Die Kirche der Zukunft

22. Juni 2018 von redaktionguh  
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Patentrezept gesucht: Sinkende Mitgliederzahlen, immer größere Pfarrbereiche und knapper werdende personelle Ressourcen. Haupt- und Ehrenamtliche stehen vor der Herausforderung, diese Veränderungen zu managen.

Die Kirchenkreise entwickeln sich längst nicht mehr parallel«, sagt Claudia Neumann vom Gemeindedienst in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Sie begleitet und berät Kirchenkreise bei Veränderungsprozessen. Einen Überblick über die einzelnen Aktivitäten oder Ergebnisse kann sie nicht geben. Die Veränderung werde individuell gesteuert. Seit einigen Jahren geschieht das in sogenannten Zukunftswerkstätten.

Foto: Schlierner – stock.adobe.com

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»Mit der Stellenplanung 2016 ist uns klar geworden, dass wir umdenken müssen«, erklärt Andreas Schwarze, Superintendent im Kirchenkreis Südharz, wo derzeit die ersten Zukunftswerkstätten laufen. »Unser Ziel ist es, die regionale Zusammenarbeit zu stärken«, so Schwarze. »Im Südharz gibt es Pfarrbereiche mit bis zu zwölf Gemeinden. Es kann nicht jeder alles leisten. Wir wollen Synergieeffekte finden.« Alte Traditionen, wie die Kirmes, will man neu beleben, die Jugend stärker einbinden. »Es wird darauf hinauslaufen, dass es mehr wechselnde Angebote gibt, die örtlich und zeitlich begrenzt sind. Dabei müssen wir unterscheiden lernen, wo sind wir Event, wo nicht. Und: Wie können wir als Kirche erkennbar bleiben«, so Schwarze.

Wichtiger noch als neue Formate, meint der Jenaer Superintendent Sebastian Neuß, sei eine generelle Änderung der Haltung: »Man muss sich von der Idee lösen, das Rad neu erfinden zu wollen.« Der Kirchenkreis Jena befindet sich seit 2002 in einem Umstrukturierungsprozess, bei dem 65 Kirchengemeinden in sieben Regionen aufgeteilt wurden. Im Herbst 2017 startete die erste Zukunftswerkstatt. Man versuche die Weichen zu stellen, so Neuß, für die Entwicklung »einer Kultur, in der persönliche Begegnung zu einer Bindung führt und so Gemeinde entstehen lässt.«

Das klingt gut, zeigt aber auch, dass es auf die Frage »Wie weiter?« keine einfachen Antworten gibt. Im Gegenteil, die Frage zieht weitere nach sich: Wofür setzt man die Ressource ein? Wie soll sich die Aufgabenteilung von Haupt- und Ehrenamtlichen gestalten? Und worauf kommt es wirklich an?

Die Heterogenität der Großregionen ist nur eine Herausforderung. »Als Kirche sollten wir den ländlichen Raum nicht noch weiter abkoppeln«, betont Claudia Neumann. Gerade hier gebe es vielfältige Gestaltungsräume. »Die Menschen auf dem Land sind öfter bereit, sich zusammenzutun. Wenn sie nicht aktiv würden, wäre manches nicht möglich.«

Das weiß man auch in Bad Salzungen-Dermbach. Mit 61 Kirchengemeinden ist der Kirchenkreis einer der größten in der EKM. Im August 2017 und im April 2018 fanden dort Zukunftswerkstätten statt. Eines der zentralen Ergebnisse: Die Verkündungsarbeit muss Vorrang haben. »Wir wollen einen speziellen Fonds schaffen, der gezielt Projekte in diesem Bereich fördert«, sagt Superintendent Ulrich Lieberknecht.

Aber wie funktioniert Verkündigung dort, wo Stellen gestrichen, Vakanzen überbrückt werden müssen? »Verkündigung braucht Beziehung. Dabei ist es nicht entscheidend, wer diese Beziehungsarbeit macht«, meint Claudia Neumann. Wohl seien Pfarrer wichtige Identifikationspersonen. Vieles aber hänge nicht an Personen, sondern an persönlichen Gaben, die es einzubeziehen gelte. Auch dafür bieten die Zukunftswerkstätten eine Möglichkeit.

»Man muss die Dynamik solcher Treffen nutzen«, weiß Superintendent Matthias Heinrich. Im Kirchenkreis Salzwedel trafen sich ab Herbst 2014 Haupt- und Ehrenamtliche zur Zukunftskonferenz. Sieben Arbeitsgruppen entstanden aus den drei Treffen, die sich über ein Jahr hinzogen – das würde er beim nächsten Mal anders machen, sagt der Superintendent. Die Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit Strukturen oder dem geistlichen Leben.

Außerdem begleitete die Zukunftskonferenz die Stellenplanung. »Das hat uns gutgetan. Keiner entwickelte ein depressives Bild von der Kirche der Zukunft.« Hier hat die Konferenz das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Vielleicht eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Veranstaltungen.

Beatrix Heinrichs

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