Komprimierte Darstellung eines Großereignisses

19. Februar 2018 von redaktionguh  
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Neuerscheinung: »Thüringen. Lutherland 2008–2017« im Wartburg Verlag veröffentlicht

Es liegt gut in der Hand, das überaus reich bebilderte Buch »Thüringen. Lutherland 2008–2017«, das auf 180 Seiten beleuchtet, mit welch thematischer Vielfalt die Reformationsdekade im Freistaat begangen wurde. In einem einleitenden Kapitel erinnert der Landesbeauftragte und promovierte Theologe Thomas A. Seidel daran, dass die erste Anregung zu einer zeitlich gestaffelten Vorbereitung des 500. Jubiläums im Jahre 2006 vom Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, ausging und vom damaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prof. Dr. Wolfgang Huber, freudig aufgenommen wurde. Dabei erwies es sich als kluge und tragfähige Entscheidung, in Themenjahren inhaltliche Schwerpunkte zu setzen, die das Ereignis für Menschen heute erlebbar und erfahrbar machen. Dafür geschaffene Fördermöglichkeiten beflügelten – über die umfänglichen baulichen Maßnahmen hinaus – die Kreativität der Akteure. Thomas Seidel ist es gemeinsam mit dem Journalisten Heinz Stade gelungen, die Veranstaltungen rückblickend komprimiert zu dokumentieren (S. 4–91). In der Mitte der Publikation gibt es ein auch für die praktische Nutzung hilfreiches Kapitel »Die wichtigsten Reformationsorte in Thüringen im Überblick« (S. 92–107). Von faszinierender Farbigkeit zeugen die Lichtinstallationen (S. 108–112).

Thomas A. Seidel/Heinz Stade (Hrsg.): Thüringen. Lutherland 2008–2017, Wartburg Verlag, ISBN 978-3-86160-552-2, 10 Euro

Thomas A. Seidel/Heinz Stade (Hrsg.): Thüringen. Lutherland 2008–2017, Wartburg Verlag, ISBN 978-3-86160-552-2, 10 Euro

Einblicke in die Aktivitäten gewähren Interviews und Beiträge zum Lutherweg, zu den Petersberger Luther-Disputen oder zur Weimarer Kinderbibel (S. 114–156). Dass die Reformation weiter geht, bezeugt das Kapitel »Ausblicke«. Die nächsten Jubiläen zwischen 2021 (500 Jahre Übersetzung des Neuen Testaments auf der Wartburg) und 2046 (500. Todestag Luthers) werden genannt. Zum Schluss ziehen maßgeblich Beteiligte ihr persönliches Fazit.

Michael von Hintzenstern

Thomas A. Seidel/Heinz Stade (Hrsg.): Thüringen. Lutherland 2008–2017, Wartburg Verlag, ISBN 978-3-86160-552-2, 10 Euro

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Die blühende Ökumene

19. Februar 2018 von redaktionguh  
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Bundesgartenschau 2021 Kirchen in Erfurt dabei

Der Land- und Gartenbau hat in Thüringens Landeshauptstadt eine lange Tradition. Vor über 150 Jahren gab es dort bereits eine erste Internationale Gartenbauausstellung. Die Kirchen planen jetzt eine Teilnahme bei der Buga2021. Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, Leiter des Gemeindedezernats im Landeskirchenamt der EKM gibt Auskunft:

Christian Fuhrmann. Foto: EKM

Christian Fuhrmann. Foto: EKM

Wie will sich die EKM bei der Buga in Erfurt präsentieren?
Fuhrmann:
Die Kirchenpräsenz auf der Buga2021 wird ökumenisch sein. Auf dem Petersberg ist ein Pavillon der Kirchen geplant. Ob es uns gelingen wird, einen Ort der geistlichen Besinnung in direkter Nähe des Ega-Geländes anzubieten, ist noch offen.

Wie ist der aktuelle Stand?
Fuhrmann:
Bunt wie die Blumen ist unsere ökumenische Gemeinschaft. Wir hoffen, dass von dieser manches aufblühen wird. Vertreter aus dem Bistum Erfurt, dem Kirchenkreis Erfurt und der EKM bilden eine Steuerungsgruppe. Im März wird die Stelle der Projektkoordinierung im Augustinerkloster besetz werden.

Welche Bedeutung hat die Gartenschau für die Landeskirche?
Fuhrmann:
Als Christen unterschiedlicher Konfessionen erzählen wir von unserem Glauben. Gott hat uns die Welt zur verantwortlichen Gestaltung anvertraut. Natur begegnet uns heute in Europa fast ausschließlich als »Kulturlandschaft«. Was heißt es, dass wir als Menschen gemeinsam in einer Verantwortungsgemeinschaft für unseren Planeten stehen? Wir wollen alle Gäste der Buga2021 einladen, bei uns etwas zu entdecken. Wir freuen uns aber genauso auf Anregungen und neue Impulse durch unsere Gäste.

