Schlüsselgewalt: Wer den Tod aus der Welt sperren kann

31. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

Wie schließt man eigentlich die Hölle zu? Und wie sperrt man den Tod ein? Manchmal denke ich, die Fernbedienung für den Fernseher könnte so ein Schlüssel sein. Einfach keine Nachrichten mehr gucken. Denn um 20 Uhr vor der Tagesschau muss man den Eindruck bekommen, irgendjemand habe die Hölle aufgeschlossen und den Tod freigelassen. Krieg und Gewalt an jedem Abend. Die Hölle von Ost-Ghuta in Syrien, in Afrin, in Libyen und auf dem Mittelmeer, um nur einige Orte zu nennen. Politiker, an deren Geisteszustand man berechtigte Zweifel hegen kann. Aber – auch das sehe ich jeden Abend – niemand nimmt ihnen den Stift weg, mit dem sie sich selbst wiederwählen oder ihre lächerlich protzige Unterschrift unter ihre Dekrete setzen. Stifte, Schlüssel, Atomknöpfe, all das möchte ich ihnen wegnehmen und wegschließen, so wie ich es bei meinen Kindern gemacht habe, wenn sie mit gefährlichen Gegenständen unverständig herumhantiert haben. Aber das kann ich leider nicht.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg

Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg

Jesus schließt die Hölle zu und sperrt den Tod ein. Die Menschen, die das im Buch der Offenbarung aufgeschrieben haben, litten unter Verfolgung und Unterdrückung. Und zwar nicht vor dem Fernseher, sondern im richtigen Leben. Ihr Bild von Jesus ist deswegen sehr kämpferisch. Jesus ist für sie einer mit Schlüsselgewalt.

Doch die Hölle zuschließen, das geht nicht mit Gewalt. Jesus hat die Hölle erst zugeschlossen, nachdem er selber darin war. Und er war mit dem Tod in einem Grab eingesperrt, bis von außen der Stein weggerollt wurde. Gott hat diesen Weg gewählt, um uns zu zeigen, wie Hölle und Tod an ihr Ende kommen. Jesus musste ihn gehen. Gewalt und Macht sind der falsche Weg. Gewaltlosigkeit und Machtverzicht sind der einzige Weg. Lächerlich, sagen alle, mit Jesus und seiner Bergpredigt kann man doch keine Politik machen. Ich sage: Ohne sie erst recht nicht.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Den Horizont weiten

30. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Ostern verändert den Blick. Gott lässt uns sehen: Unser Leben geht weiter, als wir es im Moment erfassen können. Maria von Magdala hat das als eine der ersten erfahren. Sie will am Ostermorgen dem Gekreuzigten einen letzten Liebesdienst erweisen und ihn salben. Sie will ihm gut tun.

Er hat sie gut angesehen, als normale Frau. Die anderen hatten sie verteufelt. Ja, er hat tiefer gesehen als alle anderen. Sein liebevoller Blick hat sie aufgerichtet. Aber nun ist alles aus. Sie weint. Und noch mehr, als sie das Grab leer findet. Was ist mit ihm geschehen? Können sie ihn nicht wenigstens im Tod zur Ruhe kommen lassen? Ihre Tränen verschleiern ihren Blick.

So erkennt sie den auferstandenen Jesus nicht, als er sie fragt: ›Was weinst Du?‹ Sie hält ihn für den Gärtner, der ihr weiterhelfen kann bei der Suche nach dem Toten. Da spricht Jesus sie mit Namen an und da – erkennt sie ihn! Nun sieht sie auf. Nun sieht sie klar. Alles, was sie mit Jesus erhofft und erlebt hat, ist nicht zu Ende. Gott will das Leben und aufrechte Menschen.

Ostern heißt: Gott steht für das Leben auf. Er durchbricht die Logik des Todes. Er öffnet unseren Horizont auf das Leben hin. Wir sehen weiter. Wir bekommen genügend schlechte Nachrichten jeden Tag frei Haus geliefert – lasst uns weitersehen: Kriege können enden. Gott will das Leben. Frieden ist möglich. Wir erleben schwere Krankheiten – lasst uns weitersehen, und forschen: Gott will das Leben. Heilung ist möglich.Wir erleben, wie Menschen anderen unversöhnlich gegenüberstehen, beispielsweise wenn einer einen anderen Pass hat. Lasst uns weitersehen: Man kann sich kennenlernen. Gott will das Leben. Zusammenleben ist möglich.

