Gott sei Dank nicht der Mathelehrer

7. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jesaja, 43, Vers 1

Martin, bitte!« Ich zuckte sofort und heftig zusammen, wenn ich meinen Namen hörte. In der Schule war das nämlich so eine Sache, wenn man da mit Namen gerufen wurde – die besondere Steigerungsform war dann noch der volle Name inklusive Nachname – dann hieß das nichts Gutes. Schlimmer in Bezug auf meinen eigenen Angstpegel war es dann nur noch, wenn es der Mathelehrer war, der meinen Namen rief. Starr vor Schreck und häufig von Angstschweiß gezeichnet, brachte ich dann oft nur ein leises: »Ja?!« hervor. In diesen Augenblicken war man plötzlich aus der schützenden Menge der anderen Schüler herausgelöst. Man fühlte sich unsicher bis hilflos wie so ein Schaf, das von der Herde getrennt wurde.

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg OT Preußlitz

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg OT Preußlitz

So ganz anders ist es, wenn das bei Gott geschieht. Die Vorstellung, von ihm bei meinem Namen gerufen zu werden, ist eher beruhigend. Auch mit seinem Ruf werde ich zwar aus der Masse der Menschen herausgelöst und zu etwas Besonderem, aber ich empfinde das nicht beängstigend, sondern freue mich sogar darüber. Er nimmt mich wahr und er weiß nicht nur, dass es mich gibt, sondern er kennt mich sogar beim Namen.

Und auch wenn es so gar nicht in unsere freiheitlich geprägte Welt passen mag, ist mir das »Du bist mein!« sehr wichtig geworden. Denn Dinge, die einem gehören, liegen einem auch wirklich am Herzen. Man passt auf sie auf und sorgt sich um sie. Das ist der Grund, warum Furcht eigentlich nicht nötig, ja sogar überflüssig ist: Der Allerhöchste, der Schöpfer des Himmels und der Erde – mein Gott – hat ein besonderes Auge auf mich, weil er mich genau kennt.

Auch oder vielleicht gerade besonders in Momenten wie damals im Matheunterricht, in denen ich mich schutzlos und ausgeliefert fühlte, weiß ich, dass ich nicht alleine da stehe. Nicht vor der Tafel mit der komplizierten Ableitung und auch sonst nirgendwo in meinem Leben.

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg OT Preußlitz

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