Kirche als Impulsgeber

13. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Theologe Domsgen zur Zukunft der Institution

Die Thesen zur Zukunft der Kirche, die der Professor für Evangelische Religionspädagogik in Halle, Michael Domsgen, auf der Landessynode entwickelte, machen ihn zum begehrten Gesprächspartner. Renate Wähnelt traf ihn als Referent auf der Kreissynode in Delitzsch.

Welche Diagnose stellen Sie der Institution Kirche?
Domsgen:
Die Bedeutung der Kirche als Institution nimmt tendenziell ab. Diese Entwicklung trifft übrigens nicht nur die Kirchen. Auch bei anderen Institutionen lässt sich das beobachten. Das hängt zum großen Teil damit zusammen, dass sie regional bzw. nationalstaatlich agieren, die Probleme jedoch, die sie bewältigen müssen, eine kosmopolitische Dimensionen haben. Zudem hat sich das Lebensgefühl geändert. Unser Leben ist immer weniger von Selbstverständlichkeiten geprägt. Man geht zur Kirche, wenn man sie braucht. Die Vorstellung vom Glied am Leib Christi, aus der dann eine lebenslange Mitgliedschaft folgt, spielt kaum noch eine Rolle. Man ist Mitglied – oder eben nicht.

Die Reaktion auf sinkende Mitgliederzahlen sind Vergrößerungen der Pfarrbereiche. Sie sagen, Kirche dürfe sich nicht selbst zum Hauptthema machen. Wie aber auf die Diagnose reagieren?
Domsgen:
Ich fürchte, der Aktionismus verdrängt die Frage, ob die Kirche überhaupt auf dem richtigen Weg ist. Es ist ja nicht so, dass da draußen die böse Welt ist und wir hier drinnen auf dem richtigen Weg sind. Nein, wir müssen uns auch verändern. Kirche ist wichtig als Unterstützerin der Menschen, die als Christ leben wollen. Sie muss sich vom Einzelnen und seiner Lebenswelt her denken und ihm helfen, sein Verhältnis zu Gott, zu anderen und zu sich selbst zu gestalten.

Was heißt das konkret?
Domsgen:
Wie die Kirche der Zukunft aussieht, weiß keiner! Ich sehe Kirche als Impulsgeberin, damit Menschen sich vom Leben, Wirken und Geschick Jesu in ihrem Leben anregen und bestimmen lassen. Das wird regional unterschiedlich aussehen. Das Evangelium gibt es nicht an sich, sondern immer nur in einem Kontext. Unverzichtbar dafür ist die Kommunikation. Bereits vor 50 Jahren hat Ernst Lange vorgeschlagen, von der Kommunikation des Evangeliums zu sprechen, um das Dialogische zu betonen. Dem schließe ich mich gern an.

Ist eine Institution Kirche überhaupt noch nötig?
Domsgen:
Ich denke schon. Es braucht neben den Neuaufbrüchen und Veränderungen immer auch das Moment der Verstetigung. Gerade in der Kooperation mit anderen Institutionen ist Verlässlichkeit wichtig. Der schulische Religionsunterricht beispielsweise ist nur dadurch möglich. Es wäre fahrlässig, diese Möglichkeiten aus der Hand zu geben. Aber in der Summe wird nüchtern zu prüfen sein, wo die momentane institutionelle Gestalt von Kirche die Kommunikation des Evangeliums fördert und wo nicht.

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Langjährige Verbindung: Ministerpräsidentin a. D. feiert mit der Kirchenzeitung
Foto: Paul-Philipp Braun

Foto: Paul-Philipp Braun

Zu ihrem 60. Geburtstag am 7. Mai lud die Ministerpräsidentin a. D. Christine Lieberknecht (CDU) nach Ramsla (Kirchenkreis Weimar). Unter den Gratulanten auch drei Chefredakteure von »Glaube + Heimat« (v. re.): Dr. Gottfried Müller, Jubilarin Christine Lieberknecht, Dietlind Steinhöfel und Willi Wild. Die Theologin ist der Kirche und der Kirchenzeitung seit ihrer frühesten Jugend verbunden. Ihr Vater war seinerzeit Superintendent in Apolda. Sie und ihr Mann waren im Pfarrdienst im Weimarer Land, bevor Lieberknecht in der Wendezeit in die Politik ging. Anstelle von Blumen und Geschenken bat die Jubilarin um Spenden zur Sanierung der Peternell-Orgel in der St.-Nikolai-Kirche in Buttelstedt (Kirchenkreis Apolda-Buttstädt).

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

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