Mitteldeutsch-2-07-2018Was versprechen Sie sich vom Engagement und der Dauerpräsenz?
Fuhrmann:
Mit unserer ökumenischen Präsenz sind wir Kirchen auf dem Markt. Eine tolle Chance. Wir sind ein Marktstand unter anderen. Ich glaube, dass die bewusste Gestaltung dieser Situation für uns als Gemeinden im 21. Jahrhundert neue Erfahrungen mit sich bringt.

Wie teuer soll und darf es werden?
Fuhrmann:
Wir gehen von bis zu 450 000 Euro Gesamtkosten aus. Das Geld kommt aus unterschiedlichen Quellen. Als EKM sparen wir unseren Anteil über Jahre an. Für die Reformationsdekade mit dem Festjahr 2017 war es uns gelungen, unseren Anteil realistisch zu planen und zu steuern. Es war kein zusätzlicher Griff in Rücklagen nötig. Das wird uns hoffentlich wieder gelingen.

Die Fragen stellte Willi Wild.

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Weichen stellen für die Zukunft

19. Februar 2018 von redaktionguh  
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Am 24. Februar tagt die Landessynode Anhalts in Dessau-Roßlau. Die Tagesordnung wird geprägt von der Vorstellung, dem Gespräch und der Beschlussfassung zum Anhaltischen Verbundsystem. Es soll die Weichen für die Zukunft der Landeskirche stellen. Angela Stoye befragte den Präses der Landessynode, Andreas Schindler, zu diesem Projekt.

Herr Schindler, warum ist diese Tagung überhaupt erforderlich? Die 23. Legislaturperiode hätte mit der Herbsttagung 2017 enden müssen.
Schindler:
Richtig, aber die beiden Synodentage waren thematisch und zeitlich sehr gut gefüllt. Weitere Punkte hineinzuzwängen, hätte der Tagung nicht gutgetan. Da wären andere Themen zu kurz gekommen. So haben wir uns für eine zusätzliche Winter-Synodentagung entschieden. Der Aufwand hält sich wegen der kurzen Wege in Anhalt in Grenzen, und die Anhaltische Diakonissenanstalt nimmt uns wieder gern auf.

Ist die konstituierende Tagung der 24. Legislaturperiode der Landessynode deswegen von April auf Mai verschoben?
Schindler:
Nein. Die Kirchenkreise wollten es so. Der frühere Termin hätte kaum Zeit gelassen, sich in Ruhe mit eventuellen Einsprüchen zur Wahl der neuen Synodalen auseinanderzusetzen. Zurzeit wählen die im Oktober 2017 neu gewählten Gemeindekirchenräte die künftigen Landessynodalen und die neuen Kreissynoden wählen die Synoden-Stellvertreter. Mit Einsprüchen ist immer zu rechnen.

Seit Frühsommer 2015 berät eine Arbeitsgruppe über die Zukunft der Landeskirche. Seitdem sind viele Voten aus Kirchengemeinden und von Mitarbeitern zum Anhaltischen Verbundsystem eingegangen. Was ist das?
Schindler:
Das zurzeit wichtigste Projekt unserer Landeskirche und ein Zukunftsbild. Wobei wir mit dem Namen »Verbundsystem« noch nicht ganz zufrieden sind. Denn das Wort Verbund bezieht sich nur am Rande auf einen Verbund von Gemeinden. Im Kern geht es aber um einen Verbund von Berufen in den Gemeinden der Landeskirche, die für das Funktionieren des Gemeindelebens wichtig sind. Ein solcher Verbund wird sich von den bestehenden Regionalpfarrämtern unterscheiden.

Wie soll das aussehen?
Schindler:
Bislang drehte sich in unserer Kirche vieles um den Pfarrer oder die Pfarrerin. Zugleich haben wir in den Kirchenkreisen immer mehr unbesetzte Pfarrstellen. Die verbliebenen Pfarrer(innen) haben die Grenze des Zumutbaren oft schon jetzt überschritten, zumal sie mit einer Vielzahl von Aufgaben betraut sind, die mit Theologie und Seelsorge nur bedingt etwas zu tun haben.

Präses Andreas Schindler. Foto: Landeskirche Anhalts

Präses Andreas Schindler. Foto: Landeskirche Anhalts

Künftig sollen Teams gebildet werden, die sich aus einer Pfarrerin/einem Pfarrer sowie Mitarbeitern aus Gemeindepädagogik, Gemeindediakonie, Kirchenmusik und Verwaltung zusammensetzen. Dies bedeutet einen Aufwuchs an Personal auf einigen Gebieten bei einem gleichzeitig zu erwartenden Absinken der Zahl der Pfarrer(innen). Kurzgefasst: Weg von der Pfarrer-Zentriertheit!

