Gott ist immer »online«

22. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Kirchenentdeckertag macht die bunte Vielfalt von Kirche in Nordhausen sichtbar

Alles easy, alles gut« – das war die knappe Zusammenfassung eines Schülers auf die Frage, was ihm vom Kirchenentdeckertag des Kirchenkreises Südharz in der Blasiikirche in Erinnerung bleiben würde. Veit Kuhr, der diesjährige Organisator des Tages, hatte ihn gefragt und schien auch sehr zufrieden mit dieser spontanen, coolen und positiven Antwort. Über 330 Schülerinnen und Schüler aus neun Schulen hatten sich zur Kirche aufgemacht. Zu Fuß und mit Bussen kamen sie aus Nordhausen ebenso wie aus Niedersachswerfen, Bleicherode und Breitenworbis. Allesamt aus den 5. und 6. Klassenstufen ihrer Regelschulen oder Förderzentren. Ein munteres Trüppchen zog da mit lautem Getöse in die altehrwürdige St. Blasii-Kirche. Und das bereits zum zehnten Mal. Das Gemäuer ist also schon schmunzelnder Profi im Umgang mit fröhlichem Kinderlärm. Gern wird dieser Tag in der letzten Schulwoche als Projekttermin von den Lehrern angenommen. Wissen sie doch, dass ihre Schüler eine bunte Mischung aus neuen Erfahrungen, kreativem Arbeiten, Bewegung, gesundem Essen und fröhlichem Beisammensein erwartet.

Unter dem Motto »Vielfalt« traf man sich in diesem Jahr. Lebendige Kirche in ihrer ganzen Vielfalt, aber auch Menschen in ihrer ganzen Vielfalt standen im Mittelpunkt. Und entsprechend vielfältig auch das Programm. Gemeindepädagogin Sophie Knappe von der Jugendkirche spielte gleich zu Beginn ein Lied auf der Gitarre, das immer mehr an Tempo gewann. Mitzusingen glich am Ende einem Spurt auf der Rennbahn. Aber es ging auch ganz ruhig zu. Diana Wand und Christine Berger hatten einen Raum im Blasii-Pfarrhaus komplett mit Planen ausgelegt, hielten Malerkittel und Fingerfarben bereit. Gemalt wurde mit leiser Musik und der wiederholten Lesung der Geschichte des Paradieses (siehe Foto). Ganz still und entspannt ging es dort zu.

In Bewegung waren die Teilnehmer des Kirchenentdeckertages. 330 Schülerinnen und Schüler aus neun Schulen machten mit bei dem Angebot, das nicht nur kreatives Arbeiten, sondern auch viel Bewegung rund um das Thema »Kirche« bot. Fotos: Regina Englert

In Bewegung waren die Teilnehmer des Kirchenentdeckertages. 330 Schülerinnen und Schüler aus neun Schulen machten mit bei dem Angebot, das nicht nur kreatives Arbeiten, sondern auch viel Bewegung rund um das Thema »Kirche« bot. Fotos: Regina Englert

Ruhig war es auch bei Gemeindepädagogin Corina Sänger, die sich in der Domkrypta mit ihrer Gruppe niedergelassen hatte. Keines der Kinder hatte zuvor Kontakt zur Kirche, und doch setzten sie sich ganz unbefangen mit dem Thema »Gebet – pray the Lord« auseinander. Mit einem Handy begann Sänger ihr Thema, dem Kommunikationsmittel schlechthin. Aber was, wenn keiner erreichbar ist? Gott ist immer für dich da, war die Erkenntnis des Tages für diese Jugendlichen. Er hört uns zu, selbst wenn wir unsere Sorgen nicht laut aussprechen, er kennt uns. In kleinen Handytaschen trugen die Teilnehmer eine Träne, einen Bleistift und ein Dankeschön-Schildchen mit nach Hause, kleine Hilfsmittel auf dem Weg zum Gebet. Fröhlich hatten sie zuvor alle erzählt, was sie glücklich macht. Und mit diesen guten Gedanken machten sie sich später wieder auf den Weg.

In den Workshops wurden viele kirchliche Aspekte beleuchtet. Da ging es um die Weltreligionen – von der Bibel über Kirchenmusik bis zu den Glasfenstern und Türmen eines Gotteshauses oder das Entdecken des jüdischen Glaubens. Spannend war es immer, für den einen mehr, den anderen weniger, so vielfältig, wie wir Menschen eben sind. Organisiert wird diese Großveranstaltung von den Gemeindepädagogen des Kirchenkreises, den Mitarbeitern im Kirchlichen Verwaltungsamt und den Referenten für die Kinder- und Jugendarbeit. Aber ohne die zahlreichen Pfarrer, ehrenamtlichen Mitarbeiter und Kooperationspartner wäre eine Durchführung dieses Kirchenentdeckertages nicht möglich, darunter auch etliche Jugendliche von der Jugendkirche und dem KILA.

