Vor Gott auf die Knie und aufrecht durchs Leben

27. Januar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

Daniel 9, Vers 18

Wann es mich das letzte Mal so richtig der Länge nach hingehauen hat, weiß ich gar nicht mehr genau. Aber dass es mir passiert ist, kann ich mit Sicherheit sagen! Das erste Hinfallen, an das ich mich erinnere, war definitiv mein erster Versuch Fahrrad zu fahren. Ich sehe den Gehweg noch genau vor mir: grau-braune Platten, die aneinander gereiht sind, der Zwischenraum jeweils durch winzige Unkrauthalme grün. Ein gerader, breiter Gehweg, rechts ein Wohnblock, links Rosenbüsche. Ich trete in die Pedale, erst vorsichtig, dann immer routinierter. Es fühlt sich an, wie ich mir Fliegen vorstelle. Sicher fühle ich mich, weiß ich doch um die Hand meines Vaters, der mir den Gepäckträger hält. Ich fühle mich stolz und glücklich! Plötzlich zieht mein Rad nach links und eh ich mich versehe, liege ich der Länge nach auf der Nase.

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

Über die Jahre bin ich zwar nicht mehr beim Fahrradfahren auf die Nase gefallen, aber eine falsche Entscheidung, so manche Überschätzung oder Überhebung löst den gleichen Effekt aus. Wenn es so passiert, dann ist der Ärger meist groß, will ich doch stark und aufrecht durchs Leben gehen! Nicht schwach und den anderen zu Füßen liegend!

Der Prophet Daniel setzt auf eine andere Haltung und spricht zu Gott: »Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit«. Daniels Erfahrungsschatz, wie das Leben spielen kann, ist reich. Er weiß von Verfolgung und Gefahr. Er weiß von Löwen, die sein Leben bedrohen. Er weiß um Unrecht und Angst. Aber er vertraut weiter auf seinen Gott und legt ihm sein Leben in die Hände.

Für Daniel gilt: Es braucht nicht mein Tun oder mein aufrechtes Stehen, um mich an Gott wenden zu dürfen. Es muss nicht erst dieses oder jenes geschafft, nicht alles im Lot sein! Ganz im Gegenteil! Daniel zeigt: Um Gottes große Barmherzigkeit für mich und mein Leben, für diese Welt und ihr Geschick, darf ich immer bitten. Gott sei Dank!

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

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