Was muss sich alles ändern, damit es mit dem Verbundsystem klappt?
Schindler:
Erstens wird ein Pfarrer/eine Pfarrerin nicht von vornherein als »Teamleiter« gesetzt sein, sondern im Team zuständig sein für Verkündigung und Seelsorge. Als Nächstes muss die Größe der Regionen festgelegt werden, in der ein solches Team zusammen mit den Gemeindekirchenräten der weiterhin autonomen Kirchengemeinden arbeitet. Auch finanzielle Aspekte müssen bedacht werden. Aber diese sind nicht Kern der Überlegungen.

Was sind die nächsten Schritte?
Schindler:
In Kürze werden die ersten »Pilotprojekte« in Richtung Verbundsystem starten. Die Landessynode wird die damit gemachten Erfahrungen auswerten. Sicher kommen in diesem Prozess auch Fragen auf, die beantwortet werden müssen. Erst in zwei bis drei Jahren werden wir in Anhalt soweit sein, Kirchengesetze zu verabschieden.

Am 24. Februar will die bisherige Synode der neu gewählten eine Entschließung zum Anhaltischen Verbundsystem für die nächsten Jahre übergeben. Sie kann daran weiterarbeiten, oder sie könnte andere Schwerpunkte setzen.

Wieso das?
Schindler:
Grundsätzlich ist die Situation in den Gemeinden sehr unterschiedlich. Es gibt Kirchengemeinden, vor allem in den Städten, die darauf brennen, neue Schritte zu gehen. Andere sind da noch sehr zögerlich. Aber auch sie müssen wir in diesem Prozess mitnehmen.

Da alle Veränderungen freiwillig geschehen sollen, dürfen Bedenken nicht einfach weggewischt werden. Zu überzeugen sind solche Kirchengemeinden, denke ich, nur mit Beispielen gut funktionierender Verbunde und Teams.

Die Landeskirche Anhalts hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich Mitglieder verloren. Gibt es eine Untergrenze für die Selbstständigkeit?
Schindler:
Entscheidend ist nicht eine Zahl, sondern ob wir unsere Aufgaben weiter erfüllen können. Das geplante Anhaltische Verbundsystem zeigt, dass sich die Landeskirche weiterhin auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen will.

Und ich behaupte: Sie kann es auch. Außerdem erwarte ich nicht, dass der bisherige Trend sich fortsetzt.

Wo sehen Sie Anhalt in Zukunft?
Schindler:
Es wird Anhalt weiter geben. Es wird eine Landeskirche sein, die sich gut in die Gemeinschaft evangelischer Kirchen einfügt und in ihr auch Impulse setzt.

Ist die Synodentagung am 24. Februar öffentlich?
Schindler:
Ja, das ist sie, wie alle Tagungen der Landessynode. Besucher sind herzlich willkommen.

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Chance für mehr Gerechtigkeit – Risiko für größere soziale Spaltung

19. Februar 2018 von redaktionguh  
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Pro

René Thumser, Referent für landeskirchliche Großveranstaltungen im Gemeindedienst der EKM

René Thumser, Referent für landeskirchliche Großveranstaltungen im Gemeindedienst der EKM

Allgemeiner Konsens ist wohl, dass unsere Gesellschaft eines Systems der sozialen Sicherung bedarf, welches dafür sorgt, allen Mitgliedern der Gemeinschaft ein Leben in Würde zu ermöglichen. Die Frage ist, ob das bestehende System unseren Ansprüchen und Möglichkeiten (noch) genügt.

Trotz wachsender Wirtschaftsleistung werden Reiche immer reicher und Arme immer ärmer. Die Wahrscheinlichkeit, in Altersarmut, Kinderarmut oder prekären Arbeitsverhältnissen zu landen, wächst. Existenzsorgen lösen bei vielen Menschen Unsicherheit und Ängste aus. Eine Fortschreibung dieser Entwicklung gefährdet den sozialen Frieden und letztlich die Demokratie.

Die klassischen Instrumente der Armutsbekämpfung (»Hartz 4«-Gesetze) haben es in den letzten 14 Jahren nicht geschafft, diese Entwicklung aufzuhalten. Vielleicht kann die visionäre, also zukunftsweisende und über herkömmliche Denkmuster hinausragende Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) – existenzsichernd, Teilhabe ermöglichend, ohne Bedürftigkeitsprüfung, ohne Zwang zu Gegenleistung, individueller Rechtsanspruch – genau hier ansetzen. Es gibt Studien und Experten, die unterschiedliche Modelle des BGE für finanzierbar und umsetzbar halten, und solche, die das widerlegen. Die Realpolitik hält sich noch weitestgehend zurück, man möchte sich nicht zu früh festlegen. Ich bin mir sicher: wenn wir die Idee des BGE in einer sich rasant ändernden Arbeitswelt als relevant erachten, finden wir eine Umsetzungsmöglichkeit.

Es geht in der Debatte BGE um einen Paradigmenwechsel, um das Menschenbild, um Vorurteile, um Erfahrungen, um Gefühle und nicht zuletzt um Wertvorstellungen und Glauben. Was kann ich als Christ einbringen?

