Licht und Holz zum Lob Gottes

11. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Die Ankunft der neuen Prinzipalstücke im Evangelischen Predigerseminar Wittenberg fiel auf einen unruhigen Tag.

Es war, erinnert sich Hanna Kasparick, der 5. Oktober: Sturmtief Xavier zog mit Orkanböen übers Land und hinterließ auch in der Lutherstadt und Umgebung Schäden, besonders in der Natur. Unversehrt gelangten indes die Preziosen ins Schloss zum Predigerseminar. Später, sagt dessen scheidende Direktorin, da haben beim Aufbau der Prinzipalien die Vikare das Lied »Großer Gott, wir loben dich« gesungen. Gründe zu loben und zu danken, gibt es in diesen Tagen wohl einige. Denn nach Jahren des Exils, verbunden auch mit Rückschlägen auf der Großbaustelle Schloss, ist das Seminar nun in seinem neuen Domizil angekommen. Die Trauerarbeit über den Auszug aus dem Augusteum und den »Verlust« desselben im Jahr 2012 an die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt scheint bewältigt.

Grund zur Freude bieten die Prinzipalstücke, die der in München beheimatete Bildhauer Werner Mally für die Seminar-Aula, gern auch Winterkirche genannt, geschaffen hat. Altar, Taufe, Kanzel, Leuchter – herausgearbeitet aus geschichtetem Birkenholz. Sie wirken wie der Gegenentwurf zu den oftmals prunkvollen sakralen Ausstattungsgegenständen vergangener Zeiten in Kirchen. Und müsste man Mallys Arbeit mit Musik beschreiben, so fiele einem vielleicht Arvo Pärt ein. Dem estnischen Komponisten gelingt mit betörender Einfachheit und wenigen Tönen, wofür andere ein ganzes Orchester brauchen: Er berührt die Menschen, so sie dafür empfänglich sind, ganz unmittelbar und nicht selten tief.

Mally, der schon einige Prinzipalien konzipiert hat, verzichtet bei seiner Schöpfung für das Predigerseminar auf jegliche Form von Zierrat. Was wirkt, sind das Material und die Formen und, das vor allem, die dem Ganzen zugrunde liegende künstlerische Idee: So sei aus dem Altar die Taufe entstanden und aus der Taufe die Kanzel, die aufs Wort weist, welches im Osterleuchter schließlich Licht wird. Jenseits rezeptionsästhetischer Betrachtungen kann Kasparick freilich auch zur Genese dieser Prinzipalstücke Auskunft geben. So habe es bereits seit 2014 eine Beratergruppe gegeben: zu ihr gehörten neben anderen Christian Lehnert vom Liturgiewissenschaftlichen Institut an der Universität Leipzig, Bettina Seyderhelm als Kunstbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und Thomas Erne, Direktor des Instituts für Kirchenbau (Marburg).

Winterkirche: Die Seminar-Aula des Predigerseminars im Schlossensemble. Fotos (2): Thomas Klitzsch

Winterkirche: Die Seminar-Aula des Predigerseminars im Schlossensemble. Fotos (2): Thomas Klitzsch

Am Beginn der Überlegungen stand die Maßgabe, dass hier oben auf dem Wittenberger Schloss, quasi zwischen Himmel und Erde, keine Mehrzweckhalle entstehen soll, sondern ein liturgisch-geistlich geprägter Raum. Der mutet bewusst schlicht an. Ein entscheidendes architektonisches Element ist das Licht, das unter anderem durch ein ellipsenförmiges Oberlicht fällt. Bei den Prinzipalien standen Funktionalität – etwa sollten sie beweglich sein – sowie die Wirkung im Vordergrund. Für die Ausführung kamen laut Kasparick Vorschläge aus der Beratergruppe, irgendwann standen »sieben, acht Namen« im Raum. Bei einer geheimen Abstimmung lag Werner Mally vorn.

Etwa 50 000 Euro mussten, so Hanna Kasparick, für die Prinzipalstücke aufgebracht werden, davon kamen anteilig 25 000 Euro vom Verein Ausstellungshaus christliche Kunst sowie von den Landeskirchen, die in Wittenberg ausbilden lassen. Die offizielle Indienstnahme soll am 7. Dezember erfolgen, wenngleich sie in der Winterkirche bereits Abendmahl gefeiert haben. Am
9. Dezember kann schließlich bei einem Tag der offenen Tür auch die interessierte Öffentlichkeit die Studieneinrichtung besichtigen.

Corinna Nitz

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Stollen für Bibeln

11. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Aktion: Backwerk aus Zieko soll mithelfen, dass Bücher nach Äthiopien kommen

Als in anderen Orten noch der Abschluss des Reformationsjubiläums gefeiert wurde, wurde im Pfarrgarten von Zieko wieder einmal der alte Backofen geheizt. Seit 2006 agiert in dem Dorf im Kirchenkreis Zerbst mehrere Male im Jahr ein Back-Team um den Kirchenältesten und Konditormeister Andreas Nestmann. Wurden in den Anfangsjahren Speckkuchen und Brote für Gemeindefeste gebacken, war es Ende Oktober wieder Weihnachtsgebäck: Genau hundert je ein Kilogramm schwere Stollen, die das Team aus den gespendeten Rohstoffen der Wikana Keks- und Nahrungsmittel GmbH herstellte, verließen den Backofen – und gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. »Wer einen Stollen haben will, muss vorbestellen«, sagt Pfarrer Martin Bahlmann. Gebacken wird immer für einen guten Zweck. Konfirmanden zum Beispiel buken hier schon Brote für »Brot für die Welt«. In diesem Jahr fließt der Erlös der Stollen in den Versand von etwa 2 000 deutsch-oromischen Kinderbibeln nach Äthiopien. 790 Euro sind schon für die Transportkosten gespendet worden.