Die Allianz beispielsweise stellte einen Büroraum in ihrem Haus gegenüber der Blasii-Kirche zur Verfügung, während gleich nebenan der Arbeitsalltag weiterging. Auch der Dom öffnete seine Türen weit für mehrere Gruppen, die Flohburg, das St. Josephshaus, die Stadtinfo, die Stadtbibliothek, der Weltladen mit Schrankenlos e.V., Marion Méndez vom Museum Synagoge Gröbzig, die Diakonie Suchtberatung, die Johanniter Unfallhilfe und die Jugendkunstschule waren mit im Boot, um nur einige zu nennen. Louiza Radeva vom gleichnamigen Tanzstudio sprang sogar noch schnell ein, als ein anderer Workshop auszufallen drohte, und tanzte mit ihrer Gruppe fröhlich vor der Blasiikirche. Der 15-jährige Samuel Rumpold reiste extra aus Halle an, um Schülern den positiven Umgang mit Drohnen zu erklären und vorzuführen.
Auf dem anschließenden Markt der Möglichkeiten konnten sich dann noch einmal alle kreativ und aktiv erproben. Hübsche Mitbringsel wurden ebenso hergestellt wie Kippot bemalt oder tatkräftig beim Sumoringen hingelangt. Jeder hatte am Ende des Tages eine kleine Erinnerung in der Hosentasche und viel Gesprächsstoff für den Heimweg im Gepäck. Kirche, so bunt wie das Leben und damit ganz nah dran.

Regina Englert

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Meininger Tafelrunde im Schatten von Kaiser Heinrich II.

22. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Foto: Antje Kanzler

Foto: Antje Kanzler

Mit einer Andacht und Bläsermusik zum Heinrichstag startete das sommerliche Picknick am Heinrichsbrunnen in Meiningen. Der Kirchenkreis, die evangelische und die katholische Kirchengemeinde luden auf den Marktplatz, um gemeinsam mit Ur-Meiningern, Zugezogenen und Gästen Zeit und Essen miteinander zu teilen. Kaiser Heinrich II. gilt als Schutzpatron Meiningens. Der Überlieferung nach soll er den Bau der Stadtkirche »Unserer lieben Frauen«, auch St. Marien Kirche genannt, vor über 1 000 Jahren veranlasst haben.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Ein Funkenkind mit Strahlkraft

21. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Epheser 5, Verse 8 und 9

Ja, was soll das nur werden? Werde ich mich erholen können im Urlaub, oder wird der Stress der Arbeit mich begleiten? Wird die Familie sich vertragen, das Wetter gut sein? Und auch, wenn ich mal ein paar Tage nicht die Nachrichten höre, die Welt wird sich doch nicht ändern mit ihren aktuellen Herausforderungen in Politik und Gesellschaft. Man nimmt sich ja auch immer selbst mit dorthin, wo man ist. Was wird das nur werden? Ach, Niedergeschlagenheit, Skepsis, Unsicherheit, sie sind so ansteckend. Fängt einer damit an, hat es bald alle erreicht.

Mit Neonröhren geschrieben erleuchtet da dieser Imperativ (Befehlsform) das düstere Zimmer der sorgenvollen Seele: Lebt als Kinder des Lichts! Lebt! Es flackert und knistert, ist nervig in seiner Strahlkraft, wo ich mir doch so gern Sorgen mache und im Schatten verharre. Leb als Kind des Lichts!

Pfarrerin Sophie Kersten,Langula-Kammerforst

Pfarrerin Sophie Kersten, Langula-Kammerforst

Auch Zuversicht und Glauben sind ansteckend. Dieses Licht flackert unbeirrt vor dem Fenster. Na gut, dann schau ich mir diesen Imperativ eben genau an. Und lasse mich anstecken. Versuche es mal, all das Positive mitzunehmen und auszustrahlen, was mir das Licht mitgeben will: Güte, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit. Immer dort, wo ich mich mit hinnehme. Denn dort ist ja auch das Licht, das eine, das Jesus ist und dessen kleines Funkenkind ich in seiner Nachfolge hier auf Erden bin. Bei der Arbeit, beim Einkauf, im Urlaub, wenn ich die Kinder ins Bett bringe oder nach langer Zeit mal wieder einen traurigen, einsamen Menschen anrufe und neben sein Klagen meine Hoffnung stelle.

Lebe als Kind des Lichts! Du bist sein Zeuge – und dich hat er doch auch schon angesteckt mit seiner guten Nachricht. Lass die Schönheit der Güte aus deinen Augen blitzen, lass Gerechtigkeit aus deinen Händen fließen, lass Wahrhaftigkeit aus deinen Worten sprechen. Die Früchte des Lichts – sie sind so ansteckend! Da brennt es in dir! Grab es aus, trag es hinaus in diese Welt, wohin auch immer dich dein Weg in dieser Woche führt. Lebe! Lebe als Kind des Lichts!

Pfarrerin Sophie Kersten, Langula-Kammerforst

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Kirche unter Strom

20. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Ökostrom: Windräder der mitteldeutschen Landeskirche sollen Gemeinden und Diakonie mit Energie versorgen.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat ein ehrgeiziges Ziel: Sie will den Strom, den sie in ihren Gemeinden und diakonischen Einrichtungen verbraucht, selbst erzeugen und dabei das Klima schützen. Ein eigenes Stromlabel ist in Planung. Kann das ein Vorbild auch für andere Landeskirchen sein?

Thomas Wicks Finger kreist suchend über der Landkarte, dann findet er sein Ziel, zwischen dem thüringischen Sömmerda und der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Wick, Sachbereichsleiter Landwirtschaft bei der EKM, zeigt auf das Städtchen Olbersleben: »Hier wird es stehen.« Das siebte Windrad der Landeskirche soll in diesen Tagen in Betrieb gehen.

