Wo kämen wir hin?

23. Juni 2018 von redaktionguh  
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Sie kennen vielleicht das Lied: »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern«. In abgewandelter Form: »Mit der AfD gibt es keine Gespräche!« oder »Mit dieser Partei gibt es keine Zusammenarbeit.«

Das Problem daran ist, dass Gruppen, die in der Öffentlichkeit so gebranntmarkt werden, um so enger zusammenstehen. Ja, dass sie sich in der Opferrolle sogar wohlfühlen und diese inszenieren. Und man darf nicht vergessen, dass die so gescholtene Partei mit 92 Sitzen die drittstärkste Fraktion im Deutschen Bundestag bildet. Das heißt, sie genießt mit ihren Parolen und vermeintlich einfachen Antworten die Sympathie eines erheblichen Bevölkerungsanteils. Es stimmt: Ein Riss geht durch die Gesellschaft.

Von dem Schweizer Pfarrer und Theologe Kurt Marti stammt der Aphorismus: »Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.« In Gera geht man seit einigen Monaten los, um zu sehen, wo man hinkommt, wenn man mit der AfD redet. In sieben Dialogforen werden mit Vertretern dieser Partei, deren Kritikern und sachkompetenten Experten politische Themenfelder der AfD aufgegriffen. Vor einigen Tagen lief der dritte Abend.

Wo man in Gera am Ende hinkommt, ist offen. Fakt ist: Es ist schwer auszuhalten, wenn etwa ein AfD-Politiker davon schwätzt, kriminelle oder gewaltbereite Ausländer ohne juristisches Federlesen in geschlossene Lager einzuliefern. So etwas gab es schon einmal in Deutschland. Es ist schwer auszuhalten, wenn man sich Fakten etwa zur Kriminalitätsentwicklung verweigert und lieber Ängste bestärkt. Dennoch, eins ist sicher: An solchen kritisch-moderierten Dialogformen führt auf Dauer kein Weg vorbei.

Harald Krille

»Verley uns frieden«

23. Juni 2018 von redaktionguh  
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Heinrich-Schütz-Musikfest: Die Organisatoren stellen im Jubiläumsjahr die Sehnsucht nach Frieden in den Mittelpunkt.

Vom 5. bis 14. Oktober 2018 laden die mitteldeutschen Länder zum deutschlandweit bedeutendsten Festival für Musik des 17. Jahrhunderts ein. Das Musikfest trägt den Namen von Heinrich Schütz und findet an historischen Lebensorten des Komponisten statt. Am 8. Oktober 1585 erblickte Heinrich Schütz (1585–1672) in Bad Köstritz, unweit von Gera, das Licht der Welt. Mit Beginn seiner intensiven Schaffenszeit begann im Jahre 1618 der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), der Leben und Werk des Komponisten prägen sollte.

In diesem Jahr, 400 Jahre danach, erinnert man sich nicht nur daran, sondern auch an das Ende des 1. Weltkrieges von 100 Jahren. Die fortwährende Geschichte von Kriegen und die Suche nach Frieden finden sich im 20. Jahr der Schützmusiktage unmittelbar im Programm wieder. »Verley uns frieden« aus der gleichnamigen Motette von Heinrich Schütz steht über 42 Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Die lutherische Schreibweise verrät es, der Wunsch nach Frieden ist ein uralter Menschheitstraum. Es sind die Friedenswünsche, der Ruf nach Frieden, die Forderung nach Frieden und die Friedenskonzepte, die immer wieder mahnen, dass der Krieg irgendwann aufhören muss. Daher ist es nicht ganz zufällig, dass die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen die Schirmherrschaft über das Festival übernommen hat, denn die Sicherung des Friedens gehört in einer Demokratie zum höchsten Gut.

Auftakt: Am 3. Oktober gastiert der Konzertchor des Geraer Goethe-Gymnasiums (Rutheneum) in der St. Salvatorkiche in Gera. Es erklingt Burkhard Großmanns »Angst der Hellen und Friede der Seelen«. – Foto: schütz-musikfest.de

Auftakt: Am 3. Oktober gastiert der Konzertchor des Geraer Goethe-Gymnasiums (Rutheneum) in der St. Salvatorkiche in Gera. Es erklingt Burkhard Großmanns »Angst der Hellen und Friede der Seelen«. – Foto: schütz-musikfest.de