Dass sich die Hoffnungsgemeinde Zieko für Äthiopien engagiert, ist einer Frau zu verdanken, die heute nicht mehr in dem Ort lebt: Gerit Kostolnik (heute verheiratete Decke) reiste 2001 mit dem Berliner Missionswerk und der Evangelischen Erwachsenenbildung nach Äthiopien. Daraus entwickelte sich eine Partnerschaft Anhalts zur Western-Wollega-Bethel-Synode der Mekane-Yesus-Kirche im Rahmen des Berliner Missionswerkes. Sie wurde mit Beschluss der anhaltischen Kirchenleitung vom 22. Juni 2005 besiegelt und entwickelte sich unter Bahlmanns Vorgänger Dankmar Pahlings weiter. So wurden unter anderem Stipendien für Theologie-Studierende finanziert oder das Aufbaustudium für einen äthiopischen Pfarrer. Besuchsreisen kamen in größeren Abständen zustande. »Und jedes Mal, wenn Äthiopier zu Gast im Berliner Missionswerk sind, kommen sie auch nach Zieko«, berichtet Pfarrer Bahlmann.

Foto: Anh. Bibelgesellschaft

Foto: Anh. Bibelgesellschaft

Ein großes Projekt war die im März 2015 vorgestellte Kinderbibel in der äthiopischen Sprache Oromisch und in Deutsch. Hierfür hatten Kinder aus Gemeinden beider Kirchen Bilder zu 14 Geschichten aus dem Neuen Testament gemalt. Zudem stellt das Buch auch Glauben und Leben in der jeweils anderen Kirche vor. Die Idee, so etwas in Anhalt zu machen, hatte Pfarrer Bahlmann, nachdem er vor Jahren eine viersprachige Kinderbibel gesehen hatte, die der Synodalverband IV der Evangelisch-reformierten Kirche zusammen mit der Presbyterianischen Kirche von Ghana und der Norddeutschen Mission herausgegeben hatte.

Von der deutsch-oromischen Kinderbibel wurden drei Paletten gleich im Frühjahr 2015 nach Äthiopien geliefert. Die Bücher sind zum Beispiel in Sonntagsschulklassen im Einsatz. Von den in Deutschland befindlichen Bibeln können noch Exemplare an Interessenten verkauft werden. Das nächste Partnerschaftsprojekt ist schon geplant. »Wir wollen Geld für eine Getreidemühle sammeln, die die Menschen im Kirchenkreis Alaku dringend benötigen«, so Pfarrer Bahlmann.

Angela Stoye

Kinderbibel-Preis: 10 Euro. Bestellung: Pfarrer Torsten Neumann, Anhaltische Bibelgesellschaft, E-Mail <bibel@kircheanhalt.de>

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Nächstenliebe kommt zum Zug

11. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Streckenposten: Am zweiten Advents-Wochenende nimmt die Deutsche Bahn ihre neue »Rennstrecke« zwischen Berlin und München komplett in Betrieb. Reisende, die Hilfe brauchen, bekommen diese am Knotenbahnhof Erfurt von der Bahnhofsmission.

Heute kommen Uwe Friese, Magdalena Steinhöfel und Beate Wichmann ganz schön ins Schwitzen. Vier Stunden lang arbeiten sie an diesem Freitagnachmittag ehrenamtlich für die neue Bahnhofsmission am Erfurter Hauptbahnhof. Diebe haben auf der Strecke in Richtung Leipzig Teile der Oberleitung gestohlen. Das wirbelt den Fahrplan gehörig durcheinander. Viele Reisende sind stundenlang verspätet, verpassen Anschlüsse und sind froh, dass sie jemanden haben, der mit Rat und Tat zur Seite steht.

Foto: Markus Wetterauer

Foto: Markus Wetterauer

Oft sind es nur kleine Gesten, die weiterhelfen: Mal ist es ein Hinweis auf den Anschlusszug, für die Mutter mit Kinderwagen ist es der Tipp mit dem Aufzug. Seit Juni sind die 15 Freiwilligen der Erfurter Bahnhofsmission unterwegs als »Engel am Zug«. Jeden Freitagnachmittag helfen sie. Entstanden ist die Bahnhofsmission aus einer Gruppe von Menschen, die sich ganz allgemein für andere engagieren wollte. Schnell fand sich der Bahnhof als Ort, wo Menschen immer wieder Hilfe brauchen.

»Sowohl beim Bahn-Management als auch bei den Mitarbeitern in den Geschäften und bei der Stadt haben wir viel Resonanz erfahren und offene Türen eingerannt«, erinnert sich Hubertus Schönemann, selbst leidenschaftlicher Zugfahrer und einer der Initiatoren.
Im Gegensatz zu den Bahnhofsmissionen in anderen deutschen Städten läuft bisher alles auf freiwilliger Basis ab. Es gibt keine hauptamtlichen Mitarbeiter. Und vor allem: Es fehlt an einem Raum. »Das ist eine schwierige Situation, weil es Fälle gibt, wo es drauf ankäme, jemanden mal hinzusetzen, ein Gespräch zu führen und ein Glas Wasser zu geben«, so Schönemann. Hätte man einen solchen Raum, »dann könnten wir auch längere Zeiten abdecken« – und nicht nur den Freitagnachmittag.