Knapp 5,5 Millionen Euro dürfte es am Ende gekostet haben, 80 Prozent davon kommen als Kredit von einer der evangelischen Banken, der Rest von der Landeskirche. Doch nach zehn bis fünfzehn Jahren werden diese Kosten eingespielt sein. Und auch über diesen Zeitraum hinaus, nämlich zwanzig Jahre lang, garantiert das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) feste Vergütungen, zu denen der Strom aus diesem Windrad in das Netz gespeist wird. »Das Geld aus den kirchlichen Eigenmitteln wird mit jährlichen Ausschüttungen von mindestens vier Prozent gut verzinst und wird bis zum Ende der Laufzeit vollständig zurückerstattet sein«, sagt Wick.

Windenergie: »Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes« (Apg 2,2). Blick auf den Kirchturm von St. Mauritius und die Windkraftanlage von Arnstedt (Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda). Foto: epd-bild

Windenergie: »Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes« (Apg 2,2). Blick auf den Kirchturm von St. Mauritius und die Windkraftanlage von Arnstedt (Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda). Foto: epd-bild

Doch es geht der Landeskirche nicht vorrangig um Renditen, sondern um ein klimapolitisches Ziel: Der jährliche Energieverbrauch der Kirchengemeinden und kirchlichen Verwaltungen soll durch selbst produzierten Windstrom gedeckt, also ins Netz eingespeist werden. 33 Millionen Kilowattstunden sind das im Jahr, dazu braucht man sieben Windräder.

Dieses Ziel wäre also erreicht. Denn es stehen ja bereits sechs evangelische Strommühlen im EKM-Gebiet auf kirchlichen oder gepachteten Flächen in Windparks in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nimmt man aber die diakonischen Einrichtungen im Bereich der Landeskirche noch hinzu, wächst der Strombedarf auf 57 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von rund 14 000 Vier-Personenhaushalten hierzulande. Um den zu decken, müssen noch weitere Räder gebaut oder erworben werden, 13 bis 16 Windkraftanlagen sollen es am Ende sein.

Die Landeskirche geht davon aus, dass dieses Ziel bis Ende 2018 erreicht ist. Insgesamt investiert der für das gesamte Projekt gegründete EKM-Stromverbund, eine Tochter der Landeskirche mit drei Mitarbeitern, etwa 55 Millionen Euro. Technisch gewartet und betrieben werden die Windräder allerdings nicht aus dem Landeskirchenamt, sondern von externen Dienstleistern in den Windparks vor Ort.

Dass die Landeskirche überhaupt in die Produktion von Strom einsteigt, ist eine Folge der Kampagne »Klimawandel – Lebenswandel«, mit der die EKM 2011 in vielen Veranstaltungen Fragen des Klimaschutzes nachging. »Auch die Landessynode hat sich mit dem Thema beschäftigt und gefragt, was wir als Kirche im größeren Stil für den Klimaschutz tun könnten«, sagt EKM-Sprecher Friedemann Kahl.
In der Synode sei dann die Idee entstanden, den selbstverbrauchten Strom durch Windräder zu produzieren. Denn die Kirche in Mitteldeutschland besitzt viele Flächen, die sie auch schon vor 2011 an Betreiber von Windparks verpachtet hatte. Rund 130 Mühlen von anderen Investoren drehen sich auf kirchlichen Feldern der EKM.

Da lag es nahe, selber als Betreiber in das Geschäft einzusteigen, auch wenn Windparks schon lange nicht mehr unumstritten sind. Während die einen vor allem ästhetische Argumente gegen die »Verspargelung der Landschaft« ins Feld führen, verweisen die anderen auf mögliche Gefahren für Mensch und Tier: Vögel sterben durch den Rotorenschlag, Menschen fühlen sich durch Schall- und Lichtemissionen sowie Verschattungen beeinträchtigt. Deshalb sei es wichtig, dass die Standorte genau geprüft werden, so Wick.

Stephan Kosch

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Kann man mit den Ohren essen?

20. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

Klingende Leckerbissen: Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Weimarer Land

Die Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Kreis Weimarer Land stehen vom 21. Juli bis 19. August unter dem Motto »Auditive Leckerbissen zwischen Luther- und Bauhausjahr«. Die 27. Ausgabe der Veranstaltungsreihe kredenzt dabei eine reichhaltige Menükarte für jeden Geschmack. Von Oper bis Jazz, von Blues bis zum barocken Konzert ist alles dabei!

Gitarrenduo Katrin und Reinhard Jungrichter. Foto: Veranstalter

Gitarrenduo Katrin und Reinhard Jungrichter. Foto: Veranstalter

»Musik«, schreibt ein britischer Psychologe, »beeinflusst, wie Essen schmeckt!« Viola-Bianca Kießling, die Referentin für Musik und Heimatpflege im Landratsamt Apolda, ist deshalb überzeugt: »Auch Ohren sind in der Lage zu essen.« Und fordert die Besucher deshalb auf: »Lassen Sie sich die Musik unserer Konzerte schmecken!« Im Eröffnungskonzert laden Edwin Ilg, Verena Küllmer und das Ensemble »arcum tendere lipsiense« mit scharfen Konturen, gewürzt mit Blätterrauschen, Donner, Sturm und Jagdgeschehen, zu Antonio Vivaldis »Le Quattro stagioni« (Die vier Jahreszeiten) ein. Damit der Bogen zum Bauhausjahr schon einmal anklingt, ließ sich der Klangkörper die Fuge II für Orgel von Lyonel Feininger instrumentieren (21. Juli, 19 Uhr, Apolda-Oberroßla). Mit spanischen Spezialitäten für Gitarre bringen Katrin und Reinhard Jungrichter (Weimar) musikalische Tapas der Extraklasse zu Gehör (22. Juli, 17 Uhr, Kirche Rettwitz). Weitere Termine werden auf Seite 10 an den jeweiligen Wochenenden angekündigt.

