Feiern ohne Frust

2. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Premiere: Erster Gottesdienst von Frauen für Frauen in Anhalt

Der Alltag vieler Frauen ist oft sehr voll, viele Dinge sind gleichzeitig zu bewältigen«, sagte Anke Zimmermann. Da sei es gut zu schauen, wo noch Raum bleibt, so die Pfarrerin aus Weißandt-Gölzau im Kirchenkreis Köthen, die seit anderthalb Jahren kommissarisch die Frauenarbeit in der Landeskirche Anhalts koordiniert. In den fünf Kirchenkreisen bilden ehrenamtliche Beauftragte für die Frauen- und Familienarbeit zusammen mit der landeskirchlichen Leiterin den entsprechenden Landesausschuss. Dieser hatte die Idee, am 24. Juni erstmals zu einem zentralen Gottesdienst von Frauen für Frauen nach Ballenstedt einzuladen. Ursprünglich sollte im Schlosspark gefeiert werden, aber wegen des Wetters am Sonntag wurde der Gottesdienst kurzerhand in die Schlosskirche verlegt. Rund 60 Frauen und einige Männer waren zum Mitfeiern gekommen. Unter dem Motto »Es ist noch Raum da« stand das Gleichnis vom großen Festmahl aus dem Lukas-Evangelium im Mittelpunkt.

In einem Anspiel im Gottesdienst ging es um die Lust und den Frust des Feierns. Der Tenor: Feiern soll nicht zum Leistungssport verkommen. Es sollte anders gefeiert werden, damit mehr Raum da ist für Freude, Gespräche und Lebendigkeit. In ihrer Predigt hob Gemeinde- und Bildungsdezernentin Ramona Eva Möbius hervor, dass Jesus genau das gewollt habe. Durch das Umdenken das Gastgebers in der Bibelgeschichte sei eine Wende eingetreten: Die leeren Plätze hätten sich mit Menschen gefüllt, die ohne die Absagen der ursprünglich Eingeladenen nie dabei gewesen wären. Möbius fragte auch nach dem Platz einer jeden in dieser Geschichte. Wie würde man sich selber bei Absagen verhalten? Sich ärgern? Runterschlucken oder nicht? Im Gleichnis habe der Gastgeber seinen Blick geweitet. Es gebe einen Ausblick darauf, wen Gott einlädt. »Jeder will Platz haben und nicht nur Zaungast sein«, so die Theologin. Die Geschichte mache Hoffnung, dass jeder seinen Platz hat bei Gott.

Kirchen-Kaffeekränzchen: Im Frauengottesdienst am Sonntag in der Ballenstedter Schlosskirche ging es darum, was gute Gastgeberinnen und eine gelungene Feier ausmachen. Foto: Jürgen Meusel

Kirchen-Kaffeekränzchen: Im Frauengottesdienst am Sonntag in der Ballenstedter Schlosskirche ging es darum, was gute Gastgeberinnen und eine gelungene Feier ausmachen. Foto: Jürgen Meusel

Im Gottesdienst verabschiedeten die Frauen vom Landesausschuss auch die Gemeindepädagogin Angela Hillig aus ihrer Mitte, die als Ruheständlerin gemeinsam mit ihrem Mann Reinhard ins Erzgebirge umzieht (siehe G+H Nr. 19, S. 9). Die Gottesdienstkollekte ist für gemeinsame Projekte mit Frauen aus der Tschechoslowakisch-Hussitischen Kirche, einer Partnerkirche Anhalts, bestimmt, die 2017 auf 70 Jahre Frauenordination zurückblicken konnte.

Übrigens ist 2018 für die Frauenarbeit ein besonderes Jahr: Vor 100 Jahren wurde die konservative Evangelische Frauenarbeit in Deutschland mit dem Ziel gegründet, die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland – vor ebenfalls 100 Jahren – zu verhindern, was aber nicht gelang. Vor zehn Jahren wurde der Verband »Evangelische Frauen in Deutschland« gegründet.

In jedem Jahr wird am 1. Sonntag nach Trinitatis (oder einem späteren Sonntag) in den Landeskirchen der EKD offiziell ein Gottesdienst zum Frauensonntag gefeiert.

In Anhalt soll es, so Ramona Eva Möbius, künftig in jedem Jahr in wechselnden Orten einen Gottesdienst von Frauen für Frauen geben und damit eine Tradition begründet werden.

Angela Stoye

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