Gemeinsam am Tisch des Herrn

7. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Ökumene: Christen haben gut lachen, findet Kirchenclown Leo aus Halle

Das Gleichnis vom Festmahl – eine andere biblische Geschichte wollten Florentine, Amanda, Pauline, Christophorus und Leo nicht erzählen. Welches Gleichnis Jesu passt auch besser zu jenen fünf Kirchenclowns, die vier verschiedenen Konfessionen angehören? Sie sind römisch-katholisch, evangelisch-uniert, evangelisch-methodistisch und freikirchlich-evangelisch – und doch folgen sie alle der großen Einladung Gottes, wie sie im Lukasevangelium (14,15ff) beschrieben wird.

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

»Das Gleichnis des Festmahls stellt alltägliche und gleichzeitig hochtheologische Fragen«, sagt Steffen Schulz alias Kirchenclown Leo aus Halle-Trotha. Da lädt ein Hausherr ein und all seine Gäste sagen ab, er aber schickt seinen Diener wieder los und lässt andere kommen, die Kranken, die Armen, die Aussätzigen. Was machen wir mit der Einladung Gottes? Nehmen wir sie aus freien Stücken an? Setzen wir uns gemeinsam an den Tisch des Herrn? Erkennen wir, dass uns so viel mehr eint als trennt?

Steffen Schulz versucht das. Seit 19 Jahren steht er als Clown Leo auf der Bühne; in der ersten Zeit allein, aber zum elften Clownsgeburtstag 2010 spürte er die große Sehnsucht, gemeinsam mit Gleichgesinnten zu spielen. So entstand das Stück »Köstlich – oder: Kommt, es ist alles bereit!« über das Festmahl-Gleichnis. Leo, Amanda, Florentine, Pauline und Christophorus sowie Almuth Schulz am Piano haben die Bibelgeschichte adaptiert. Aus dem Hausherrn wird ein Paar, neben dem Diener spielt auch ein Hofnarr mit, es gibt Slapstick-Einlagen, das Stück ist als Nummernprogramm konzipiert. »Köstlich« spricht kleine Menschenkinder mit seinen Emotionen und große mit seinen Metaphern an.

»Humor verbindet. Humor ist vielleicht sogar ein Synonym für Ökumene«, sagt Steffen Schulz. Schmunzelnd fügt der hauptberufliche Kirchenclown an, das sei nun wahrlich eine steile These. Aber wenn der Körper lacht, kommt etwas in Bewegung, in Wallung. So wie auch in der Ökumene.

Steffen Schulz hat früh gelernt, dass Christen unterschiedlicher Konfessionen alle denselben Herrn haben, dass sie einer Familie angehörigen. Er selbst wuchs nahe Halle in einer ökumenischen Familie auf, der Vater katholisch, die Mutter evangelisch. Eher aus zufälligen, pragmatischen Gründen sei er Protestant geworden; die evangelische Kirche war einfach näher am Elternhaus in Gutenberg als die katholische. Mit seinem Clownsnamen Leo besinnt er sich auf seine katholischen Wurzeln, der Name stammt vom katholischen Großvater.

»Ökumene ist für mich selbstverständlich«, sagt Steffen Schulz und freut sich über das gelungene Miteinander seiner Clowns-Kollegen. »Köstlich« ist nicht nur ökumenisch inszeniert, sondern auch ökumenisch finanziert: Neben der EKM beteiligte sich unter anderem das Bistum Magdeburg an den Kosten. Im Jahr 2016, am Vorabend des Reformationsjubiläums, war das Kirchenclown-Ensemble in Luthers Kernland unterwegs. 2018 laden die Clowns im Sauer- und Siegerland zum Festmahl ein und auch für die kommenden beiden Jahre gibt es schon Anfragen und Pläne. Danach will Clown Leo seine Hosenträger an den Nagel hängen. Steffen Schulz möchte sich auf andere Wege begeben, das Evangelium zu verkünden. Ganz sicher mit einer großen Portion fröhlicher Ernsthaftigkeit.

Katja Schmidtke

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