Im Himmel: Hochzeit unterm Kunstwerk

28. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

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Text/Foto: Veit Rösler

Text/Foto: Veit Rösler

Bis kurz vor der Trauung stand über dem Altar der Dorfkirche Gröden (Kirchenkreis Bad Liebenwerda) ein Baugerüst. Die ersten, die die kunstvolle Deckenbemalung zu sehen bekamen, waren Christin und Rico Forbrig am Tag ihrer Trauung und der Taufe ihres einjährigen Sohnes Oscar. »Ich hätte nie gedacht, was sich unter der alten Farbschicht verbirgt«, staunte selbst der ordinierte Prädikant René Herrmann. Die St.-Martins-Kirche wurde erstmals 1378 schriftlich erwähnt und mehrfach umgebaut. Bei der jetzigen Sanierung sollten nur Sondierungsschnitte gemacht und der Innenraum weiß gestrichen werden. Die zutage getretenen Mosaiksteinchen ließen jedoch mehr erwarten. Millimeter für Millimeter legten die Restauratoren Evelin Waldmann und Ralf Schirrwagen die Kostbarkeiten frei. Die barocke Malerei wird Christian Schilling zugeschrieben und auf die Zeit von 1701 bis 1704 datiert. Sie blieb unter der vermutlich um 1850 aufgetragenen Übertünchung erhalten. Für die Hochzeitsgäste nicht sichtbar, verbirgt sich hinter dem Altar ein Sondierungsschnitt, der weitere Schätze erahnen lässt.

Text/Foto: Veit Rösler

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»Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen«

28. Mai 2018 von redaktionguh  
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Mein Rückblick auf den Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg – Mai 2017.

Fünf Uhr. Gebet zum Sonnenaufgang. In der Morgendämmerung bin ich noch etwas müde nach dem Himmelfahrtsabend, der mich so begeistert hat. Ökumenischer Gottesdienst und Willkommensabend liefen mit mehr als 3 000 Besuchern ansteckend fröhlich in wunderbarer Kirchentagsstimmung ab. Die Kirchengemeinden haben eingeladen, liebevoll waren die Tische gedeckt und vielfältiges Essen zubereitet. Jetzt im Rosengarten am Elbufer zähle ich gerade 12, da kommt noch eine Gruppe Konfirmanden aus Meiningen. Sie haben sich aus dem einzigen Gemeinschaftsquartier in der Stadt so früh auf den Weg gemacht. Ich bin echt gerührt. Danach frühstücken mein Frau und ich auf der Schifferkirche mitten in der Elbe. Großartig, die sind extra aus Hamburg gekommen. Sie freuen sich über die gute Resonanz.

Im Kulturhistorischen Museum begrüße ich wenig später den Rabbiner Sajatz, der eine engagierte Bibelarbeit hält. Rückfragen sind bei den etwa 35 Teilnehmern leicht möglich. Gespräche entwickeln sich. Klasse – denke ich – dass die Stadt und die Museen, Kunst- und Kulturleute den Kirchentag unterstützen. Mit dem Fahrrad fahre ich zum Orga-Team. Herr Günther und die Ehrenamtlichen dort haben sich extra Urlaub für diese Tage genommen. Bloß der Kartenverkauf vor Ort ist mager – 20 000 war einfach zu hoch angesetzt. Wir beraten die Sicherheitslage. Die Polizei wird am Abend die Leute, die zur Inszenierung kommen werden, nur per Kontrolle ans Elbufer lassen. 6 000 werden es dann sein, die einen beeindruckenden Abend mit Licht, Musik, Schiffen und Schauspiel aus Magdeburgs Geschichte erleben werden.

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Ich fahre zum Dom, ein Reporter vom Deutschlandradio will mich dort sprechen. Im Dom wird gerade zum Thema Frieden diskutiert. Ein Manifest entsteht, das streitbar Beachtung finden wird.