»Es sind gerade die authentischen Orte in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, die das Musikfest ausmachen«, betont Dr. Christina Siegfried, Intendantin des Heinrich-Schütz-Musikfestes. »An insgesamt 26 Konzert­orten in sechs Städten werden über 400 Laien- und Berufskünstler mitwirken. Mit ganz großer Freude darf im 20. Jahr die Barockspezialistin Dorothee Mields als »artist in residence« erwartet werden. Die Sängerin hat die Berliner Lautten Compagney Berlin zu einem gemeinsamen Konzert eingeladen und wird Lebenslust und Seelenschmerz in Zeiten des Krieges mit der Musik des 17. Jahrhunderts und der 1920er- und 1930er-Jahre verbinden. Dieses Programm unter dem Namen »Wenn ick mal tot bin« wird das Festival an drei Aufführungsorten eröffnen. Einer davon ist die Kirche St. Leonhard in Bad Köstritz, wo dieses hochkarätige Konzert am 6. Oktober zu erleben ist. Das Programm zum Heinrich-Schütz-Musikfest umfasst Konzerte und Wandelkonzerte, musikalische Lesungen, Jazz, Folk und Papiertheater, eine Brauhaussession, Fami­lienprogramme sowie Führungen und Gottesdienste. Alte Bekannte, wie der Dresdner Kammerchor und das Johann Rosenmüller Ensemble, treffen auf international renommierte Künstler, wie die weltbekannte Geigerin Rachel Podger. Daneben werden der Liedermacher Hans-Eckkart Wenzel, die Folkmusiker Grenzgänger und The Playfords den Bogen von Aussagen des 17. Jahrhundert bis zu brandheißen Themen unserer Zeit spannen.

Nur durch eine breite Kooperation mit Partnern und Förderern sei es letztendlich möglich, das Festival durchzuführen, betont Dr. Christina Siegfried. Neben Bund und den drei mitteldeutschen Ländern unterstützt wiederholt die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen zusammen mit der Sparkasse Gera-Greiz das Musikfest. »Kultur ist für uns Teil der demokratischen Gesellschaft«, erklärt Dr. Michael Grisko von der Stiftung und betont, dass das Festival auch ein Bekenntnis und ein ästhetischer Umgang zur Geschichte repräsentiere, somit auch ein Stück Heimat darstelle.

Friederike Böcher, als Leiterin des Heinrich-Schütz-Hauses in Bad Köstritz, ist seit Jahren mit dem Musikfest eng verbunden und freut sich auf bedeutende Konzerte in Bad Köstritz und Gera. Noch vor der offiziellen Eröffnung, am 3. Oktober als sogenannter Auftakt, erklingt das Werk »Angst der Hellen und Friede der Seelen« in der Geraer Salvatorkirche. Es handelt sich hierbei um ein Auftragswerk von Burkhard Großmann. Als Dank für seine Lebensrettung beauftragte er Schütz und weitere Komponisten seiner Zeit mit der Vertonung des 116. Psalms. Der Konzertchor des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum seit 1608 und die Capella Jenensis musizieren unter Leitung von Christian K. Frank.

Wohl kaum ein Ort in Gera ist so prädestiniert für die Aufführung der Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz, wie die Geraer Trinitatiskirche. Sie gehört zum Wirkungskreis von Heinrich Posthumus Reuß, zu dessen Trauerfeier diese Totenmesse uraufgeführt wurde. Das Konzert am 7. Oktober wird von Cantus – und Capella Thuringia gestaltet.

Die Köstritzer Schwarzbierbrauerei, genauer gesagt der Dreiseitenhof, bildet eine etwas andere Konzertumgebung beim diesjährigen Musikfest. Am 12. Oktober spielt dort das Barock­ensemble The Playfords und erinnert während der Brauhaussession mit Friedensliedern, ausgelassenen Tänzen, Trinkliedern und schwermütigen Chorälen an das Leid und die Hoffnung der Menschen im Dreißigjährigen Krieg.

Eine musikalische Geschichte von Schelmen in kriegerischen Zeiten unter dem Titel »Simpel und Schweijk« wird am 13. Oktober im Köstritzer Palais erzählt. Am gleichen Tag werden in der Stadtkirche Musiker mit Gamben, Orgel und Schlagwerk unter dem Motto »in allem frieden« mit dem Vokalensemble Auditiv Vokal aus Dresden und dem Ensemble L’Art d’Echo dem Klang von Krieg und Frieden von damals bis heute nachspüren.

Wolfgang Hesse

www.schütz-musikfest.de

Die Kirche der Zukunft

22. Juni 2018 von redaktionguh  
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Patentrezept gesucht: Sinkende Mitgliederzahlen, immer größere Pfarrbereiche und knapper werdende personelle Ressourcen. Haupt- und Ehrenamtliche stehen vor der Herausforderung, diese Veränderungen zu managen.

Die Kirchenkreise entwickeln sich längst nicht mehr parallel«, sagt Claudia Neumann vom Gemeindedienst in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Sie begleitet und berät Kirchenkreise bei Veränderungsprozessen. Einen Überblick über die einzelnen Aktivitäten oder Ergebnisse kann sie nicht geben. Die Veränderung werde individuell gesteuert. Seit einigen Jahren geschieht das in sogenannten Zukunftswerkstätten.

