Gib dein Vertrauen auf Gott nicht auf

1. Januar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Eine Meditation zur Jahreslosung von Kirchenpräsident Joachim Liebig

Die Jahreslosung des Jahres 2018 ist der Offenbarung des Johannes entnommen – dem letzten Buch der Heiligen Schrift. Sehr wahrscheinlich entsteht die Johannes-Offenbarung während der zweiten oder dritten Generation der frühen Christenheit: Erste Gemeinden haben sich – nicht zuletzt dank der Missionstätigkeit des Paulus – verbreitet. Nun stehen sie vor einer ersten echten Bewährungsprobe.

Vermutlich der römische Kaiser Nero entdeckt die Christen als Sündenböcke für das Römische Reich. Christenverfolgung, Anfeindung und Märtyrer um des Glaubens Willen sind für die junge Kirche neue und furchtbare Gefahren.

Die Johannes-Apokalypse – so wird die Offenbarung auch genannt – beschreibt in gewaltigen Bildern die aktuelle Situation und richtet den Blick auf die Zukunft, die ganz anders werden wird. Die Widersacher des Glaubens werden untergehen, Gott selbst wird zurückkehren, Gericht halten und die Weltgeschichte in ein ewiges Reich überführen.

Nur angesichts der Christenverfolgung wie derzeit im Mittleren Osten kann ermessen werden, in welcher schrecklichen Situation die Gemeinden damals stehen. Damit wird deutlich, wie trostreich die Bilder des Textes wirken müssen. Angesichts höchster Lebensgefahr darauf zu vertrauen, es werde am Ende alles gut werden, erfordert einen sehr starken Glauben.

In 2 000 Jahren ihrer Geschichte ist die Vieldeutigkeit der Bilder in der Offenbarung des Johannes für ungezählte Fehldeutungen missbraucht worden. Esoteriker und Verschwörungstheorien bemächtigen sich bis heute der Vorstellung eines tausendjährigen Reiches und eines unbarmherzigen Endgerichtes Gottes. Sie wollen damit Furcht erregen und Gehorsam erzwingen.

Der Zweck der Schrift als ein Trostbuch wird damit auf den Kopf gestellt.

Das Bild von Gerlach Bente stammt aus seinem Entwurf für das Fenster in der Ev. Kirche Nutha bei Zerbst.

Das Bild von Gerlach Bente stammt aus seinem Entwurf für das Fenster in der Ev. Kirche Nutha bei Zerbst.

Die Kernfrage lautet vielmehr: wie weit reicht mein Glaube in Zeiten großer Not? Diese Frage ist zeitlos und unabhängig von der Christenverfolgung im 2. Jahrhundert. Die Jahreslosung fasst die Botschaft des Autors (seine Identität ist nicht letztgültig zu klären) markant zusammen: Der Durstige soll an einer Quelle ohne Vorleistung, eben »umsonst«, seinen brennenden Durst stillen können.

Das Wort der Heiligen Schrift sagt seiner Leserschaft: Ganz gleich, wie schlecht es dir gehen mag, gib dein Vertrauen auf Gott nicht auf.
Ebenso wenig wie damals wird es heute helfen, Menschen in Not und Sorge diesen Satz einfach zuzurufen. Gottvertrauen entsteht nicht durch einen Appell. Tragfähige Zuversicht braucht neben dem Wort Gottes ein verständliches Vorbild.

Als Pfarrer begegnen mir Menschen, die – obwohl ein Leben lang nicht vertraut mit Gottes Wort – in Krankheit und Leiden nach dem Sinn ihres Lebens und Leidens fragen. Selbst wenn ich ihnen diesen Sinn nicht erschließen kann, finden sie Trost in der Zusicherung: es gibt ihn – nur ist er im Augenblick noch nicht erkennbar.

Die Gemeinde der Johannes-Offenbarung vertraut in ihrer ganzen Not auf die andauernde Bewahrung durch Gott, selbst wenn alle Fakten dagegen zu sprechen scheinen. Glaube ist das tiefe Vertrauen auf Gottes Begleitung, auch wenn alles dagegen spricht. Daher ist die Johannes-Apokalypse bis heute in ihren Bildern und Deutungen ein tragfähiger Gegenentwurf zu Resignation und Fatalismus.

Die Quelle, die allen Durst stillt, ist ein lebendiger Dialog zwischen Gott und den Menschen. Alle Fragen finden jetzt oder später eine Antwort; aber sie werden beantwortet werden. Mit Geduld darauf zu warten und zugleich getröstet zu sein, ist die tiefe Bedeutung der Jahreslosung 2018 und der ganzen biblischen Schrift der Offenbarung.

Zum Auftakt eines neuen Kalenderjahres tut es gut, sich daran erinnern zu lassen und allen Unwägbarkeiten gelassen entgegen zu sehen. Das ist kein billiger Trost, sondern eine glaubensstarke Grundhaltung, die alle Freude dankbar wahrnimmt und im Leid nicht verzweifelt.

Anders als mit den zum Jahreswechsel üblichen Vorsätzen, die in der Regel bis Mitte Januar andauern, lässt sich ein ganzes Jahr damit zuversichtlich durchhalten. Die schon jetzt absehbaren Aufgaben für 2018 erfordern Glaubensstärke und Zuversicht. Nichts weniger sagt uns Gott zu. Lassen Sie uns damit das neue Jahr gestalten. Das wünsche ich uns allen im Geist Gottes.

Joachim Liebig ist Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts und Vorsitzender des Evangelischen Presseverbandes in Mitteldeutschland (EPVM).

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.