Miteinander verbindlich den Glauben leben

27. November 2017 von redaktionguh  
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Neu in Anhalt: Die Geistliche Weggemeinschaft trifft sich seit einigen Monaten regelmäßig in Köthen

Christine Reizig ist Landespfarrerin für Gemeindeaufbau. Foto: Landeskirche Anhalts

Christine Reizig ist Landespfarrerin für Gemeindeaufbau. Foto: Landeskirche Anhalts

Am 2. Dezember tritt die neue Geistliche Weggemeinschaft in Anhalt ins Licht der Öffentlichkeit. Kirchenpräsident Joachim Liebig wird mit den Mitgliedern eine Andacht mit Abendmahl feiern. Darüber, was die Gemeinschaft ist und was sie bewirken will, sprach Angela Stoye mit der Landespfarrerin für Gemeindeaufbau, Christine Reizig.

Neben den Kirchengemeinden in Anhalt nun noch eine Geistliche Weggemeinschaft. Wozu?
Reizig:
Auf gar keinen Fall soll die Geistliche Weggemeinschaft eine Konkurrenz zu den traditionellen Kirchengemeinden und ihrer Arbeit sein, sondern eine Ergänzung.

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig in ihrer geistlichen Entwicklung stärken und voranbringen wollen. Das geschwisterliche Miteinander einer solchen Gemeinschaft ist geprägt von offenem Austausch, Vertraulichkeit und Verschwiegenheit – zum Beispiel auch über persönliche Anliegen, Fragen und Zweifel.

Hat die Weggemeinschaft Vorbilder?
Reizig:
In konkreter Gestalt nicht, denn dazu sind die bestehenden Geistlichen (Weg-)Gemeinschaften viel zu unterschiedlich. Wir haben uns Rat bei Mitgliedern der Evangelischen Geschwisterschaft e.V. geholt. Wir sind mit dieser Gemeinschaft darin gleich, dass wir ohne ein geistliches Zentrum über das Land verteilt gemeinsam verbindlich Glauben leben wollen.

Wie sieht die Weggemeinschaft in Anhalt aus?
Reizig:
Es ist eine Gruppe, aber kein Verein mit Eintrittserklärung und Statut, auch kein Orden mit Gelübden. Wir haben auch kein festes Gebäude. Allerdings haben wir Grundlagen für unsere Weggemeinschaft erarbeitet. Eine ist das Gebet. Wir beten füreinander, für die Landeskirche Anhalts und ihre Gemeinden. Jede und jeder kann die gesamte Gruppe oder einzelne in konkreten Anliegen um besondere Fürbitte ersuchen. Wem es möglich ist, der soll sich immer dienstags um 7.15 Uhr an seinem Wohnort in das Gebet für die Evangelische Landeskirche Anhalts einfügen, das zu diesem Zeitpunkt im Landeskirchenamt in Dessau gehalten wird.

Welche weiteren Schwerpunkte gibt es?
Reizig:
Die Mission, aber nicht in Form von Aktionen. Unser Ansatz ist das persönliche Vorbild. Jeder soll sich in seinem privaten Umfeld zuerst um ein tägliches geistliches Ritual bemühen. Und mit dem eigenen entwickelten geistlichen Leben soll jeder Angehörige der Weggemeinschaft in seine jeweilige Umgebung ausstrahlen. Denn als Christinnen und Christen sind wir unserem Umfeld das Zeugnis über unseren Glauben schuldig.

Aber ganz ohne Treffen geht es nicht ab, oder?
Reizig:
Auch wenn Gebete über große Entfernungen verbinden, geht es doch nicht ohne Zusammenkünfte. Die bisher 16 Mitglieder aus verschiedenen Orten Anhalts treffen sich verbindlich am jedem 2. Samstag eines geraden Monats – zum Bibellesen, zum Austausch über Fragen des Glaubens und die persönliche Glaubenspraxis. Bei diesen Treffen teilen wir uns mit, welche Rituale uns gut tun und schenken uns Ideen.

Und wir arbeiten daran, unsere Geistliche Weggemeinschaft weiterzuentwickeln – für uns und für unsere Landeskirche.

2. Dezember, Köthen, Christliche Medienbibliothek, Goethestr. 34, 15 Uhr; Abendmahlfeier: 17 Uhr. Telefon (03 40) 25 26 11 03

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Gemeinsam neue Wege gehen

27. November 2017 von redaktionguh  
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Jüdisch-Israelische Kulturtage werden 2018 gemeinsam mit »Achava« ausgerichtet

Mit einem Paukenschlag endeten die 25. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur in Thüringen: Das Festival wird im kommenden Jahr neu ausgerichtet und bekommt einen Mitveranstalter. Der Förderverein für jüdisch-israelische Kultur unter Vorsitz von Pfarrer i. R. Ricklef Münnich wird 2018 erstmals mit den Achava-Festspielen unter Leitung von Martin Kranz zusammenarbeiten.

Hintergrund ist das Zerwürfnis zwischen dem Förderverein und der von ihm angestellten Projektmanagerin Caroline Fischer. »Sie hat sehr gute Arbeit geleistet. Wir hätten das gerne fortgesetzt«, betont Vereinsvorstand Ricklef Münnich und ergänzt: »Aber nach unseren Vorgaben.« Zwischen Verein und Projektmanagerin hatte es Auseinandersetzungen um Ausrichtung und Gestalt des Festivals gegeben.