Foto: Schlierner – stock.adobe.com

Foto: Schlierner – stock.adobe.com

»Mit der Stellenplanung 2016 ist uns klar geworden, dass wir umdenken müssen«, erklärt Andreas Schwarze, Superintendent im Kirchenkreis Südharz, wo derzeit die ersten Zukunftswerkstätten laufen. »Unser Ziel ist es, die regionale Zusammenarbeit zu stärken«, so Schwarze. »Im Südharz gibt es Pfarrbereiche mit bis zu zwölf Gemeinden. Es kann nicht jeder alles leisten. Wir wollen Synergieeffekte finden.« Alte Traditionen, wie die Kirmes, will man neu beleben, die Jugend stärker einbinden. »Es wird darauf hinauslaufen, dass es mehr wechselnde Angebote gibt, die örtlich und zeitlich begrenzt sind. Dabei müssen wir unterscheiden lernen, wo sind wir Event, wo nicht. Und: Wie können wir als Kirche erkennbar bleiben«, so Schwarze.

Wichtiger noch als neue Formate, meint der Jenaer Superintendent Sebastian Neuß, sei eine generelle Änderung der Haltung: »Man muss sich von der Idee lösen, das Rad neu erfinden zu wollen.« Der Kirchenkreis Jena befindet sich seit 2002 in einem Umstrukturierungsprozess, bei dem 65 Kirchengemeinden in sieben Regionen aufgeteilt wurden. Im Herbst 2017 startete die erste Zukunftswerkstatt. Man versuche die Weichen zu stellen, so Neuß, für die Entwicklung »einer Kultur, in der persönliche Begegnung zu einer Bindung führt und so Gemeinde entstehen lässt.«

Das klingt gut, zeigt aber auch, dass es auf die Frage »Wie weiter?« keine einfachen Antworten gibt. Im Gegenteil, die Frage zieht weitere nach sich: Wofür setzt man die Ressource ein? Wie soll sich die Aufgabenteilung von Haupt- und Ehrenamtlichen gestalten? Und worauf kommt es wirklich an?

Die Heterogenität der Großregionen ist nur eine Herausforderung. »Als Kirche sollten wir den ländlichen Raum nicht noch weiter abkoppeln«, betont Claudia Neumann. Gerade hier gebe es vielfältige Gestaltungsräume. »Die Menschen auf dem Land sind öfter bereit, sich zusammenzutun. Wenn sie nicht aktiv würden, wäre manches nicht möglich.«

Das weiß man auch in Bad Salzungen-Dermbach. Mit 61 Kirchengemeinden ist der Kirchenkreis einer der größten in der EKM. Im August 2017 und im April 2018 fanden dort Zukunftswerkstätten statt. Eines der zentralen Ergebnisse: Die Verkündungsarbeit muss Vorrang haben. »Wir wollen einen speziellen Fonds schaffen, der gezielt Projekte in diesem Bereich fördert«, sagt Superintendent Ulrich Lieberknecht.

Aber wie funktioniert Verkündigung dort, wo Stellen gestrichen, Vakanzen überbrückt werden müssen? »Verkündigung braucht Beziehung. Dabei ist es nicht entscheidend, wer diese Beziehungsarbeit macht«, meint Claudia Neumann. Wohl seien Pfarrer wichtige Identifikationspersonen. Vieles aber hänge nicht an Personen, sondern an persönlichen Gaben, die es einzubeziehen gelte. Auch dafür bieten die Zukunftswerkstätten eine Möglichkeit.

»Man muss die Dynamik solcher Treffen nutzen«, weiß Superintendent Matthias Heinrich. Im Kirchenkreis Salzwedel trafen sich ab Herbst 2014 Haupt- und Ehrenamtliche zur Zukunftskonferenz. Sieben Arbeitsgruppen entstanden aus den drei Treffen, die sich über ein Jahr hinzogen – das würde er beim nächsten Mal anders machen, sagt der Superintendent. Die Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit Strukturen oder dem geistlichen Leben.

Außerdem begleitete die Zukunftskonferenz die Stellenplanung. »Das hat uns gutgetan. Keiner entwickelte ein depressives Bild von der Kirche der Zukunft.« Hier hat die Konferenz das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Vielleicht eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Veranstaltungen.

Beatrix Heinrichs

»Plus+Punkt« für Anhalt

19. Juni 2018 von redaktionguh  
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Jugendkirche: Seit dem Start kamen 450 Teenager nach Großpaschleben

»Wir haben in Gottes Namen angefangen«, blickte Oberkirchenrätin Ramona Eva Möbius bei der jüngsten Tagung der Landessynode auf die Entwicklung der Jugendkirche »Plus+Punkt« zurück. 2013 habe es erste Überlegungen gegeben, im Dezember 2016 war das Projekt mit einem Gottesdienst und der Amtseinführung von Kreisjugendpfarrer Martin Olejnicki in der romanischen Dorfkirche von Großpaschleben bei Köthen gestartet. Damals habe es dort nur »vier Wände und vier Gemeindeglieder« und wenig Hoffnung für die baufällige Kirche gegeben. Von einladend und ausstrahlend keine Spur. »Was daraus in kurzer Zeit entstanden ist, gleicht einem Wunder.« Möbius dankte allen, die dazu ermutigt hatten, und auch der Landessynode, die das Projekt mitgetragen habe.