Im Jahr 2017 feierten wir unter anderem Luthers große Erkenntnis, dass wir uns das Himmelreich nicht verdienen können – weder durch Geld, noch durch Taten. Wir sind bereits angenommen als bedingungslos geliebte Kinder des Vaters. Was für ein Bild! Wir müssen und können uns Gottes Liebe, Gnade und Anerkennung nicht verdienen. Wir erhalten sie ohne Vorleistung, Zwang und Bedürftigkeitsprüfung. Sie wird jedem als Voraussetzung für ein gelingendes Leben geschenkt, um daraus folgend in Freiheit das Richtige zu tun. Darüber hinaus nimmt der Vater selbst den zunächst »faulen«, verlorenen Sohn wieder an (Lukas 15,24).

Übertragen wir diese Bilder in unseren familiären Alltag und unsere gesellschaftliche Realität: Welchen Kräften vertrauen wir wirklich: Druck und Sanktionen oder Freiheit und Liebe? Ich glaube, Jesus wäre ein Befürworter des BGE.

Kontra

Albert H. Weiler, Bundestagsabgeordneter, Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales

Albert H. Weiler, Bundestagsabgeordneter, Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales

Seit der Einführung der Krankenversicherung im Jahr 1883 in Deutschland bildet der Wohlfahrtsstaat die Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolges und des sozialen Friedens. Wollen wir diese historische Errungenschaft, für die wir weltweit beneidet werden, durch ein gesellschaftliches Experiment ernsthaft gefährden?

Bisher leben wir in einer Gemeinschaft, die auf dem Grundprinzip der Solidarität beruht. Darunter verstehe ich eine Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens, in der durch gegenseitige Hilfsbereitschaft individuelle Nöte solidarisch aufgefangen werden. Eine solidarische Haltung setzt voraus, dass sozialrechtliche Regelungen, wie zum Beispiel Kranken-, Pflege- oder Rentenversicherung, als gerecht empfunden werden. Auch das Prinzip »Fordern und Fördern« bringt zum Ausdruck, dass niemand bedingungslos, das heißt ohne einen Beitrag zum Gemeinwesen, Leistungen empfangen kann. Dieses Grundprinzip halte ich für gerecht.

Wie soll ich erklären, dass Menschen Leistungen beziehen, aber nicht zum Volkseinkommen beitragen, obwohl sie es könnten? Ein bedingungsloses Grundeinkommen gefährdet aus diesem Grund den sozialen Zusammenhalt in Deutschland.

In den vergangenen 135 Jahren hat sich unser Wohlfahrtsstaat kontinuierlich weiterentwickelt. Unsere soziale Absicherung ist heute in den insgesamt zwölf Sozialgesetzbüchern festgehalten, deren Ausgestaltung regelmäßig diskutiert und überarbeitet wird. Zuletzt im Rahmen des Koalitionsvertrages, an dem ich selbst, als Mitglied der verhandelnden Arbeitsgruppe, mitgewirkt habe. Die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens hätte die vollständige Auflösung unseres Sozialsystems zur Folge. Über die resultierenden Auswirkungen gibt es bis heute keine zuverlässlichen Fakten. Dieses Risiko kann und möchte ich als Mitglied des Deutschen Bundestages, der zuletzt über eine endgültige Einführung zu entscheiden hätte, nicht verantworten.

Da sich unser Leben gegenwärtig in nie dagewesener Geschwindigkeit verändert, werden wir auch unser Sozialsystem weiter überarbeiten müssen. Wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen, flexiblere Arbeitszeiten, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vor allem eine Fokussierung auf lebenslanges Lernen. Diese Herausforderungen können alle im Rahmen der bereits bestehenden Sozialgesetzbücher gemeistert werden. Ich bin davon überzeugt, dass sich Arbeit auch in Zukunft lohnen muss.

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Domglocken läuten im Fußballstadion

18. Februar 2018 von redaktionguh  
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Kurz vor dem Auflaufen der Mannschaften beim Heimspiel des 1. FC Magdeburg ertönen sie und können auf der Anzeigetafel im Stadion in Augenschein genommen werden: die Glocken des Magdeburger Doms. Unterstützt von Domprediger Jörg Uhle-Wettler realisierte der Fußballverein kürzlich die besonderen Video- und Tonaufnahmen der Glocken.

Dompfarrer Uhle-Wettler hat eine persönliche Bindung zum FCM: In den 1970er-Jahren besuchte er Blau-Weiß regelmäßig. Beeindruckt von der Stimmung im Stadion gab er jetzt nach Abstimmung mit dem Gemeindekirchenrat den Impuls, um die bisher als Animation gezeigten Glocken durch Originalaufnahmen zu ersetzen. Zur Premiere hatte der Verein den Dompfarrer und Ingeborg Brunner eingeladen. Die 87-Jährige ist seit der ersten Stunde Blau-Weiß-Fan, Mitglied der Domgemeinde und hatte den 1. FC Magdeburg für lange Zeit nicht mehr besucht. Stadionsprecher Jens Hönel begrüßte die beiden.

