Solidargemeinschaft eigener Art: Das geteilte Leid

23. September 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

1. Petrus 5, Vers 7

Gott hält die Welt in seiner Hand. Er trägt die Menschen und hilft ihnen, auch Zeiten der Anfechtungen zu erdulden. Die hier zum Ausdruck kommende Fürsorge ist durch nichts begrenzt. Gerade diese Universalität kann in Bewährungssituationen Kraft geben, denn Fallstricke lauern überall.

Nicht von ungefähr fügt Petrus dem Verweis auf die behütende Majestät Gottes einen weiteren Aufruf an: »Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder und Schwestern in der Welt kommen.« Das geteilte Leid ist eine Solidargemeinschaft eigener Art.

Wohl kaum jemand hat den permanenten Kampf mit dem Dämonischen so existenziell und literarisch verdichtet präsentiert wie Goethe. Am Ende von Faust II tritt neben Mangel, Schuld und Not die Sorge personifiziert in Erscheinung: »Stets gefunden, nie gesucht, / So geschmeichelt wie verflucht.« Faust will von ihr nichts wissen. Die Sorge demonstriert allerdings umgehend ihre Macht und schlägt ihn mit Blindheit: »Die Menschen sind im ganzen Leben blind, / Nun, Fauste, werde du’s am Ende!«

Alf Christophersen, Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Wittenberg

Alf Christophersen, Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Wittenberg

Hier ist kein Gott präsent, der die Last des Menschen stellvertretend trägt. »Wen ich einmal besitze«, kommentiert die Sorge triumphierend, »dem ist alle Welt nichts nütze.« Eben darin drückt sich die Kraft der Sorge aus, dass sie sich in die Seele des Menschen hineinarbeitet und den Blick auf die Umwelt verdüstert und lähmt. Ihr Erscheinungsbild ist facettenreich und kaum zu fassen. Sorgen um die eigene Existenz, das eigene Ergehen, sind das eine, Sorgen um andere stehen noch einmal auf einem ganz anderen Blatt, sie sind in der Regel viel schwerer zu ertragen.

Der Zuspruch, den Petrus in seinem Brief mitteilt, trifft den Kern der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen und mitten hinein in die Brüchigkeit des Lebens.

Alf Christophersen, Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt

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