Bisher waren 93 Städte und Gemeinden Gastgeber der Konzerte. In 118 Kirchen erklangen 66 Orgeln. Diese kostbaren Instrumente aus der Bachzeit und vor allem aus dem 19. Jahrhundert sind das Herzstück der Konzertreihe. Sie zeugen auf eindrucksvolle Weise vom Reichtum der thüringischen Orgeln. Ebenso reich ist die Tradition des Thüringer Glockengusses. Als wichtiger Bestandteil der Konzerte sind diese teilweise sehr alten Glocken in die Eröffnung der Konzerte integriert.

Auf ähnliche Weise wie die Maler und Grafiker Lyonel Feininger oder Alfred Ahner kann man sich beim Hören der Musik von der besonderen Architektur der Gotteshäuser inspirieren lassen.

(G+H)

www.weimarerland.de/kultur/dorfkirchenmusiken_2018_programm.pdf

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Zu tiefem Dank verpflichtet

19. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Nachruf: Trauer um Andreas Schindler. Der Präses der Landessynode starb kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand plötzlich und unerwartet.

Von Kirchenpräsident Joachim Liebig

Völlig unerwartet trifft die Evangelische Landeskirche Anhalts am 12. Juli die Nachricht vom Tod ihres Präses Andreas Schindler. Im Alter von 64 Jahren erliegt er einem Schlaganfall.
Andreas Schindler wird 1953 in Köthen geboren und wächst in einem Pfarrhaus auf. Das Studium der Volkswirtschaft 1974 bis 1978 in Halle schließt er als Diplomökonom ab. 1978 bis 1986 ist Schindler Betriebsteilleiter und Werkleiter in einem volkseigenen Betrieb für technische Textilien in Quedlinburg und Halberstadt.

Andreas Schindler. Foto: Johannes Killyen

Andreas Schindler. Foto: Johannes Killyen

Bereits zu dieser Zeit ist er in Quedlinburg im Gemeindekirchenrat und in der Kreissynode tätig. 1986 wird er Dezernent im Landeskirchenrat der Evangelischen Landeskirche Anhalts, ab 1991 ist er Geschäftsführer der Kanzler von Pfau’schen Stiftung mit Sitz in Bernburg sowie bis zu seinem Tod deren Vorstandsvorsitzender und Stiftungsdirektor. Zugleich ist Schindler seit dem Jahr 2000 Vorsitzender der Kreissynode Bernburg, Mitglied der Anhaltischen Landessynode und der Kirchenleitung sowie seit 2006 Mitglied des Präsidiums der Landessynode. Andreas Schindler steht ihr als Präses im Ehrenamt seit 2012 vor und wurde erst im Mai für eine weitere Legislaturperiode gewählt. Er hinterlässt seine Ehefrau Ulrike Schindler, geborene Böttger, seine hochbetagte Mutter und zwei erwachsene Söhne.

In seinen haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeiten für die Landeskirche zeichnete sich Andreas Schindler durch eine tiefe Verwurzelung in der Region Anhalt aus. Nachdem sich im Rahmen der friedlichen Revolution die Bedingungen für kirchliches Arbeiten völlig verändert hatten, war es für Andreas Schindler in seinen kirchlichen Verantwortungsbereichen von allergrößter Bedeutung, die Landeskirche für zukünftige Herausforderungen zu gestalten. Freundlich und zugewandt und dabei gleichzeitig zielgerichtet hat er die gegenwärtigen Veränderungsprozesse von Anfang an begleitet.

Sein weiteres zentrales Lebenswerk ist zweifellos die Kanzler von Pfau’sche Stiftung in Bernburg, die während seiner Dienstzeit an unterschiedlichen Standorten zu einer bedeutenden diakonischen Einrichtung in der Region wurde. Persönlich war mir Andreas Schindler vom Beginn meines Dienstes in Anhalt an freundschaftlich verbunden.

Gemeinsam hatten wir in den vergangenen Monaten seinen Übergang in den Ruhestand in den Blick genommen. Sein plötzlicher Tod macht alle Überlegungen zunichte. Die Evangelische Landeskirche Anhalts, die Kanzler von Pfau’sche Stiftung Bernburg und ich persönlich sind Andreas Schindler zu tiefem Dank verpflichtet. Unsere Fürbitte gilt seiner Frau, seiner Familie und allen, die um ihn trauern. In unserem gemeinsamen Glauben empfehlen wir ihn der Hand Gottes.

Trauerfeier für Andreas Schindler am 21. Juli, 9 Uhr, im Gemeindesaal der Kanzler von Pfau’schen Stiftung, Kustrenaer Straße 9, in Bernburg, anschließend Überführung nach Dessau zur Beisetzung

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Von Frommen und Heiligen

17. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Moral: Auch wenn an uns Christen oftmals hohe Erwartungen gestellt werden, müssen wir keine Heiligen sein, um gerettet zu werden.

In der DDR-Zeit sprach man über die Kirchgänger bisweilen etwas abschätzig von den »Heiligen«. »Du bist wohl auch heilig?«, konnte dann schon einmal ein Konfirmand von seinen Mitschülern gefragt werden, wenn er der Einzige in der Klasse war, der zum Konfirmandenunterricht ging.

Gemeint war: Benimmst du dich im Alltag anders als die Anderen? Betest du regelmäßig? Gehst du regelmäßig zum Gottesdienst? Glaubst du an Gott? Hältst du die zehn Gebote ein? Dahinter steht die Erwartung, wer sich Christ nennt, der muss sich auch anders verhalten, moralisch besser und untadelig leben.