Caroline Fischer wollte das Festival größer machen, mit mehr Veranstaltungen als den jetzigen 162 in 17 Thüringer Städten. Sie hält das Konzept eines Trägervereins für überholt, lieber wollte sie das »Netzwerk für jüdisches Leben« stärker einbeziehen.

Selbstkritisch merkt der Verein an, dass das Programm bislang auch einem Veranstaltungskalender glich, in den Lesungen oder Theaterproduktionen aufgenommen werden, ohne dass diese tatsächlich für die Kulturtage konzipiert worden sind. Der Verein ist unsicher, ob er mehr eigene Veranstaltungen überhaupt schultern kann und will. Und er hält an der bisherigen Struktur fest.

Mehrere Angebote, auch 2018 als Projektmanagerin zu arbeiten, hat Caroline Fischer abgelehnt, schildert Ricklef Münnich. »Am 8. November sagte sie endgültig ab«, bedauert der Vereinsvorsitzende. Und er erfährt, dass die Angestellte bereits Fördergelder für die Kulturtage 2018 beantragt hat, im Namen des Netzwerks für jüdisches Leben. »Frau Fischer hat unser Vertrauen missbraucht«, sagt Ricklef Münnich. Caroline Fischer entgegnet: Der Antrag sei keine Geheimaktion, sie habe seit Februar um Gespräche zur konzeptionellen Neuausrichtung gebeten.

Seit einiger Zeit stand seitens des Vereins eine Zusammenarbeit mit den Achava-Festspielen zur Debatte. Vereinsvorstand Münnich wollte im neuen Jahr dazu erste Schritte gehen. Nachdem nun das Tischtuch mit Fischer zerschnitten ist, kommt alles schneller: Achava-Mitbegründer und Intendant Martin Kranz schloss mit dem Förderverein für jüdisch-israelische Kultur vor wenigen Tagen einen Kooperationsvertrag. »Achava übernimmt Verantwortung, auch finanziell«, sagt Kranz.

Vielfalt jüdischen Lebens: Theaterstücke, Lesungen, Musik und Führungen wie etwa durch die Alte Synagoge Erfurts (Foto) gehörten zum umfangreichen Programm der 25. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur. Foto: epd-bild

Vielfalt jüdischen Lebens: Theaterstücke, Lesungen, Musik und Führungen wie etwa durch die Alte Synagoge Erfurts (Foto) gehörten zum umfangreichen Programm der 25. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur. Foto: epd-bild

Beide Festivals bleiben bestehen und schärfen ihre Profile. Achava (hebräisch für Brüderlichkeit) ist interkulturell und interreligiös geprägt, es ist eine Einladung, gemeinsam über Fragen der Gegenwart nachzudenken. Den roten Faden der Jüdisch-Israelischen Kulturtage 2018 geben indes drei Jahrestage vor: 70 Jahre Staatsgründung Israels, 75 Jahre Aufstand im Warschauer Ghetto und 80 Jahre Pogromnacht. Achava-Intendant Martin Kranz verspricht, dass die Kulturtage weiterhin mit ihrer Veranstaltungsbreite und Regionalität punkten. »Gleichzeitig wollen wir die Kernidee und die Qualität garantieren«, so Kranz. Statt viele Programmpunkte anderer Vereine, Initiativen und Häuser einfach zu übernehmen, setze man selbst Schwerpunkte. So sind eigenkonzipierte Veranstaltungsreihen geplant, die durch den Freistaat touren. Auch deshalb soll das Netzwerk für jüdisches Leben ausgebaut und vor allem strukturiert werden, sagt Vereinschef Münnich.

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen mit ihren rund 800 Mitgliedern begrüßt die Zusammenarbeit zwischen Jüdisch-Israelischen Kulturtagen und Achava. »Die Festivals sind ganz wesentlich, nicht nur um die Lücke zu schließen, die der Nationalsozialismus gerissen hat, sondern vor allem als Beitrag zu einer lebendigen jüdischen Kultur in Thüringen«, sagt Vorsitzender Reinhard Schramm.

Katja Schmidtke

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Seife der Hoffnung

27. November 2017 von redaktionguh  
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Träume, keine Schäume: Mit einem ungewöhlichen Projekt unterstützt die Kirchen­gemeinde Rüdersdorf eine Manufaktur in Syrien.

Syrien ist für kostbare Seifen in aller Welt bekannt und die Seifenmanufaktur hat eine lange Tradition. Avedis Titizian stellt seine Seife nach alten Rezepten aus reinem Lorbeer- und Olivenöl her. Sie ist frei von künstlichen Duft- und Farbstoffen und enthält keine tierischen Fette. Diese Seife gehört im Jahre 2017 zu den Aktionen innerhalb des Projektes »Hilfe für Nahost«. Seit 2014 hilft Pfarrer Christian Kurzke aus Rüdersdorf im Kirchenkreis Gera mit verschiedenen Aktionen den geflohenen Menschen, die direkt in den Gebieten Nordirak, Syrien und Libanon leben. Auf große Unterstützung konnte und kann der Organisator dabei von der Landeskirche, kirchlichen Organisationen und vielen privaten Spendern zählen. 2017 sind 80 000 Euro von der Landeskirche in das Programm von Christian Kurzke geflossen. Die Mittel wurden im Rahmen des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der EKM (KED) vom Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum zur Verfügung gestellt. Diese Gelder gingen an die christlichen Organisationen CAPNI (Christian Aid Program Northern Iraq) und an NESSL (The National Evangelical Synod of Syria and Lebanon). Damit werden Schülertransporte unterstützt. Diese bringen die Schüler aus entlegenen Dörfern zu den Bildungseinrichtungen der Hilfsorganisationen.

