Einfach vom Glauben sprechen

14. Juli 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Sprachfähig: Wer sich in der DDR als Christ zu erkennen gab, musste damit rechnen, verspottet, schlimmstenfalls diskriminiert zu werden. Obwohl das hier und heute niemand mehr befürchten muss, fällt es vielen Christen schwer, über ihren Glauben zu reden.

Warum Christen so oft stumm in Glaubensdingen sind, hat viele Ursachen: vermutetes Desinteresse, der Wille, unbedingt Mission vermeiden zu wollen und last, but not least, Gott in Worte zu fassen ist nicht leicht. Wie soll ich in einer säkularen Umgebung einem Menschen, der selbstverständlich von der Nichtexistenz Gottes ausgeht, klarmachen, dass ich einen Draht zum Himmel habe?

»Es fällt uns schwer, über den Glauben zu reden«, unterstreicht Propst Christian Stawenow, Regionalbischof des Propstsprengels Eisenach-Erfurt. Christen glauben an das ewige Leben – dass Christus auferstanden ist von den Toten. Aber »man redet nicht mehr darüber, dass dieses schöne Leben, wenn man es denn schön getroffen hat, irgendwann einmal zu Ende geht«, so der Theologe. Darüber müsse die Kirche mehr reden, schlussfolgernd ebenso darüber, wie die Menschen zur Auferstehung der Toten kommen. Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen Tod, Gericht, Himmel und Hölle, ist in der Theologie heute kaum Thema. Selbst Pfarrerinnen und Pfarrern, den Profis in Sachen Glauben, fällt es nicht leicht, über diese Fragen zu sprechen.

Privatsache? Über den Glauben reden fällt vielen nicht leicht. Oft fehlt der Anstoß. Mit der Plakatkampagne des überkonfessionellen Vereins gott.net soll Gott wieder ins Gespräch gebracht werden. Der Fachverband Außenwerbung hat die christliche Plakat-Kampagne 2004 ausgezeichnet. – Foto: gott.net

Privatsache? Über den Glauben reden fällt vielen nicht leicht. Oft fehlt der Anstoß. Mit der Plakatkampagne des überkonfessionellen Vereins gott.net soll Gott wieder ins Gespräch gebracht werden. Der Fachverband Außenwerbung hat die christliche Plakat-Kampagne 2004 ausgezeichnet. – Foto: gott.net

Was trägt das Studium an der Universität zur Sprachfähigkeit des Theologennachwuchses bei? »Der akademische Diskurs hat alle Chancen, sprachfähig zu machen. Er trägt dazu bei, dass ich den Glauben verständlich machen kann«, erklärt Manuel Vogel, Dekan der theologischen Fakultät an der Universität Jena. Doch so hoch der Professor für Neues Testament den Stellenwert theologisch-wissenschaftlicher Arbeit ansetzt, weiß er auch um die Gefahr, sprachlich zu verarmen. Neben der Bibel sieht er deshalb in der Literatur eine große Fundgrube für Bilder, Geschichten, für Sprache. Sie sei ein Raum großartiger Sprache, in dem sich Theologen bedienen könnten. Wie Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihren Predigten die Menschen erreichen, berühren können, »daran arbeiten wir«, sagt Kathrin Oxen, Leiterin des Wittenberger Zen­trums für Predigtkultur. Gefragt seien nicht die großen Worte und Gedanken, sondern es sei wichtig, über Erfahrungen mit Gott zu sprechen. Über die eigene Glaubensgewissheit, aber nicht nur das. »Wir müssen uns trauen, mehr zu sagen, als wir glauben.« Wie ist das möglich? Wir sind nicht allein. Die Bibeltexte helfen uns mit ihren Bildern, Geschichten, Verheißungen.

»Ich weiß nicht, wie Schwerter zu Pflugscharen werden«, sagt Oxen. Aber sie lese beim Propheten Micha, dass dies geschehen kann. So spreche die Bibel von einer Hoffnung, die noch nicht die ihre sei, jedoch zu dieser werden könne. Die Bibel ist reich an Bildern und Geschichten. Sie überliefert vielfältige Gotteserfahrungen. Kein Mensch kann Gott in seiner ganzen Größe begreifen. Wie jeder Bibeltext eine andere Facette des Glaubens zum Ausdruck bringt, so vermag jeder Christ nur die eine oder andere Seite von Gott zu entdecken. Bekommt sozusagen jeweils nur einen winzigen Zipfel zu fassen. Aber sich mit diesem zu zeigen, ist spannend für andere.

Was glauben Christen? Welche Gewissheiten haben sie? In Gesprächen höre sie oft, dass Menschen sich von Gott getragen fühlen, erzählt Beate Marwede, Superintendentin im Kirchenkreis Meiningen. Sie denke an ein Ehepaar, das voller Dankbarkeit auf das lange gemeinsame Leben zurückblicke. Manche berichteten, wie ihnen das Gebet helfe. Und sie sprechen von ihrer Hoffnung – über den Tod hinaus.