Gesprächstermin: Er habe Kunden im Alleecenter gefragt, was sie vom Kirchentag mitbekommen: Nichts. Und warum wir das Thema Kinderarmut übergehen. Ich erkläre ihm, dass ein Kirchentag davon lebt, dass sich Menschen einbringen mit ihren Themen. Warum nicht zu Kinderarmut? Würde gehen. Aber zum Kirchentag auf dem Weg anlässlich des Reformationsjubiläums haben sich bei uns die Themen Frieden und neue Medien angeboten. Sie haben einen Bezug zu Magdeburg als »Unsers Herrgotts Kanzlei« und als in zwei Kriegen zerstörte Stadt: 1631 und 1945. Ja, schade, dass weniger kommen als gedacht. Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen. Das ist mühsam und Tickets sind auch nicht hilfreich. Im Übrigen würde ich jetzt los wollen, um mit der Ökumenischen Bigband vor dem Allee­center ein bisschen Straßenmusik zu machen. Meine Antworten hat er nicht gesendet.

In der nachmittäglichen Hitze fahre ich dann mit dem Rad zur Jugend. In den Zelten und im Schatten sind einige Kinder und Jugendliche. Es wirkt ein bisschen zu still, ich spüre Enttäuschung bei den Mitwirkenden. Einige Konfis aus der Altmark berichten aber auch von einem coolen Graffiti-Workshop, den sie besuchten – der war voll.

Zurück in der Oase der Seelsorger an der Wallonerkirche, werde ich wieder etwas aufgebaut. Dort höre ich auch von dem interessanten Projekt »Twittergottesdienst«. Ich schaue mir auf Youtube gleich mal einige TwiGo-Ausschnitte an: Ach, so funktioniert das. Ein Kirchenältester kommt vorbei und ruft mir zu: Den Willkommensabend – den machen wir doch wieder. Ich antworte lachend: Da hängt aber ein ganzer Kirchentag dran. Aber probieren können wir’s ja mal. Vielleicht in zwei Jahren? 2019! – Dankbar bin ich für solch engagierte Haupt- und Ehrenamtliche.

An zahlreichen Helfern vorbei und durch die Polizeikontrolle gehe ich abends ans Elbufer: Ich spüre, wie die Menschen mitgenommen werden in die Geschichte der Reformation vor 500 Jahren. Gut, denke ich, dass es heute anders ist: Ohne konfessionellen Kampf – dafür ökumenisch und weltoffen.

Stephan Hoenen

Der Autor ist Superintendent in Magdeburg.

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Von der Schöpfung zur Erschöpfung

28. Mai 2018 von redaktionguh  
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Lutherstadt: Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör über ein Sommermärchen und die Folgen


Es ist März, Ende März 2018. Das Thermometer erzittert sich frühlingshafte 3 Grad Celsius. Vor der Tür liegt Schnee von gestern. Nur nicht jammern! 2017 war es auch nicht viel besser. Gut, es war ein wenig besser. Na gut, es war besser. Allein das Wetter. Vom Rest ganz zu schweigen.

Ich fühle die protestantische, ja sogar ein wenig ökumenische Sehnsucht nach 2017 in mir aufsteigen. Was für ein Sommermärchen! Frühlingsgefühle? Die werden schon noch kommen. Wittenberger Frühlingsgefühle? Ich habe doch erhebliche Zweifel. Mein Mut weicht der Wehmut.

Ich bin umgeben von Heerscharen Erschöpfter. Ich treffe sie, täglich. Sie haben die Gesetze der Physik überlistet, denn sonst würden sie in der Kurve umfallen, so langsam laufen sie.

Der Tod von Stephen Hawking scheint für sie ein bedauerlicher, aber nicht ganz unwillkommener Zwischenfall. So eine Aufregung um einen, der nicht einmal einen Nobelpreis hatte. Theoretische ­Physik?! Was soll das sein? Das ist doch nicht mehr als die Homöo­pathie unter den Naturwissenschaften. Das Universum in der Nussschale. Na super, die Fortsetzung sollte wohl heißen: ein Globuli im Morgenkaffee. So ein Verrückter, der über einen Rollstuhl mit Sprachcomputer versuchte, dem kirchlichen Weltbild den Schleier des Geheimnisvollen zu nehmen.