Frohe Ostertage mit weitem Horizont, das wünscht Ihnen

Ihre Landesbischöfin Ilse Junkermann

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Mitten im Tod, mitten im Leben

30. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Karfreitag und Ostern im Angesicht des Todes. Unser Gastautor hat Krebs. Wie er als »berufener Diener des Wortes« damit umgeht und was seine Hoffnung ist, hat er hier aufgeschrieben:

Es gab Zeiten, da galt der Karfreitag als höchster evangelischer Feiertag. Dass Christus für uns gestorben ist, wurde in feierlich-ernsten Abendmahlsgottesdiensten begangen. Diese Zeiten sind lange vorbei.

»doloris mysteria« – schmerzhafte Geheimnisse: Die Collage aus Radiogrammen stellt den nach der Kreuzabnahme aufgebahrten, leblosen Christus dar. Die Gegenwartskunst des Weimarer Künstlers Michael Merkel ist als neue Dauerleihgabe im Altenburger Lindenau Museum zu sehen. Foto: Michael Merkel

»doloris mysteria« – schmerzhafte Geheimnisse: Die Collage aus Radiogrammen stellt den nach der Kreuzabnahme aufgebahrten, leblosen Christus dar. Die Gegenwartskunst des Weimarer Künstlers Michael Merkel ist als neue Dauerleihgabe im Altenburger Lindenau Museum zu sehen. Foto: Michael Merkel

Ich kenne Christen, engagierte Gemeindeglieder, die gehen Karfreitag gerade nicht in die Kirche, sondern erst am Ostersonntag. Mit Tod und Sterben wollen sie nicht noch im Gottesdienst belästigt werden, wo doch in unserer Welt schon genug gelitten und gestorben wird. Sie wollen das Leben feiern und nicht den Tod.

Der höchste Feiertag der ganzen Christenheit ist selbstverständlich Ostern und nicht Karfreitag. Jesus ist gestorben, das müssen alle Menschen einmal. Wenn auch meistens nicht so grausam. Aber Jesus hat den Tod besiegt.

Vor wenigen Monaten ist mir der Tod sehr nahe gekommen. Ich hatte ihm bisher immer gesagt: »Du hast noch Zeit. Komm später wieder.« Als ich ihm mit 20 Jahren knapp von der Schippe gesprungen war, habe ich es erst hinterher erfahren, wie ernst es war. Als ich mit 30 eine bösartige Erkankung des Lymphsystems hatte, habe ich auf die guten Heilungschancen vertraut, und es wurde wieder gut. Als ich mit Mitte 40 einen Herzinfarkt bekam, konnte mir rechtzeitig geholfen werden. Jetzt, bald Mitte 50, fanden sie einen Tumor an meiner Bauchspeicheldrüse mit Metastasen; keine Art von Krebs hat schlechtere Prognosen.

Immer wieder geht mir ein Vers aus dem »Osterpsalm« 118 durch den Kopf: »Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen« (Ps 118,17). Das ist ein gutes Motto für mein Leben mit und meinen Kampf gegen den Krebs. Es stimmt Tag für Tag. Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, ist das ein Stück Auferstehung: Ich lebe! Und ich lebe als Glaubender, als Hoffender, als Liebender. Die meisten wissen das. Und viele, die von mir hören, lesen, mit mir reden, mich besuchen, sind erstaunt darüber, wie ich mit meiner Krankheit umgehen kann. Das bin nicht ich; das ist Gottes Werk an mir.

Und dann ist da noch ein Wunder: Dass entgegen der schlechten Prognosen die Chemotherapie sehr gut angeschlagen, die Metastasen abgetötet und den Tumor wieder ganz klein gemacht hat. Ich hoffe, er lässt sich bald wegoperieren. – Ob daraus das ganz große Wunder der Heilung wird, weiß ich nicht. Aber ich habe Hoffnung – jedenfalls noch für etliche Monate, vielleicht Jahre: »Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.« Vielleicht sogar wieder auf der Kanzel und im seelsorgerlichen Gespräch – »als ein berufener Diener des Wortes«.

Karfreitag: Jesus ist gestorben. Ich werde sterben, ob schon bald oder erst in etlichen Jahren. Alle Menschen müssen sterben. Der Tod definiert uns. Er zwingt uns zum Leben, weil wir nur begrenzte Zeit haben. Ohne Tod gibt es kein Leben.

Trotzdem nennt die Bibel den Tod einen Feind. Es ist richtig, für das Leben zu kämpfen – für das eigene und das der anderen. So wie Ärzte gegen den Tod kämpfen oder Friedensaktivisten oder Lebensschützer, die das Töten verhindern wollen, oder auch Soldaten oder Polizisten, die im Ernstfall gerade um des Lebens willen töten müssen … Oder wie Jesus, der Kranke heilt, Tote erweckt und sich doch selber in den Tod opfert, um vielen – der Glaube sagt: uns allen – das Leben zu bewahren.