Sommer, Sonne, Strand? Beim Konfirmandentag im vorigen Jahr wurde in der Jugendkirche Urlaubsgefühl erzeugt – mit Hilfe vieler Tonnen Sand im Innenraum. – Foto: Heiko Rebsch

Sommer, Sonne, Strand? Beim Konfirmandentag im vorigen Jahr wurde in der Jugendkirche Urlaubsgefühl erzeugt – mit Hilfe vieler Tonnen Sand im Innenraum. – Foto: Heiko Rebsch

Landesjugendpfarrer Matthias Kopischke betonte vor der Synode, dass die Jugendkirche nicht auf Großpaschleben begrenzt bleiben soll. Das Projekt sei auch in den Gemeinden vorgestellt worden. Konfirmandentage und Jugendgottesdienste, die ein wichtiger Bestandteil der Arbeit seien, solle es auch in anderen Orten in der Landeskirche geben. »Jugendgruppen aus Dessau oder Ballenstedt können uns einladen«, unterstrich er. Als Beispiel nannte er den Konfirmandentag. Nach einem ersten derartigen Treffen mit rund einhundert Teilnehmern im vorigen Jahr in Großpaschleben soll es am 8. September 2018 wieder einen geben, dieses Mal aber im Christophorushaus in Wolfen-Nord.

Auch Martin Olejnicki, der zusammen mit dem Jugendreferenten Uwe Kretschmann in der und für die Jugendkirche arbeitet, verwies auf den erlebnispädagogischen Ansatz und darauf, wie wichtig es ist, mit den Angeboten hinauszugehen. In die Kirche kommen indes nicht ausschließlich Jugendliche aus den Kirchengemeinden. »Es kommen auch Ethiklehrer mit ihren Schulklassen«, so Olejnicki, um zu bestimmten Themen zu arbeiten. So bietet die Jugendkirche Module zu Themen wie »Wertvolles Leben«, »Grenzenlos frei«, »Endstation Friedhof« oder »Schein und Sein« an. »Die Jugendlichen«, so Pfarrer Olejnicki, »sind sehr sensibel dafür, was gerade in unserem Land passiert.« Bisher seien über 450 Teenager in den »Plus+Punkt« gekommen.

Mit Blick auf die eingangs erwähnte bauliche Situation in der romanischen Kirche gibt es in Großpaschleben noch einiges zu tun. Ramona Eva Möbius gab bei der Synodentagung bekannt, dass in einem ersten Bauabschnitt in diesem Jahr Toiletten und eine Küchenzeile in die Kirche eingebaut werden sollen. Die Landeskirche stelle dafür 70 000 Euro zur Verfügung. Irgendwann sollen Gruppenräume und Schlafplätze hinzukommen.

Für Landesjugendpfarrer Matthias Kopischke ist auch eine andere Art des Aufbaus wichtig: Kontaktpflege zu Nachbarn wie den Bewohnern des Heinrichshauses, Kindertagesstätten oder Senioren. Er hat festgestellt: »Es waren schon Menschen bei uns, die seit langem keinen Fuß mehr in die Kirche gesetzt haben.«

Angela Stoye

www.pluspunkt-anhalt.com

Weltpremiere in der Porzellankirche der Leuchtenburg

18. Juni 2018 von redaktionguh  
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Foto: Stiftung Leuchtenburg

Foto: Stiftung Leuchtenburg

Kann man mit Porzellanklängen Musik machen? Der aus Weimar stammende und an der Harvard-University in Boston wirkende Kompositionsprofessor Hans Tutschku ist fest davon überzeugt. Gemeinsam mit dem »Ensemble für intuitive Musik Weimar« (EFIM) hat er ein neues Werk für die Porzellankirche der Leuchtenburg bei Kahla konzipiert, das am 24. Juni seine Uraufführung erlebt (Beginn: 19 Uhr). In ihm entwickelt sich ein Wechselspiel von Trompete/Flügelhorn, Violoncello und Orgel mit Porzellanklängen.

Den Direktor des Studios für elektroakustische Musik der Elite-Universität fasziniert die künstlerische Neugestaltung des Architekten Michael J. Brown (Los Angeles). Durch 30 deckenhohe Porzellanlamellen ist ein optisch neuer Raum entstanden, den Tutschku mit einem mehrkanaligen Sound beleben will.

