Das Leben feiern

8. Januar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Neu an der Spitze des Kirchen­kreises Altenburger Land: Am 15. Oktober wurde Pfarrerin Dr. Kristin Jahn als Superintendentin eingeführt. Sie wird das Amt für die nächsten zehn Jahre innehaben. Ilka Jost hat mit ihr gesprochen.

Frau Dr. Jahn, wenn Sie auf die ersten Wochen in Ihrem Amt zurückblicken: Welche Eindrücke haben Sie bisher bekommen?
Jahn:
Die ersten Wochen waren voller Termine und Gespräche. Ich hatte viele Begegnungen mit Menschen, die mit Herzblut und Engagement ihr Amt und Ehrenamt ausführen. Manche stehen an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Andere sprühen über vor Visionen und Ideen, die nur auf den richtigen Gesprächspartner und das passende Gremium zur Umsetzung warten.

Voller Tatendrang: Die neue Superintendentin des Kirchenkreises Altenburger Land, Kristin Jahn, freut sich auf die Herausforderungen des neuen Amtes. Foto: Ilka Jost

Voller Tatendrang: Die neue Superintendentin des Kirchenkreises Altenburger Land, Kristin Jahn, freut sich auf die Herausforderungen des neuen Amtes. Foto: Ilka Jost

Ich bin immer noch beim Kennenlernen von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen, Strukturen und bisherigen Standards. Ich hinterfrage Dinge, die bisher gelaufen sind, auf ihre Notwendigkeit und Nützlichkeit. Je mehr man Einblick bekommt, desto klarer wird, was einem selbst wichtig ist.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich gesetzt und was hat Ihrer Meinung oberste Priorität?
Jahn:
Oberste Priorität hat die Verkündigung des Evangeliums. Das heißt Ermutigung, unseren Nächsten beizustehen. Dies ist der Auftrag für Haupt- und Ehrenamtliche, mit ihren Gaben für andere dazusein und das ist die große Herausforderung, der sich ganz viele Menschen stellen.

Ich möchte die Menschen inmitten ihrer Prozesse immer wieder ins Nachdenken führen, wer wir Christen sind, wo und für wen wir da sind und was unser Auftrag ist. Unser Auftrag ist nicht, Kirchen mit Gottesdiensten zu bestücken, sondern uns bewusst zu machen, dass wir im Gottesdienst unser gemeinsames Leben feiern. Damit das möglich ist, müssen wir im Vorfeld auch einander kennen und be-
gleiten.

Ihr Vorgänger Michael Wegner hat vieles auf den Weg gebracht. Wo möchten Sie ansetzen?
Jahn:
Eine wichtige Weichenstellung war die Schaffung eines ehrenamtlichen Stellenplanes. Dies möchte ich fortführen. Wichtig ist mir dabei eine fortlaufende Qualifizierung des Ehrenamts durch Weiterbildung.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, um in Zeiten der fortschreitenden Säkularisierung die Kirche attraktiver und interessanter zu gestalten?
Jahn:
Ich glaube, ganz viele Menschen haben Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit. Ich finde, dass Kirche genau der Raum ist, wo diese Fragen einen Platz haben. Kirche im Altenburger Land ist Kirche für andere. Alles was wir tun, machen wir nicht, um unsere Strukturen zu erhalten, sondern die Strukturen dienen dazu, dass wir unserem Nächsten dienen können und offen sind für Fragen aus der Bevölkerung. Das heißt für mich, unserem Auftrag treu zu bleiben und für alle Menschen da zu sein, nicht nur für Christen. Jesus hat auch nicht gefragt, welcher Religionsgemeinschaft einer angehört. Er hat nach seinem Nächsten gefragt. Er hat keine heiligen Orte bespielt, sondern das Heil zum Ort gebracht.

Viele Gemeinden und Projekte im Altenburger Land lehnen sich daran an und arbeiten mit solch einer Offenheit für andere, z.B. die Kultur- und Bildungswerkstatt der Kirchengemeinde Nöbdenitz, das Familienzentrum in Altenburg oder die Arbeit der Diakonie, die nicht fragt, woher man kommt, sondern was der Mensch braucht.

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