Aber der Gedanke an 2017 zaubert auch den hauptamtlichen Reformationserschöpften ein seliges Lächeln in ihr Gesicht. Hoffnung. Ich nehme mein Herz in beide Hände und rufe ihnen zu: »Kommt, lasst uns weitermachen. Wittenberg kann Rom sein, wenn wir tanzen!«

 Foto:  Marko  Schoeneberg

Foto: Marko Schoeneberg

Das Lächeln verwandelt sich jäh von selig in müde. Nein, nein, nein. Ein Sabbatjahr, ein Sabbatjahrzehnt, besser noch ein kurzes, aber knackiges Sabbatjahrhundert, das ist es, was die protestantische Kirche jetzt angeblich brauche.

Man lässt mich wissen, die Kirche lasse sich nicht von so einem hyperaktiven Oberbürgermeisterchen vor sich hertreiben. Ja, man lässt mich spüren, ich säße zwar fest im Sattel (ohne an diesem zu kleben, was schon für sich allein in der heutigen Zeit rar wäre), aber die Kirche habe schon andere Verrückte überlebt.

Ich kann die Gedanken erraten, kann sie zwischen den Zeilen, voll mit freundlichsten zugewandten Worten, lesen: »Er wird sich mühen, kämpfen, winden, denken, denken, denken … umsonst! Der liebe Herrgott ist verlässlich und humorvoll. Die arme Stadt ist pleite, die reiche Kirche auch. Wenn sich dieser Stadtprotestant aus dem roten ­Rathaus auch fürderhin auf unerklärliche Weise immer wieder aufbäumt, so wird er doch gegen die Kommunalaufsicht und Tausendköpfigkeit evangelischer Leitungsstrukturen nicht ankommen, oder?! Lieber Herrgott, enttäusche uns nicht!«

Und überhaupt, was ich schon wieder will? Die Kirche hat doch alles getan. In Luthers Predigtkirche hängt jetzt einmal monatlich sogar eine Diskokugel. »Church@Night« heißt das Event. Mehr geht nicht! Mehr geht wirklich nicht! Abendsegen auf dem Markt? Vorbei. Musik um Drei? Vorbei.

Mein Gott, kann man denn nicht mal ein kleines Jahrzehnt erschöpft sein, ohne permanent dafür um Vergebung bitten zu müssen? Wenn der aus dem Rathaus schon so einen Wind macht, dann darf die Kirche doch wenigstens in dessen Schatten bleiben. Beim Konfi-Camp hat es doch auch funktioniert. Die Stadt plant, versorgt, baut auf, baut ab, lagert ein, evakuiert, … So soll es sein, Amen. Und die Kirche begleitet, denkt an, neigt zu, sorgt für.

Dass die Kirche nunmehr auch noch für die inhaltliche Belebung des Konfi-Camps als Investition in die eigene Zukunft zahlen muss, ist allein schon ein Skandal. Aber eben nicht zu ändern. Kinder, Jugendliche, wo auch immer sie herkommen, Eltern, Anwohner, Sonne, Regen, das ist alles mit so viel Risiko verbunden!

2017 haben zehn Wochen lang jeweils 1 500, also insgesamt circa 15 000 Jugendliche in Wittenberg im Konfi-Camp gelebt, gelacht, gefeiert. Und 2018? Zwei Wochen, so höre ich, seien genug, seien mehr als genug. Alles hängt wohl am seidenen Faden.

Die Karawane zieht weiter. Wir wollten mitziehen. Jetzt ziehen wir zuverlässig an Reißleinen, oder?! Wenn doch nur halt der Stress nicht wäre.

Jetzt bin ich auch irgendwie erschöpft. Besser ist es, ich leg mich erst mal hin …

Torsten Zugehör

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2017 war ein Segen

27. Mai 2018 von redaktionguh  
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Wer über die Reformationsjubiläen früherer Jahrhunderte liest, weiß, sie waren immer Spiegel ihrer Zeit. Was also wird bleiben von 2017? Sicher war nicht alles perfekt. Aber ich bin überzeugt, vier Punkte werden es schaffen in die Memoiren. Zum einen war da die ausgestreckte ökumenische Hand. 500 Jahre nach den trennenden Auseinandersetzungen haben die Christen in Deutschland sehr klar gemacht, wie bewusst ihnen ist, dass sie mehr verbindet als sie trennt. Die Formel kommt so glatt daher, aber im Jahr des Reformationsjubiläums hat sie ihre Lebendigkeit bewiesen. Hier wurde nicht abgegrenzt und gegeneinander gefeiert, sondern, wie Kardinal Lehmann sagte: »Das war ein Kairos der ökumenischen Bewegung!«