Kartenvorbestellung: Telefon (03 64 24) 71 33 00

Im Zeichen der Taube

18. Juni 2018 von redaktionguh  
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10. Altmark-Kirchentag: Diskussionen um Frieden in Bismarcks Geburtsort

Blaue Plakate gaben von allen Seiten die Richtung vor: Auf ihnen eine weiße Taube mit wachem Blick, Kreuz um den Hals, vollgepacktem Rucksack und Wanderschuhen an den Füßen, mit denen sie wacker ausschreitet. Unter dem doppeldeutig gewählten Motto »Frieden geht.« ging am 9. und 10. Juni in Schönhausen im Kirchenkreis Stendal der zehnte ökumenische Altmark-Kirchentag über die sprichwörtliche wie die ganz reale Bühne. Diese war neben der 800-jährigen Kirche St. Willebrord aufgebaut und ein Treffpunkt der großen Festgemeinde – ganz gleich, ob am Sonnabend beim Kindermusical »Lydia, die Purpurhändlerin« und am Abend beim Konzert von Sarah Kaiser und Band oder am Sonntag zum Eröffnungs- und zum Abschlussgottesdienst.

Bühne frei: Gottesdienste, wie hier der Eröffnungsgottesdienst am Sonntagmorgen, und Konzerte zogen viele Besucher an. So mancher suchte Schutz unter den Schatten spendenden Eichen. – Foto: Angela Stoye

Bühne frei: Gottesdienste, wie hier der Eröffnungsgottesdienst am Sonntagmorgen, und Konzerte zogen viele Besucher an. So mancher suchte Schutz unter den Schatten spendenden Eichen. – Foto: Angela Stoye

Am Geburts- und Taufort des späteren deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815–1898), sechs Jahrzehnte nach der Zerstörung des Bismarckschen Familienschlosses in Schönhausen und auf den Tag genau fünf Jahre nach der Elbe-Flut 2013, als im benachbarten Fischbeck der Deich brach und das Umland überschwemmte, ging es beim Kirchentag um den Frieden. Ob »Frieden geht.« im Sinne von: Er ist möglich. Oder ob »Frieden geht.« im Sinne von: Er ist bedroht und könnte fortgehen.

Im Eröffnungsgottesdienst betont Heinrich Bedford-Strohm, bayrischer Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender, dass das Motto nicht naiv sei: »Denn Gott hat eine Saat gesät, die auch die härtesten Kampfstiefel nicht mehr austreten können!« Viele Menschen hätten aus diesem Geist heraus die Welt verändert. Und Jesus selber habe das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat (Markus 4) erzählt, das gerade dann zähle, wenn Menschen nicht mehr tun könnten.

Unter dem Donnerschlag eines aufziehenden Gewitters startete Punkt 13 Uhr eine Podiumsdiskussion zu Friedens- und Europafragen. Darin verwies Andrea Hopp, Leiterin der Otto-von Bismarck-Stiftung Schönhausen, auf die Rolle des Reichskanzlers in der europäischen Politik. Bismarck könne nur in einer kombinierten Betrachtung von Person und Zeit verstanden werden. Kultische Überhöhung wie früher dürfe es nicht geben. Hopp verwies auf das preisgekrönte Projekt »Kunst für Demokratie« in Schönhausen, das sich in diesem Jahr Jahrestagen widme, beginnend mit 1618. Der SPD-Europaabgeordnete Arne Lietz sagte mit Blick auf die schwierige Verfassung Europas – Brexit und erstarkender Nationalismus –, dass die kirchlichen Stimmen in Europa für den Frieden viel zu leise seien. Dies bedauerte auch Pfarrerin Eva Hadem, Leiterin des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums. In der EKM gebe es Überlegungen, wie man zu einer Kirche des gerechten Friedens werden könne. Jedoch könne jeder in persönlichen Begegnungen etwas an der Basis verändern. Reverend Bruce Reinstra aus der Diözese Worcester sagte: »Wir haben ein Recht auf Frieden, andere haben es auch. Wir in Europa denken, dass den Fremden unter uns nicht zu vertrauen ist. Das ist schade. Denn Jesus hat vertraut und wir sollten es auch tun.«

In der Predigt im Schlussgottesdienst ging der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige der Frage nach, wie Frieden zu erreichen sei: Jeder könne im Alltag lernen, mit den Augen des anderen zu sehen. Und mit anderen in offenen Dialog treten und damit zu rechnen, nicht recht zu behalten. Das Bemühen um Frieden bedeute jedoch nicht, um des lieben Friedens willen zu kuschen. »Versöhnung muss immer wieder erkämpft werden.« Christen könnten im Vertrauen leben, »das der göttliche Frieden unter uns begonnen hat«.

Das Schlusswort hatte der Superintendent des Kirchenkreises Stendal, Michael Kleemann. Er dankte allen Mitwirkenden für ihren Einsatz und besonders der Neuapostolischen Kirche, die zum ersten Mal bei einem Altmarkkirchentag dabei war. Sodann verkündete er den Austragungsort des 11. Altmärkischen Kirchentages am 14. Juni 2020: Es ist Kalbe an der Milde im Kirchenkreis Salzwedel.