Gerade im Tod hat er den Tod besiegt. Ohne Karfreitag gibt es kein Ostern. Aber der Auferstandene hat den Tod hinter sich gelassen: »Ich werde nicht sterben, sondern leben« – Wir Christen legen diesen Satz Christus in den Mund. Und wir sprechen ihn selber mit, weil wir darauf vertrauen, dass wir dorthin kommen werden, wo der Tod tot sein wird. Ohne Ostern hätte auch Karfreitag keinen Sinn.

Roland Herrig

Der Autor ist Pfarrer in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Sebnitz/Sachsen.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


Karfreitag: Passionsmusiken in der Landeskirche

29. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Was die Oratorien in der Weihnachtszeit, sind die Passionsmusiken am Karfreitag. In sehr vielen Gemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erklingen um 15 Uhr, zur Sterbestunde Jesu, Meisterwerke der Kompositionskunst.

Vor dem verschlossenen Altargemälde von Lucas Cranach bringt der Bachchor Weimar erstmals in der Klassikerstadt das »Stabat Mater« von Joseph Haydn zu Gehör (30. März, 18 Uhr, Stadtkirche). Zu Ostern werden die Flügel des weltberühmten Kunstwerkes dann wieder geöffnet. Unser Bild entstand vor einem Jahr anlässlich einer Aufführung von Johann Sebastian Bachs Johannespassion. Das Meisterwerk des Thomaskantors ist in diesem Jahr um 15 Uhr in der halleschen Markt­kirche »Unser lieben Frauen« zu hören. Bereits zum zehnten Mal führt die Marktkantorei unter Leitung von Irénée Peyrot das Werk auf. Zur gleichen Zeit wird in der halleschen Gesundbrunnengemeinde die »Matthäus­passion« von Johann Georg Kühnhausen für Soli, vierstimmigen Chor und Orgel zu Gehör gebracht.

Auch im nördlichen Saalkreis gedenkt man des Leidens und Sterbens von Jesus Christus musikalisch. In der St. Nikolai Kirche Wettin wird die »Matthäus-Passion« von Melchior Vulpius vom Regional-Chor Brachwitz unter Leitung von Gerlind Ullrich aufgeführt (30. 3., 15 Uhr, St. Nikolai).

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Auf den Spuren von Karl Friedrich Schinkel

26. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

Neuheit: Musiktage vom 1. bis 3. Juni in Magdeburg rücken preußischen Baumeister und seine Zeit in den Mittelpunkt

Die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg will ein neues Musikfest etablieren. Mit den 1. Schinkel-Musiktagen vom 1. bis 3. Juni sollen Interessenten die Gelegenheit haben, das Wirken des preußischen Architekten und Stadtplaners Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) in Magdeburg kennenzulernen. Für das Festival kooperieren das Kirchspiel Magdeburg Nord, die Förderkreise der Biederitzer Kantorei und des Magdeburger Gesellschaftshauses sowie der Magdeburger Musikverein. Zwei Schinkel-Bauwerke stehen im Mittelpunkt: die Kirche St. Nicolai im Stadtteil Neue Neustadt und das Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten. Mit einem Mix aus Konzerten, Vorträgen und Workshops für Kinder wollen die Initiatoren nicht nur die Bedeutung Schinkels hervorheben, sondern auch aufzeigen, welche Möglichkeiten die Nicolaikirche als Ort für Konzerte und andere kulturelle Angebote im Stadtteil bietet.

Das Team: Die ersten Magde­burger Schinkel-Musiktage organisieren (v. l.) die Konzertdramaturgin Charlotte Bittner, der Leiter des Gesellschafts­hauses, Carsten Gerth, Kirchenmusikdirektor Michael Scholl und Pfarrer Joachim Möcker. Foto: Gesellschaftshaus/Kathrin Singer

Das Team: Die ersten Magde­burger Schinkel-Musiktage organisieren (v. l.) die Konzertdramaturgin Charlotte Bittner, der Leiter des Gesellschafts­hauses, Carsten Gerth, Kirchenmusikdirektor Michael Scholl und Pfarrer Joachim Möcker. Foto: Gesellschaftshaus/Kathrin Singer

Das Musikfest wird am 1. Juni in der dann frisch sanierten Nicolaikirche mit Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung« eröffnet. Am 3. Juni wird in der Kirche ein Festgottesdienst mit der Liturgie gefeiert, wie sie zu Schinkels Lebzeiten üblich war: die von König Friedrich Wilhelm III. eingeführte preußische Agende. In einem Konzert im Gesellschaftshaus erklingen am 2. Juni Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und einigen seiner Zeitgenossen wie Nils Gade oder Robert Volkmann. Das Abschlusskonzert geben dort am 3. Juni die »Münchner Singphoniker«. Sie schlagen mit ihrem Programm einen Bogen in die Magdeburger Musikgeschichte zur vor 200 Jahren gegründeten Magdeburger Liedertafel.