Versand: Pfarrer Christian Kurzke und Konfirmandin Lea Voigt sind fleißig dabei, die Bestellungen der »Seife der Hoffnung« einzupacken. Foto: Wolfgang Hesse

Versand: Pfarrer Christian Kurzke und Konfirmandin Lea Voigt sind fleißig dabei, die Bestellungen der »Seife der Hoffnung« einzupacken. Foto: Wolfgang Hesse

Pfarrer Christian Kurzke zeigt stolz die 2017 zusammengekommene Spendensumme in Höhe von 130 000 Euro. »Unser Hilfsprojekt ist mittlerweile so bekannt, dass Spenden aus allen Teilen Deutschlands auf unserem Konto eintreffen«, sagt der Gemeindepfarrer. »Eine größere Summe ging an die Poliklinik einer Kirchengemeinde in Minyara im Nordlibanon und an die Frauenarbeit von Pfarrer Abuna Jihad Nassif aus Homs, den wir in diesem Jahr persönlich hier in Rüdersdorf begrüßen durften.«

Die Hilfe ist ganz konkret für Menschen vor Ort bestimmt, wie etwa für den Manufakturbetrieb von Avedis Titizian. Der 34-Jährige gehört zu den Kriegsflüchtlingen aus Kessab, am Fuße des Musa Dagh, unweit von Aleppo. Er ist armenischer Christ und zählt zu den Nachkommen, die den Genozid 1915 überlebten. Drei Monate plünderten dschihadistische Truppen im Frühjahr 2014 systematisch die Stadt Kessab, zerstörten Häuser und Kirchen, bevor sie vertrieben wurden. Nur wenige ehemalige Bewohner kehrten nach Kessab zurück. Zwei Drittel der vormals 6 000 Einwohner gingen ins Ausland.

Neuanfang mit Hilfe aus dem Kirchenkreis Gera

Avedis Titizian stand nach seiner Rückkehr vor dem Nichts. Seine Manufaktur gab es praktisch nicht mehr, alles war zerstört oder gestohlen und es gab keine Entschädigung vom syrischen Staat. »Mit dem Bisschen, was mir geblieben ist, habe ich wieder angefangen Seife herzustellen«, berichtet Avedis Titizian. Niemand im Bürgerkriegsland kann jedoch heute seine hochwertige Seife kaufen. Deshalb unterstützt die Hilfe für Nahost Avedis Titizian, seine Seife in Deutschland zu verkaufen. Für 500 Kilogramm Seife werden ca. 10 000 Euro an die Manufaktur zurückgehen. »Wir hatten hier 3 500 Stück Seife und in den ersten 14 Tagen haben wir über 2 000 Stück davon verkauft«, freut sich Pfarrer Christian Kurzke.

»Das gelingt uns nur durch ein feinmaschiges Vertriebsnetz und den Online-Netzwerken von Diakonie, Kirchen und Gemeinden.« Die komplette Logistik von Verpackung bis hin zum Versand liegt im Gemeindebüro Rüdersdorf. »Ohne die Hilfe der Konfirmanden, den Kindern vom Chor und deren Eltern könnte ich das alleine nicht stemmen«, bemerkt Christian Kurzke.

Die »Seife der Hoffnung« ist, wie alle Aktionen von Pfarrer Christian Kurze, eine Hilfe für Flüchtlinge und Christen vor Ort, die in ihrer Heimat bleiben. Auch Avedis Titizian wollte nach Armenien auswandern. »Syrien ist meine Heimat. Ich liebe dieses Land und meine Eltern brauchen mich«, sagt er. »Mein größter Wunsch ist Frieden für Syrien. Mit dem Geld möchte ich meine Seifenmanufaktur erweitern und möglicherweise Arbeitsplätze schaffen. So kann ich meinem Land am besten helfen und auf Frieden hoffen.«

Wolfgang Hesse

Nähere Informationen unter E-Mail
<christiankurzke@web.de>

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Gegen den Dämon der Angst und Verzweiflung

27. November 2017 von redaktionguh  
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Am Anfang steht eine schlimme Nachricht, am Ende die gute – so leitet Pfarrer Roland Herrig aus Sebnitz (Sachsen) den Facebook-Eintrag ein, der seine Predigt zum 12. November zum Inhalt hat. Es ist eine besondere, eine berührende Predigt, die wir in voller Länge abdrucken.

Liebe Schwestern und Brüder, vor einer Woche habe ich euch begrüßt mit der Freude, nach einem Vierteljahr in unseren Gemeinden, nun auch den ersten Gottesdienst mit euch in Sebnitz feiern zu können. Heute bin ich schon wieder in Sebnitz, und ich muss euch etwas Schrecklich-Schlimmes sagen: Das heute wird für sehr lange oder für immer mein letzter Gottesdienst sein, den ich als Pfarrer mit euch feiere.

Vor vier Tagen habe ich die Diagnose bekommen: Da ist ein bösartiger Tumor in meiner Bauchspeicheldrüse, und der hat nicht minder böse Kinder in der Leber. Jetzt weiß ich, wieso ich mich die letzten Wochen und Monate fast ständig mit Schmerzen herumgequält habe und auch für die Gemeinde nicht die Energie hatte, die ich haben wollte. Morgen gehe ich ins Krankenhaus, und dann sehen wir weiter, was getan werden kann.

