Ich setze auf die Liebe – Schluss!

4. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Römer 12, Vers 21

Der Hass ist wieder hoffähig geworden. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich Hass in dieser Weise selbst einmal erleben werde. Ich hätte nicht gedacht, dass Menschen gegen Menschen aufstehen, in offenem Hass entbrannt, in dem sogenannten christlichen Abendland. Ich hätte nicht gedacht, dass ich selbst anfällig bin für einen Hass auf die Menschen, die andere hassen – warum auch immer, nur weil sie anders sind. Das war naiv gedacht!

Juliane Kleemann, Theologische Referentin im EKD-Zentrum für Mission in der Region

Juliane Kleemann, Theologische Referentin im EKD-Zentrum für Mission in der Region

Es ist noch ein weiter Weg bis das Abendland ein christliches ist, nicht nach dem Wort, sondern dem Geiste nach. Paulus, der große Theologe der frühen Christenheit, wird in seinem Brief an die Gemeinde in Rom deutlich, was Nachfolge Christi nicht ist. Und er wird deutlich, was sie ist: sie ist fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Sie ist gastfreundlich, sie segnet die Verfolger, freut sich mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. Sie vergilt nicht Böses mit Bösem. Nach Möglichkeit hält sie mit allen Menschen Frieden und sie widersteht eigenen Rachegelüsten. Und dann: Überwinde das Böse mit Gutem! – Mächtige Worte ohne machtlüstern zu sein. Starke Worte ohne die Stärke heraushängen zu lassen. Ein Achtungszeichen.

Alltäglich klopft die Versuchung in unterschiedlichstem Gewand auf die eigene Schulter. Und sie ist so süßlich verlockend: die eigene Rechthaberei, die eigene Bedeutung gegenüber anderen, auch die hochgehaltene eigene Demut. Aber was ist nun das Gute, mit dem man selbst dem Bösen und der Versuchung begegnen kann? Diese Frage geht an das eigene Gewissen, an die eigenen Überzeugungen. Es ist letztlich die sehr persönliche Frage: Wie will ich als Christ in der Welt leben?

Hanns Dieter Hüsch hat diese Frage in einem Gedicht für sich selbst so beantwortet: »Ich setze auf die Liebe, wenn Sturm mich in die Knie zwingt … es hat noch niemand den Hass besiegt ohne ihn selbst zu beenden. … Er kann mir sagen was er will. … Ich setzte auf die Liebe! Schluss.«

Juliane Kleemann, Theologische Referentin im EKD-Zentrum für Mission in der Region

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