Zum anderen: Dieses Fest war international. Wir haben in Wittenberg mit Menschen aus aller Welt gefeiert. Themen der Welt waren auf der Tagesordnung. Und in aller Welt haben Christen mit uns bedacht, was Reformation heute bedeutet. Dabei wurde die Hand auch ausgestreckt zu anderen Religionen: Nie mehr Krieg im Namen von Religion!

Die große Beteiligung junger Leute war ein wichtiges Hoffnungssignal. 15 000 Konfirmanden kamen nach Wittenberg, dazu 4 200 Pfadfinder. Und am »500 schools day« haben sich evangelische Schulen in aller Welt vernetzt. Das war zukunftsweisend, so können wir die Medien unserer Zeit nutzen, um das Evangelium weiterzugeben.

Schließlich: Dies war ein Reformationsjubiläum im säkularen Kontext. Wir haben neue Formen erprobt. Wie rede ich vom Glauben in einem Umfeld, das keinen Glauben kennt? Dabei haben auch die Kirchen aus dem Westen Deutschlands viele wichtige Erfahrungen machen können. 2017 war ein Segen – wir dürfen dafür dankbar sein!

Margot Käßmann

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Erfolgsgeschichte: Pop-Oratorium »Luther« erklingt auch 2018

27. Mai 2018 von redaktionguh  
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Foto: Stiftung Creative Kirche

Foto: Stiftung Creative Kirche

Ob auf dem Klappstuhl, dicht gedrängt stehend, oder auch liegend auf der Campingdecke – ganz Wittenberg und Gäste von nah und fern versammelten sich im August 2017 in der Lutherstadt, um eine einzigartige Freiluftveranstaltung, das Pop-Oratorium Luther, zu erleben.

Bei herrlichem Sommerwetter genossen 3 500 Zuschauer an der Wittenberger Schlosskirche und damit an historischer Stätte eine beeindruckende Aufführung, die sich nicht allein wegen des starken Besucherandrangs als ein Höhepunkt des Reformationssommers erwies. Zudem war die Bedeutung der Konzertstätte als Geburtsort der Reformation bei vielen Zuschauern deutlich spürbar: die besondere Atmosphäre verstärkte die Wirkung des beeindruckenden Bühnenwerks.

Die Erfolgsgeschichte des Oratoriums, das als DVD und Blu-ray in gestochen scharfer HD-Qualität bestellt werden kann, geht 2018 weiter.

Nach Gastspielen in Hannover, Stuttgart, Düsseldorf, Mannheim, Hamburg, Brüssel und München im vergangenen Jahr wird es im Herbst Aufführungen in Süddeutschland und der Schweiz geben. Start ist am Reformationstag in Fellbach (31. 10.), es folgen Augsburg (1. 11.), St. Gallen (2. 11.) und Freiburg im Breisgau (4. 11.).

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Kirche gehört zum Leben und wächst durch Gottes Geist

26. Mai 2018 von redaktionguh  
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Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.

Jesaja 6, Vers 3

Die ältere Frau im Krankenbett freut sich, dass »die Kirche« vorbeikommt. Sie erzählt davon, wie wichtig es ihr war und ist, dass Kirche zu ihrem Leben dazugehört. Aber sie erzählt auch, dass es sie traurig macht, wie wenige noch in den Gottesdienst kommen. Ein bisschen Vorwurf klingt vielleicht auch mit. Warum kommt von denen keiner?

