Gott »Hallo« sagen

3. September 2017 von redaktionguh  
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Meine Freundin Anja hat mit Gott nicht viel am Hut. Als wir einmal gemeinsam in Prag waren und den Hradschin besichtigten, fragte sie mich plötzlich mit Blick auf den Veitsdom: »Na, willst du Gott nicht schnell ›Hallo‹ sagen?« Ich wollte tatsächlich und nahm mir eine stille Zeit, während Anja weiter das Gelände erkundete. Sie hatte mein Bedürfnis gespürt, mir eine kurze Auszeit zu gönnen und Gott nahe zu sein, zur Ruhe zu kommen und zu beten.

Viele Menschen haben dieses Bedürfnis, doch oft ist hierzulande an der Kirchentüre Endstation. Wer einen längeren Atem hat, der kommt am Sonntag wieder, doch der, der sich erst hat überwinden müssen, der wird sicher kaum einen zweiten Versuch wagen. Das hat Landesbischöfin Ilse Junkermann klar erkannt. Innerhalb eines Jahres eine fast vollständige Kirchenöffnung für die EKM zu schaffen, das war wohl sehr ambitioniert.

Kirchentüren sperren sich nicht von allein auf. Es sind engagierte Gemeindemitglieder, die für ihre Kirchen und sich auch um sie sorgen. Natürlich könnte man 24 Stunden offen lassen oder aber Beschallungstechnik zurückbauen, liturgische Gefäße, Kunstschätze oder kostbare Kruzifixe wegsperren. Doch gerade bei Letzterem muss man sich im Klaren sein, dass Kirchen dann zwar offen und für jedermann begehbar sind, jedoch das Wesentliche von ihrer Bestimmung verlieren würden.

Nichtsdestotrotz, die Initiative »Offene Kirchen« ist und bleibt eine gute Idee, die es weiter zu verfolgen gilt. Und mit der Zeit und wachsenden Erfahrungen könnte aus der Idee ein echtes Erfolgsmodell werden, das die Kirche im 21. Jahrhundert in unseren Breiten stärker verankert. Vielleicht klappt es ja mit den 95 Prozent bis zum nächsten Reformationsjubiläum.

Diana Steinbauer

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Reaktionen unserer Leser

5 Lesermeinungen zu “Gott »Hallo« sagen”
  1. Leser sagt:

    Vielleicht könnte man ja ersteinmal mit vernünftiger Verkündigung anfangen?

  2. L. Schuster sagt:

    Offene Kirche lohne sich nur wo der entsprechende Publikumsverkehr ist oder zu erwarten ist und die entsprechenden ehrenamtlichen “Wachdienst” Leute gibt was aber nur bei wenigen Kirchen gegeben ist. Ansonsten ist das eine Illusion der man sich hin gibt, das Leute kommen weil die Kirche immer offen ist.
    Anders z. B. bei der St. Wolfgangskirche Schnneeberg im Erzgebirge hier hat es den guten Publikumsverkehr. Geöffnet, Montag bis Samstag 10:00-16:00, Sonn- und Feiertag 14-16 Uhr. Natürlich auch zum Gottesdienst und Veranstaltungen u.a. gut besuchte Orgelkonzerte. Bach usw. ist vielleicht auch eine Art einer winzig kleinen Verkündigung. Solche oder ähnliche Veranstaltungen sollten vielleicht in dem Kirchen erfolgen wo sich “Offene Kirche” wie in Schneeberg sich nicht lohnen, noch funktionieren würde.
    Schließlich sagt doch jeder der eine Kirch betritt Gott »Hallo«.
    Außerdem sollte man ab und zu mal eine kostenlose Kirchzeitung und mehr tatsächlich auch ansprechendes christliches Info-Material auslegen.
    In einer offenen Kirche in Berlin lagen z. B. kleine farbige Kärtchen mit dem Vaterunser und einem Psalm aus. Sie wurden gerne eingesteckt, bestimmt auch von Glaubensfremde und für sie vielleicht etwas ganz großes. Sie waren also sehr ansprechend und darum geht es doch.

  3. Gert Flessing sagt:

    Wenn Menschen in einen Ort kommen, in dem sie fremd sind, und dort steht eine Kirche, kann es durchaus sein, dass sie gen “Gott Hallo sagen” wollen.
    Ich kann das verstehen.
    Diese Menschen wollen keine Predigt hören. Sie wollen den Raum Kirche als Ort der Begegnung mit Gott.
    Nicht anders halte ich das, wenn ich in Urlaub bin.
    Ich gehe in eine Kirche. Ich zünde eine Kerze an (ja, ich gehe in katholische Kirchen, weil ich weiß, dass die offen sind und das ich da Kerzen finde) und setze mich und danke Gott für die Fahrt, für das Leben, für seine Güte.
    Dann sitze ich einfach eine Weile da und schaue.
    Viele Menschen wollen gar nicht mehr.
    Gert Flessing

  4. L. Schuster sagt:

    In Urlaubs- um Touristenregionen mit den entsprechende Publikumsverkehr ist eine gelingende “Offene Kirche” natürlich oft möglich, aber für die meisten Kirchen hier, in ländlicher Region fast immer, ist das eine fromme Wunschvorstellung. Selbstverständlich kann man es probieren. Doch damit Menschen die nur ein Bedürfnis haben sich die Kirche anzusehen, Gott kurz „Hallo“ sagen, sollten auch mehr kulturelle Veranstaltungen in ihr stattfinden. Z.B. Musik, Reisebericht (u. a. Israel, Rom oder Pilgern in Spanien), Natur und durchaus immer mit etwas Gottesbezug. Dadurch ist auch für die, die nicht zu einen Gottesdienst gehen möchten, an der Kirchentür halt keine Endstation.

  5. Gert Flessing sagt:

    Wer nur kurz in einem Ort ist, wird wohl nicht wiederkommen.
    Wer, als Christ, wieder kommt, der möchte am Sonntag gewiss eine Predigt hören, in der er, durch Gottes Wort gestärkt und nicht durch politische Parolen verschreckt wird.
    Menschen wollen das Gefühl bekommen, das sie, inmitten der Stürme der Welt, einen Ort der Geborgenheit finden können.
    Freilich ist es, gerade auf Dörfern, oft schwer, die Kirche zu öffnen.
    Mir ist es auch schon passiert, das ich, bei einer Fahrt über Land, in einem Dorf halt mache, um einen Happen zu essen, wenn denn eine Gaststätte noch da ist.
    Manchmal ist dort auch eine der alten Feldsteinkirchen und natürlich würde ich gern einen Blick hinein werfen. Sie sind, in der Regel, zu.
    Hin und wieder hilft die Frage, wer denn den Schlüssel hat. Nicht immer.
    Aber ich weiß auch, das gerade im ländlichen Raum, die Gefahr, dass eine offene Kirche zu Diebstahl und vor allem zu Vandalismus einlädt, groß ist.
    Gert Flessing