Foto: www.sportfotos-md.de

Foto: www.sportfotos-md.de

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Auch wenn es noch nicht sichtbar ist: Das Böse hat verloren

17. Februar 2018 von redaktionguh  
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Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

1. Johannes 3, Vers 8 b

Ist der Teufel eine personale Macht? Auf diese Frage habe ich vor einigen Jahren eine für mich stimmige Antwort gefunden, die auch sehr gut zu dem biblischen Befund passt: Das Böse in dieser Welt, in all seinen Spielarten, tritt viel zu planmäßig und gesteuert auf, als dass es nur als die Summe aller bösen Taten verstanden werden könnte. Da muss ein zielgerichteter Wille dahinterstehen, und damit eine Person. Wie diese Person, die die Quelle alles Bösen darstellt, konkret aussieht, darüber sollten wir nicht spekulieren. Und diese Macht ist der Gegenspieler unseres Gottes, der ein Gott der Liebe ist.

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

Die Werke des Teufels bestehen darin, uns Menschen zu verleiten, nicht den Willen Gottes zu tun, der uns zum Leben dienen soll. Deswegen hat Gott seinen Sohn Jesus gesandt, damit er durch sein Leben, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung die Werke des Teufels zerstören soll. Aber noch sehen wir leider nicht viel davon in unserer Welt. Noch sind Unfriede und Ungerechtigkeit, Trennung und Tod allgegenwärtig.

Trotzdem hat die Rettungstat von Jesus schon etwas bewirkt. Der Böse hat kein Recht mehr an uns, wir sind freigekauft. Aber er hat in dieser gefallenen Schöpfung noch eine gewisse Macht. Und doch ist Jesus jetzt schon der Sieger. Und wir dürfen aus diesem Sieg von Jesus heraus in der Kraft seines Heiligen Geistes leben. Leben als von Gott geliebte Kinder. Wir leben dadurch in einem spannungsvollen Zwischenzustand bis zur Wiederkunft Jesu. Aber in der Gegenwart von Jesus dürfen wir jetzt schon ein Leben führen, in dem Gottes Liebe und sein übernatürliches Wirken sichtbar werden können. So breitet sich das Reich Gottes aus, seine Gegenwart und die Kraft seiner Liebe. Und ich denke, dieses Leben aus der übernatürlichen Gegenwart Gottes heraus ist auch die einzige Chance, die wir haben, unsere christlichen Gemeinden geistlich zu beleben, die Werke des Teufels einzudämmen und damit auch einladend zu werden für Menschen, die in diese göttliche Bewegung des Segens noch nicht eingebunden sind.

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

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Nicht ganz zeitgemäß

17. Februar 2018 von redaktionguh  
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Es sind schöne Bilder, die wir derzeit täglich aus Südkorea sehen. Das liegt neben Sonne und schneebedeckten Bergen vor allem an den tollen Ergebnissen, die die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der olympischen Winterspiele in diesem Jahr erzielen und Deutschland im Medaillenspiegel ganz oben mitspielen lassen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland unterstützt die Sportler. So hat sie gemeinsam mit der katholischen Kirche ein geistliches Büchlein erarbeitet – ein Mini-Trainingsbuch mit biblischen Texten, Gebeten und Meditationen, was sich jeder in die Tasche stecken kann. Hier finden sich auch Kontakte zu drei Seelsorgern. Sie stehen den Athleten vor Ort in Pyeongchang zur Seite – ein evangelischer Pfarrer, ein katholischer und einer für die nachfolgenden Paralympics. Drei Männer für 154 deutsche Sportlerinnen und Sportler? Ist das zeitgemäß?

Frauen sind seit 1900 bei Olympia dabei, seit 1908 starten sie auch für Deutschland. Vor allem sie stehen im Focus der aktuellen Spiele und profitieren von neuen Disziplinen. Das Internationale Olympische Komitee hat das Programm der Winterspiele 2018 neu sortiert und setzt so stark wie nie auf das weibliche Geschlecht. 2018 gibt es nach Auskunft von IOC-Präsident Thomas Bach eine Rekordzahl an Frauen-Wettbewerben und Starterinnen. Ziel ist, den olympischen Sport wieder populärer zu machen.

Über 50 Jahre nach der ersten Ordination von Frauen in Deutschland muss auch die Kirche ein wenig schneller im 21. Jahrhundert ankommen. Die Teilnahme einer Pfarrerin als Seelsorgerin wäre für die deutschen Sportlerinnen ein wichtiges Signal und würde ganz sicher auch der Kirche zu Popularität verhelfen.

Mandy Weigel

Die Autorin ist Redakteurin bei der sächsischen Kirchenzeitung »Der Sonntag«.