In den Zeitungen lese ich von verschiedenen Gottesdienstprojekten. Neue Formate werden gesucht und erprobt, damit mehr (junge) Menschen den Weg in den Gottesdienst finden. Warum erreichen wir sie nicht? So fragen viele. Gottesdienstformate zu hinterfragen, ist notwendig. Manches Traditionelle kann man aufgeben, Neues kann erprobt werden. Oft macht es auch mich traurig, dass so vielen evangelischen Christen ihr Glaube nicht wichtig scheint und viele andere gar nichts mehr von Gott wissen. Und da ist es fraglos wichtig, nach anderen Wegen zu suchen. Manchmal habe ich den Eindruck, als würden wir uns immer weiter verbiegen, damit die Gemeindegliederzahlen wieder stimmen. Als könnten kirchliche Mitarbeiter, wenn sie sich nur genug anstrengen, aus eigener Kraft allein erreichen, dass die Kirche wächst. Das macht, mir zumindest, Druck.

Am Sonntag Trinitatis geht es darum, dass Gott sich den Menschen auf verschiedene Weise zeigt. Er ist der Schöpfergott, der sich mir zum Beispiel in der Natur offenbart. In Jesus Christus begegnet mir Gott als Mensch. Durch das Pfingstfest weiß ich, er stärkt mich durch seinen Geist. Und dieser Geist ist es, der, auch durch mich, bewirkt, dass die Kirche wachsen kann. Sein Geist vermag viel mehr als wir ihm zutrauen.

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Der Wochenspruch ist kein Plan, kein Soll, das es zu erfüllen gilt, sondern das ist eine Zusage! Gott ist heilig, und alle Lande sind und waren seiner Ehre voll, und sie werden es auch zukünftig sein.

Darauf kann ich mich in Weimar in einem Krankenzimmer, beim Besuch eines Patienten, genauso verlassen wie ein Christ in einem gut besuchten Gottesdienst. Gott
ist heilig!

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

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Christusfest mit Auftrag

25. Mai 2018 von redaktionguh  
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Was bleibt vom Reformationsjubiläum? An erster Stelle ein Satz der Bibel. Einer, der schon vor 2017 da war und der auch zukünftig bleiben und gelten wird: »Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.«

Was bleibt noch? Es bleibt eine revidierte Übersetzung der Lutherbibel. In unserer säkular geprägten Gesellschaft haben Menschen sie gekauft und so die Heilige Schrift zu sich nach Hause geholt. Sollte es Wichtigeres geben als das? Und weil wir gerade bei Büchern sind: Neue historische Bücher machten deutlich, dass wir es im Blick auf die Reformation mit einer vielfältigen reformatorischen Bewegung zu tun haben. Dass Martin Luthers Welt eine uns heute fremde Welt ist. Dass wir Erkenntnisse der Reformation deshalb für heute neu verstehen müssen. Und dass wir manches, was Martin Luther vertreten hat, heute klar zurückweisen müssen. Wie seinen Antijudaismus. Der historische Blick auf die Reformation hat heilsamen Abstand hergestellt, neues Verstehen und neue Fragen geweckt, das eigene Denken herausgefordert. Und das schadet ja nie.

Vor einem Jahr: Die Kirchentage auf dem Weg und die Abschlussveranstaltung auf den Elbwiesen bei Wittenberg. Der begehbare Bibelturm (Foto) am Bahnhof der Lutherstadt war weithin sichtbar. Wie so vieles andere ist er längst wieder abgebaut. Foto: epd-bild

Vor einem Jahr: Die Kirchentage auf dem Weg und die Abschlussveranstaltung auf den Elbwiesen bei Wittenberg. Der begehbare Bibelturm (Foto) am Bahnhof der Lutherstadt war weithin sichtbar. Wie so vieles andere ist er längst wieder abgebaut. Foto: epd-bild

Als ökumenisches Christusfest hat das Reformationsgedenken zu einem vertieften Verständnis der Konfessionen beigetragen. Es tat gut, in ökumenischer Verbundenheit Gottesdienste zu feiern. Es war wichtig, Verletzungen und Fragen auszusprechen, die das Miteinander belasten. Und es war wohltuend, gegenseitig Wertschätzung und Respekt zu erfahren. Manches, was dabei ausgesprochen und gefeiert wurde, hat öffentlich nachvollzogen, was im alltäglichen ökumenischen Miteinander schon länger gewachsen ist. Aus dem gemeinsamen Christusfest folgt der Auftrag, jetzt nicht genügsam stehenzubleiben, sondern weiter miteinander unterwegs und dabei über Trennendes wie Gemeinsames im Gespräch zu sein. Zwischen katholischer und evangelischer Kirche sind das vor allem Fragen des Kirchen- und des Amtsverständnisses und daraus resultierend des Abendmahles.

