Geschenk für die Gemeinden

31. August 2018 von redaktionguh  
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Startschuss: In der Region »Unterharz« nimmt das anhaltische Verbundsystem Gestalt an – und zwei neue Mitarbeiterinnen nehmen ihre Arbeit auf.

Das kann so funktionieren«, sagt Julia Arndt fest und schaut auf Andrea Rittweger. Die beiden Frauen werden am 2. September in der St. Marien-Kirche in Harzgerode in ihren Dienst in der Region »Unterharz« eingeführt. Damit nimmt der erste Mitarbeiterverbund Gestalt an, wie es die Landessynode Anhalts beschlossen hat. Mitarbeiter im Pfarrdienst, in der Kirchenmusik, der Gemeindepädagogik, der Diakonie und der Verwaltung bilden einen Verbund. »Das heißt für mich, Gemeinden zu verbinden«, erklärt die studierte Ingenieurin Julia Arndt, die künftig – von der Landeskirche gefördert – im sächsischen Moritzburg nebenberuflich Gemeindepädagogik studiert und im September »in der Arbeit mit Kindern schon loslegt«. In der freien Wirtschaft sei alles sehr »produktbelastet«, sie wolle wieder näher an den Menschen sein.

Für ein starkes Miteinander: Kirchenmusikerin Andrea Rittweger (li.) und Gemeindepädagogin Julia Arndt sind zunächst für Harzgerode, Schielo, Güntersberge und Siptenfelde zuständig. Foto: Uwe Kraus

Für ein starkes Miteinander: Kirchenmusikerin Andrea Rittweger (li.) und Gemeindepädagogin Julia Arndt sind zunächst für Harzgerode, Schielo, Güntersberge und Siptenfelde zuständig. Foto: Uwe Kraus

Verbinden werden sie die Gemeinden Harzgerode, Schielo, Güntersberge und Siptenfelde, in einem zweiten Schritt soll Neudorf dazukommen. Andrea Rittweger freut sich, bei diesem ersten Verbundversuch im Kirchenkreis dabei zu sein. »Ich bin richtig glücklich, dass ich mit 52 Jahren jetzt richtig als Kirchenmusikerin arbeiten kann.« Was hier im Unterharz geschehe, sei außergewöhnlich in einer Zeit, wo auch in der Kirche an allen Ecken und Enden gekürzt werde. »Wir sind das Geschenk an die Gemeinden«, charakterisiert es die studierte Kirchenmusikerin, die bis zum Schuljahresende per Honorarvertrag Generationen von Kindern an der Kreismusikschule unterrichtete.

Die Kirchenmusikerin und die Gemeindepädagogin verstehen sich als Begleiter der Gemeinden, die mit ihrem Auftauchen niemanden der engagierten Ehrenamtlichen verschrecken wollen. Sie könnten nicht überall sein, möchten aber gern Hilfestellung geben. »Ich schubse keinen ehrenamtlichen Musiker von der Orgelbank«, scherzt Andrea Rittweger und meint es doch sehr ernst. »Ja, es gilt auch, verkrustete Strukturen aufzubrechen. Aber das Ehrenamt muss hoch geschätzt werden.« Sie hat in den vergangenen Wochen viel an der Orgel in Harzgerode geübt und kam mit den Besuchern ins Gespräch. »Ich will 20 Minuten Orgelmusik an den Markttagen anbieten, es muss einfach selbstverständlicher werden, in die Kirche zu gehen, sich hinzusetzen und zu lauschen.« Die Gernröderin Andrea Rittweger kann sich einen Kinderchor vorstellen und musikalische Früherziehung anzubieten. »Ich könnte offenes Singen in den Alters- und Pflegeheimen etablieren, denn das musikalische Gedächtnis verschwindet als letztes aus dem Kopf.«

