Das Kloster im Fünfgeschosser

6. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Lobeda: In Jenas Trabantenstadt leben drei katholische Ordensfrauen. Das Engagement für die Ökumene ist für sie eine Herzensangelegenheit.

Ein kontemplatives, Gott zugewandtes Leben im Plattenbau mit Leichtbauwänden – wie geht das? »Viel Zeit verbringen wir nicht in der Wohnung«, erzählt Christine Romanow. Die Schwester vom Orden der Missionarinnen Christi teilt mit Maria-Elisabeth Goldmann und Ruth Stengel von den Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel zwei Wohnungen in Jena-Lobeda. Der berufliche Alltag der Frauen ließe ein klassisches Klosterleben auch nur schwer zu. Maria-Elisabeth Goldmann arbeitet als Sozialpädagogin in der Caritas Beratungsstelle, Ruth Stengel ist Gemeindereferentin an der katholischen Pfarrei »St. Johannes Baptist«, Christine Romanow leitet die Beratungsstelle der Missionarinnen und gibt Religionsunterricht an einer Jenaer Grundschule. »Dennoch, das morgendliche Gebet ist unser Fundament«, sagt Maria-Elisabeth Goldmann entschieden.

Gottes WG in der Platte: (von links) Christine Romanow, Ruth Stengel und Maria-Elisabeth Goldmann. Foto: Beatrix Heinrichs

Gottes WG in der Platte: (von links) Christine Romanow, Ruth Stengel und Maria-Elisabeth Goldmann. Foto: Beatrix Heinrichs

Regelmäßige Gebetszeiten und Besinnungsnachmittage bietet Christine Romanow auch in der Beratungsstelle im Stadtzentrum an. »Willkommen sind alle – ob mit oder ohne Religion«, sagt Christine Romanow, die sich als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Jena für die Ökumene im Kirchenkreis engagiert. »Für mich ist es positiv zu sehen, wie die Beziehungen zu anderen Christen und anderen Kirchen wachsen können – ich spüre da viel Verbindendes. Wo ich herkomme, hätte ich das so nicht erlebt«, erklärt die gebürtige Münchnerin, die vor ihrem Eintritt in die Kommunität als Grundschullehrerin in Eichstätt tätig war.

»In Jena ist die Ökumene auf einem guten Weg«, erklärt Pfarrerin Maria Krieg, Ökumene-Beauftragte im Kirchenkreis. Neben ökumenischen Gottesdiensten zu den hohen Festen im Kirchenjahr gibt es Segnungsfeiern für Schwangere und am Valentinstag auch für Verliebte. Auch die Friedensgebete im Rahmen des interreligiösen Dialogs seien stets gut besucht. Die ökumenischen Abendandachten, die während der Sommermonate in der Lobedaer Peterskirche stattfinden, gestalten Christine Romanow und Maria Krieg im Wechsel. »Jeder setzt in seiner Geistlichkeit andere Akzente«, so die Pfarrerin. »Diese Vielfalt bereichert das Christsein und den individuellen Blick auf unseren Glauben.«

»Wir selbst sind Ökumene pur«, sagt Ruth Stengel. Allzu oft käme es nicht vor, dass Schwestern unterschiedlicher katholischer Ordensgemeinschaften eine Kloster-WG teilen.

Beatrix Heinrichs

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