Meistens sind zwei oder drei Freiwillige zu den Diensten am Gleis eingeteilt. Zu Beginn waren die Helfer ohne die leuchtend blauen Jacken der Bahnhofsmission unterwegs. Das war manchmal etwas schwierig, wie sich Magdalena Steinhöfel erinnert. »Es ist niemand auf uns zugekommen, weil wir ja auch normale Reisende hätten sein können«, so Steinhöfel, die praktische Theologie an der Universität Jena studiert und gerade an ihrer Doktorarbeit schreibt. »Wenn wir dann Hilfe angeboten haben, wurden wir erst mal skeptisch angeschaut.« Das hat sich geändert: Alle sind klar als Bahnhofsmission erkennbar: »Wir gehören quasi zum Inventar des Bahnhofs und die Leute verbinden mit uns Hilfeleistung.«

Auch Dagmar Schumann hat bei Zugreisen schon die Hilfe der Bahnhofsmission in Anspruch genommen: Zug verpasst, Anschluss weg – und sie wusste nicht, was sie machen sollte. Als sie vor Kurzem hörte, dass in Erfurt eine Bahnhofsmission gegründet wird, wollte sie mitmachen, »und die Hilfe weitergeben, die ich bekommen habe«. Jetzt ist sie selbst im Einsatz am Bahnsteig.

Hubertus Schönemann wünscht sich noch mehr Freiwillige für das Team. Zwischen 25 und 30 strebt er an. Künftig gehört auch Luzia Rosenstengel-Kromke dazu. »Ich war ein paar Mal zum Schnuppern da«, erzählt sie. Bei einem Rundgang durch den Bahnhof hat sie so alle wichtigen Einrichtungen und das Bahnpersonal kennengelernt. Schon bisher wurde sie bei ihren Bahnreisen immer wieder mal angesprochen und von anderen Reisenden um Hilfe gebeten. Jetzt will sie andere regelmäßig unterstützen: »Das macht ja auch für einen selbst einen Sinn.«

Markenzeichen: Die blauen Westen mit dem Emblem der Bahnhofsmission signalisieren den Reisenden: Hier bekommen sie Hilfe. Foto: Markus Wetterauer

Markenzeichen: Die blauen Westen mit dem Emblem der Bahnhofsmission signalisieren den Reisenden: Hier bekommen sie Hilfe. Foto: Markus Wetterauer

Helfen und etwas weitergeben, das wollen die Helfer der Erfurter Bahnhofsmission aus christlicher Überzeugung. An den Adventsfreitagen soll das auch durch Fünf-Minuten-Impulse am großen Christbaum in der Eingangshalle des Bahnhofs geschehen: ein kurzes Musikstück, ein Gedanke zum Mitnehmen, ein Segensspruch für die Reisenden.

Wie wichtig Reden und Zuhören ist, hat Hubertus Schönemann vor ein paar Wochen erst wieder erfahren. Bei einem Einsatz traf er einen älteren Herrn, der im Urlaub einen Herzinfarkt hatte. Bevor dessen Frau ihn abholte, kümmerte sich Schönemann zwei Stunden lang um ihn, setzte sich zu ihm in den Wartesaal, gab ihm ein Glas Wasser, hörte ihm zu. Der Mann erzählte seine Lebensgeschichte und wie es ihm jetzt geht mit dem Herzinfarkt. Dann kam die Frau an, weinend, weil sie sich so gesorgt hatte, wie Hubertus Schönemann berichtet. »Wenn ich so etwas erlebe, dann weiß ich, warum ich das mache.«

Markus Wetterauer

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Terminreiches Jubiläumsjahr

11. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Auswahlchor des Posaunenwerks feierte 500 Jahre Reformation und einen runden Geburtstag

Für den Auswahlchor des Posaunenwerkes der EKM endet ein terminreiches Jubiläumsjahr. Nicht nur die Reformation feierte Geburtstag – auch der Auswahlchor, der seit zehn Jahren besteht. 2007 von Landesposaunenwart Frank Plewka gegründet, gestaltet der Chor Gottesdienste und Konzerte, spielt vor Synoden und Fernsehkameras. Von Beginn an dabei ist Manuela Werner aus Halle.

Musik verbindet: Auch im Auswahlchor des EKM-Posaunenwerks spielen Männer und Frauen, Jung und Alt, Menschen aus dem Norden und aus dem Süden der Landeskirche. Foto: Posaunenwerk der EKM

Musik verbindet: Auch im Auswahlchor des EKM-Posaunenwerks spielen Männer und Frauen, Jung und Alt, Menschen aus dem Norden und aus dem Süden der Landeskirche. Foto: Posaunenwerk der EKM

Es begann mit einem Brief der Kirchengemeinde, erinnert sich Manuela Werner. Der Posaunenchor suchte Nachwuchs. Die damals Elfjährige ging zur Schnupperstunde und kam mit einem Flügelhorn zurück. Das tauschte sie erst gegen eine Trompete, diese später gegen eine Posaune ein. »Als Studentin war ich dann nur noch sporadisch in meinem Posaunenchor zu Hause, habe mir aber am Studienort einen neuen gesucht«, erzählt die gebürtige Nordhessin, die in der »Arche Nebra«, dem Museum am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra, arbeitet. Mit Anfang 20 hängte sie die Posaune an den Nagel und begann Waldhorn zu lernen. »Eigentlich habe ich mir überall, wo es mich hin verschlug, einen Posaunenchor gesucht«, sagt die heute 42-Jährige.