Angela Stoye/Renate Wähnelt

Vertrauen in die Menschlichkeit des Anderen

17. Juni 2018 von redaktionguh  
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Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas 19, Vers 10

Vor einiger Zeit sprach ich mit einem Bekannten über die Zunahme des Populismus in Europa, die in Deutschland vor allem als Stärkung des rechten Rands erfahren wird. Bei jenem Gespräch lag die letzte Bundestagswahl, bei der die AfD den Einzug ins Bundesparlament geschafft hatte, kurz hinter uns. Mein Bekannter – ein gelernter Jurist, der Firmen in Unternehmensfragen berät – erzählte mir von zwei Kunden aus Sachsen, die er bis vor kurzem betreut hatte. Zwischen ihnen und ihm habe eigentlich eine ganz gute Atmosphäre geherrscht und die regel­mäßigen Treffen seien eine angenehme Sache gewesen – bis sie eines Tages auf Politik zu sprechen gekommen waren.

Wohl ohne sich viel dabei zu denken, hatten ihm jene beiden mitgeteilt, bei der letzten Wahl für die AfD gestimmt zu haben. Womit sie nicht gerechnet hatten: Mein Bekannter brach von diesem Moment an alle Beziehungen mit ihnen ab. Er verzichtete damit aus moralischen Gründen auf gute Geschäfte. Aber was wäre passiert, wenn er nicht so rigoros gehandelt hätte? Er hätte zum Beispiel fragen können, was sie zu jener Option bewog und welche Erfahrungen und Erwartungen dabei im Hintergrund standen. Vielleicht hätte es sogar die Chance zu einem kritisch-konstruktiven Dialog gegeben?

Der Spruch für diese Woche steht am Ende der Zachäus-Geschichte. Sven Petry schreibt dazu in seinem Buch »Fürchtet euch nicht«: »In der Erzählung vom Zöllner Zachäus empört sich die Menge darüber, dass Jesus … sich einem zuwendet, mit dem sonst niemand etwas zu tun haben möchte. Jesus heißt in der Geschichte von Zachäus nicht gut, was der Zöllner getan hat. Aber er traut ihm zu, dass er sich ändern kann. Es braucht auch heute Menschen, die solches Vertrauen in die Menschlichkeit des Anderen aufbringen. Und die selbst dort die Türen offenhalten, wo die Gespräche als sinnlos gelten.« Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Constantin Plaul, Halle

Wild beten und fromm tanzen

17. Juni 2018 von redaktionguh  
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Evangelisches Jugendfestival »Kannste glauben« vom 22. bis 24. Juni in Volkenroda

Im Flur des Kinder- und Jugendpfarramtes in Magdeburg hängt an einem Holzbalken ein Tippschein: 402, 520, 453 und andere Zahlen. Wir sind zwar nicht unter die Zocker gegangen, aber wir tippen, wieviel Jugendliche zum Evangelischen Jugendfestival ins Kloster Volkenroda kommen werden. Ich habe optimistisch 679 geschätzt. Etwa 450 Meldungen liegen uns schon vor.

Das zeigt ein wenig die Herausforderungen heutiger Jugendveranstaltungen. Langfristige Zusagen sind schwer zu bekommen. Die Welt ist schneller geworden, gerade die Jugendwelt. Lange Anmeldevorläufe widersprechen den Möglichkeiten der Sofortkommunikation. Binnen Sekunden können sich die Jugendlichen über WhatsApp & Co verabreden: »Morgen Festival. 40 Euro. 3 Musikbühnen. Zelt mitbringen! Kommste?« Darin steckt natürlich die Chance, dass sich einige noch spontan entscheiden. Letztes Mal waren über 700 Jugendliche dabei.

Volles Programm: An drei Tagen gibt es unter anderem Grenzerfahrungen in luftiger Höhe, einen Vaterunser-Gebetsparcours oder praktische Tipps, wie man den Glauben im Schulalltag leben kann. – Foto: Matthias Sengewald

Volles Programm: An drei Tagen gibt es unter anderem Grenzerfahrungen in luftiger Höhe, einen Vaterunser-Gebetsparcours oder praktische Tipps, wie man den Glauben im Schulalltag leben kann. – Foto: Matthias Sengewald

Ergraute Ex-Jugendliche denken jetzt zurück an alte Zeiten: Landesjugendsonntage und Petersbergtreffen – das waren noch Massen! Tausende. Ohne Smartphone, dafür Ormig-Abzüge: »Nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch.« Die Zeiten sind anders geworden, das wissen wir alle. Nicht so genau wissen wir, wie wir darauf reagieren sollen. Man fährt nicht etwa zum Evangelischen Jugendfestival, weil das für junge Christen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eben dazugehört. Man fährt dorthin, wo es Spaß macht, wo man Freunde trifft, wo es cool ist. Gute Musik, nette Leute, kein Stress. Kirche kann – muss nicht sein.