Heute sollen wir über Dämonen reden. An Tagen und in Wochen wie diesen, da weißt du, dass es sie gibt: Mächte der Finsternis, die dich in den Abgrund ziehen wollen, die dich kaputt machen wollen, die das Leben zerstören, selbst auf die Gefahr hin, dabei selber mit kaputtzugehen. Wie so ein Tumor: falsches Leben, das das wahre verdrängt, zerstört, auffrisst, um am Ende mit ihm zugrunde zu gehen.

Roland Herrig: »Ich habe es heute im Gottesdienst öffentlich gemacht. Ich mache es auch hier öffentlich: Ich habe einen bösen Tumor. Nach jetzigem Kenntnisstand und nach menschlichem Ermessen sind die Prognosen nicht gut. Ich bin unendlich dankbar für ganz viel Zuspruch, gute Worte und Gedanken.« Foto: privat

Roland Herrig: »Ich habe es heute im Gottesdienst öffentlich gemacht. Ich mache es auch hier öffentlich: Ich habe einen bösen Tumor. Nach jetzigem Kenntnisstand und nach menschlichem Ermessen sind die Prognosen nicht gut. Ich bin unendlich dankbar für ganz viel Zuspruch, gute Worte und Gedanken.« Foto: privat

Da ist der Dämon der Angst und der Verzweiflung. Der dir den Boden unter den Füßen wegzieht. Weil du deine Pläne und Wünsche wegwerfen musst. Weil du dich der Endlichkeit und dem Sterben stellen musst, das du bisher immer noch in eine ferne Zukunft vertagt hattest. Weil du mit denen mitleidest, die um dich leiden und bangen, weil sie dich lieben.

Da ist der Dämon des Zornes, der Bosheit, des Zynismus. Wenn du wütend wirst auf die Ärzte, die dich nicht ausreichend, schnell und genau genug untersucht haben (wie du meinst). Wenn du die anderen um dich herum ihre Ohnmacht spüren lässt und anfängst, dich über ihre Hilflosigkeit lustig zu machen, wo du doch selber ohnmächtig und hilflos bist.

Oder der Dämon der Wehleidigkeit und des Selbstmitleids. Du bist der ärmste und bedauernswerteste Mensch auf der Welt, du hast doch so viel Gutes getan, du hast doch das Wort Gottes verkündigt und Menschen geholfen, du hast das doch nicht verdient.

Manchmal aber auch der Dämon der Selbstanklage. Du hast nicht genug getan, du hast die Zeit nicht ausgekauft, du hast mit deinen anvertrauten Gaben nicht gewuchert, zu viel für dich behalten und zu wenig weitergegeben. Nun ist es zu spät.

Und da ist der stumme Dämon, der Geist der Sprachlosigkeit. Du willst dich einfach in dein Loch verziehen und mit keinem reden. Du schämst dich. Es ist dir unangenehm.

Aber mehr noch als bei dir triffst du diesen Dämon bei anderen. Sie wissen nicht, was sie sagen sollen; sie ziehen sich vielleicht sogar zurück, wenn du sie am meisten brauchst. (Das ist nicht meine Erfahrung bis jetzt, aber die von anderen, die ich kenne.) Manche reden auch und bleiben trotzdem stumm, weil sie um die Wahrheit herumreden, weil sie das Kind nicht beim Namen nennen. »Vom Sterben reden wir noch nicht«, beschied mich ein Arzt. Ja, vielleicht, hoffentlich ist das noch eine Weile nicht dran, das Sterben. Aber wann, bitteschön, wann wollen wir anfangen, darüber zu reden?

Wenn ich tot bin? Wir haben so einen Reflex, das Böse, das Unangenehme nicht auszusprechen, wie bei Harry Potter den Namen von Lord Voldemort; aber der, der ihn auszusprechen wagte, hat ihn besiegt. Wir müssen den Krebs Krebs nennen und die Angst Angst und das Sterben Sterben und den Teufel Teufel.

»Jesus trieb einen Dämon aus, der war stumm. Und es geschah, als der Dämon ausfuhr, da redete der Stumme, und die Menge verwunderte sich.«

Ich habe den stummen Dämon den Geist der Sprachlosigkeit genannt. Das ist nicht ganz korrekt. Es gibt auch eine gute Sprachlosigkeit. Die nennen wir nicht Stummheit, sondern Schweigen. Stummheit ist, wenn nicht gesagt wird, was gesagt werden muss. Wenn möglicherweise sogar geredet wird, aber die Dinge nicht beim Namen genannt werden. Wenn herumgeeiert und gelogen wird.

Schweigen ist etwas anderes: Schweigen ist Reden ohne Worte. Oder Hören auf die Worte eines anderen.

Hiobs Freunde sind zu ihm gekommen und haben eine Woche mit ihm geschwiegen. Erst als sie ihren Mund aufgetan haben, wurde es Mist. Weil sie das Falsche geredet haben, den Dämonen zu Munde.

Jesus hat den stummen Dämon ausgetrieben. Das ist logisch. Denn Jesus ist das Wort. Nicht die Stummheit. Jesus ist das Wort Gottes, das die Wahrheit zur Sprache bringt. Das Wort Gottes, das unsere stumme Sprachlosigkeit überwindet, das unsere leeren und falschen Worte überwindet. Gott kommt zur Welt und redet. Und durch sein Wort vertreibt er die Dämonen. Und da, wo sein Wort ankommt, ist das Reich Gottes.

Weil das so ist, habe ich gesagt: Ich muss die Dinge heute beim Namen nennen. Nicht rumeiern, nicht verschweigen, nicht vertrösten, was mich betrifft. Und auch, was unsere Dämonen betrifft.