In den Auswahlchor sei sie eher zufällig geraten. Frank Plewka hatte sie angesprochen, weil noch ein Horn fehlte und er ihr die Aufgabe zutraute. Die Aufnahme in den Auswahlchor erfolgt in der Regel nach einem Probespiel vor einer Jury. Erwartet werden neben der Mitgliedschaft in einem Posaunenchor des Posaunenwerks sowie der Bereitschaft zum Erarbeiten anspruchsvoller Literatur und intensiver Probenarbeit auch die Fähigkeit, mittelschwere Stücke vom Blatt zu spielen sowie Tonarten mit bis zu fünf Vorzeichen zu beherrschen, rhythmische Sicherheit und Kenntnisse verschiedener Stilrichtungen. »Wir sind aber kein ›Elite-Ensemble‹, sondern fest in unseren Gemeindeposaunenchören verankert«, so Manuela Werner.

Posaunenchöre – oft liebevoll »mobile Allwetter-Orgeln« genannt – sind aus der Gemeindearbeit nicht wegzudenken. Manch katholischer Pfarrer beneidet seinen evangelischen Amtsbruder darum, und vielerorts sind es evangelische Bläserchöre, die zu katholischen Anlässen lautstarke Ökumene pflegen. »Posaunenchöre haben den Auftrag, Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen musikalisch auszugestalten«, weiß Manuela Werner. »Aber sie sind auch eine besondere Gruppe innerhalb der Gemeinde. Hier machen die verschiedensten Leute zusammen Musik – Alt und Jung, Männer und Frauen, unterschiedliche soziale Gruppen. Für nicht wenige Mitglieder ist der Kontakt zur Gemeinde und zur Kirche wesentlich durch den Posaunenchor geprägt.«

Als Aushängeschild der Posaunenchorarbeit in der EKM will der Auswahlchor anderen Posaunenchören Mut machen, auch Neues auszuprobieren. In Konzerten sind deshalb neben vierstimmigen Arrangements für Blechbläser-Ensembles immer auch Stücke aus der üblichen Posaunenchorliteratur zu hören – von der modernen Choralbearbeitung bis zum klassischen Bach-Choral. Insgesamt reicht das Repertoire von Frühbarock bis Rockmusik.

In ihr Ehrenamt investieren die Mitglieder des Auswahlchores viel Zeit und nehmen für Proben und Auftritte oft weite Wege in Kauf. Aber der Chor ist in den zehn Jahren zu einer guten Gemeinschaft gewachsen. Posaunenchorarbeit ist eben nicht nur Dienst, sondern macht auch Spaß – ob »unten« an der Basis oder weiter »oben« im Auswahlchor des Posaunenwerkes der EKM.

Katharina Hille

Tipp: Rundfundgottesdienst mit Beteiligung des Auswahlschors am 24. Dezember, 10 Uhr, aus der Justizvollzugsanstalt Burg, Übertragung von MDR Kultur

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Immer erreichbar

10. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Telefonseelsorge in Ostthüringen jetzt in Trägerschaft der Diakonie

Für viele ist Weihnachten ein Fest der Freude, für einen zunehmenden Kreis von Menschen ein Fest, das Angst macht – Angst, vor dem Alleinsein, vor dem Gefühl der Verlassenheit. Einsamkeit ist ein großes Thema in der Telefonseelsorge, das größte überhaupt. In unserer hoch entwickelten Gesellschaft gerät eine zunehmende Zahl von Mitbürgern durch fordernde Berufe, Partnerlosigkeit und den Verlust des Arbeitsplatzes in die Isolation. Vor allem an freien Tagen wird die ganze Tragweite emotional spürbar. Dann ist es gut, wenn jemand da ist, der zuhört und versteht.

Einsamkeit ist lebensbedrohend

»In der Telefonseelsorge können Menschen aussprechen, was sie sonst nicht sagen können«, erzählt Sophie Voss, Leiterin der Einrichtung. Neben Einsamkeit lösen vor allem körperliche und psychische Krankheiten, familiäre Konflikte und Pensionierung Ängste aus, dass die Betroffenen froh sind, die kostenlose Beratung anrufen zu können. »Das Suizidrisiko bei den Alleinlebenden ist viermal so hoch wie bei Menschen in Beziehung«, erklärt Voss die Situation. Nicht nur einmal konnten die Berater bei einem Telefonat so weit helfen und das Selbstvertrauen stärken, dass die Anrufer den Weg zurück ins Leben
fanden.

