Geteilte Last ist halb so schwer

24. Juni 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Galater 6, Vers 2

Erstmal eine Pause machen, einen Kaffee trinken und die Schultern, die mächtig schmerzen, entspannen. Und von meinem Rücken fange ich lieber erst gar nicht an zu reden. Gefühlt sind es Tonnen, die ich mit mir herumtrage und täglich werden es mehr. Der Rucksack platzt bald aus allen Nähten. Und der Reißverschluss lässt sich auch schon nicht mehr richtig schließen.

Julia Braband, Theologiestudentin in Jena und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Julia Braband, Theologiestudentin in Jena und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Während meiner wohlverdienten Pause ruft wieder ein Freund an. Er erzählt mir von einem traurigen Erlebnis und wie sehr ihn die Situation belastet. Und schon befindet sich wieder eine Tonne mehr auf meinem Rücken. Aber eigentlich habe ich doch selbst genug kleine und große Päckchen, die ich mit mir herumtragen muss. Warum soll ich auch noch die Sorgen, Nöte und Ängste der Anderen tragen? Außerdem fühlt es sich oft nicht so an, als ob die Anderen meinen Kummer und meine Mühsal mittragen würden.

Aber, wenn man Paulus Glauben schenken darf, dann erfüllen wir das Gesetz Christi, wenn wir uns gegenseitig die Lasten abnehmen und sie füreinander tragen. Dabei nehmen wir nicht nur die Last anderer auf unsere Schultern, sondern wir dürfen auch abgeben, unseren eigenen Ballast teilen. So lässt sich ganz praktisch das Gesetz Christi, das Doppelgebot der Liebe – den Nächsten lieben wie sich selbst – erfüllen. Wir tauschen einfach die Rucksäcke mit den vielen Kümmernissen, die sich im Laufe unseres Lebens ansammeln, oder wir verteilen das Gewicht eines schweren Rucksacks auf die vielen anderen.

Denn wenn wir die Lasten gemeinsam tragen, werden unsere Rückenschmerzen nicht stärker. Im Gegenteil: Wer anderen Menschen mit Liebe begegnet, Sorgen und Kummer auf sich nimmt und gleichzeitig auch eigene Belastungen abgeben kann, der wird nicht endgültig zerbrechen, sondern einen ganz neuen Weg im Lichte des Gesetzes Christi gehen. Und dann könnte der Satz des Paulus heißen: Einer trage des anderen Last, so lebt ihr echte Nächstenliebe!

Julia Braband

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.