Zum Reformationsjubiläum kamen viele Touristen in unsere Region. Was die Reformation hier jeweils vor Ort historisch, gegenwärtig und zukünftig bedeutet, hat Interesse gefunden. Das hat die Kirchengemeinden gestärkt. Es hat Gemeindeglieder ermutigt. Hat Kontakte zu anderen Akteuren der Zivilgesellschaft gefestigt und neue finden lassen. Hat Gemeinschaft neu entdecken lassen – besonders eindrücklich in vielfältigen Formen der Mahlgemeinschaft und Gastfreundschaft. Hier werden wir zukünftig anknüpfen können. Dazu gehören auch die Gespräche und Begegnungen mit Menschen anderer religiöser Überzeugungen. Die Fortsetzung eines vertieften interreligiösen Austausches und die Diskussion über das Zusammenleben in einer pluralen und multireligiösen Gesellschaft gehören für mich ganz unbedingt zur Bilanz des Reformationsjubiläums. Wie Einheit in Vielfalt entsteht und gelebt wird, hat in der reformatorischen Bewegung durch die Jahrhunderte hindurch zu unterschiedlichen Antworten geführt. Das war ein Lernprozess, der auch zu der Einsicht führte, dass Menschen unterschiedlicher religiöser, kultureller und politischer Prägung nur in »versöhnter Verschiedenheit« friedlich miteinander leben können. Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Lernprozess können wir einbringen in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskurs.

Die Kooperationen und Kontakte vor Ort haben auch Mitgliedschaftsfragen neu in den Blick gerückt. Wer gehört zu uns? Was ist mit denen, die dabei sind, aber nicht dazugehören? Die sich mit uns für andere engagieren, aber nicht Kirchenmitglieder sind? Und dennoch bei uns sind. An unserer Seite. Mit uns befreundet. Was bedeutet das für unser Verständnis von Taufe, Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer? Vielleicht geht es um weniger starre Grenzen. Und darum, öffentlicher zu werden. So, wie es die Reformation einmal gedacht hat: An alle weitersagen und für alle erfahrbar machen, was es heißt, aus der Gnade und Liebe dessen zu leben, von dem Christenmenschen bekennen: »Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.«

Kristina Kühnbaum-Schmidt

Die Autorin ist Regionalbischöfin für den Propstsprengel Meiningen-Suhl und war Reformations-Scout für die EKD-Synode.

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Zum »Orangenfest« erstmals mitten auf dem Markt

25. Mai 2018 von redaktionguh  
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Partnerschaft: Deutsch-niederländischer Gottesdienst zum Stadtfest in Oranienbaum

Schon der Name verweist auf eine gewisse Verbundenheit in die Niederlande: Als Prinzessin Henriette Catharina von Oranien 1660 nach Anhalt heiratete, bekam sie von ihrem Ehemann, Johann Georg II. von Anhalt-Dessau, das aufgegebene Dorf Nischwitz zur Hochzeit geschenkt. Sie ließ sich dort ein Schloss bauen und entwickelte den Ort zu einem aufstrebenden Städtchen, dem sie 1673 den Namen Oranienbaum gab. Henriette Catharina von Oranien gehört zu den direkten Vorfahren des niederländischen Königshauses, weshalb sowohl Königin Beatrix als auch König Wilhelm Alexander hier schon zu Gast waren.

Foto: pixabay/CC0

Foto: pixabay/CC0

Zwar keine adeligen, doch gern gesehene Gäste aus den Niederlanden werden an diesem Wochenende in Oranienbaum erwartet. Denn seit 2006 besteht eine Partnerschaft zwischen der Kirchengemeinde Oranienbaum und den Gemeinden Nieuwerbrug und Waarder. Diese gehören zur Protestantse Kerk in Nederland (PKN), einem Kirchenbund, zu dem sich 2004 zwei reformierte und die evangelisch-lutherische Kirche zusammengeschlossen haben. Waarder und Nieuwerbrug liegen zwischen Utrecht, Den Haag und Rotterdam und gehören zur Provinz Südholland. »Deshalb ist es in unserem Fall richtig, auch von holländischen Partnergemeinden zu sprechen«, so Pfarrerin Bärbel Spieker.