Foto: bluedesign – stock.adobe.com

Foto: bluedesign – stock.adobe.com

In der Telefonseelsorge, die in Trägerschaft der Diakonie agiert, beraten 40 Ehrenamtliche rund um die Uhr Anrufer, die in Not geraten sind. Oft hilft ihnen schon die Kontaktaufnahme, dass sich von der Seele reden der unterschiedlichsten Probleme. Am Telefon wird ihnen Aufmerksamkeit entgegengebracht, sie erfahren Beistand und können von einem anderen Standpunkt über die Frage nachdenken, wie sie aus der Situation herauskommen. Der Blick wird nach vorn gerichtet auf die Zukunft. Das ist oft mehr, als die Betroffenen erwarten.

Die Seelsorger am Telefon müssen emotional stabil sein, sich auf unterschiedlichste Menschen einlassen können und dürfen an ihrer Aufgabe nicht zerbrechen. Vorher werden sie für die Aufgabe geschult und durch regelmäßige Supervision geschützt. Die Telefonseelsorge verfügt über ein jahrelang gewachsenes Netz mit Fachleuten, die die Arbeit schätzen.

Sorgen kann man teilen

Für Sophie Voss ist die Einrichtung Herzenssache. Seit die Diakonie die Trägerschaft zum 1. Juli übernommen hat, leitet sie die Telefonseelsorge Ostthüringen mit Standorten in Jena und Gera. Während ihres Studiums in Rostock hat die diplomierte Theologin  sowohl eine kleine Mediatoren- als auch eine Notfallseelsorgerausbildung absolviert und behinderte Kinder und Jugendliche betreut. Nach ihrer Ankunft in Jena vor acht Jahren kam noch eine Hospizbegleiterausbildung dazu. Schließlich engagierte sie sich für soziale Belange als Grünen-Stadträtin im Jenaer Parlament, war Sozialausschussvorsitzende. Von diesen Funktionen ist sie zurückgetreten, hat sich ganz und gar auf das Seelsorgerische konzentriert. »Ich wollte schon immer in diese Richtung. Hier wird Beistand geleistet aus christlicher Nächstenliebe. Ich bin davon ausgegangen, der Nestbereiter für Seelsorger zu sein«, antwortet Voss auf die Frage, warum sie sich für die Stelle beworben hat. Unterstützt von einer Mitarbeiterin organisiert sie die Weiterbildung für die Ehrenamtlichen, sorgt sich um deren Wohlbefinden, um die Raumausstattung und Finanzen. Um beide Standorte optimal zu betreuen, ist sie immer unterwegs, ihr Büro trägt sie auf dem Rücken. Neben der Hotline kümmert sich die Telefonseelsorge um tabuisierte Themen wie Suizid.

Text und Foto: Doris Weilandt

Telefonseelsorge (0 800) 111 0 111

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Kaffee gibt’s nicht

10. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Nein, Kaffee gibt es bei uns keinen«, sagt die freundliche Kellnerin. Wir staunen und haken nach. Doch es bleibt dabei: Nur kalte Getränke! »Aber gegenüber ist ein Italiener, da bekommen Sie leckeren Cappuccino. Dann können Sie nachher ja nochmal wiederkommen!« Schmunzelnd wechseln wir die Straßenseite und genehmigen uns die Portion Koffein.

Eine Stunde später geht’s zurück zur Kneipe. Diesmal fragen wir nach der Speisekarte. Vielleicht hätten wir es schon ahnen können. Charmant, aber bestimmt, beteuert nämlich die fröhliche Frau hinter der Theke: »Bei uns gibt es nichts zu essen.« Also kein Kaffee, keine Speisen, sondern nur kalte Getränke. »Ich kann ja auch nicht gleichzeitig in der Küche und hier an der Theke stehen.« Das Argument leuchtet ein.

Aber wir haben Hunger. »Funktioniert das Konzept denn?«, frage ich nach. »Ja, hier ist total viel los. Jedenfalls donnerstags. Und ich bin ganz froh, dass es an den anderen Tagen ruhiger ist. Man muss ja auch mal aufräumen und sauber machen«, erklärt die Kellnerin plausibel.

Schließlich empfiehlt sie uns noch einige Restaurants in der Nachbarschaft. Wir gehen also weiter und sehen uns ungläubig an. Tatsächlich scheint die junge Frau vom Konzept ihrer Kneipe überzeugt zu sein. Und wenn wir mal nur ein Bier trinken wollen, kommen wir bestimmt wieder. Die Gelassenheit der Kellnerin war jedenfalls beeindruckend.

Und vielleicht kann man es in der Kirche auch hier und da entspannter nehmen, wenn Gäste mal nicht das passende Angebot finden. Oder wenn man vor Ort eben nicht alles anbieten kann. Man muss ja auch zwischendurch mal aufräumen und sauber machen.

Bernd Becker

Der Autor ist Herausgeber der Evangelischen Kirchenzeitung für Westfalen und Lippe, »Unsere Kirche«.

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Sie haben eine neue Nachricht: Zeit für einen Blickwechsel

9. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, Vers 28

lles leuchtet und glänzt. Wenn wir durch die Orte und Städte gehen, dann sehen wir überall Weihnachtssterne und Lichterketten. Das ist gar nicht zu übersehen. Und das ist auch gut so, denn wir sind eingeladen in dieser Adventszeit, uns auf die Geburt Jesu und sein Kommen in unsere Welt vorzubereiten. Der Wochenspruch muntert uns dazu auf.