Der Grundstein der heutigen Nicolaikirche in der Neuen Neustadt wurde 1821 gelegt. Ihr Vorgängerbau stand ab 1150 in der Alten Neustadt und wurde wegen Kriegszerstörung und Baufälligkeit im Lauf der Jahrhunderte an verschiedenen Stellen insgesamt fünf Mal erbaut. Nachdem der letzte Bau den napoleonischen Truppen zum Opfer gefallen war, bekam Schinkel 1817 den Auftrag, eine neue Nicolaikirche zu entwerfen. Nach diversen Änderungen wurde schließlich die bis heute bestehende klassizistische Kirche gebaut und im Oktober 1824 eingeweiht. Sie wurde zum Vorbild für das von Schinkel entwickelte Konzept der Normalkirchen für ländliche Sakralbauten in Preußen. Die Fassadeninschrift »Mit Gott durch Königshuld« verweist bis heute darauf, dass Friedrich Wilhelm III. den Kirchenbau durch Zuschüsse unterstützte.

Der Bau des Gesellschaftshauses ist eng mit der Gestaltung des Klosterbergegartens 1824 durch den preußischen Gartendirektor und Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné verbunden. Schinkel hatte dafür einen großzügigen Entwurf eingereicht. In stark reduzierter Form wurde dieser in den Jahren 1828/29 verwirklicht. Davon erfuhr Schinkel allerdings erst im Nachgang und von Dritten, worauf er mit einem verärgerten Schreiben an den Magdeburger Rat reagierte. 1896 wurde in historisierendem Stil ein Anbau aus Backsteinen errichtet. In der Kombination aus Klassizismus und Historismus besteht das vor einigen Jahren restaurierte und sanierte Gesellschaftshaus bis heute.

Angela Stoye

Programm unter

www.gesellschaftshaus-magdeburg.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Botschaft für die Zukunft

26. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Nachdem der Sturm »Friederike« die Wetterfahne der Dorfkirche in Roldisleben (Kirchenkreis Apolda-Buttstädt) beschädigt hatte, musste der Turmknopf zur Reparatur abgenommen werden. Im Inneren der kupfernen Kugel fand die Gemeinde, neben anderen Zeitdokumenten wie Münzen und einem handgeschriebenen Dokument des damaligen Pfarrers Erich Tuve, eine Ausgabe der »Glaube + Heimat« aus dem Jahr 1974. Schon damals hatten nach einem Sturmschaden Turmzierde und Teile des Dachs instand gesetzt werden müssen. Friedrich und Dorothea (vorne), die Kinder von Pfarrer Andreas Simon und seiner Frau Anne (hinten links), führen die Tradition fort und bestücken auch die neue Zeitkapsel mit einem aktuellen Exemplar der Kirchenzeitung.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Gemeindediakonat – ein Dienst für alle Menschen im Ort

26. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Ideen: Wie ein neues Arbeitsgebiet im »Anhaltischen Verbundsystem« aussehen kann

Im Zusammenhang mit dem Zukunftsprojekt des »Anhaltischen Verbundsystems« soll das Gemeindediakonat eine besondere Rolle spielen. Die Landessynode beauftragte Landesdiakoniepfarrer Peter Nietzer, eine Konzeption dafür zu erarbeiten. Den Synodalen dienen seine Beobachtungen und Überlegungen als Basis für die Weiterarbeit.

»Der in vielen Kirchengemeinden übliche Besuchsdienst wendet sich fast ausschließlich an Gemeindeglieder«, beschreibt Nietzer den Ist-Stand. Die Besuchten sollten weiter am Gemeindeleben teilhaben können. Gelegentlich würden Hausabendmahle oder Andachten verlangt, sehr selten Verkündigung oder Glaubensunterweisung. »Darüber hinaus gibt es aufsuchende ehrenamtliche diakonische Dienste, die sich nicht ausdrücklich an Gemeindeglieder wenden«, so der Pfarrer. Dazu gehörten etwa einfache Hilfen in Haus und Hof oder die Begleitung bei Arztbesuchen.

Nietzer verweist auf die 5. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD, in der es auch um Neuansätze der Gemeinwesen-Diakonie ging. In Dörfern und Stadtteilen werde das diakonische Handeln der Kirchengemeinden mit dem Ziel, Gottes Liebe aller Welt auszurichten, besonders erkennbar.