Zum ersten Kontakt kam es 2005 bei einer Chorreise auf den Spuren Bachs und Luthers, als eine Gruppe unter Leitung des Pfarrers und Kirchenmusikers Erick Versloot eine Kirche für einen Gottesdienst suchte. Seitdem gibt es jährlich wechselnde Besuche. Inzwischen nehmen längst auch Mitglieder der katholischen Gemeinde und der anderen evangelischen Gemeinden der Stadt Oranienbaum-Wörlitz an diesen Begegnungen teil. Ein evangelischer zweisprachiger Gottesdienst in der Stadtkirche stand bisher immer am Ende eines solchen Besuches in Oranienbaum. In diesem Jahr wird er mitten in die Stadt verlegt, und zwar im Rahmen des Stadtfestes »Orangenfest« am 27. Mai (10 Uhr) in das Festzelt auf dem Markt.

Kirchenpräsident Joachim Liebig wird predigen, der katholische Propst Matthias Hamann aus Dessau, Nathan Noorland aus Nieuwerbrug und Pfarrerin Bärbel Spieker sowie der Posaunenchor Oranienbaum und weitere Bläser werden ihn mitgestalten. Lieder, Vaterunser und Glaubensbekenntnis werden gleichzeitig in niederländischer und deutscher Sprache zu hören sein; Gebete, Lesungen und Predigt werden übersetzt.

(G+H)

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Wie Phönix aus der Asche

21. Mai 2018 von redaktionguh  
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Walldorf an der Werra: Vor sechs Jahren zerstörten die Flammen die Kirche der Kirchenburg. Seitdem baut die Gemeinde sie neu auf.

Eines stellt Pfarrer Heinrich von Berlepsch gleich klar: »Über Geld und Termine reden wir nicht.« Statt dessen wolle man lieber »über Gott und über unseren Glauben reden«. Vielleicht steckt dahinter neben der löblichen Absicht, über Inhalte zu sprechen, auch die Erfahrung, dass Neid zuweilen als höchste Form der Anerkennung erfahrbar ist. Denn wer sich an die Bilder der rauchenden Trümmer der Kirchenburg in Walldorf an der Werra erinnert, die 2012 durch die Medien gingen, der ahnt, dass hier richtig viel Geld investiert wurde. Und noch immer wird: Denn abgeschlossen ist der Bau »unserer Kirche«, wie von Berlepsch betont, noch lange nicht.

»Unsere Kirche« ist für den Pfarrer nicht nur eine Floskel. Was heute und in Zukunft die Walldorfer Kirchenburg ausmacht, ist in einem langen Prozess zwischen Pfarrer, den Kirchenältesten, den Gemeindemitgliedern und den Bewohnern Walldorfs entstanden. Und natürlich in Gemeinschaft mit den Architekten, die sich auf diese Art eines »Bauens im Team« eingelassen haben.

Der Glaube, über den von Berlepsch gern reden möchte, wurde freilich auf eine harte Probe gestellt, als am 3. April 2012 die Flammen aus dem Kirchenschiff der gerade fünf Jahre zuvor vollständig sanierten Kirche schlugen. Von Berlepsch erinnert sich, wie er vor den Trümmern saß und die Frage stellte: »Warum hat Gott das zugelassen?« Seine zweite Frage war dann schon der erste Schritt in die Zukunft: »Was will Gott uns damit sagen?«

Für von Berlepsch war klar, dass die Kirche auf jeden Fall wieder aufgebaut werden muss. Auch wenn manche Formen im Blick auf Gemeindeaufbau im 21. Jahrhundert fragwürdig sind und neue Wege gesucht werden müssen: »Ohne Bindung an die Tradition gibt es auch keine Zukunft«, ist der Pfarrer überzeugt. Für ihn und die im wahrsten Sinn des Wortes weinend vor ihrer Kirche stehenden Gemeindemitglieder wurden ausgerechnet die Dohlen zum Sinnbild für Hoffnung und Neubeginn: Auch ihre Nester im Dachstuhl waren ein Raub der Flammen. Doch schon zwei Tage später fingen sie an, neues Geäst als Nistmaterial in die Trümmer zu tragen. »Seht«, sagte der Pfarrer seiner Gemeinde, »genauso wie die Dohlen machen wir es auch. Wir bauen wieder auf!« Und deshalb zeigt eines der neuen Buntglasfenster des Leipziger Künstlers Julian Plodek eine Dohle, die mit einem Zweig im Schnabel auf einem verkohlten Balken sitzt.