Und dann soll’s ja auch evangelisch zugehen. Jugendliche aus den Jungen Gemeinden der EKM, aus Anhalt und von den Jugendverbänden wie dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), Entschieden für Christus (EC), Pfadfinder (VCP), die sich unter dem Dach des Bundes evangelische Jugend in Mitteldeutschland zusammenfinden, fühlen sich für das Festival verantwortlich. Eine tolle Gelegenheit trotz aller Unterschiedlichkeit miteinander was auf die Beine zu stellen.

Genau das macht das Festival aus. Leute mit unterschiedlicher Frömmigkeit feiern gemeinsam. Das ist Herausforderung und Bereicherung zugleich. Da ist Sarah, die selbstverständlich über vielerlei Geschlechtlichkeit in der Schöpfung streitet und Tim, der das deutlich in Frage stellt. Und beide sind Christen. Die können streiten und dann auch miteinander tanzen. Denn es gibt Hip-Hop von »2schneidig«, christliche Lobpreisbands, Punk-Rock und Blues sowie Jugendbands mit tollem handgemachtem Sound. Und damit auch Körper und Seele aktiv dabei sind, gibt’s den Songwriter-Workshop, Glasritzkurse und Infos über Jugendarbeit in Kolumbien. Man kann sich als Poetry-Slammer probieren, Jugendlichen aus Polen, Schweden und der Slowakei begegnen. Eine Gruppe geflüchteter Jugendlicher ist auch dabei. Auf dem Programm stehen Impro-Theater, politische Diskussion, Gespräche über Gott und das Leid. Fröhlich wird es beim Lach-Yoga und in der Silent-Disco. Es wird fromm gebetet und wild getanzt. Und auch wild gebetet und fromm getanzt.

Vieles ist möglich im Kloster Volkenroda. Unter dem Motto »Kannste glauben!« wird von der Eröffnung am Freitagabend bis zum Abschlussgottesdienst am Sonntag ein abwechslungsreiches Programm geboten. Schon am Mittwoch, 22. Juni, kommen etwa 60 Jugendliche zum Vor-Camp. Da werden Zelte aufgebaut und das Moderieren trainiert, Beleuchtung und Tontechnik installiert, Abläufe besprochen, Teams eingeteilt und Andachten gehalten. Damit alles gut wird. Ja, ich bin optimistisch, dass ich spontan doch noch gewinne mit meinem Tipp. Denn es lohnt sich.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der EKM

www.evangelischesjugendfestival.de

Ökumene passiert

16. Juni 2018 von redaktionguh  
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Wir leben fröhliche Ökumene, sagt seit Jahren die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming. Genauso präsentieren sich die Christen der Region seit April auf der Landesgartenschau an ihrem Kirchenpavillon. Fröhlich, gemeinsam einladend und organisierend, so dass auch die vielen nichtreligiösen Besucher gern verweilen, der täglichen Mittagsandacht lauschen.

In Köthen hat sich ein ökumenischer Gottesdienst im Sommer zu Ehren des Apostels Jakobus etabliert. Hier und in vielen anderen Orten gibt es ökumenische Kirchennächte. Fröhlich-ökumenisch sind seit Jahren die Christen in der Altmark unterwegs. Gerade haben sie wieder einen Kirchentag miteinander erlebt. Podiumsdiskussion, Stühle trockenwischen, Bibelarbeit, Informationsstände aufbauen, singen, Gottesdienst feiern.

Es gibt noch mehr Beispiele; Ökumene passiert einfach. Die Akteure glauben an denselben Gott und vertrauen alle auf Jesus Christus. Dieses Gemeinsame zählt. Über unterschiedliche Meinungen lässt sich streiten. Sie auszuhalten ist anstrengend. Anstrengender aber ist, partout den eigenen Standpunkt durchsetzen zu wollen. Schmerzhaft, wenn Unterschiede dauerhaft ausgrenzen. Wie beim Abendmahl, wenn einander Liebende nicht überall gemeinsam zum Tisch des Herrn gehen dürfen.

Dass die Ökumene an der Basis einfach gelebt wird, ist für mich ein deutliches Zeichen an Kirchenobere jeder Konfession: Nehmt die Theorie nicht zu wichtig. Jesu Nachfolge besteht im Handeln. Wenn freilich die Bedeutung der Theorie im tagtäglichen Tun schwindet, dann womöglich auch Macht und Einfluss der Leitenden. Ob hier die – sehr menschliche – Hürde für eine noch tiefere Ökumene liegt?

Renate Wähnelt

»Das Gute, das uns verbindet«

16. Juni 2018 von redaktionguh  
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Jugend und Gott: Am Pfingstsonntag wurde ich konfirmiert. Der Glaube gehört zu meinem Leben, aber nicht bei all meinen Mitschülern ist das so. Über glauben und zweifeln, beten und hoffen habe ich mit ihnen gesprochen.