»Ich glaube an Gott, den Schöpfer«, sagt Manuel Vogel. Wenn er diesen Satz des Glaubensbekenntnisses spreche, bezeuge er sein Einverständnis mit der Welt, wie sie ist, also fehlbar. Das Leben verwundbar und anfällig für Schuld und Versagen. Er bringe damit zugleich seine Gewissheit zum Ausdruck, so der Professor, dass Gott dieser Welt trotz all ihres Versagens und ihrer Schuld seinen guten Willen nicht aufkündigt.

Sabine Kuschel

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Reaktionen unserer Leser

12 Lesermeinungen zu “Einfach vom Glauben sprechen”
  1. Gert Flessing sagt:

    Ich habe noch erlebt, was “Schwerter zu Pflugscharen” bedeutet. Im Oderbruch wurden alte Panzerfahrgestelle zu Seilzugaggregaten umgerüstet, um die minenverseuchten Felder pflügen zu können.
    Das Bild hat seine, oft sehr reale, Berechtigung.
    Gert Flessing

  2. L. Schuster sagt:

    Den Aufnäher “Schwerter zu Pflugscharen” kenne ich noch, so kennzeichneten sich oft Jugendliche die nach Westdeutschland wollten, einen Ausreiseantrag gestellt haben oder es wollten. Geschichte, jedoch Gott können wir allgemein nicht damit zu erklären? Der einzelne Mensch bestimmt da oft, besonders in der Angst hier bis hin wenn man im Stasi-Gefängnis landete. Gott ihnen oft der einzige Halt gewesen ist.

    Allgemein aber Gott so zu erklären?
    Ich würde sagen, wir können Gott nicht mit unseren Sinnen nie wirklich erkennen. Auch die Idee, “Schwerter zu Pflugscharen” dürfte politisch sein, als es eine Erklärung für Gott ist. Politisch oder Wissenschaftlich ist er nicht zu erklären.

    Nur in uns können wir Gott finden.
    Wie er Menschen halt gibt, das sollten Theologen predige, ohne politische Erklärungsversuche.
    Wir wissen er ist bei uns, im Leben und Tot. Beten. Vater unser… .
    Anders ist es mir Jesus, er wird selbst vom Atheisten akzeptiert. Doch auch hier keine Politik.

  3. Leser sagt:

    Oh, Herr Schuster, da haben /hatten Sie damals etwas falsch verstanden.
    ““Schwerter zu Pflugscharen” war eine Aktion, vom damaligen Landesjugendpfarrer in Sachsen Harald Bretschneider ins Leben gerufen, die eine Friedensinitiative der evangelischen Jugend war! Da ging es nicht um Ausreise, man wollte eine friedliche Veränderung in der DDR! Insbesondere in Aufrüstungs- und Kriegshetzefragen. Im Grunde waren das, auch unter Beteiligung von Theo Lehmann, Schprlemmer und a.,die erstenAnfänge der späteren Friedlichen Revolution. Ähnlich wie es heute bei Pegida und AfD ist. Übrigens sind da oft wieder die selben Menschen, oft treue Christen,wie damals unterwegs!

  4. Johannes Lehnert sagt:

    Um die Friedensinitiative der Evangelischen Jugendarbeit mit meinem Arbeitgeber H. Bretschneider und die “Spaziergänger” von Pegida oder die Mitglieder der AfD in Analogie zu sehen, bedarf es schon einer sehr bestimmten Sicht!

    Johannes Lehnert

  5. Johannes Lehnert sagt:

    Und insofern hat Herr Schuster schon recht, dass die jungen Leute, die in den Westen wollten, dieses Zeichen sehr gern trugen!

  6. Leser sagt:

    Lieber Herr Schuster, Sie können gerne glauben, es ist die Wahrheit. Ich weiß es aus verläßlichen Quellen, daß es so ist. Zum Teil kenne ich diese nämlich sogar und die wissen und berichten von vielen anderen, ein Großteil sind Christen, auch welche, die damals beim selben “Arbeitgeber” angestellt waren wie Herr Lehnert! Es sind sogar prominente und bekannte Leute darunter, die das öffentlich machen.
    Diese Leute gingen damals friedlich auf die Straße und tun es heute wieder, weil sie sich, damals wie heute, nicht vorschreiben lassen wollten und wollen, was sie zu denken und zu tun haben. Beidemale um Sorge um unser Land und die Zukunft ihrer Kinder.
    Und nocheinmal, auch wenn Herr Lehnert das nicht gerne hört, die Kreise unter Harald Bretschneider haben im Grunde die ersten Grundlagen für die friedliche Revolution gelegt und viele von den damaligen Leute sind heute wieder auf der Straße, um friedlich Alternativen zum heutigen wieder als alternativlos Geltentem aufzuzeigen und zu gestalten!
    P.S. Von unbekleideten Minderjährigen habe ich noch nicht viel gehört, aber daß Eltern diese unbegleitet ins Ausland schicken ist schon merkwürdig!
    Haben Sie für Ihre letzten Aussagen glaubwürdige Amhaltspunkte? Möglich wäre es allerdings.