Wo wir sie beim Namen nennen, ist ihre Macht schon fast gebrochen. Sie wollen, dass wir verstummen. Sie wollen, dass wir verzagen. Sie wollen uns böse machen. Sie wollen, dass wir an Gottes Macht und Liebe verzweifeln. Sie wollen uns töten.

Aber es ist einer gekommen, der stärker ist als sie. Der, der das Wort ist und das Wort sagt, das uns auch selber wieder zu Wort kommen lässt. Jesus ist der Fingerzeig Gottes, dass Gott den Tod und den Teufel, die Sünde und die Verzagtheit, die Angst und den Zweifel überwindet.

»Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.«

Wir nennen das Evangelium »gute Nachricht«. Und dafür stehe ich, dafür habe ich als Pfarrer immer gestanden, dass am Ende nicht die schrecklich-schlimme Nachricht steht, sondern die gute Nachricht: »Das Reich Gottes ist zu euch gekommen.«

Ich bitte euch heute: Stellt euch auf die Seite Christi! Stellt euch gegen die Dämonen, vor allem gegen die böse Sprachlosigkeit! Sprecht gute Worte, ehrliche Worte, wahre Worte miteinander! Sprecht zu Christus im Gebet! Und, ja, bitte betet auch für mich, für meine Frau, für meine Eltern und Kinder. Um mit Luther zu sprechen: Dass der böse Feind keine Macht an uns finde.

Roland Herrig

https://hw-predigten.blogspot.de/

Predigttext
Und er trieb einen Dämon aus, der war stumm. Und es geschah, als der Dämon ausfuhr, da redete der Stumme, und die Menge verwunderte  sich. Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Dämonen aus durch  Beelzebul, den Obersten der Dämonen. Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.

Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit  sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre. Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die Dämonen aus durch Beelzebul. Wenn aber ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. Wenn ein gewappneter Starker seinen Palast bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute. Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Lukas 11,14-23

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Der Mensch denkt …

26. November 2017 von redaktionguh  
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Als ich Montag früh nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche hörte, dass die Kanzlerin sich einen Tag zum Nachdenken ausbedungen hatte, war mein erster Impuls ein Stoßgebet: Möge ihr Gott bei ihrer Entscheidung helfen. Es ist keineswegs verwunderlich, dass die Parteien mit so extrem unterschiedlichen Positionen keinen gemeinsamen Nenner gefunden haben. Dass sie sich auf eine Gratwanderung begeben, war von Anfang an klar. Dennoch sah es so aus, als könnte der Spagat gelingen.

Was nun? Theoretisch sind vielleicht noch nicht alle Varianten für eine Regierungsbildung ausgeschlossen. Der Gedanke an Neuwahlen jedenfalls bereitet mir durchaus Kopfzerbrechen. Denn schon die Entscheidung im September war nicht leicht und würde es jetzt erst recht nicht.

»Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.« Dieser Vers 6 im 1. Korintherbrief 12 gehört zu meinen Lieblingsworten der Bibel. Aber was hat er mit der politischen Konstellation bei uns zu tun? Hier sind menschliches Verhandlungsgeschick, hohes Verantwortungsbewusstsein und politischer Weitblick gefragt. Außerdem: Gott hätte Wichtigeres zu tun. Warum sollte er sich um unser wohlhabendes, mit vielen Ressourcen ausgestattetes Land kümmern, während in anderen Regionen Menschen unfassbares Leid widerfährt? Verursacht von Menschen.

Ich weiß: Unsere Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart, sie webt sich zusammen und ist immer auch das Ergebnis des Wirkens von Menschen – verstrickt in Schuld. Und doch: Über dieser Erkenntnis und über all jenen Erfahrungen, die sich partout nicht erklären lassen, steht die Zusage: Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.«

Sabine Kuschel

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Der Trauer einen Raum geben

26. November 2017 von redaktionguh  
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Gesprächskreis für früh verwaiste Eltern

Ein Kind während der Schwangerschaft, unter der Geburt oder kurz danach zu verlieren, ist für die Eltern ein trauriges Ereignis. Darüber zu sprechen, war lange Zeit ein Tabu. Doch seit einigen Jahren entwickelt sich eine Gesprächs- und Trauerkultur, die den betroffenen Müttern und Vätern die Möglichkeit einräumt, über ihr Schicksal sprechen und trauern zu können. Das Team des Weimarer Sophien- und Hufeland-Klinikums lädt diese »früh verwaisten Eltern« alle zwei Monate jeweils am letzten Mittwoch eines Monats zu einem Gesprächskreis ein. Die in diesem Jahr initiierte Zusammenkunft – das erste Gespräch fand im September statt – gebe den Eltern die Möglichkeit zu trauern, betont Klinikseelsorgerin Dorothea Knetsch. Das sei wichtig, denn der Tod eines früh verlorenen Kindes begleite die Eltern zeitlebens.

Für Kinder, die weniger als 500 Gramm wiegen und vor oder während der Geburt sterben, besteht keine Bestattungspflicht. Dennoch bietet das Sophien- und Hufeland-Klinikum für diese sogenannten Sternenkinder drei Mal jährlich eine anonyme Bestattung an. Die Zahl der Fehl- und Totgeburten – Kinder unter 500 Gramm ohne Vitalzeichen – beträgt in der Weimarer Klinik im Jahr etwa 90 bis 100. »Das sind beispielweise Kinder, die schwer erkrankt sind, sich nicht weiterentwickeln und im Mutterleib versterben«, erklärt Astrid Preuß, Eltern- und Patientenberaterin am Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar. Oder Fehlgeburten, die sich in einer sehr frühen Schwangerschaftswoche ereignen. »Manchmal hört das kindliche Herz in einer weiter fortgeschrittenen Schwangerschaftswoche auf zu schlagen«, schildert Astrid Preuß mögliche Ursachen für den frühen Tod der kleinen Lebewesen.