»Ob zu Jubelkonfirmationen oder beim Erntedank möchte unser großer Chor, der in Gernrode probt, weiterhin im gesamten Kirchenkreis die Gottesdienste mit singfähigen Gruppen bereichern«, sagt Andrea Rittweger. Auch Julia Arndt, die in Ballenstedt wohnt, möchte das Miteinander vertiefen und dieses Konzept auf die Kinderstunden ausdehnen. »Gerade die Arbeit mit den Jüngsten der Gemeinde öffnet Türen auch bei den Älteren.« So besuchte sie in den vergangenen Tagen die Kinderstunden in Harzgerode und Güntersberge. »Ich will die Kinder und die Ehrenamtlichen kennenlernen«, sagt sie. Dabei hat sie sowohl das Engagement der Ehrenamtlichen gespürt, aber auch den Wunsch nach Unterstützung. Zusammen mit den freiwilligen Helfern vor Ort sollen die vorhandenen Kindergruppen gestärkt und weitergeführt werden. Dabei wird bei den Kleinsten im Kindergarten begonnen, denn die neue Gemeindepädagogin weiß, wie dankbar und wissbegierig Kinder sein können: »Ich habe ja selbst zwei zu Hause.«

Der Mitarbeiterverbund ist eine Herausforderung. »Wir werden unser Gemeindeverständnis verändern müssen«, fordert der Ballenstedter Kreisoberpfarrer Theodor Hering. Es werde sich zu sehr auf den Pfarrer konzentriert. »Das bringt auch Veränderungen im Verständnis des Pfarramtes mit sich. Die Bedeutung des Pfarrdienstes wird nicht abnehmen, aber die gemeinsame Arbeit mit den anderen Professionen in der Kirche soll zunehmen. Darum setzen wir wie in anderen Lebensbereichen mehr auf Teamarbeit.«

Uwe Kraus

Gottesdienst am 2. September in der Marien­kirche in Harzgerode um 14 Uhr

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Aufatmen beim Gottesdienst in Mattstedt

31. August 2018 von redaktionguh  
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Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Auch nach dem Verbot des Neonazi-Treffens haben sich am Wochenende rund 500 Menschen an Aktionen gegen Rechtsextremismus in Mattstedt (Kirchenkreis Apolda-Buttstädt) beteiligt. Rund 150 Menschen versammelten sich in der Marien­kirche zu einem Friedensgottesdienst mit Gemeindepädagogin Diana Schuchert, Vikarin Christin Bärwald und Pfarrer Thomas-Michael Robscheit.

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Finanzen: Vieles wird in einen Topf geworfen

27. August 2018 von redaktionguh  
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Oberkirchenrat Stefan Große über Fakten und Vorurteile bezüglich der Staatsleistungen

Regelmäßig im Sommer veröffentlicht die Humanistische Union Berechnungen zu den Staatsleistungen für die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Diözesen. Sie betragen in diesem Jahr für die EKM rund 39,9 Millionen Euro. Katja Schmidtke sprach darüber mit dem Finanzdezernenten, Oberkirchenrat Stefan Große.

Viele Medien übernehmen den Ton der Pressemitteilung der Humanistischen Union. Ärgert Sie das?
Große:
Es ist das gute Recht der Humanistischen Union, ihre Meinung öffentlich zu vertreten. Dass das regelmäßig im Sommerloch erfolgt, spricht für sich. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, verschweigt die Humanistische Union bewusst oder unbewusst, dass man die Dinge sauber trennen muss, um eben nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Falsches wird nicht durch ständiges Wiederholen richtig.

Stefan Große. Foto:  Stephan Kurzke

Stefan Große. Foto: Stephan Kurzke

Mich enttäuscht, dass Medien relativ ungeprüft derartige Inhalte übernehmen. Die Korrektivaufgabe, die Journalisten haben, sollte doch verhindern, einfach ideologische, anti-kirchliche Reflexe zu verstärken.

Was sollte differenziert werden?
Große:
Gerne werden bei der Kirchenfinanzierung Staatsleistungen, Kirchensteuern und die Leistungen aufgrund des Subsidiaritätsprinzips, also Leistungen für die Wohlfahrtspflege, in einen Topf geworfen.