Anhalt mit seinen vielen Dörfern sei vom Rückgang sozial unterstützender Infrastruktur geprägt; junge Menschen zogen und ziehen fort. »Alte Menschen und Menschen mit besonderem Hilfebedarf bleiben zurück.« Die Folge ist: »Immer mehr Menschen sind vom selbstbestimmten Leben abgeschnitten, wenn sie nicht unterstützt und begleitet werden.« Viele Aufgaben würden Frauen und Männer ehrenamtlich wahrnehmen. Diese benötigten und benötigen Begleitung durch hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche.

Vielseitig Mitarbeitende werden benötigt

Der Mitarbeiter, der im künftigen Verbundsystem die Planstelle des Gemeindediakonats besetzt, sei zuständig, die niedrigschwellige sozialdiakonische Arbeit wahrzunehmen, zu organisieren und zu begleiten, heißt es in dem Papier. Er sollte einen Abschluss als Sozialarbeiter oder -pädagoge und eine diakonische Zusatzausbildung haben, um auch Andachten und Gottesdienste halten zu können. »In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass die körperliche Pflege kranker und alter Menschen allein nicht ausreicht«, begründet Pfarrer Nietzer. Die Gepflegten und ihre Angehörigen benötigten auch geistlich-seelische Hilfen. In den vergangenen Jahrzehnten seien die Arbeitsgebiete Pflege und Hauswirtschaft organisatorisch, finanziell und nach Mitarbeitern getrennt worden. Von wem das Gemeindediakonat im Verbundsystem künftig getragen und finanziert werden soll, bedürfe gründlicher Überlegungen. In einer Sache ist sich Peter Nietzer aber sicher: »Die Gemeindeschwester wie früher – mit der Thermoskanne voller Suppe an einem Fahrradlenker und der Tasche mit Blutdruckmessgerät und Verbandmaterial am anderen – wird es nicht wieder geben.«

Angela Stoye

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

»Verfolgung« gestrichen

26. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Jahresbericht zur »Aufarbeitung« vorgelegt

Der mittlerweile dritte Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) »Aufarbeitung« der rot-rot-grünen Thüringer Landesregierung ist in Erfurt vorgelegt worden. Bei der Vorstellung hat Kultur-Staatssekretärin Babette Winter (SPD) vor übertriebenen Hoffnungen bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte gewarnt. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und ihren Folgen führe nicht dazu, dass die Köpfe vermeintlicher Täter »auf dem Silbertablett« präsentiert würden, sagte sie.

Die seriöse Beschäftigung mit dem Thema »sei kein Sprint, sondern ein Lauf über eine längere Strecke«. Als einen ersten Erfolg sieht Winter, dass der Themenbereich »Christen in der DDR« nach der Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Kirchen »aktiv angegangen« worden sei. Die Arbeitsgemeinschaft gab sich den Namen »Christen, Kirchen und andere christliche Religionsgemeinschaften im DDR-Unrechtsstaat – Diskriminierung von Christen in der DDR und ihre Wirkungsgeschichte« (AG Christen). Ihr gehören Kirchenvertreter und Wissenschaftler an.

Mit Blick auf die historische Dimension des Begriffs »Christenverfolgung« habe die AG davon Abstand genommen, im Zusammenhang mit den Erfahrungen in der DDR allgemein von »verfolgten Christen« zu sprechen, heißt es weiter in dem Bericht.

Für missverständlich hält der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, die Formulierung. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Landesregierung gegenüber Betroffenen erklären möchte, dass der Begriff »Verfolgung« nicht zu ihrem Schicksal passe, so Dietrich gegenüber der Kirchenzeitung.

Man solle vielmehr die Perspektive wechseln, schlug Dietrich vor: »Wenn die Exekutive ein Urteil fällt, dann sollte es die Rechtsverhältnisse in der DDR betreffen«. Die verfassungsmäßig zugesagte Glaubens- und Gewissensfreiheit habe es in der SED-Herrschaft nie gegeben. Opfer dieser Politik seien letztlich alle Bürger gewesen. »Ihres Glaubens wegen verfolgt wurden Einzelne, zeitweise allerdings in großer Zahl«, so Dietrich weiter.

Anders als bei seinen beiden Vorläufern, soll das Papier bei seiner dritten Auflage auch im Plenum von den Abgeordneten diskutiert werden.

(epd/G+H)


Nur individuelle Lösungen

Kolloquium: Wie Wasserschäden an Kirchen vermieden werden können

Zwei Mal in kurzer Zeit wurden Kirchengebäude direkt oder indirekt von Hochwasser geschädigt. Für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war es der Grund, 2015 ein Forschungsprojekt zu initiieren. Mit welchen Strategien lassen sich Gebäudeschäden vermeiden, lautete die Frage. Zudem wurden verschiedene Formen von Vertikalsperren aus den vergangenen 15 Jahren auf ihre Tauglichkeit hin untersucht.

