Seife der Hoffnung

27. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Träume, keine Schäume: Mit einem ungewöhlichen Projekt unterstützt die Kirchen­gemeinde Rüdersdorf eine Manufaktur in Syrien.

Syrien ist für kostbare Seifen in aller Welt bekannt und die Seifenmanufaktur hat eine lange Tradition. Avedis Titizian stellt seine Seife nach alten Rezepten aus reinem Lorbeer- und Olivenöl her. Sie ist frei von künstlichen Duft- und Farbstoffen und enthält keine tierischen Fette. Diese Seife gehört im Jahre 2017 zu den Aktionen innerhalb des Projektes »Hilfe für Nahost«. Seit 2014 hilft Pfarrer Christian Kurzke aus Rüdersdorf im Kirchenkreis Gera mit verschiedenen Aktionen den geflohenen Menschen, die direkt in den Gebieten Nordirak, Syrien und Libanon leben. Auf große Unterstützung konnte und kann der Organisator dabei von der Landeskirche, kirchlichen Organisationen und vielen privaten Spendern zählen. 2017 sind 80 000 Euro von der Landeskirche in das Programm von Christian Kurzke geflossen. Die Mittel wurden im Rahmen des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der EKM (KED) vom Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum zur Verfügung gestellt. Diese Gelder gingen an die christlichen Organisationen CAPNI (Christian Aid Program Northern Iraq) und an NESSL (The National Evangelical Synod of Syria and Lebanon). Damit werden Schülertransporte unterstützt. Diese bringen die Schüler aus entlegenen Dörfern zu den Bildungseinrichtungen der Hilfsorganisationen.

Versand: Pfarrer Christian Kurzke und Konfirmandin Lea Voigt sind fleißig dabei, die Bestellungen der »Seife der Hoffnung« einzupacken. Foto: Wolfgang Hesse

Versand: Pfarrer Christian Kurzke und Konfirmandin Lea Voigt sind fleißig dabei, die Bestellungen der »Seife der Hoffnung« einzupacken. Foto: Wolfgang Hesse

Pfarrer Christian Kurzke zeigt stolz die 2017 zusammengekommene Spendensumme in Höhe von 130 000 Euro. »Unser Hilfsprojekt ist mittlerweile so bekannt, dass Spenden aus allen Teilen Deutschlands auf unserem Konto eintreffen«, sagt der Gemeindepfarrer. »Eine größere Summe ging an die Poliklinik einer Kirchengemeinde in Minyara im Nordlibanon und an die Frauenarbeit von Pfarrer Abuna Jihad Nassif aus Homs, den wir in diesem Jahr persönlich hier in Rüdersdorf begrüßen durften.«

Die Hilfe ist ganz konkret für Menschen vor Ort bestimmt, wie etwa für den Manufakturbetrieb von Avedis Titizian. Der 34-Jährige gehört zu den Kriegsflüchtlingen aus Kessab, am Fuße des Musa Dagh, unweit von Aleppo. Er ist armenischer Christ und zählt zu den Nachkommen, die den Genozid 1915 überlebten. Drei Monate plünderten dschihadistische Truppen im Frühjahr 2014 systematisch die Stadt Kessab, zerstörten Häuser und Kirchen, bevor sie vertrieben wurden. Nur wenige ehemalige Bewohner kehrten nach Kessab zurück. Zwei Drittel der vormals 6 000 Einwohner gingen ins Ausland.

Neuanfang mit Hilfe aus dem Kirchenkreis Gera

Avedis Titizian stand nach seiner Rückkehr vor dem Nichts. Seine Manufaktur gab es praktisch nicht mehr, alles war zerstört oder gestohlen und es gab keine Entschädigung vom syrischen Staat. »Mit dem Bisschen, was mir geblieben ist, habe ich wieder angefangen Seife herzustellen«, berichtet Avedis Titizian. Niemand im Bürgerkriegsland kann jedoch heute seine hochwertige Seife kaufen. Deshalb unterstützt die Hilfe für Nahost Avedis Titizian, seine Seife in Deutschland zu verkaufen. Für 500 Kilogramm Seife werden ca. 10 000 Euro an die Manufaktur zurückgehen. »Wir hatten hier 3 500 Stück Seife und in den ersten 14 Tagen haben wir über 2 000 Stück davon verkauft«, freut sich Pfarrer Christian Kurzke.

»Das gelingt uns nur durch ein feinmaschiges Vertriebsnetz und den Online-Netzwerken von Diakonie, Kirchen und Gemeinden.« Die komplette Logistik von Verpackung bis hin zum Versand liegt im Gemeindebüro Rüdersdorf. »Ohne die Hilfe der Konfirmanden, den Kindern vom Chor und deren Eltern könnte ich das alleine nicht stemmen«, bemerkt Christian Kurzke.

Die »Seife der Hoffnung« ist, wie alle Aktionen von Pfarrer Christian Kurze, eine Hilfe für Flüchtlinge und Christen vor Ort, die in ihrer Heimat bleiben. Auch Avedis Titizian wollte nach Armenien auswandern. »Syrien ist meine Heimat. Ich liebe dieses Land und meine Eltern brauchen mich«, sagt er. »Mein größter Wunsch ist Frieden für Syrien. Mit dem Geld möchte ich meine Seifenmanufaktur erweitern und möglicherweise Arbeitsplätze schaffen. So kann ich meinem Land am besten helfen und auf Frieden hoffen.«

Wolfgang Hesse

Nähere Informationen unter E-Mail
<christiankurzke@web.de>

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.