Kleinod über dem Werratal: Die Kirchenburg Walldorf bei Meiningen in Südthüringen erstand nach dem Brand im Jahr 2012 in ihrer ursprünglichen äußeren Form, aber in veränderter Innenausstattung. Fotos: Harald Krille

Kleinod über dem Werratal: Die Kirchenburg Walldorf bei Meiningen in Südthüringen erstand nach dem Brand im Jahr 2012 in ihrer ursprünglichen äußeren Form, aber in veränderter Innenausstattung. Fotos: Harald Krille

Überhaupt Tiere und Pflanzen: Sie haben seit jeher ihren Platz auf der Kirchenburg. Und so wurde auch beim Neuaufbau darauf geachtet, dass Dohlen ihre Nester bauen können, ein seit Jahren im Gemäuer lebender Bienenschwarm seinen Platz behalten hat, dass Nisthöhlen für Meisen und Kleiber, Fluglöcher für Fledermäuse und ein Nistplatz für Störche entstanden.

Vor allem aber soll die Kirche für Menschen offenstehen. Als Radwegekirche am Werra-Radweg, als Kinder- und Jugendkirchenburg für die junge Generation, die auf dem Areal Möglichkeiten für Zeltlager und sportliche Betätigung findet, für Gottesdienste und fröhliche Feste, für Begegnungen aller Art. »Das ist unser großes Thema: Begegnung. Wir wollen als Christen Menschen begegnen, auch denen, die mit Kirche vielleicht nichts am Hut haben«, so von Berlepsch. Denn Begegnung verwandelt Menschen – auch die, die schon zur Gemeinde gehören.

Eine Terminaussage lässt sich Pfarrer von Berlepsch dann doch noch abringen: Ab 1. Juli des kommenden Jahres sei er im Ruhestand. Und davor werde die Kirche offiziell wieder eingeweiht. Manches wird bis dahin vielleicht noch nicht komplett sein. Aber ein Altartisch und eine Christusfigur werden dann den Innenraum schmücken. Ein Bildhauer wird sie bis dahin gestalten. Entstehen sollen sie aus dem Holz der angekohlten Balken, die seit der Beräumung der Brandtrümmer auf der Kirchenburg lagern.

Harald Krille

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Spenden für den Agnus-Altar erbeten

21. Mai 2018 von redaktionguh  
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Foto: Heiko Rebsch

Foto: Heiko Rebsch

Das Foto zeigt den Altarraum der Köthener Agnuskirche, wie er zurzeit nicht aussieht, aber wieder einmal – und schöner dann – aussehen wird. Der über 500 Jahre alte Flügelalter wurde Ende 2016 zur Restaurierung in eine Fachfirma transportiert. Inzwischen liegt die denkmalrechtliche Genehmigung für Bauarbeiten am Altarraum vor, der erst im 19. Jahrhundert sein heutiges Aussehen erhielt. Der Altar mit seinen sieben Skulpturen und sechs Gemälden ist älter als die 1699 fertiggestellte Kirche. Er war vermutlich aus Anlass der Kircheneinweihung ein Geschenk des Merseburger Fürstenhauses an die lutherische Köthener Fürstin Gisela Agnes von Rath. Um ihm seine alte Schönheit zurückzugeben und für die Arbeiten in der Kirche sind nach jüngsten Schätzungen rund 64 000 Euro erforderlich. Die Kirchengemeinde bittet deshalb weiter um Spenden.

Ob der Altar bis Weihnachten in die Kirche zurückkehren kann? Da ist sich Pfarrer Lothar Scholz nicht sicher; aber 2019 auf jeden Fall.

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