Ob Eltern in einer frühen oder fortgeschrittenen Schwangerschaftswoche ihr Kind verlieren – immer sei das für Eltern schwer zu bewältigen. Die anonyme Bestattung auf dem Friedhof helfe ihnen, den Schmerz und die Trauer zu verarbeiten. »Sie erleben, ihr Kind wird würdevoll bestattet.«

Die Bestattung beginnt mit einer Andacht in der Kapelle, beschreibt Dorothea Knetsch. Danach wird der Kindersarg zur Grabstätte getragen. Für die Eltern sei es wichtig, zu wissen, wo ihr Kind begraben liegt, und dass sie diesen Ort der Trauer besuchen können.

An der Gesprächsrunde im September nahmen Mütter und Väter teil, die vor zwei bis drei Jahren ihr Kind verloren hatten. Nach einem Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke hatten sie die Gelegenheit, den Namen ihres verstorbenen Kindes zu nennen. Ein wichtiges Ritual, meint die Seelsorgerin, denn die Namensnennung helfe bei der aktiven Auseinandersetzung mit dem Tod des Kindes. Beide Mitarbeiterinnen des Weimarer Klinikums, Dorothea Knetsch und Astrid Preuß, sind froh, dass es nun auch in Weimar eine Begegnungsmöglichkeit für Betroffene gibt. Sie heißen »früh verwaiste Eltern« zu dem Gesprächskreis willkommen. Das nächste Treffen ist am 29. November, 19.30 Uhr, in der Caféteria des Sophienhauses, Trierer Straße 2 a, in Weimar.

Sabine Kuschel

Kontakt:
Dorothea Knetsch, Mobil (01 71) 7 14 95 88, E-Mail <d.knetsch@klinikum-weimar.de>;
Astrid Preuß, Telefon (0 36 43) 57 16 00, E-Mail <a.preuss@klinikum-weimar.de>

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Der Tod ist nicht das Ende – Fortsetzung folgt

25. November 2017 von redaktionguh  
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Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.

Lukas 12, Vers 35

So gedenken wir des Endes. Und es sind so viele Kerzen in diesem Jahr. Wir nennen die Namen, den Geburtstag, den Sterbetag, und wir entzünden eine Kerze für jeden. Für jeden einzelnen Menschen, der von uns gegangen ist, für jeden, der Licht in unser Leben gebracht hat als Ehefrau, Vater, Kind, Freund.

Beim Entzünden kommen die Erinnerungen. An die Menschen auf den Fotos neben ihrem eigenen Sarg, ihrer Urne, sie lachen, sind am Höhepunkt ihres Lebens. Junge Menschen, so wie sie vor vielen Jahren aussahen, in schwarz-weiß, oder noch keine zehn Jahre her, im Urlaub, den Arm um den Mann gelegt oder auf die Schulter der Kinder, im Kreis der Freunde. Alte Menschen bei Jubelfeiern, stolz an der Stirnseite des Tisches bei ihrem 80sten Geburtstag, oder bei der Diamentenen Hochzeit, frische Frisuren, noch einmal mobilisierte Kräfte. Wir halten inne, lassen das Licht wirken. Dann die nächste Kerze, der nächste Name. Bilder vom Moment des Abschiedes, trauernde Angehörige, Tränen, Trost. Es ist ein Ende.

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Aber lasst die Lichter brennen! Entzündet das Licht des Erinnerns am Licht der Ewigkeit! So oft haben wir eine Kerze in unseren Gottesdiensten dieses Jahr angezündet. Wenn Gott einen Menschen aus unserer Mitte heimgerufen hat. Wir kündigen ihn ab, wir beten für ihn und die Angehörigen, und wir entzünden schon hier, mitten im Kirchenjahr, eine Kerze für ihn. Entzünden das Licht der Trauer am Licht der Auferstehung! Das rote Licht begleitet uns im Gottesdienst, steht unter dem Kreuz auf dem Altar, nimmt unsere Gedanken, den Trost, den gemeinsamen Gesang, Gottes Segen in sich auf. Bei den letzten Tönen der Orgel geben wir es den Angehörigen mit nach Hause.

Dieses Licht der Gemeinschaft und des Mitfühlens, entzündet für die Stunden der Einsamkeit und der Dunkelheit. Ein Leben ging zu Ende. Ein Leben beginnt. Hier fühlen wir uns mit Schwärze umhüllt, dort, so lassen wir es uns zusagen, ist reines Licht. Unser Leben fängt Feuer am Licht der Auferstehung. Es ist ein Anfang, denn … (Fortsetzung folgt)

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

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Wohin die Kirchensteuer geht

24. November 2017 von redaktionguh  
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Unerwartet: Die Einnahmen sprudeln, dank der guten Konjunktur. Und das, obwohl die Mitgliederzahlen sinken. Was haben die Kirchengemeinden vom Geldsegen?