Können sich Menschen, die sich als nicht-christlich bezeichnen, Gott überhaupt vorstellen? Und wenn ja, wie? Diese Frage beschäftigte mich an einem sonnigen Dienstagmorgen, als ich in meinem Klassenraum saß. Ich besuche die Freie Schule Bildungsmanufaktur in Halle. Der Anteil der Christen in unserer Schule ist sehr gering. Aber ich bin neugierig und ich mache gerne Umfragen, also beschloss ich, meinen Mitschülern und auch Mitarbeitern der Schule die Frage nach Gott zu stellen.

Milan Fuchs auf den Stufen vor der Pauluskirche in Halle. Der 14-Jährige ist in diesem Frühsommer konfirmiert worden. Er findet es spannend und lehrreich auch mit Menschen, die nicht glauben, über Gott zu reden. – Foto: Katja Schmidtke

Milan Fuchs auf den Stufen vor der Pauluskirche in Halle. Der 14-Jährige ist in diesem Frühsommer konfirmiert worden. Er findet es spannend und lehrreich auch mit Menschen, die nicht glauben, über Gott zu reden. – Foto: Katja Schmidtke

Bald darauf ging ich durch die Schule und fragte Erwachsene, Jugendliche und Kinder, die fast alle von sich sagten, dass sie nicht an Gott glauben, ob sie dennoch eine Vorstellung von Gott hätten. Ich gab keine Antwortmöglichkeiten vor, da ich von jedem seine ganz persönliche Meinung hören wollte.

Bald stellte ich fest, dass es insbesondere Jugendlichen schwerfiel, diese Frage zu beantworten. Die Kinder hingegen konnten mir schnell eine Antwort geben. Ihre Ideen zu Gott waren eher gegenständlich und ich fand einige Sätze durchaus erheiternd wie: »Gott stelle ich mir wie einen Superhelden vor.« oder »Ich stelle mir Gott wie eine Art Pokémon vor.« oder »Gott ist ein alter Mann mit weißem Bart.«

Bei den Erwachsenen hingegen gab es sehr verschiedene Meinungen wie »Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es einen Gott gibt« über »Gott ist Verbundenheit« bis hin zu »Gott ist für mich die Kirche.«

Als ich ungefähr eine halbe Stunde durch das Schulhaus gelaufen war, kam ich mit ein paar gleichaltrigen Jugendlichen ins Gespräch. Sie erzählten mir, dass sie schon einmal an Gott geglaubt hätten, aber das jetzt nicht mehr tun würden. Sie meinten, dass der Glaube für sie, die beide eine schwere Verlust­erfahrung in ihrem Leben gemacht hatten, sehr wichtig gewesen sei. Sie hätten dadurch neue Hoffnung gewonnen. Später traf ich einen Gleichaltrigen, der mir sagte, dass er nicht an Gott glaube, aber manchmal, wenn es ihm schlecht gehe, zu Gott bete. Er erzählte mir: »Ich hoffe dann einfach, dass es ihn gibt und er mir hilft.« Das bestätigte meine Gedanken, dass Menschen in schwierigen Situationen einen stärkeren Bezug zu Gott suchen.

Schließlich traf ich zwei Dreizehnjährige, die meinten, sie glaubten nicht an Gott. Als ich sie anschließend fragte, wie sie sich denn Gott noch am ehesten vorstellen könnten, antworteten sie: »Ich glaube, Gott ist mein Unterbewusstsein.« Als ich daraufhin wissen wollte, ob sie denn nicht glaubten, dass sie selbst ein Unterbewusstsein besäßen, brachte ich sie ein wenig zum Schmunzeln und vielleicht auch zum Nachdenken.

Ein interessanter Fakt, der sich für mich aus meiner Umfrage ableiten lässt, ist: Nahezu alle Befragten verbinden Gott mit etwas Positivem. Mit Hoffnung, Kraft und Verbundenheit, sie stellen sich Gott als Beschützer vor. Das sind für mich Begriffe, die ich mit etwas Gutem assoziiere. Und ich finde, der alte Mann mit weißem Bart hat doch irgendwie etwas sehr Nettes.

Diese Gespräche haben mir gezeigt, dass Menschen, die von sich sagen, sie seien nicht christlich, teilweise ähnliche Vorstellungen von Gott haben wie ich. Ich finde es wichtig, sich auch mit Menschen, die nicht an Gott glauben, über den Glauben zu unterhalten.

Am Ende dieser Umfrage stellte ich mir die Frage, was Gott eigentlich für mich selbst ist. Und ich bin zu folgender, zunächst vorläufiger Antwort gekommen: Gott ist für mich das Gute, was jeder in sich trägt. Gott ist das Gute, was uns alle verbindet. Und die Hoffnung und die Kraft, die uns in schwierigen Zeiten helfen können.

Milan Fuchs

Der Autor ist Schüler in Halle.

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