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Evangelische Marktwirtschaft

16. Februar 2018 von redaktionguh  
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Arbeit als Gottesdienst: Das Verhältnis der Protestanten zur Wirtschaft war immer vielfältig. Da ist zum einen der Stolz darauf, dass sie es waren, die ein modernes, produktives Wirtschaften überhaupt erst in Gang setzten.

Ohne Luthers und Calvins Berufsethik und ihr Dienstethos, ohne Sparsamkeit und Hingabe an die Arbeit keine protestantische Arbeitsethik, kein ehrbares Handwerk und auch kein Unternehmertum. Die Reformatoren erklärten die Arbeit zum Gottesdienst, weswegen sie viele Feiertage abschafften und religiöse Energien in den Alltag umleiteten. Seitdem, so wird immer wieder gerne erzählt, waren die evangelischen Gegenden, besonders die reformierten, wirtschaftlich ganz vorne. Genau deswegen – nicht aus Nächstenliebe – holte seinerzeit der Große Kurfürst die strebsamen Hugenotten nach Brandenburg und Berlin.

Und so blieb das auch bis ins 19. Jahrhundert hinein. Die großen Unternehmergestalten der Gründerjahre: mit großer Mehrheit Protestanten. Lange blieben die katholischen Gegenden im Rückstand. Protestantismus und Wirtschaft legitimierten sich so gegenseitig: Wer modern sein wollte, der gehörte zu beidem dazu, war liberal – und mit Verachtung schaute man auf die anderen, die anscheinend in jeder Hinsicht rückwärtsgewandten Katholiken.

Aber da gab es durchaus auch Bedenken. Die neue Wirtschaft, bald als Kapitalismus bezeichnet, sprengte in ihrer Aggressivität alles, was die Gesellschaft bis dahin zusammengehalten hatte: moralische Maßstäbe, Gemeinschaften, Schutz der Schwachen, Ordnungen aller Art, die Orientierung und Halt vermittelten. Je länger desto deutlicher schien nun nur noch das Geld, der Profit, die Konkurrenz zu regieren. Der Mensch – nur noch Mittel zum Zweck? Was hatte man da bloß losgetreten? Die Protestanten begannen sich zu besinnen und verpflichteten nun den Staat, um auch in der Wirtschaft mit Gesetzeskraft »von oben« für menschliche Maßstäbe zu sorgen. Dafür wurde ein »soziales Königtum« gefordert und einer der ganz großen evangelischen Reformer, Bismarck, bekannte sich gar – mit vielen anderen – als »Staatssozialist« – was allerdings mit dem Sozialismus der Arbeiterbewegung nichts zu tun hatte. Den lebendigen Kontakt zu ihr verlor die obrigkeitstreue Kirche. Und als dann 1919 die Könige und der Kaiser über Nacht verschwanden, wurden die Protestanten reaktionär – mit fürchterlichen Folgen. Zur Wirtschaft verloren die meisten den Bezug; man zog sich in den sozialen Bereich zurück. Innere Mission und Diakonie wurden zu Bewährungsfeldern der evangelischen Christen, während die Katholiken sehr erfolgreich die deutsche Wirtschafts- und Sozialordnung prägten.

Kirchturm – Geldtürme: Die Skyline des Bankenviertels in Frankfurt am Main. Mittendrin der Kirchturm der evangelischen Hauptkirche St. Katharinen. Seit 1802 ist sie Eigentum der Stadt Frankfurt, die seitdem für den Unterhalt verantwortlich ist. Foto: Jörg Hackemann / travelview – stock.adobe.com

Kirchturm – Geldtürme: Die Skyline des Bankenviertels in Frankfurt am Main. Mittendrin der Kirchturm der evangelischen Hauptkirche St. Katharinen. Seit 1802 ist sie Eigentum der Stadt Frankfurt, die seitdem für den Unterhalt verantwortlich ist. Foto: Jörg Hackemann / travelview – stock.adobe.com

Aber dann waren es 1945 im Westen wiederum hauptsächlich Protestanten, die nun etwas völlig Neues konzipierten: die Soziale Marktwirtschaft als Dritten Weg zwischen angelsächsischem liberalen Marktkapitalismus und dem realen Sozialismus in der DDR und anderswo. Im Osten blieben Christen von politischer Mitgestaltung ausgeschlossen. Die Idee war: Man braucht eine starke unternehmerisch angetriebene Marktwirtschaft, um eine flexible Versorgung der Menschen sicherzustellen – und man braucht sozialen Ausgleich. Konkurrenz in der Wirtschaft ist nötig, um Machtballungen zu verhindern. Leistung muss gerecht belohnt werden; etwas, was den Deutschen bis heute ganz wichtig ist. Und natürlich braucht es soziale Sicherungen gegen Armut, Alter, Krankheiten, Arbeitslosigkeit: einen Sozialstaat.

