dieses Herkuleswerk geschieht nicht im Abstrakten – sondern mit den eindringlichen Bildern von Jesus, Maria, den Frommen – und den verwerflichen Sündern!

  4. Gert Flessing sagt:

    Ich mag Bilder, die Geschichten erzählen. Wenn sie gut gestaltet sind, auch modernere Geschichten. Ich denke da an Tübke. Aber auch an meinen Freund Ernst Kahl.
    Da kann man schauen und gewiss auch denken, aber man muss nicht unbedingt grübeln.
    Hier, Burgstädt, ist seinen schönen barocken Altar los geworden und hat, für teuer Geld, irgend etwas aus Beton und so.
    Anspruchslos, schlicht, nichts sagend.
    Aber wohl irgendwie Kunst.
    Gert Flessing

  5. Peter Uhrmacher sagt:

    Hallo, Herr Garotman. Wissen Sie noch? Das erste Goetheanum war aus Holz – und ist aus Gründen erfolgter Brandstiftung abgebrannt. War übrigens ebenfalls ein Schwelbrand. – Aber Steiner gab nicht auf! Das Ganze wurde flugs in einem zweiten Bauwerk (diesmal aus Beton) fester aber ganz neu errichtet … Innen wunderbar ausgemalt. Die antroposophische Malerei mit ihren Pastelltönen ist bekannt.

    Aber auch da haben kluge Menschen drüber gelästert, von wegen keine Kunst und so. Tucholsky z.B. hat geschrieben: „Sein «Steinereanum» in der Schweiz haben sie ihm in Brand gesteckt, eine Tat, die durchaus widerwärtig ist. Es soll ein edler, kuppelgekrönter Bau gewesen sein, der wirkte wie aus Stein. Er war aber aus Holz und Gips, wie die ganze Lehre.“ Dann hat der Steiner aber lange gelebt – und der Tucholsky hat sich ausversehen umgebracht. Das dazu. Man darf nicht aufgeben. Ich denke, beide Bilder können nebeneinander in dieser mir völlig unbekannten Dorfkirche bleiben – und eine sehr wichtige Arbeit bewirken. Was? Die Entwickelung des religiösen Gedankens zu dokumentieren, wie er in der ostdeutschen Wüste der Gott- und Geistlosigkeit immer noch sein Intermezzo gibt. John Cage – ganz langsam wird uns gezeigt, wie im Zentrum des Weltgeistes der Weltgeist die Luft mit Fermate anhält. Ist das nix? Wir haben das immer als Kinder ganz ähnlich gespielt: Wer kann am längsten tauchen? Wer kann am längsten die Luft anhalten. So etwas macht ja der Weltgeist gegenwärtig in O-Deutschland. Von wegen Säkularisierung! Er kann noch lange! Und – er – hält – durch!

    Das darzustellen würde ich ein pastellfarbenes leichtes Hellblau nehmen und etwas Rotgold reintun. Die Magdalena müsste irgendwie durchschauen. Und der Lazarus!

  6. Britta sagt:

    Lieber Herr Flessing, der Burgstädter Lehn-Altar hieß bei uns immer “das Kasperletheater” wegen der Kanzel mit den Vorhängen inmitten des Altaraufsatzes und der Engel, der das Lesepult hielt ob seiner grellbunten Flügel “der Papageienengel” (beides war vor einigen Jahren restauriert worden, und solche grellbunten Farben ist man bei solch alten Stücken einfach nicht gewöhnt). Insofern kann ich mich nicht recht entscheiden, ob das jetzige Moderne besser für die Andacht ist oder das alte?

  7. Gert Flessing sagt:

    Britta, am besten für die Andacht ist, wenn man selbst andächtig ist.
    Man sollte also alles, was einen, dort, in der Welt umtreibt, los lassen. Dann sollte man sich besinnen, das Gott ja gegenwärtig ist. Dann sollte man darum bitten, sich von ihm, durch seinen Geist füllen zu lassen.
    Gert Flessing

  8. Klaus sagt:

    Sehr geehrte Frau Britta, sehr geehrte Herren Flessing, Schollmeyer, Uhrmacher, Garotmann, Leser und wie Sie sich sonst noch nennen,

    merken Sie etwas? Sie bleiben weitgehend unter sich mit Ihren Beiträgen in den Foren der Kirchenzeitung! Ich glaube, zu verstehen: Niemand mehr kann Sie wirklich ernst nehmen, niemand mehr nimmt Sie zur Kenntnis. Auch ich habe versucht, Ihre Beiträge ernst zu nehmen, aber jegliche Hinterfragung wird ja von Ihnen sofort bitterböse kommentiert mit der Unterstellung, eine falsche Identität zu benutzen…
    Wenn ich mir vorstelle, dass Sie auch im Talar und auf der Kanzel im Verkündigungsdienst tätig sind oder tätig gewesen sind, dann wundert es mich nicht, wenn die Menschen der Kirche den Rücken kehren. Aber Sie sehen dann ja die Ursache in der “so bösen Kirche”.
    Und was “man” loslassen soll oder um was “man” bitten soll,- das ist so unpersönlich und hohl wie “man” soll nicht trinken und rauchen…
    Also dann bleibe ich viel lieber ein fröhlicher und frommer Christenmensch und arbeite weiter noch eine Weile in der Kirche. In einer Kirche, die mich auch manchmal ärgert, aber trotzdem noch meine Heimat ist. Und ich werde weiter versuchen, ohne Worthülsen und geschraubte Formulierungen meinen Glauben von der Kanzel, auf den Friedhöfen, in der Kommune und wo es sonst möglich ist zu bezeugen.
    So, und jetzt warte ich wieder auf bitterböse Unterstellungen, auf merkwürdige Antworten und grüße trotzdem freundlich!

  9. Leser sagt:

    “Klaus” das Alles bleibt Ihnen doch vollkömmen freigestellt.
    Auch wenn Sie uns so Manches bitterböse unterstellen, grüße ich Sie trotzdem sehr herzlich! Also, viel Spaß beim “Warten”!

  10. Gert Flessing sagt:

    Hallo “Klaus”, ich habe Britta das geschrieben, was ich oft mache. Wenn es darum geht, “andächtig” zu werden, befreie ich mich von allen Gedanken, die mich daran hindern wollen. Das ist eine einfach, meditative Übung. Als jemand, der den Focolarini nahe steht, versuche ich dann Jesus, als den Leidenden Christus vor mein geistiges Auge zu nehmen und mich ihm zu öffnen.
    Dann erbitte ich von seinem Geist, das er mich mit Ruhe und Kraft erfüllt.
    Ich persönlich mag schöne Bilder, wie ich überhaupt ein Fan von Schönheit im weltlichen und geistlichen Raum bin.
    Die Kirche ist nicht böse. sie kann es nicht sein, denn sie ist Geschöpf des Wortes Gottes.
    Böse sind Menschen. Manchmal auch solche, die in der Kirche wirken.
    Kirche ist gewiss meine Heimat und ich bin fröhlich. Fromm eher weniger. Aber fröhlich im Herrn immer. Wer je meine Predigten gehört hat, dürfte das wissen.
    Gert Flessing

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