Bei der Herbsttagung der Landessynode geht es immer auch um die Finanzen. Oberkirchenrat Stefan Große, der Finanzdezernent der EKM, hat schon andere Zeiten erlebt. Derzeit kann er seinen Bericht gelassen angehen. Die Kasse stimmt. Wie schon im vergangenen Jahr wird auch diesmal wieder ein Überschuss ausgewiesen. Die Einnahmen durch die Kirchensteuer, 54 Prozent der sogenannten Plansumme, sind in Folge höher als prognostiziert.

Die Kirchensteuer allein mache es aber nicht, so Große. »Die EKM hängt am Tropf der Westkirchen.« Ohne den Finanzausgleich, das Solidarsystem der EKD – 26 Prozent des kirchlichen Haushalts –, sähe es schlecht aus. Hinzu kommen noch die Staatsleistungen, eine Art Pachtzins für einst vom Staat enteignetes Kirchenland. Dabei handelt es sich im Übrigen nicht um staatliche Almosen. Sie sind Verpflichtungen nach den Verträgen mit den Bundesländern, die zu Beginn der 90er-Jahre geschlossen wurden, und werden für die Besoldung und Versorgung von Pfarrern und Kirchenbeamten eingesetzt.

Ohne Umwege: In der Friedenskirche in Kittelsthal im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen können Spender direkt entscheiden, wo ihr Geld ankommt. Foto: Mirjam Petermann

Ohne Umwege: In der Friedenskirche in Kittelsthal im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen können Spender direkt entscheiden, wo ihr Geld ankommt. Foto: Mirjam Petermann

In Summe stehen der Landeskirche 200 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Auf die 733 000 Mitglieder umgerechnet sind das 275 Euro Plansumme pro Gemeindeglied. Die Zahlen stammen aus dem Entwurf des Haushaltsplans, über den das Kirchenparlament auf der Herbsttagung berät und entscheidet.

Der überwiegende Teil des Plansummenanteils (210 Euro) steht den Kirchengemeinden und -kreisen zur Verfügung. Große betont, dass aber auch aus dem allgemeinen landeskirchlichen Anteil Aufgaben finanziert werden, die die Arbeit in den Gemeinden ergänzen und stärken. Der überwiegende Teil der Plansumme müsse sogar den Kirchenkreisen direkt oder indirekt zur Verfügung gestellt werden. Das sei im EKM-Finanzgesetz zwingend geregelt. Der Anteil für die allgemeinen Aufgaben der Landeskirche beinhalte beispielsweise Aufwendungen für die Ausbildung von Pfarrern, Gemeindepädagogen und Lektoren, für die Notfallseelsorge oder die Kinder- und Jugendarbeit sowie die Öffentlichkeitsarbeit. »Von jedem eingenommenen Euro gehen etwa 76 Cent in die Kirchenkreise und Gemeinden«, so der Finanzdezernent.

Eine Regelung, die die EKM von anderen Landeskirchen unterscheidet, ist die Tatsache, dass der landeskirchliche Anteil, also die Mittel, die dem Landeskirchenamt zur Erfüllung der Aufgaben zur Verfügung stehen, an die Entwicklung der Kosten im Verkündigungsdienst gekoppelt sind. Das heißt, wenn 2019 durch Einsparungen weniger Geld in die Kirchenkreise überwiesen wird, muss auch das Landeskirchenamt im gleichen prozentualen Verhältnis sparen. Das sorge dafür, erklärt Große, dass der allgemeine landeskirchliche Anteil nicht zu Lasten der Kirchengemeinden aufgebläht werde. Diese Koppelung gelte
»in guten, wie in schlechten Zeiten«.

Insgesamt werden ab Januar 2019, wenn das geänderte Finanzgesetz in Kraft tritt, 80 bis 90 Stellen in den 38 Kirchenkreisen wegfallen. Schon jetzt sind die Kreissynoden damit beschäftigt, darüber zu beraten und Stellenpläne zu entwerfen.

Die gute Konjunktur dürfe nach Großes Worten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die sinkenden Mitgliederzahlen und der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren voll durchschlagen werden. Die Landeskirche und die Kirchenkreise seien jedoch vorbereitet. Große sieht eine gute Basis, »nüchtern, aber angstfrei weiterzumachen« und die Einsparziele zu erreichen.

Bei immer weniger hauptamtlichen Mitarbeitern in den Gemeinden müsse sich die inhaltliche Ausrichtung verändern, so wie das bei den »Erprobungsräumen« versucht werde. »Wir wollen Räume eröffnen, Neues denken und dabei optimistisch und fröhlich Gottes Wort verkündigen.«

Willi Wild

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Synode: Mitteldeutsche Bilanz nicht gefragt

20. November 2017 von redaktionguh  
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Drei der sechs EKM-Vertreter in der EKD-Synode (v. l. n. r.): Jan Lemke, Colleen Michler und Andreas Piontek. Foto: Willi Wild

Drei der sechs EKM-Vertreter in der EKD-Synode (v. l. n. r.): Jan Lemke, Colleen Michler und Andreas Piontek. Foto: Willi Wild

Bonn (G+H) – Die Vertreter Mitteldeutschlands bei der EKD-Synode sehen die Leistungen und Erfolge der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der vielen Ehrenamtlichen bei der Bilanz des Reformationsjahres bei der EKD-Synodentagung in Bonn nicht ausreichend gewürdigt. »Die Vielen, die zum Gelingen beigetragen haben, sind unerwähnt geblieben«, sagte Andreas Piontek, Superintendent des Kirchenkreises Mühlhausen, am Rande der Synode.

