Von Heiligen, Heiden und anderen Sündern

29. Juli 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Epheser 2, Vers 19

Wer sind hier eigentlich die »Heiligen«? Sind das solche Christen, die schon vor denjenigen, die im Epheserbrief angesprochen werden, Christen waren? Oder sind es, wie findige Ausleger sich ausgedacht haben, die Engel? Jedenfalls: Es geht um eine doppelte Zugehörigkeit. Die Angesprochenen sind einerseits »Mitbürger der Heiligen« und andererseits auch »Gottes Hausgenossen«. Es geht um die Gemeinschaft mit Gott und um die Gemeinschaft mit einer bestimmten Gruppe, eben den »Heiligen«, zu denen sich die Briefadressaten hinzugesellen dürfen.

Also, wer sind diese »Heiligen«? Schauen wir auf die vorangehenden Aussagen, aus denen unser Vers ja einen Schluss zieht: Angesprochen sind in Vers 11 »Heiden«, die früher einmal abschätzig »Unbeschnittene« genannt wurden, und zwar den Juden.

Prof. Manuel Vogel, Dekan der Theol. Fakultät, Jena

Prof. Manuel Vogel, Dekan der Theol. Fakultät, Jena

Der Apostel, selber Jude, legt in Vers 12 seinen Finger in diese alte Wunde: Ja, für den Glauben an Gott bedeutet es nichts Gutes, wenn man nicht zu Israel gehört. Und: Zwischen Israel und den Heiden gab es tatsächlich eine feindselige Trennung (Vers 14).

Aber der Apostel kann das alles in der Vergangenheitsform ansprechen, denn Gott hat in Christus zwischen Israel und den Heiden Frieden gemacht, und nicht nur das, er hat beide zu »einem Leib« verbunden (Vers 12). Die »Heiligen« in Vers 19, deren »Mitbürger« die angesprochenen »Heiden« nun sein dürfen, sind also Juden, die an Jesus glauben, und die im Gottesdienst mit den Nichtjuden, die auch an Jesus glauben, eine enge Gemeinschaft bilden.

Die gute Nachricht unseres Verses ist also zweiteilig: Die Gläubigen gehören zu Gott, und sie gehören zu Israel. Nach zwei Jahrtausenden Christentum ist uns der zweite Teil dieser Nachricht fremd geworden, so fremd, dass einige christliche Ausleger sagen, die »Heiligen« seien die Engel.

Das damalige Unterlegenheitsgefühl der Nichtjuden ist längst einem Überlegenheitsgefühl gewichen. Wo aber Christus Frieden gemacht hat, hat beides keinen Platz.

Prof. Manuel Vogel, Dekan der Theol. Fakultät, Jena

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Von Heiligen, Heiden und anderen Sündern”
  1. Gert Flessing sagt:

    Ist das so, Herr Professor?
    “…gehören zu Israel…”
    Schön und gut. Wir sind, allein schon durch die Herkunft Jesu, mit dem alten Gottesvolk verbunden. Wir sind durch seine Auslegung der Schrift mit diesem Volk verbunden.
    Wir sind durch die Jünger und durch die ersten Christen mit ihm verbunden.
    Aber vor allem sind wir mit Gott verbunden durch dessen Menschwerdung in Jesus, durch dessen Weg ins Leid und in den Tod und durch die Auferstehung Jesu, als Christus, von den Toten.
    Nun ist es so, dass die Gemeinschaft nicht eine mit dem alten Gottesvolk ist, sondern Menschen dieses Volkes und Heiden gehören in Jesus, dem Christus zusammen. Sie gehören da zusammen, wo sie, durch das Sakrament der Taufe, zusammengefügt werden.
    Mitbürger der Heiligen – das ist die Gemeinschaft der Getauften. So zumindest sehe ich das.
    Gert Flessing

Ihre Lesermeinung zu diesem Artikel

Nutzen Sie gravatar, wenn Sie Ihr Bild mit der Meinung veröffentlichen wollen!