Und heute? Der Wohlstand wächst immer weiter – die durchschnittliche Lebenserwartung steigt alle vier Jahre um ein Jahr. Angst vor Arbeitslosigkeit haben zur Zeit nur wenige Menschen. Und doch gibt es viel Kritik. Die soziale Ungleichheit ist gestiegen.

Deutschland gehört tatsächlich nur wenigen Reichen. Und der Unterschied zwischen Ost und West verschwindet nicht aus der Welt. Neue Trends – Digitalisierung – machen Angst: Wer kann da auf die Dauer noch mithalten? Armut ist gerade im reichen Deutschland ganz bitter, und Hartz IV ist sicherlich kein Ermutigungsprogramm. Ist das wirtschaftliche Leben von christlichen Werten bestimmt? Zweifel bleiben.

Gerhard Wegner

Der Autor ist Direktor des Sozialwissenschaftlichen Institutes der EKD.

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Gegen das Vergessen

13. Februar 2018 von redaktionguh  
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Was sich aus dem Gedächtnis verliert, existiert nicht mehr im Bewusstsein. Genau da setzt der »Arbeitskreis gegen das Vergessen« an, der im süd-thüringischen Bibra seinen Sitz hat und kürzlich den Werner-Sylten-Preis erhielt.

Als die Bibraer für den Sommer 1992 die 500-Jahrfeier der Grundsteinlegung ihrer Sankt-Leo-Kirche vorbereiteten, war sehr schnell klar, dass der Fokus nicht allein auf den drei berühmten Schnitzaltären von Tillmann Riemenschneider liegen kann. Schließlich sind Kirchen- und Ortsgeschichte eng miteinander verbunden. »Etwa 300 Jahre haben jüdische Menschen ganz selbstverständlich zu Bibra gehört«, sagt Michael Schlauraff, seit 2016 Pfarrer in Bibra.

In sein Amtszimmer sind an diesem Nachmittag Dagmar Winkel, Lehrerin für Deutsch und Religion an der Gesamtschule Grabfeld, und das Ehepaar Floßmann gekommen. Sie gehören zum harten Kern des »Arbeitskreises gegen das Vergessen«, der sich 2005 bildete und dessen ehrenamtliche Arbeit von etwa 50 Freunden aus nah und fern unterstützt wird. »Hier in diesem Raum spielte der evangelische Pfarrer Baumann mit dem jüdischen Lehrer Höxter Schach und gemeinsam lasen sie das Alte Testament in Deutsch und Hebräisch, bis Pfarrer Baumann zwangsversetzt wurde und der im Dorf so beliebte Lehrer 1934 Berufsverbot erhielt. Über viele Stationen kamen schließlich Aaron Höxter und seine Frau Paula im KZ Stutthof bei Danzig ums Leben, Sohn Günter wurde in Auschwitz ermordet«, schildert Hartwig Floßmann nur eines der vielen Schicksale, die er und seine Frau Dimitrana sorgfältig und mit Einfühlungsvermögen recherchierten.

Seit Mai 2007 erinnert ein Gedenkstein vor der Bibraer Burg an die ermordeten Bibraer Juden. Foto: Thomas Schäfer

Seit Mai 2007 erinnert ein Gedenkstein vor der Bibraer Burg an die ermordeten Bibraer Juden. Foto: Thomas Schäfer

Ein Blick zurück in die Geschichte: Die Freiherren von Bibra, seit über 900 Jahren hier ansässig, nutzten nach dem Dreißigjährigen Krieg die Möglichkeit, Juden in ihrem Herrschaftsbereich anzusiedeln. Diese »Schutzjuden« durften an zugewiesenen Orten leben und arbeiten, mussten dafür aber Abgaben leisten. Dies war der Beginn eines regen, sich gut entwickelnden jüdischen Lebens in Südthüringen, von dem einige steinerne Zeugen erhalten blieben. Verteilt im Dorf gab es eine Synagoge samt Schulstube und Lehrerwohnung, eine Mikwe sowie jüdische Metzgereien. Die Verstorbenen brachte man auf den jüdischen Friedhof ins nahe Bauerbach. Die Israelitische Kultusgemeinde Bibra sei schließlich am 2. März 1943 mit der Verschleppung von Oskar Meyer endgültig vernichtet worden. Auch wenn es manche Hilfeleistung gab, verhinderten letztlich Angst und Ausweglosigkeit den offenen Widerstand gegen die Tyrannen, beschreibt er die Situation während des Nationalsozialismus im Buch »Juden in Bibra unvergessen«.

Doch nicht nur aus der dunklen Vergangenheit wird hier berichtet. Mit vielen Fotos, Grußworten und Dokumenten hält es die bewegenden Tage im Mai 2007 fest, als die wenigen noch lebenden Bibraer Juden und ihre Nachfahren in die alte Heimat kamen, mit der sie neben all dem Schrecklichen auch die Erinnerung an glückliche Jahre verbanden. Sie reisten aus Argentinien, Großbritannien, Israel und den USA an.