Unbewusst wird hier die alttestamentarische Forderung zur Heiligung des täglichen Lebens erwartet: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott« (3. Mose 19.2ff, vgl. 1. Petrus 1,16). Dieser hohe Anspruch konnte im Laufe der Geschichte immer wieder dazu führen, dass Menschen versuchten, vollkommen zu sein. Heilig zu sein beschreibt dabei einen Zustand, in dem jemand oder etwas getrennt von jeder Art Verunreinigung ist. Das Heilige oder der Heilige ist demnach auf Grund seiner Reinheit vom gewöhnlichen Gebrauch oder von der Masse der Anderen getrennt. Dies führte einerseits oft zur Überheblichkeit von Menschen, die sich auf Grund ihres Verhaltens für etwas Besseres hielten und andererseits zur Entwicklung einer Heiligenverehrung, bei der die Heiligen eine Stellvertreterfunktion einnahmen und einer Idealisierung zum Opfer fielen.

Evangelische Heilige: In der Wittenberger Schlosskirche stehen die Reformatoren im Kirchenschiff links und rechts auf dem Sockel. Foto: epd-bild

Evangelische Heilige: In der Wittenberger Schlosskirche stehen die Reformatoren im Kirchenschiff links und rechts auf dem Sockel. Foto: epd-bild

In Anlehnung an die Märtyrer-Verehrung des frühen Christentums entstand die Überzeugung, dass die Heiligen, wenn sie ihr Leben für den Glauben gelassen hatten, sofort in den Himmel aufgenommen und dort bei Gott Fürsprache halten und für hilfesuchende Menschen eintreten würden. Die Reformatoren lehnten in Berufung auf Paulus (1. Timotheus 2,5) solch eine Mittlerfunktion der Heiligen kategorisch ab, hielten es aber dennoch für nützlich, der Heiligen als Vorbildern und guten Beispielen zu gedenken, »damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist.« (Augsburger Bekenntnis, Artikel 21).

Gut reformatorisch ist auch der Gedanke, dass es keines Heiligseins bedarf, um gerettet zu werden. Gottes Gnade kann nicht durch eine moralische Leistung erkauft werden, sondern sie ist die Bedingung und Voraussetzung für ein geheiligtes Leben. Heiligsein heißt demnach voller Gnade sein. Nicht begnadigt wie ein Verbrecher oder begnadet wie ein Künstler, sondern gnädig geliebt wie ein Kind. Wenn ich meine Mitmenschen mit den Augen der Liebe und mit Verständnis ansehe, dann kann ich in jedem Menschen etwas Heiliges entdecken. Jeder Mensch lebt von einer Akzeptanz, einem Wohlwollen, einer Wertschätzung, die ihm ohne Vorbedingung gelten muss, die weder erkämpft, erlitten, noch erarbeitet worden ist. Dies ist besonders in unserer Welt wichtig, die oft so gnadenlos und auf Leistung orientiert ist.

Die Erwartungen an uns Christen sind zum Teil so hoch, dass sich viele von der Kirche abwenden, wenn etwa wieder ein Skandal unter den kirchlichen Mitarbeitern durch die Medien bekannt wird. Da kann man nur sagen: Skandale müssen aufgedeckt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Aber andererseits stimmt auch: Wir sind keine Heiligen, die alles richtig machen und fehlerfrei sind. Wer solches erwartet, muss enttäuscht werden. Vielmehr sind wir Christen Menschen, die sich immer wieder heiligen und heilen lassen. Das ist ein Unterschied.

Wenn die Bibel vom Heiligen Geist spricht, dann kann man auch übersetzen: der Geist, der heil macht, der Heil bewirkt. Um wieder heil zu werden, bedarf es aber einer Gemeinschaft. Allein heil zu werden ist eher ein Geschäft für Einsiedler, Mönche und Asketen. Heil werden in der Gruppe, geheilt werden durch die Gemeinschaft mit anderen, aber ist etwas, das allen Menschen gut tut. Es gibt immer mehr einsame Menschen in unserer Gesellschaft.

Und wir tun gut daran dem entgegenzuwirken, indem wir in Kirche und Gesellschaft Gruppen anbieten, in denen man sich treffen kann, wo jeder so angenommen ist, wie er ist und in denen ein heilender Geist wirkt, der Geist der Offenheit, der Zuwendung und der gegenseitigen Achtsamkeit. Es ist eine zentrale und überlebenswichtige Aufgabe unserer Zeit, dass wir uns der inneren Zerrissenheit der Gesellschaft annehmen, unseren Mitmenschen zuhören und ihre Nöte ernst nehmen. Denn nur so können seelische Wunden heilen und gesellschaftliche Gräben überwunden werden.

Es gilt, dem Unheil unserer Tage durch Liebe und Versöhnung zu begegnen. Das ist Heiligung des täglichen Lebens. Wir wissen, dass Geduld, emotionale Wärme, Zuwendung und Liebe für uns Menschen lebensnotwendig sind. Wenn wir dies uns selbst und unseren Mitmenschen gewähren, dann gelingt uns auch ein heiles Leben, das in aller Unvollkommenheit dennoch geheiligt ist.

Friedhelm Kasparick

Der Autor ist Pfarrer der Paulusgemeinde in Halle und Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Halle.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Schwarzseher oder Durchblicker?

17. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Mit seiner Streitschrift »Geht der Kirche der Glaube aus?« sorgt der Schriftsteller Klaus-Rüdiger Mai für Diskussionen. Sabine Kuschel sprach mit ihm über Heimat, ostdeutsche Erfahrung und warum unsere Gesellschaft den Glauben und die Kirche braucht.