In der Regel erfahren unsere Sinne eine Flut von Reizen. So viel nehmen wir wahr, wenn wir durch den Alltag gehen. Dort dudelt Musik, da läuft das Radio, die Smartphones sind ständig in Betrieb. Achtung: Es könnte eine Nachricht kommen! Das setzt mich zeitweise ziemlich unter Druck. Ich traue mich zuweilen gar nicht, mein Handy auch einmal auszuschalten. Aber ich glaube, jeder Mensch braucht Zeiten, sich zurückzuziehen, um zu tun, wozu uns der Wochenspruch ermuntert: Auf den zu sehen, der uns erlöst hat – Jesus Christus. Diese Zeit des Advents ist eine schöne Zeit, weil wir uns auf Weihnachten vorbereiten, weil wir auf das Kind in der Krippe schauen können, weil wir es bewundern dürfen, weil wir auf unseren Herrn schauen, der uns ein ganz neues Leben ermöglicht.

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Wie oft kommen wir im Alltag an unsere Grenzen. Der Beruf, die Familie fordert uns heraus. Immer wird voller Einsatz erwartet. Und deshalb brauchen wir andere Zeiten. Ich freue mich über den Adventskalender, über Worte, die ich jeden Tag lese, um mich auf meinen Glauben zu besinnen. Deshalb tut es mir gut, woanders hinzuschauen als auf den Schreibtisch oder auf den Terminkalender, der voll ist und abgearbeitet werden will. Ich sehe auf zu meinem Gott, der mir seinen Sohn geschenkt hat. Zu ihm sehe ich auf, weil er mir die Augen öffnet und mir eine neue Welt zeigt.

Ich freue mich deshalb über das Adventsliedersingen, über die Gottesdienste im Advent, auf das Leuchten der Lichter, die mich an dieses eine Licht erinnern, der von sich sagt: »Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.«

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

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Seufzer im Advent

8. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Vorweihnachtszeit: Advent ist im Dezember, darauf weisen ja die Christen immer hin. Also kann es doch jetzt losgehen.

Die Weihnachtsfeier in der Schule machen wir gleich am 1. Dezember, denn die Adventszeit ist kurz dieses Jahr und je mehr es auf Weihnachten zugeht, desto hektischer wird es doch. Ich finde mich wie vereinbart zu zwei vorweihnachtlichen Stunden in der Schule ein. Es gibt Kaffee, Kinderpunsch und Plätzchen. Die Kinder führen ein kleines Theaterstück auf. Dann basteln wir. Aus dem CD-Spieler kommen gemischte weihnachtliche Klänge, die »Weihnachtsbäckerei«, gefolgt von einer mit erheblichem Pathos vorgetragenen Version von »Es ist ein Ros entsprungen«. Der Weihnachtsmann kommt und holt für jedes Kind ein Geschenk aus seinem Sack.

Später gehen wir mit unserer Bastelarbeit nach Hause. Es ist so eine Art Adventskranz aus Buntpapier zum Aufhängen geworden. Die Plätzchen hätten sehr gut geschmeckt, sagt meine Tochter. Der Kranz kommt bei uns ins Fenster. Advent ist im Dezember und heißt Plätzchen, Dekoration, stimmungsvolle Musik, die Freude der Kinder. Das ist bei mir nicht anders als bei allen anderen. Ich höre »von Jesse kam die Art« und weiß sogar, was das bedeutet. Aber das bleibt trotzdem Hintergrundmusik zum Kaffee.

Von der »Wurzel Jesse« hat schon der Prophet Jesaja gesprochen und von Jesaja kommt auch der Predigttext am 2. Advent: »Wir sind geworden wie solche, über die du niemals herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie genannt wurde« steht darin (Jes 63,19). Solche sind wir geworden. Und schnell wird das vor allem auf die anderen bezogen, auf die sogenannten »Konfessionslosen« oder »religiös Indifferenten«, mit denen ich bei der Weihnachtsfeier in der Schule am Kaffeetisch gesessen habe.

Foto: ghazii – stock.adobe.com

Foto: ghazii – stock.adobe.com

Aber ich bin doch auch so geworden. Christinnen und Christen und unter ihnen besonders die hauptamtlich Christlichen bereiten das Fest der Geburt Jesu Christi mit großer Routine vor. Unter allerlei Geseufze des vorweihnachtlichen Stresses wegen geht es zielstrebig auf den Heiligen Abend zu und dann wäre das für dieses Jahr auch wieder geschafft. Die Augen geradeaus! Der Blick nach oben lohnt sich nicht. Advent und Weihnachten kann man auch unter einem geschlossenen Himmel feiern.

Aber von Jesaja kommt eine andere Art: »Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!« Erhebe dein Haupt, richte den Blick nach oben und erwarte von dort her, dass Gott noch einmal zur Welt kommt. Denn das ist am ersten Weihnachten passiert. Gott war da, unter den Menschen, und wären die Engel nicht gewesen, hätte es auch niemand bemerkt. Was wäre, wenn Gott wiederkäme und sich mit an unsere Kaffeetische setzte und in unsere Schulklassen, zu den Weihnachtsfeiern in den Betrieben käme und in die Gottesdienste? Wo wäre überhaupt Platz für Gott zwischen dem Adventskranz, den Plätzchen und den sorgfältig gefalteten Servietten?