Die Liste der Aktivitäten des Arbeitskreises ist lang: Der Werner-Sylten-Preis für christlich-jüdischen Dialog, den die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland erstmalig vergab, freut die ehrenamtlich Engagierten sehr. Ist er doch neben der öffentlichen Anerkennung auch mit einer kleinen finanziellen Unterstützung verbunden.

Uta Schäfer

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Volles Geläut

12. Februar 2018 von redaktionguh  
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Neuer Förderverein: Der Magdeburger Dom soll mit acht neuen Glocken ausgestattet werden

Der Magdeburger Dom soll sein Kathedralgeläut zurückerhalten und wieder mit zwölf Glocken ausgestattet werden. Ein neuer Förderverein will sich um die Generalsanierung kümmern, informierten Dieter Steinecke, Landtagspräsident a.D. und Gründungsvorsitzender des Vereins, sowie Martin Groß im Auftrag der Domgemeinde.

Die vier noch vorhandenen Glocken sollen durch acht neue ergänzt werden. Die Kosten für den Neuguss belaufen sich ersten Berechnungen zufolge auf rund eine halbe Millionen Euro; ohne das Geld für Glockenzier, Neubau des Glockenstuhls und sonstige Baukosten.

Fernsehgottesdienst im Mageburger Dom zur Eröffnung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland im November 2016. Foto: epd-bild

Fernsehgottesdienst im Mageburger Dom zur Eröffnung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland im November 2016. Foto: epd-bild

Landesbischöfin Ilse Junkermann, Domprediger Jörg Uhle-Wettler und Domkantor Barry Jordan haben als Mitarbeiter im Verkündigungsdienst ihre Unterstützung zugesagt, ebenso der Gemeindekirchenrat. Domprediger a.D. Giselher Quast hatte bereits 2016 bei seiner Verabschiedung für die Sanierung der Sonntagsglocke »Dominica« geworben.

Christoph Schulz, Glockensachverständiger der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, hat mit Fachkollegen ein Gesamtprojekt erarbeitet. Dafür liegt die Zustimmung der Gemeinde, der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege vor, informierten Dieter Steinecke und Martin Groß. Neben dem Geld hängt die Umsetzung vom Bauzustand des Doms ab. Erstmals nach rund 300 Jahren könnte der Dom wieder in beiden Türmen Glocken tragen. Hierfür sind bereits zwei schwingungsphysikalische Gutachten erstellt worden.

In einem ersten Bauabschnitt soll die »Dominica« von 1575 wieder läutefähig gemacht werden. Die wertvolle Sonntagsglocke ist an zwei Seiten ausgeschlagen und hat einen zu schweren Klöppel. Darüber hinaus fehlen zwei Henkel in der Glockenkrone, die das gesamte Gewicht halten muss. Um sie zu reparieren, muss sie aus dem Nordturm herausgehoben und im Glockenschweißwerk Lachenmeyer in Nördlingen – der einzigen Werkstatt in Deutschland, die Glocken schweißen kann – überarbeitet werden.

In einem zweiten Abschnitt sollen Glocken neu gegossen werden, darunter ist auch eine Glocke mit 14 Tonnen Gewicht (Schlagton d°). Eine solche Glocke sei in Deutschland einzigartig und könnte als »Reformata« oder »Maxima« gegossen werden. Sie solle mit ihrer eindringlichen Stimme gegen politisch und religiös motivierte Gewalt mahnen.

Im dritten Bauabschnitt soll ein neuer Glockenstuhl in den Südturm eingebaut werden. Abschließend soll der Glockenstuhl im Nordturm erweitert werden. Die Initiatoren wünschen sich eine breite Unterstützung aus allen Bevölkerungsschichten und über weltanschauliche Grenzen hinaus. Der jährliche Vereinsbeitrag soll bei zwölf Euro jährlich liegen, »so dass möglichst viele Menschen ohne großen Aufwand sich auch ganz individuell durch eine Mitgliedschaft mit der Realisierung eines würdigen Magdeburger Domgeläutes verbinden können«.

Landesbischöfin Ilse Junkermann teilte mit, man wolle sich nicht mehr länger damit abfinden, »dass die wichtigste Stimme unseres Domes für den sonntäglichen Ruf ›des Volkes zum Lobe Gottes‹ – so steht es lateinisch auf dieser Glocke – schweigt«. In einem ehrwürdigen Geläut für den Dom seien zwölf Glocken angemessen, die das »Himmlische Jerusalem« ein wenig vorwegnehmen könnten.

Domprediger Jörg Uhle-Wettler ergänzte, Glocken weisen über das Alltägliche hinaus. Ihre Töne erreichen mehr als nur das Ohr. »Hier wurde eine bemerkenswerte Kunst erfunden, durch Klöppelschläge in einer und derselben Sekunde in unzähligen verschiedenen Herzen eine und dieselbe Empfindung zu bewirken.« (G+H)

Vereinsgründung am 10. März, 18 Uhr in der Großen Sakristei des Domes

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