Herr Mai, die Zukunft der Kirche wird nicht politisch sein, sondern im Glauben wurzeln, ist eine Ihrer Thesen. Was ist Ihnen am Glauben so wichtig, dass er nicht verlorengehen darf?
Mai:
Der Glauben ist für mich das Fundament der Kirche, der Grund, warum Kirche besteht. Nämlich, dass wir den Glauben an Jesus Christus, den Glauben an Tod und Auferstehung und an das Leben in der anderen Welt, dass wir diesen Glauben weitertragen und in uns haben. Das ist die frohe Botschaft, die wir zu verbreiten haben als Christen.

Können Sie das noch etwas näher erläutern?
Mai:
Luther sagt zu Recht: der Gerechte lebt aus Glauben allein. Durch den Glauben allein werden wir gerettet. Aber es kommt etwas Zweites hinzu: Glauben bedeutet auch Glauben an die Schöpfung, an das, was uns Gott übergeben hat und wofür wir auch verantwortlich sind.

Klaus-Rüdiger Mai. Foto: Olivier Favre

Klaus-Rüdiger Mai. Foto: Olivier Favre

Und deswegen ist der Glauben auch ein wichtiges Mittel gegen die Selbstvergottung des Menschen. Wir können inzwischen technisch viel mehr machen, als wir moralisch zu verantworten in der Lage sind. Durch diese technischen Möglichkeiten entstehen Allmachtfantasien. Für unseren Fortbestand ist diese Dimension, dass der Mensch nicht vollkommen ist, sehr wichtig. Der Mensch ist sündhaft. Er braucht den Glauben, braucht die Vergebung.

Nun ist Ihr hauptsächlicher Kritikpunkt an der Kirche deren parteipolitisches Engagement. Sie sehen darin eine Ursache für den Mitgliederschwund. Heißt das: Wenn sich die Kirche stärker auf ihre Botschaft, den Glauben konzentrieren würde, ließen sich Menschen zurückgewinnen?
Mai:
Das glaube ich, weil ich immer wieder gehört und gelesen habe, dass Menschen nach inneren Kämpfen die Kirche verlassen haben. Sie sagen, ich gehe in den Gottesdienst und was ich höre, ist eine Predigt, von der man den Eindruck hat, dass der Pfarrer sich in der Politik besser auskennt als in der Bibel. Das möchte ich mir nicht länger anhören. Ich möchte mich nicht parteipolitisch belehren lassen, sondern ich suche in der Kirche den Glauben. Wenn ich das in der Kirche nicht bekomme, dann kann ich selbst die Bibel lesen und im Glauben leben.

Ich bin mir sicher, dass man erstens Menschen zurückgewinnt und zweitens Menschen halten kann, die über ihre Kirche verzweifelt sind, weil Glauben durch Moral ersetzt wird.

Sollte die Kirche Ihrer Meinung nach ganz auf politisches Engagement verzichten?
Mai:
Ich bin dafür, dass Kirche politisch wirkt. Die Frage ist nur: Wie sieht das politische Wirken aus? Die Kirche lebt in einem politischen Raum. Sie kann gar nicht anders als politisch agieren. Nur eben nicht parteipolitisch. Das ist ein Unterschied. Auf sechs Grundaufgaben sollte sich die Kirche konzentrieren: Bibelstudium, Gottesdienst, Seelsorge, Caritas/Diakonie, Bildung und Mission.

Wenn sie diese Aufgaben richtig erfüllt, dann wirkt sie politisch, weil wir in einer Demokratie leben. Das heißt, jeder Bürger hat die Möglichkeit und das Recht, am politischen Geschehen mitzuwirken, sich auch parteipolitisch einzubringen.

Kirche in der Diktatur sieht anders aus. Da muss Kirche auch andere Funktionen wahrnehmen, weil die Bürger diese Rechte nicht haben, aber in einer Demokratie haben sie sie. Und wenn diese Aufgaben richtig bearbeitet werden, dann schafft das in den Gläubigen auch ein christliches Bewusstsein.

Mit diesen christlichen Vorstellungen gehen sie in die Welt hinaus und engagieren sich politisch. So kommt auch eine christliche Haltung in die Welt. Durch das Wirken der Christen. Dann ist Kirche politisch, denn Kirche sind wir alle. Wie es im Credo heißt, »die Gemeinschaft der Heiligen«.

Sie schreiben: Gerade mit diesen parteipolitischen Stellungnahmen verprellt die Kirche Menschen, vor allem in dem Moment, wenn sie sie als rechtspopulistisch einstuft. Was, wie Sie schreiben, nur rechts von einer rot-grünen Überzeugung ist. Ich vermute, mit solchen Thesen stehen Sie ziemlich allein da und die bringen Ihnen viel Ärger ein?
Mai:
Nein, überhaupt nicht. Ich werde bestätigt in dieser Vorstellung. Ich rede nicht von linken Vorstellungen, nicht von rechten Vorstellungen, weil ich der Meinung bin, dass sich das Links-Rechts-Schema überholt hat. Das muss man philosophisch, gesellschaftsphilosophisch viel genauer fassen.