Drei Buchstaben halten Gott einen Platz frei: »Ach«. Ein kurzer Laut nur, für Freude und Glück: »Ach, wie schön.« Und ein Seufzer, da wo die Worte fehlen: »Ach, das tut mir leid.« »Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab.« »Ach« sagen die, die sich nicht abfinden mögen mit der Wirklichkeit, die noch staunen oder etwas von Herzen bedauern können. Die sich danach sehnen, dass es einmal anders wird und nicht immer alles beim Alten bleibt, alle Jahre wieder.

Ich sitze mit all den anderen am gleichen Tisch bei der Weihnachtsfeier in der Schule. Und ich weiß, dass sie alle wie ich ihr »Ach« haben, ihr Glück und ihren Schmerz. Nur sagen sie nichts darüber, sondern nehmen lieber noch einen Keks. Vielleicht ist dieses »Ach« tatsächlich »der Seufzer der bedrängten Kreatur«, wie Karl Marx es so klassisch formuliert hat.

Dann darf aber alles, was wir in Weihnachtsfeiern und Gottesdiensten verabreichen, kein Opium für das Christenvolk enthalten. Solcherart Plätzchen schmecken zweifellos gut und sind schnell verdaut. Aber wir Christenmenschen sind doch für andere Nahrung da, für das Seelenbrot statt für Dominosteine. Und dafür, den Hunger darauf zu wecken. Ach, könnten wir so den Advent feiern. Im Dezember und immer.

Kathrin Oxen

Die Autorin ist Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur in Wittenberg.

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Aufbruch zu Reformen

5. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Zukunft: Wie geht es weiter in Anhalt? Diese Frage bewegt die Synodalen seit Jahren. Am Sonnabend sprachen sie sich dafür aus, umfassende Strukturreformen einzuleiten.

Die Sitzung am 24. und 25. November in der Dessauer Auferstehungskirche hätte die letzte der 23. Legislaturperiode der Landessynode sein sollen. Doch es wird eine weitere Tagung geben. Die Diskussion um die Zukunft der Landeskirche erfordert es. »Diese sollte vor allem als eine Frage an unseren Glauben verstanden werden«, so Präses Andreas Schindler in seiner Eröffnungsrede. »Natürlich sind wirtschaftliche und organisatorische Entwicklungen von sehr großer Bedeutung. Langfristig wird es mit unserer Kirche nur weitergehen, wenn wir überlegen, wie wir unter veränderten Rahmenbedingungen die geistliche Kraft behalten, Gottes Auftrag an uns gerecht zu werden und in die Welt Zeichen der Hoffnung zu senden.«

Seit dem Frühsommer 2015 arbeitet eine Steuerungsgruppe daran, die Landeskirche fit zu machen für die Zukunft. Wesentlich ist die Annahme, dass mittelfristig mit Geld nur aus eigenen Quellen gearbeitet werden muss: Kirchensteuer, Staatsleistungen, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Zwar besteht der Finanzausgleich der EKD-Gliedkirchen weiter, aber wie hoch er bis 2025 sein wird, ist nicht vorherzusagen. Zudem werden die Kirchengemeinden kleiner – zurzeit haben sie insgesamt rund 33 900 Mitglieder. Mitarbeitende im Haupt- und Ehrenamt sind überlastet. Das geplante »Anhaltische Verbundsystem« nahm im Bericht des Kirchenpräsidenten Joachim Liebig breiten Raum ein. Alle Aufgaben – Pfarramt, Gemeindepädagogik, Kirchenmusik, Gemeindediakonie und Verwaltung – sollen im Verbundsystem neu zugeordnet werden. »Anders als bisweilen gemutmaßt, geht es dabei nicht um einen freundlich verpackten Strukturwandel, der am Ende nur noch weniger Personal vorsieht«, so Liebig. »Im Kern geht es um die grundsätzliche Frage von Kirche in Anhalt in der kommenden Generation.« Die Landessynodalen sprachen sich nach vorangegangenem, vertraulichem Gespräch dafür aus, diese umfassende Strukturreform einzuleiten.

Tagungsort: In diesem Jahr tagte die Landessynode nicht, wie gewohnt, in der Laurentiushalle der Anhaltischen Diakonissenanstalt, sondern in der sanierten Auferstehungskirche. Während Pfarrerin Ina Killyen die Eröffnungsandacht hielt, war das Podium noch nicht besetzt. Foto: Johannes Killyen

Tagungsort: In diesem Jahr tagte die Landessynode nicht, wie gewohnt, in der Laurentiushalle der Anhaltischen Diakonissenanstalt, sondern in der sanierten Auferstehungskirche. Während Pfarrerin Ina Killyen die Eröffnungsandacht hielt, war das Podium noch nicht besetzt. Foto: Johannes Killyen

Zudem verabschiedeten sie den landeskirchlichen Haushalt 2018. Er sieht Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 16,74 Millionen Euro vor und liegt damit rund 300 000 Euro unter dem von 2017. Haupteinnahmen sind 5,2 Millionen Euro Kirchensteuern, 3,17 Millionen Euro Staatsleistungen, 4,24 Millionen Euro aus dem EKD-Finanzausgleich sowie 1,4 Millionen Euro, die aus Vermietung und Verpachtung kommen. Finanzdezernent Rainer Rausch betonte in seiner Haushaltsrede, dass ein unabhängiges externes Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, erstellt auf der Basis der Haushalte von 2013 bis 2016, die Lage der Landeskirche als stabil bewertet. »Es sieht weder kurz- noch langfristig bestandsgefährdende Tatsachen für die Landeskirche.«