  7. Johannes sagt:

    Verehrter Herr G-H,

    mal Butter bei die Fische: Unter den Leuten, die damals wie ich im Landesjugendpfarramt einen Auftrag hatten, kenne ich nur Theo Lehmann unter den Pegida- und Chemnitzer Spaziergängern. Wer sind die vielen andern, die Sie behaupten? Und: Dass ich nicht gern höre, dass die Kreise um Harald Bretschneider die Grundlagen für die friedliche Revolution gelegt haben, ist totaler Unsinn! Hören Sie bitte auf, Lügen über mich zu verbreiten; ich habe 10 Jahre im Landesjugendpfarramt gearbeitet und 10 Jahre als Verwaltungsleiter bei der Leipziger Nikolaigemeinde. Wieso sollte ich etwas gegen Impulse für die Friedliche Revolution haben?

    Johannes Lehnert

  8. L. Schuster sagt:

    Lieber Johannes Lehnert,

    was die friedliche Revolution betrifft sollte aber erwähnt werden, das sie als solche erst Fahrt bekam als die Grenzen und Mauer geöffnet waren. Eine Revolution, die erst dann auch gleich sehr viele Unterstützer erhielt, auch von Genossen (es ging ja auch um alte und neue Posten) oder von Unterstützer die uns die Angst nahmen, hilfreiche Westdeutsche.

    Mauer und Grenze geöffnet von Krenz, auf Anordnung oder Billigung Moskaus, zur Erinnerung.
    Natürlich war es viel Mut von den Aktiven der kirchlichen Friedensarbeit Ost, aber war doch überhaupt nur durch die indirekte Billigung Moskaus möglich, denn ansonsten ist das in einer Diktatur Selbstmord. Selbst die Möglichkeit Bausoldat zu sein, die Aufstellung solcher Kompanien bei der NVA, war ohne die Billigung durch Moskau unmöglich. Was es nur in der DDR gab, in keinem anderen sozialistischen Land.
    Warum, geheim, nicht zu erforschen.

    Zu erforschen und zu schätzen ist aber, wie viele Prozent der einstigen Friedensgruppen Aktiven im Osten, Montagsdemostranden, Bausoldaten oder die Leute die nach den Mauerfall die friedliche Revolution unterstützten und nun die AfD wählen. Wo schon ihre der Prozentzahl mit der, der AfD-Wähler identisch ist, was Sie Herr Lehnert vielleicht geheim halten möchten.

  9. Gert Flessing sagt:

    Herr Schuster, ich merke schon, dass vieles vergessen wird und dann Erinnerungen falsch zusammen gebastelt werden.
    Die friedliche Revolution begann schon, als sich die ersten Umweltgruppen bildeten und unter dem Dach der Kirche zusammen kamen. Sie forcierte sich, als die Friedensbewegung dazu kam. Das waren Initiativen, die dem Staat richtig weh getan haben.
    Mancher und manche, die sich da engagierten bekam es mit der Stasi zu tun.
    Ich habe einiges protokolliert, weil ich, seit meiner Kindheit Tagebuch führe.
    Schwerter zu Pflugscharen war ein Teil all dessen.
    Gert Flessing

  10. Leser sagt:

    Lieber Gert,ja , so wares. Und dagibt es hier Leute, die das nicht wahrheben wollen!

  11. L. Schuster sagt:

    Lieber Herr Flessing,

    hier ist nichts falsch zusammengebastelt, nur die Umweltgruppen hatte ich nicht erwähnt.
    Die es frühestens Ende der 70er Jahre gab. Also nach Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), wo u. a. BRD, Frankreich, USA, Kanada und die unter wirtschaftlichen Zwang stehenden u. a. Sowjetunion, DDR, Polen teilnahmen und erst dadurch begann sich unsere sozialistische Diktatur leicht zu verändern. Darauf wollte ich vor allen Hinweisen, es liegt also an den Diktaturen ob sich solche „oppositionellen“ Gruppen, Aktivisten sich überhaupt bilden konnten.

    So war auch nicht zufällig, dass sich erst nach der KZE-Konferenz in Helsinki und den Nachfolgekonferenzen, dass sich bei uns Antennengemeinschaften bilden konnten, zum besseren West-Empfang. In den 60er Jahren völlig unmöglich und bestimmt gab es da auch keine Umweltgruppe in der DDR.

  12. redaktionguh sagt:

    Wir schließen hiermit das Leserforum zu diesem Beitrag, da die jüngsten Einträge sich nicht mehr mit dem Beitrag befassen.