Achtung! Mehr brauchts nicht

2. Juni 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

Lukas 10, Vers 16

Manchmal lese ich die Kommentare unter Online-Artikeln. Erschreckend, wie viel Verachtung in manchen von ihnen steckt. Schnell werden solche Kommentare gelöscht, wenn sie allzu bösartig sind, aber manche schaffen es dennoch, ihren Hass zu verbreiten. Solche Verachtung trifft immer wieder die christliche Kirche oder den Islam, leider oft auch die Geflüchteten in unserem Land. Die Bundeskanzlerin ist das beliebteste Ziel dieser Geringschätzung. Vor einiger Zeit habe ich beschlossen, diese Kommentare zu ignorieren. Es tut gut, sich mehr auf die positiven Dinge zu konzentrieren.

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Lese ich den Wochenspruch aus dem Lukasevangelium hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Verachtung, dann könnte ich mich auf all den Hass in diesem Land konzentrieren, dann wäre meine Stimmung im Keller. Ich kann aber auch überlegen, wo ich Menschen begegne, die einander achten. Denn man kann den Spruch auch anders lesen: Wenn ich einem Menschen Achtung entgegenbringe, dann bringe ich Gott Achtung entgegen.

So hat zum Beispiel die Journalistin Dunja Hayali das Bundesverdienstkreuz bekommen, weil sie sich nicht von Hasskommentaren daran hindern lässt, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Dadurch wird ihr Achtung entgegengebracht. Oder da ist die Lehrerin, die schon über 90 Jahre alt ist, und mir erzählt, dass sie immer noch von ehemaligen Schülern besucht wird – was für eine Würdigung ihrer Arbeit. Wenn ich Menschen sehe, die im Pflegebereich liebevoll demjenigen helfen, der auf Hilfe angewiesen ist, dann spüre ich Achtung zwischen diesen Menschen. Auch durch die »MeToo«-Debatte wird die Aufmerksamkeit dafür geschärft, dass die Würde eines anderen geachtet werden muss.

Was hat den Menschen Jesus ausgemacht? In den Evangelien begegnet er mir als ein Mensch, der andere in ihrem Anderssein achtet. Wie könnte ich ihm besser nachfolgen, als indem ich das Gleiche tue?

Pfarrerin Dorothea Knetsch, Klinikseelsorgerin in Weimar

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

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