»Es ist eine denkwürdige Synode, die jetzt zu Ende geht«, sagte Kirchenpräsident Liebig am Sonnabend. »Wir haben über massive Veränderungen beraten.« Vielleicht habe es hier und da die Vorstellung von einem Masterplan für die Zukunft der Landeskirche gegeben. »Es ist aber erwiesen, dass ein solches Verfahren – meistens – nicht funktioniert.« Deshalb habe Anhalt einen längeren Weg gewählt und diese Tagung sei ein Zwischenschritt gewesen. Bei der endgültig letzten Tagung der 23. Legislaturperiode am 24. Februar 2018 solle ein gangbarer Weg aufgezeigt werden. Gemeinsamkeit und Angstfreiheit sollten die beiden Grundsätze dafür sein. »Wir sind in der Lage, nicht von außen gedrängt zu werden und nicht unter Zugzwang reagieren zu müssen«, betonte er. »Ich bin zuversichtlich, dass wir unseren Auftrag als Kirche in Anhalt erfüllen können und gespannt auf die Zukunft.«

Angela Stoye

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Weihnachten in 60 Sekunden

5. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Studenten der Bauhaus-Uni erstellen Kurzfilme über die Botschaft des Christfests

Im vergangenen Jahr hatte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in den Weihnachtsgottesdiensten per Postkarte zu einem elektronischen Nach-Adventskalender eingeladen. 2017 gibt es erneut die Aktion »Weihnachten geht weiter« – diesmal verbunden mit einem Wettbewerb um den besten Kurzfilm. Die Filme entstehen derzeit im Studiengang Medienkunst/Mediengestaltung der Bauhaus-Universität Weimar.

Familien kommen zusammen und treffen Freunde – für Paula, Forat und Leon bedeutet Weihnachten vor allem, zur Ruhe zu kommen, sich Zeit füreinander zu nehmen, zu feiern. Die drei belegen mit 16 weiteren Studenten das Werkmodul »Christmas Shorts« bei Professor Wolfgang Kissel und Franka Sachse. Mit dem Medientheologen Karsten Kopjar haben sie seit Semesterbeginn darüber nachgedacht, welchen Kern die Weihnachtsbotschaft hat und wie sie das alltägliche Leben prägt, welche Bilder sie mit dem christlichen Fest verbinden.

Filmemacher müssen zunächst einmal ihre Ideen zu Papier bringen und viel schreiben: Leon, Forat und Paula (v.l.n.r.) arbeiten an ihren Skripten. Bis 10. Dezember sollen die Ultrakurzfilme eingereicht werden. Foto: Katharina Hille

Filmemacher müssen zunächst einmal ihre Ideen zu Papier bringen und viel schreiben: Leon, Forat und Paula (v.l.n.r.) arbeiten an ihren Skripten. Bis 10. Dezember sollen die Ultrakurzfilme eingereicht werden. Foto: Katharina Hille

Nun arbeiten die Studenten mit Hochdruck an Drehbüchern und Storyboards. Filme von maximal 60 Sekunden Länge und aus unterschiedlichen Genres sollen entstehen und zeigen, wie Weihnachten heute weltweit wahrgenommen wird.

Das Werkmodul ist international besetzt. Forat aus Ägypten ist Muslima. Weihnachten ist in ihrer Heimat für die Familien vor allem ein Anlass für festliches Essen und gemeinsames Feiern. Sie vergleicht das Fest mit dem Fastenbrechen nach dem Ramadan und will für ihren Beitrag die Tradition des Weihnachtsstrumpfes mit den für Ägypten typischen Pantoffeln verbinden. Andere studentische Filme werden die Kommerzialisierung des Festes thematisieren.

Um die Ecke gedacht: So sehen die Postkarten aus, die am Heiligen Abend in den Kirchen verteilt werden können. Sie sind kosten- los und können bis 6. Dezember online bei der Landeskirche bestellt werden. Foto: EKM

Um die Ecke gedacht: So sehen die Postkarten aus, die am Heiligen Abend in den Kirchen verteilt werden können. Sie sind kostenlos und können bis 6. Dezember online bei der Landeskirche bestellt werden. Foto: EKM

Die Ultrakurzfilme werden zunächst einer Jury gezeigt: Pfarrer und Katecheten, Jung und Alt, kirchenfern und -nah. Dem Jurypreis der EKM, der am 21. Dezember vergeben wird, folgt die Bewertung durch das Publikum. Von Heiligabend bis zum 10. Januar können die Zuschauer im Internet die Clips bewerten. Alle Informationen sowie Impulse zum Motto der Aktion sind auf den Postkarten enthalten, die in den Kirchgemeinden Heiligabend verteilt werden.

»Zu den Gottesdiensten an Heiligabend kommen viele Menschen, die sonst eher wenig Kontakt zu Kirche und Glaubensfragen haben«, sagt Karsten Kopjar, Social-Media-Koordinator der EKM. »Bereits im vorigen Jahr ist es uns über die Postkartenaktion gelungen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.« Durch die Kooperation mit der Bauhaus-Universität werde dieser Horizont erweitert, denn die meisten Studenten des Seminars haben keinen Bezug zur Kirche. So werden die Filmbeiträge für manchen Zuschauer überraschend ausfallen.

Katharina Hille

www.weihnachten-geht-weiter.de

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