Partner bei dem dreijährigen Forschungsprojekt waren das Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt (IDK) sowie das Institut für Geowissenschaften und Geographie im Fachgebiet Hydro- und Umweltgeologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Das Fazit der Fachleute: Die eine Lösung für alle von Hochwasser und steigendem Grundwasser betroffenen Kirchen gibt es nicht. Lösungen müssen immer individuell gefunden werden.

In der Regel, so die Architektin Susanne Bähre vom Baureferat der EKM, seien Kirchen im Mittelalter an hochwassersicheren Standorten erbaut worden. Doch es gebe auch Ausnahmen sowie Schäden durch den späteren Anstieg des Grundwassers. Sie stellte beim Abschlusskolloquium in Halle die Kirchen vor, die für das Forschungsprojekt ausgewählt worden waren.

Da ist die um 1280 erbaute Backsteinkirche im altmärkischen Räbel an der Elbe. In ihr stand nicht nur das Hochwasser. Weil die Apsis zum Teil vom Jahrhunderte später errichteten Elbdeich umschlossen ist, kam es zu Schimmelbefall und Holzfäulnis.
Die romanische Kirche in Sydow im Elbe-Havel-Winkel liegt zwar weit weg von Flüssen, aber steigendes Grundwasser schädigt sie. Die 1207 erbaute Kirche in Gottesgnaden bei Calbe wurde vom Saale-Hochwasser überflutet, die 1717 erbaute Kirche in Gruna in Nordsachsen vom Elbe-Hochwasser.

Die Kirche in Ostrau bei Halle, die in der Elsteraue liegt, erlitt Schäden durch schwankendes Grundwasser. Und die romanische Neumarktkirche in Merseburg hat ein Problem, weil sich ihr Fußbodenniveau fast in Höhe des Saale-Pegels befindet.

Professor Wolfgang Gossel (MLU)stellte die Methoden vor, mit denen Kirchen vor Wasserschäden bewahrt werden können. In Ostrau etwa wären Pumpen eine Lösung, um Schäden durch Grundwasseranstieg bei Hochwasser zu vermeiden. In Gruna könnte der Einbau einer kapillarbrechenden Schicht helfen (eine Schicht aus grobem Kies unter der Gründungssohle der Kirche, um den Aufstieg von Grundwasser ins Mauerwerk zu verhindern).

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Die Kirche in Sydow bekam Probleme mit dem Wasser nach dem Elbe-Deichbruch 2013 bei Fischbeck. Diese hingen mit der unzureichenden Pflege des alten Grabensystems zusammen, so der Fachmann. Um die Kirche und die Häuser des Dorfes trocken zu halten, müssten die Gräben instand gehalten werden.

Gossel betonte, dass alle Maßnahmen wie Brunnen, kapillarbrechende Schichten, Vertikalsperren im Mauerwerk oder die Pflege von Gräben immer auf das Gebäude zugeschnitten sein müssten. Bei Hochwasser müssten Notstromaggregat und Pumpen schnell einzubauen sein. Auch deren regelmäßige Wartung sei erforderlich.

Matthias Zötzl (IDK) zeigte am Beispiel von Putzmusterflächen in der Merseburger Neumarktkirche deren unterschiedliche Wirksamkeit auf. Auch zu Mörtelsorten oder zum Einbau von Vertikalsperren könne er keine generelle Empfehlung geben. Vor Baubeginn müsse immer genau erforscht werden, woher das Wasser im Gemäuer komme. Und die Frage, ob Mauerwerk total abgedichtet werden müsse oder ob es »atmen« dürfe, sei unter Baufachleuten umstritten.

In der Diskussion kamen die »Handreichung für den Katastrophenfall – insbesondere Hochwasser« und der »Objektbezogene Maßnahmeplan bei Hochwasser« der EKM zur Sprache. Erfahrungen aus dem Jahr 2013 hätten gezeigt, dass im Ernstfall jeder mit sich selber beschäftigt sei, hieß es da. Umso wichtiger sei es, vorab genau zu planen und die Verantwortlichkeiten festzulegen, betonte Susanne Bähre.

Angela Stoye

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Das Herz der Kirche ist Mission

25. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Die Frage, ob die Kirche missionieren soll, gleicht der Frage, ob es die Kirche geben soll. Wer nicht will, dass die Kirche missioniert, will weder, dass sie Kirche Jesu ist, noch, dass sie eine Zukunft hat.