Was wir haben, ist aber ein rot-grünes Mainstream-Bewusstsein. Das hat aber wenig mit rechts und links zu tun. Ich konstatiere: Wenn eine Politik verfehlt ist, sich aber nicht der Kritik stellt, sondern diese diffamiert, dann kann das zwei Gründe haben:

Entweder sieht Politik nicht die Wirklichkeit, oder sie hat keine Lösung für die Wirklichkeit. Dann versucht sie, auf semantischer Ebene das zu regeln, was sie auf politischer Ebene nicht hinbekommt. Das ist schädlich für den demokratischen Prozess in der Gesellschaft. Das wird zunehmend deutlicher.

Ich würde gern auf das Essay, das Sie in der Neuen Zürcher Zeitung geschrieben haben, zu sprechen kommen: »Der Tag, an dem ich ein Ostdeutscher wurde«. Was war der Anlass?
Mai:
Der Anlass war ein Artikel in der FAZ von Ralph Bollmann. Er schrieb eine Geschichte von einer großen Einwanderung in die Bundesrepublik. Diese Migranten, die an einem Tag eingewandert seien, hätten sich nicht integriert. In der zweiten Generation sei die Integration sogar noch geringer.

Den Grund für diese mangelnde Integration sieht der Autor darin, dass die Menschen sich nicht selbstkritisch damit auseinandersetzen, wer sie sind und was sie sind und deshalb auf falsche Lösungen kommen. Gemeint waren die Ostdeutschen. Das hat mich zutiefst empört, weil ich plötzlich spürte, ich werde ausgegrenzt.

Ralph Bollmann erklärt, dass die Bundesrepublik sein Staat ist und nicht meiner. Ich habe mich dagegen verwahrt und dieses Essay geschrieben. Man kann nicht, weil wir gesellschaftlich und politisch in schwierige Gewässer kommen, die Ostdeutschen zu Sündenböcken machen.

Deswegen habe ich gesagt, gut, dann bin ich jetzt Ostdeutscher und bringe die ostdeutsche Tradition stärker nach vorn. Die ostdeutsche Erfahrung ist nun einmal die, dass wir die Demokratie nicht geschenkt bekommen haben wie die Westdeutschen, sondern wir haben sie uns erkämpfen müssen. Ich glaube, für dieses Deutschland ist die Erfahrung der erkämpften Freiheit, der erkämpften Demokratie etwas ungemein Wichtiges und ein geradezu demokratisierender Impuls.

Zum Schluss noch das Thema Heimat. Es ist richtig in Mode gekommen. Sie haben sich auch mit Begriffen wie Nation, Identität und Heimat auseinandergesetzt. Was ist für Sie Heimat?
Mai:
Für mich ist Heimat vor allem ein geistiger und kultureller Raum. Das bedeutet, Heimat setzt sich für mich zusammen aus den geistigen Traditionen von Martin Luther, aber auch schon von Walther von der Vogelweide, vom Nibelungenlied. Von Martin Luther über Goethe, Thomas Mann bis heute.

Bei den Musikern Johann Sebastian Bach, Mozart, Beethoven. Das gehört für mich alles – auch wenn Mozart ein Österreicher war – zum Begriff der Heimat. Wenn ich beispielsweise in der Kirche die Aufführung eines Werkes von Mendelssohn-Bartholdy oder Bach höre, dann ist das für mich Heimat.

Ich möchte, dass diese Werte und dieser kulturelle Reichtum weiter existieren, weil sie ein Teil unseres Erfolges und unserer Identität sind.

Dr. Klaus-Rüdiger Mai, geboren 1963, Schriftsteller und Historiker, verfasst historische Sachbücher, Biographien und Essays sowie historische Romane. Sein Spezialgebiet ist die europäische Geschichte.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Hoch geht’s!

17. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Kirchbau: Turmspitze in Polenzko aufgesetzt

Balanceakt: Nach drei Monaten bekam Polenzko seine Kirchturmspitze zurück. Foto: Johannes Killyen

Balanceakt: Nach drei Monaten bekam Polenzko seine Kirchturmspitze zurück. Foto: Johannes Killyen

Drei Monate haben die Arbeiten gedauert. Seit dem 5. Juli ist der Kirchturm der »Weihnachtskirche« in Polenzko im Kirchenkreis Zerbst wieder komplett. Ein Kran setzte am Vormittag die Turmspitze wieder auf.

Ende März hatte die Sanierung der Kirche mit der Abnahme der Spitze begonnen, deren marodes Fachwerk erneuert wurde. Ebenso wurden die Gefache, also die Zwischenräume zwischen den Holzbalken, saniert. Die Spitze wurde mit Schiefer neu gedeckt, der Turm erhält in den nächsten Wochen eine neue Holzverschalung.

Der Turm der um 1200 erbauten Polenzkoer Kirche wurde erst 1884 aufgesetzt und hat seither gehalten. Zuletzt war er nicht mehr standsicher, weil Schädlinge die tragenden Balken zerfressen hatten. Die Schieflage durch nachgebende Balken war bereits sichtbar. Die Turmspitze musste abgenommen werden, um die Last von Fach- und Mauerwerk zu nehmen. Der erste Bauabschnitt der Kirchensanierung hat einen Umfang von rund 120 000 Euro. Das Geld bringen die Landeskirche Anhalts, die Stiftung Entschlossene Kirchen, Lotto Toto Sachsen-Anhalt sowie der Landkreis Anhalt-Bitterfeld auf. Hinzu kommen Eigenmittel der Weinberggemeinde Garitz.

Die Dorfkirche in Polenzko gehört zur Weinberggemeinde Garitz und zur Stiftung »Entschlossene Kirchen« im Kirchenkreis Zerbst. Als eine von mehreren Themenkirchen in der Region informiert sie während des gesamten Jahres über das Weihnachtsfest. Im Chorraum der Kirche stehen Deutschlands größte Krippenfiguren, die der inzwischen verstorbene Holzbildhauer Horst Sommer schuf.

