Die Zugewinngemeinschaft

10. November 2017 von redaktionguh  
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Positiver Trend: Erstmals seit 15 Jahren wurden im vorvergangenen Jahr in Deutschland wieder mehr als 400000 Ehen geschlossen. Im Gegenzug dazu ließen sich seit 2008 jährlich weniger Paare scheiden.

Die Zahlen und die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im Juli dieses Jahres durch den Bundestag könnte als Indiz gelten, dass die Ehe gerade eine enorme Aufwertung erfährt. Dass sie eine erstrebenswerte Verbindung sei, die es wert ist, allen ermöglicht zu werden.

Ein Stück vom Kuchen: Das gemeinsame Anschneiden der Torte gehört für viele Paare zur Tradition an ihrem Hochzeitstag – ob sie ihre gemeinsame Zukunft nun mit oder ohne Gottes Segen planen. Foto: Igor Link – stock.adobe.com

Ein Stück vom Kuchen: Das gemeinsame Anschneiden der Torte gehört für viele Paare zur Tradition an ihrem Hochzeitstag – ob sie ihre gemeinsame Zukunft nun mit oder ohne Gottes Segen planen. Foto: Igor Link – stock.adobe.com

Doch schließen Paare mit Anfang 20 den Bund fürs Leben, werden sie nicht selten in ihren Familien oder ihrer Umgebung belächelt und als unwissend und blauäugig bezeichnet. Dies zeigt die fundamentale Veränderung der Ehe als Wert deutlich. War sie einst Grundlage des Zusammenlebens und Ausgangspunkt der Familiengründung, ist sie nun häufig zum Sahnehäubchen geworden, das eventuell dazu kommt, wenn das Haus gebaut ist und die Kinder bereits da sind.

Fast über Nacht wurde der Begriff »Ehe« im deutschen Recht umgedeutet, sodass nicht mehr Mann und Frau der Stand der Ehe vorbehalten ist, sondern ebenso Mann und Mann und Frau und Frau eine Ehe eingehen können. Was im staatlichen Bereich Realität ist, soll es nun auch im kirchlichen werden. In den einzelnen Landeskirchen sehen die Regelungen sehr unterschiedlich aus.

In der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz oder der badischen Landeskirche beispielsweise ist die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare der traditionellen gleichgestellt. In den Landeskirchen in Bayern, Braunschweig und Oldenburg sind lediglich Segnungen möglich, die teilweise nicht öffentlich sein sollen und in jedem Fall von einer Trauung zu unterscheiden sein müssen.

In der Landeskirche Anhalts entscheiden Gemeinde und Pfarrer gemeinsam über eine Segnung homosexueller Paare. Auch in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist es seit 2012 möglich, dass Paare, die in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben, in einem Gottesdienst gesegnet werden können. Bereits im Frühjahr forderte jedoch die Evangelische Jugend der EKM die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare der Trauung von Mann und Frau gleichzustellen. Für sie ist die Unterscheidung diskriminierend und die Aufrechterhaltung eines Zwei-Klassen-Segens. Aktuell liegt die Thematik dem Ausschuss für Theologie und Gemeindeaufbau zur Beratung vor.

Langes Ringen um eine Erklärung zum Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren gab es auch innerhalb der Deutschen Evangelischen Allianz. Sie veröffentlichte dazu Ende September ein Positionspapier. Das Fazit: Nach Ansicht der Evangelischen Allianz können »homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden«.

Von der Bibel, als »verbindlicher Maßstab in allen Fragen des christlichen Glaubens und der Lebensführung« ausgehend, werde die Ehe »als eine gute Stiftung Gottes« betrachtet, »in der Mann und Frau einander ganzheitlich – inklusive der geschlechtlichen Gemeinschaft – zugeordnet sind«. Weiter heißt es: »Die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis ist mit dem Willen Gottes und damit dem biblischen Ethos unvereinbar.« Abschließend wird aber auf die »vorbehaltlose Annahme aller Menschen« im Evangelium verwiesen und darauf, dass jeder genauso anzunehmen ist, »wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre«. (Römer 15,7)

Den Status der »Ehe« in unseren Gemeinden und der Gesellschaft zu erfassen, ist eine Herausforderung. Dabei ist die Problematik der Begrifflichkeit genauso schwierig, wie die Frage nach der Relevanz und dem gesellschaftlichen Ansehen dieser verbindlichen Art des Zusammenlebens. »Warum Ehen mit Gott länger halten« betitelte »Die Zeit« in diesem Sommer einen Artikel, der verschiedene Studien vorstellte, die nachwiesen, dass »religiöse Paare ein deutlich geringeres Scheidungsrisiko als Verheiratete ohne Bezug zur Kirche haben«.

Eine Ehe mit Gott zu führen, ist kein Garant für lebenslanges Zusammensein. Aber Gott gibt der Ehe mit seinem Segen einen anderen Stellenwert, der über das bloße Gestalten des gemeinsamen Lebens hinausgeht.

Mirjam Petermann

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