Das ist meine Hoffnung: Gottes Gnade hat das letzte Wort

18. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

2. Korinther 5, Vers 10

Es gibt so Tage, aus denen könnte man bequem zwei machen. Alles rauscht an mir vorbei, und ich habe kaum Gelegenheit innezuhalten und mich zu fragen, ob das, was ich da gerade tue, wirklich gut ist – gut für mich und gut für andere. Manchmal holt mich das ein paar Tage später wieder ein, wenn mich jemand anspricht und fragt, warum ich neulich so schroff war. Dann bin ich oft überrascht und auch ein wenig erschrocken über mich selbst.

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Dass das an einem hektischen Tag passieren kann, ist mir schon klar, und es ärgert mich nichts so sehr wie der Umstand, dass ich es offenbar selbst nicht mal gemerkt habe. Und dann frage ich mich, wie viele Menschen ich an diesem hektischen Tag wohl noch vor den Kopf gestoßen oder ihnen nicht die Aufmerksamkeit gewidmet habe, die sie verdienen. Ich nehme mir viel zu oft viel zu wenig Zeit, um zurückzuschauen auf das, was ich so den Tag über getan habe. Abends lege ich dann alles in mein abendliches Vaterunser. Dennoch bleibt das Gefühl, dass da zu viel unter meinen persönlichen Teppich gekehrt wird. Abhaken und weitermachen lautet die Devise.

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. – Was im ersten Moment wie eine Drohung klingt, birgt für mich auch eine Hoffnung. Die Hoffnung, dass nichts vergessen ist. Dass ich irgendwann vor meinem Herrn stehe und wir gemeinsam auf all das schauen, was in diesen hektischen Zeiten meines Lebens untergegangen und zu kurz gekommen ist. Ich glaube, es gibt dann einiges zu beweinen, sicher etwas zu lachen, viel zu bereuen und manches zu wundern.

Ich habe keine Angst vor diesem jüngsten Tag, weil ich glaube und hoffe, dass das Wort der Gnade das letzte Wort ist, das über mich gesprochen wird. Dieser Glaube gibt mir die Kraft in hektischen Zeiten. Wenigstens die Kraft für ein Stoßgebet und das Vertrauen darauf, dass es gehört wird. Um dann in knappen Worten all meine Schuld aussprechen zu dürfen und darauf zu vertrauen, dass irgendwann Zeit ist, zu trauern und zu bereuen und offenbar zu werden.

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.