Oder um es mit den Worten von Eberhard Jüngel auf der EKD-Synode 1999 in Leipzig zu sagen: »Wenn die Kirche ein Herz hätte, ein Herz, das noch schlägt, dann würden Evangelisation und Mission den Rhythmus des Herzens der Kirche in hohem Maße bestimmen.« Mission ist nicht eine von vielen Aufgaben. Mission ist die Identität der Kirche. Sie hat nicht Mission. Sie ist Mission. Der Vater hat Jesus in die Welt gesandt und dieser wiederum sendet die Kirche, seine Apostel, Christen und Christinnen, dass sie Gottes Sehnsucht nach uns Menschen in Wort und Tat verkündigen.

Das ist erst einmal biblisch und theologisch korrekt, provoziert aber viele Fragen und Einwände:

Erstens sind die Begriffe Mission und Evangelisation für viele kirchliche Leute negativ besetzte Reizworte, die nach Bekehrungsdruck, Einseitigkeit, rigider Moral und Fundamentalismus klingen. Auch ich habe missionierende Christen gelegentlich als eifernde Radikalinskis erlebt, die unsensibel und rechthaberisch zur Bekehrung mahnen. Das Evangelium aber ist ein respektvolles Angebot, eine Einladung, der Liebe Christi zu begegnen. Das Anliegen von Mission, Menschen in die Nachfolge Jesu zu rufen, muss aus seiner evangelikalen Verengung befreit werden und wieder zu Ehren kommen.

Keine Wahl: Mission ist nicht eine von vielen möglichen Aufgaben der Kirche, sondern die Identität der Kirche.  Foto: Mirjam Petermann

Keine Wahl: Mission ist nicht eine von vielen möglichen Aufgaben der Kirche, sondern die Identität der Kirche. Foto: Mirjam Petermann

Evangelisation und Mission sind kein Programm besonders frommer und aktiver Christen, sondern Ausdruck der suchenden Liebe Gottes, der Jesus für die Menschen gab und nun die Kirche sendet, um die Menschen zur Freundschaft mit Gott einzuladen.

Zweitens hatte es die Kirche in der Vergangenheit nicht wirklich nötig, Menschen zu gewinnen. Schließlich gehörte jeder irgendwie dazu. Das religiöse Betreuungskonzept aus der konstantinischen Ära der Kirche lebte davon, dass alle, mit Ausnahme der Juden, Kirchenmitglieder waren, die es pfarrgemeindlich zu versorgen galt. Diese Gegebenheit führte zu einer nachlässigen und faulen Grundhaltung in Sachen Mission. Aber die Situation hat sich gründlich gewandelt. Die Entfremdung weiter Teile der Bevölkerung von Glaube und Kirche nicht nur in Ostdeutschland und steigende Kirchenaustrittszahlen zwingen die Kirchen zum Nachdenken darüber, wie sie einladender für Kirchendistanzierte werden können. Heute ist offensichtlich: eine Kirchgemeinde, die nicht missioniert, stirbt, und eine Kirche, die nicht missionarisch lebt, versinkt in der Bedeutungslosigkeit.

Drittens lähmt uns weithin die Erfahrung, dass unsere missionarischen Angebote bei vielen Menschen auf wenig Interesse stoßen. Wir erleben eine frustrierende Gleichgültigkeit gegenüber religiösen Fragen. Wir kommen uns vor wie Schuhverkäufer in einem Land, in dem alle barfuß gehen wollen. Gleichzeitig sind die Fragen nach Identität, Sinn, Wahrheit, Zukunft, Gotteserfahrung und Gemeinschaft präsenter denn je. Und genau darin liegt die Kernkompetenz des christlichen Glaubens. Religion und Spiritualität fasziniert in unserer säkularen Kultur viele besonders junge Menschen. Die Sehnsucht nach spiritueller Selbstvergewisserung bekommt in einer immer komplizierter werdenden und bedrohlichen Wirklichkeit wieder neuen Auftrieb. Warum kommt es nicht zu einer Begegnung von Angeboten der Kirche und der Sehnsucht der Menschen? Liegt vielleicht das Problem nicht nur in der Gleichgültigkeit unseres Gegenübers, sondern auch in der mangelnden Fähigkeit unsererseits, die Liebe Gottes einladend und lebensrelevant in die Kultur der Menschen, in ihre konkrete Lebens- und Verstehenswelt, zu kommunizieren? Offensichtlich haben wir ein handfestes Kommunikationsproblem. Die gesellschaftlichen Umbrüche, in denen sich die Menschen befinden, sind so enorm, dass die christliche Verkündigung neue Wege finden muss.