(G+H)

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Weimar ist eine Bachstadt!

17. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

Jubiläum: Dem Komponisten gewidmetes Festival feiert 10. Geburtstag

Die »Bach Biennale Weimar« feiert ihren zehnten Geburtstag. Vom 13. bis 15. Juli wird in neun hochkarätigen Veranstaltungen daran erinnert, dass der Komponist vor 310 Jahren sein Amt als Hoforganist und Konzertmeister angetreten und bis 1717 ausgeübt hat. Der Titel »Klingende Bach-Welt Weimar« schließt den Weimarer »Bach-Kosmos« ebenso mit ein wie den Blick auf eine klingende Zukunft und die Entwicklung des weltweit einzigen authentischen Bach-Wohnortes am Weimarer Markt. Mittlerweile »geht der Langstreckenlauf für eine klingende Bach-Welt Weimar am authentischen Ort auf die Zielgerade«, betont Festivalleiterin Myriam Eichberger. Die Professorin für Blockflöte an der Hochschule für Musik »Franz Liszt« setzt sich seit Jahren für die Schaffung einer Bachgedenkstätte ein.

Am Eröffnungstag gibt es einen kulinarischen Auftakt im Herdergarten (13. Juli, 17 Uhr), dem sich unter dem Motto »Soli Deo Gloria« eine Musikalische Vesper mit Liedern aus dem »Schemelli-Gesangbuch« in der Stadtkirche (18 Uhr) und ein Konzert »Poetische Räume« mit der Tänzerin Pandora Beaumont und dem Ensemble »Viel Lärm um Nichts« im Schiesshaus (20 Uhr) anschließen. Damit präsentiert sich zugleich das neu gegründete »Junge Internationale Zentrum für Bach und Barockmusik«, das sich als »fantasievolles Konzert-Labor der Zukunft« versteht und Bachs Werk aus ungewohnten Perspektiven und in neuen Kontexten abseits der ausgetretenen Pfade zum Klingen bringen möchte.

Der Hoforganist Bach steht im Zentrum der Stadtführung zu den authentischen Weimarer Bachorten (14. Juli, 11 Uhr), die am bereits zur Bach-Zeit existierenden Turm des Stadtschlosses beginnt. Aus gegebenem Anlass endet diese mit einem halbstündigen Konzert in der Katholischen Kirche: Am 14. Juli 1708 trat Bach seinen Dienst in Weimar als Organist der Schlosskirche an, die jedoch nicht mehr existiert.

Am gleichen Tag und Ort lädt die Kinder-Bach-Biennale KIBA zu einer interaktiven Stadtführung mit Musik (11 Uhr) sowie zum Mitmach-und Malkonzert »Barocco« in die Notenbank Weimar (14 Uhr) ein. Dabei erfahren die Besucher, dass Bach nicht nur ein berühmter Musiker, sondern auch ein liebevoller Papa war und 20 Kinder hatte. Sechs davon wurden in Weimar geboren und später auch selbst bekannte Musiker: Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel Bach.

Meisterin der Barockgeige: Midori Seiler. Foto: Veranstalter

Meisterin der Barockgeige: Midori Seiler. Foto: Veranstalter

Dem Tastengenie Bach widmet sich das Cembalo-Solorezital von Echo-Klassik-Preisträger Bernhard Klapprott in der Jakobskirche (14. Juli, 16 Uhr). Es erklingen die ebenso berühmten wie selten zu hörenden, hochvirtuosen »Englischen Suiten« (4–6), von denen einige in Weimar entstanden und mit denen der junge Bach wahrscheinlich seine eigenen spielerischen Grenzen erkundete und ausreizte.

Die festliche Geburtstagsfeier des Festivals, zugleich das 310. Dienstjubiläum Bachs in Weimar, findet am Abend des 14. Juli ab 19 Uhr im ehemaligen Bauhausmuseum sowie nebenliegendem »Künstlergarten« und auf dem Theaterplatz einen würdigen Rahmen. Alle Künstler des Festivals geben sich und Bach die Ehre und bieten mit der Tänzerin und Conferenciere Berenike Heiter eine »Barocke sommerliche Lustbarkeit« mit spontan-temperamentvollen Klängen und Improvisationen, Humor – wie Anspruchsvollem, Barocktanz und Percussion, Kulinarik und weiteren »Bacchantischen« Genüssen.

Erstmals zu Gast beim Festival ist das hochdekorierte Ensemble »Diderot« aus Paris unter der Leitung von Johannes Pramsohler (Barockvioline), das soeben mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Bereits zum zweiten Mal wandert oder fährt die Festivalgemeinde mit dem Fahrrad an der Ilm entlang »Am Bach zu Bach nach Taubach«, um das Konzert der französischen Künstler »Der königliche Bach« zu erleben (15. Juli, 14 Uhr).

Das Abschlusskonzert im Schießhaus Weimar gestaltet Star-Barockgeigerin Midori Seiler mit ihrem Ensemble (15. Juli, 17 Uhr). Mit dem Programm »Bach bearbeitet sich selbst« widmen sich die Barockspezialisten spannenden Bachschen Verwandlungskünsten: das berühmte E-Dur-Violinkonzert mutiert zum Cembalowerk, Bachs d-Moll-Cembalokonzert erklingt in einer Frühfassung als Concerto für Violine.

(G+H)

www.bachbiennaleweimar.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

« vorherige Seitenächste Seite »