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Baubeginn mit Ben und Lilli

20. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

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Spatenstich für die Andreasgärten der Johanniter am Petersberg

Es war mehr ein symbolischer Spatenstich. Am 2. November endete offiziell die planerische Phase für die Andreasgärten der Johanniter in Erfurt. Nun geht es Stein für Stein an die bauliche Umsetzung.

Eine Wohnlandschaft schaffen, die sich an die wandelnden Bedürfnisse des Lebens anpasst: Das ist die Idee der Andreasgärten. Das Quartier, das die Johanniter am Erfurter Petersberg planen, ist ein ehrgeiziges Projekt. 95 Wohnungen, 300 Autostellplätze und 140 Kindergartenplätze sollen auf dem Areal in bester Lage und an historischem Ort entstehen. Seit Februar wurden die alten Gebäude auf dem Brachland abgerissen, seit Juni stehen nur noch die denkmalgeschützten Gebäude.

Spatenstich für die Andreasgärten der Johanniter am Petersberg     Es war mehr ein symbolischer Spatenstich. Am 2. November endete offiziell die planerische Phase für die Andreasgärten der Johanniter in Erfurt. Nun geht es Stein für Stein an die bauliche Umsetzung. Eine Wohnlandschaft schaffen, die sich an die wandelnden Bedürfnisse des Lebens anpasst: Das ist die Idee der Andreasgärten. Das Quartier, das die Johanniter am Erfurter Petersberg planen, ist ein ehrgeiziges Projekt. 95 Wohnungen, 300 Autostellplätze und 140 Kindergartenplätze sollen auf dem Areal in bester Lage und an historischem Ort entstehen. Seit Februar wurden die alten Gebäude auf dem Brachland abgerissen, seit Juni stehen nur noch die denkmalgeschützten Gebäude.  Schon innerhalb eines Jahres soll die Kindertagesstätte fertig sein. Zeitgleich wird an einer eingeschossigen Tiefgarage gebaut, anschließend soll das Wohnquartier errichtet werden. Für den ehrenamtlichen Landesvorstand Christian Meyer-Landrut ist das Projekt zukunftsweisend. Und nicht nur das: »Hier können christliche Werte gelebt werden und damit gesellschaftliche Relevanz erlangen«, ist er sich sicher.  Familien mit Kindern finden hier Raum, doch wenn die Kinder aus dem Haus sind, habe man als Mieter die Möglichkeit, sich zu verkleinern und doch im gewohnten Areal zu bleiben. Dort, wo man beheimatet sei und wo alle nötigen Dienstleistungen vor Ort seien. Gemeinsam leben, für einander da sein, das ist der Sinn des Projektes. Was die Johanniter planen ist so einfach wie herausragend: Einen ganzen »Blumenstrauß des Lebens« – von der Kindertagesstätte bis zur altersgerechten Wohnung. Dafür werden 30,5 Millionen Euro investiert. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein lobte das Konzept und zeigte sich begeistert davon, dass mit dem Bauprojekt der Petersberg im Herzen der Stadt wieder belebt werde. Interessenten gibt es viele – vor allem für das generationsübergreifende Wohnen. Darum waren auch zahlreiche ältere Interessenten gekommen, die den Festakt erleben und sich über die Möglichkeiten der Andreasgärten informieren wollten. Ben und Lilli und die Kinder der Johanniter-Kindertagesstätte »Riethspatzen« untermalten die Veranstaltung mit fröhlichen Liedern. Auch sie wollen hier bald einziehen. Der Erstbezug ist für 2020 geplant.  Diana Steinbauer

Erste Schippen Sand für das Projekt: Ben und Lilli mit OB Andreas Bausewein (li.) und Andreas Weigel und Christian Meyer-Landrut vom Landesvorstand der Johanniter. Foto: Diana Steinbauer

Schon innerhalb eines Jahres soll die Kindertagesstätte fertig sein. Zeitgleich wird an einer eingeschossigen Tiefgarage gebaut, anschließend soll das Wohnquartier errichtet werden. Für den ehrenamtlichen Landesvorstand Christian Meyer-Landrut ist das Projekt zukunftsweisend. Und nicht nur das: »Hier können christliche Werte gelebt werden und damit gesellschaftliche Relevanz erlangen«, ist er sich sicher.

Familien mit Kindern finden hier Raum, doch wenn die Kinder aus dem Haus sind, habe man als Mieter die Möglichkeit, sich zu verkleinern und doch im gewohnten Areal zu bleiben. Dort, wo man beheimatet sei und wo alle nötigen Dienstleistungen vor Ort seien. Gemeinsam leben, für einander da sein, das ist der Sinn des Projektes. Was die Johanniter planen ist so einfach wie herausragend: Einen ganzen »Blumenstrauß des Lebens« – von der Kindertagesstätte bis zur altersgerechten Wohnung. Dafür werden 30,5 Millionen Euro investiert. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein lobte das Konzept und zeigte sich begeistert davon, dass mit dem Bauprojekt der Petersberg im Herzen der Stadt wieder belebt werde.

Interessenten gibt es viele – vor allem für das generationsübergreifende Wohnen. Darum waren auch zahlreiche ältere Interessenten gekommen, die den Festakt erleben und sich über die Möglichkeiten der Andreasgärten informieren wollten. Ben und Lilli und die Kinder der Johanniter-Kindertagesstätte »Riethspatzen« untermalten die Veranstaltung mit fröhlichen Liedern. Auch sie wollen hier bald einziehen. Der Erstbezug ist für 2020 geplant.

Diana Steinbauer

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