Viertens verstößt Mission gegen das Basisdogma des Relativismus unserer Zeit, nach dem es keine absolute Wahrheit gibt, sondern nur viele Teilwahrheiten, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Wer missioniert, will demnach einem anderen seine Wahrheit aufdrücken. Mission steht für Intoleranz, die zur Gewalt gegenüber Andersgläubigen führen kann. Missionieren ist etwas, das ein anständiger Mensch nicht tut. Und die kritische Frage »Sie wollen mich wohl missionieren?« wird sofort heftig abgewehrt. Die Kirche und die Christen haben sich von diesem Glaubensbekenntnis des postmodernen Relativismus einschüchtern lassen und reden lieber über das, was in den sozial-politischen Mainstream passt, weil sie sich so der Zustimmung ihrer Mitmenschen sicher sein können. Der Missionsgedanke gehört zum Glauben wie der Donner zum Blitz. In der Zeit postmoderner Beliebigkeit geht es darum, das Sympathische, Frohmachende, Sinnstiftende, Einladende und das Leben Stabilisierende des Glaubens zu kommunizieren. »Wir sind nur Bettler, die anderen Bettlern sagen, wo es Brot gibt« umschreibt die holländische Evangelistin Corry ten Boom das Wesen von Mission. Wir sind das Evangelium den Menschen schuldig – um Gottes willen und der Menschen willen.

Fünftens verstehen viele Pfarrer und Mitarbeiter der Kirche Mission additional als etwas, das sie noch zusätzlich zu den vielen Aufgaben tun sollen. »Ich schaff’ eh schon meine Arbeit kaum, und jetzt soll ich auch noch missionieren.« Dahinter steht das alte Verständnis von Mission, das eine Aufgabe und Aktivität der Kirche umschreibt. Mission aber ist kein Akt der Kirche, sondern ihr Sein in dieser Welt. Was wir als Gemeinde tun, predigen, unterrichten, verwalten, mit Leuten reden, musizieren, feiern, das alles ist Mission, wenn unser Tun durchdrungen ist von der Beauftragung und Begabung Gottes, seiner suchenden Liebe in dieser Welt Ausdruck zu verleihen.

Alexander Garth

Alexander Garth ist evangelischer Theologe, Pfarrer an der Wittenberger Stadtkirche und Sachbuchautor.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Ein Satz für die Ewigkeit und über die Ewigkeit

24. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Johannes 3, Verse 14 b und 15

Es ist eine der viel zu seltenen Nächte, wo Menschen zusammenfinden und man sich bei verglimmender Kerze alles sagt. Wirklich alles. Da bleibt nichts mehr offen. In dieser Nacht war es sogar Gott selbst und der Mensch, die da zusammenkommen. Auch das ist viel zu selten. Jesus ist in tiefer Nacht im tiefen Gespräch mit einem Menschen.

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

Die Bibel nennt den Menschen einen »Oberen«. Er ist ansonsten einer, der anderen was zu sagen hat. Heute aber ist er gekommen um zuzuhören. Heute ist er gekommen um zu verstehen. Wir kennen den Namen des Menschen. Er heißt Nikodemus. Im Dunkel der Nacht kam Gott selbst in Jesus Christus in die Welt. Im Schutz der Dunkelheit wird Schweres leichter ausgesprochen. Da kommt es aufs Hören und nicht aufs Sehen an.

Jetzt, in dieser Nacht, spricht dieser Jesus Christus von seinem nahen Tod. Das ist schon schwer genug, aber was für ein Tod: Er wird gefoltert und hingerichtet. Qualvoll. Erniedrigend. Schmerzhaft. Er kommt ans Kreuz. Das Kreuz wird für alle sichtbar auf dem Hügel draußen vor der Stadt aufgerichtet. Erhöht eben. Den Blicken ausgesetzt, so dass alle zugucken. Da fällt dann dieser Satz aus dem Mund Gottes.

Es ist ein Satz für die Ewigkeit und über die Ewigkeit: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Wer es mit Jesus Christus zu tun bekommt, weiß, dass da manches genau andersrum ist. Anders als sonst üblich. Es bleibt eben nicht beim alten »das war schon immer so«.

Da, wo man mit ihm zu tun hat, da werden die Letzten die Ersten, sein. Wo man mit ihm zu tun hat, ist das Kleine gaaaaaanz groß. Wo man mit ihm zu tun hat, haben Tote das ewige Leben. Kein Wunder, dann ist die Erhöhung eine Erniedrigung. Das muss so sein. Und doch bleibt es auch nicht dabei.

Das sehen wir dann schon in einer Woche. Dann feiern wir nämlich Ostern. Ich freu mich drauf!

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


nächste Seite »