Erstens: Die Staatsleistungen. Sie sind letztlich Pachtersatzleistungen für säkularisiertes Kirchenvermögen infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803. Der Staat hat Land von der Kirche bekommen, und damit war die Kirche nicht mehr in der Lage, sich aufgrund der Pachterlöse von diesem Land zu finanzieren. Der Staat erfüllt damit eine Rechtsverpflichtung gegenüber der Kirche. Das haben die Weimarer Reichsverfassung und später das Grundgesetz so übernommen.

Zweitens: Die Kirchensteuer. Sie wird oft herangezogen, um eine zu enge Verflechtung zwischen Staat und Kirche in Deutschland zu belegen. Im Kern ist die Kirchensteuer das Gegenteil. Sie hat die direkte Staatsfinanzierung abgelöst und ist im Grunde nichts anderes als ein Mitgliedsbeitrag, den der Staat im Auftrag der Kirche erhebt. Für diese Dienstleistung bekommt der Staat drei Prozent des Kirchensteueraufkommens. Im digitalen Zeitalter, wo das mit relativ wenig Aufwand verbunden ist, ist das ein guter Satz.

Sie sprachen auch von Leistungen nach dem Subsidiaritätsprinzip. Was verbirgt sich dahinter?
Große:
Das sind öffentliche Mittel, die der Staat als Kostenerstattung an freie Träger der Wohlfahrtspflege zahlt, etwa dafür, dass sie Kindergärten, Pflegeheime oder Krankenhäuser betreiben. Solche Gelder bekommen die AWO, das Rote Kreuz, die Volkssolidarität, die Waldorfschulen und eben auch die kirchlichen Träger. Dies als besondere Unterstützung der Kirchen herauszustellen, ist falsch.

EKD-weit machen die Staatsleistungen zwei Prozent der Einnahmen aus. Wie sieht das in der EKM aus?
Große:
In Mitteldeutschland ist das deutlich höher, aber das hat einen Grund. In den frühen 1990er-Jahren wurden in den Staatskirchenverträgen u. a. die Staatsleistungen neu verhandelt und per Gesetz in Kraft gesetzt. Im Rahmen dieser Verhandlungen haben sich Kirche und Staat neu verständigt und sich dabei aufeinander zu bewegt. Das ging natürlich nicht ohne Zugeständnisse auf beiden Seiten. Dies also zum Vorwurf: Staatsleistungen wären ein alter Zopf. Nein, in den neuen Ländern liegen ihnen moderne Verträge zu Grunde – und Verträge sind zu erfüllen. Wir leben in einem Rechtsstaat.

Natürlich würden wir uns Ablöseverhandlungen nicht verschließen. Der Bundesgesetzgeber ist nach Artikel 140 Grundgesetz der eigentliche Verpflichtete für ein Ablösegrundsätze-Gesetz. Es sollte einen länderübergreifenden einheitlichen Maßstab geben, mit dem klar ist, wie die Staatsleistungen abgelöst werden und dass keine (Teil-) Enteignung stattfindet.

Was meinen Sie damit?
Große:
Rein juristisch bedeutet Ablösung nicht, das Recht zu entziehen und dann zu schauen, welcher Ersatz zu zahlen ist. Ablösung bedeutet, die juristische Hingabe einer Leistung an Erfüllungsstatt, also der Ersatz der abzulösenden Leistung durch eine neue, die Ablöseleistung. Wir sind die Letzten, die sich solchen Verhandlungen verschließen würden. Das hat die EKD übrigens deutlich erklärt.

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Kirche zu verkaufen


Bitterfelder Gemeinde kann sich Unterhalt von zwei Kirchen und Gemeindehaus nicht leisten

Die Bauermeister-Gedächtniskirche ist in Stein gemeißelte Geschichte. Sie erzählt nicht nur, wie Kirchen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurden – im neogotischen Stil, mit fantasiereichen Wandbemalungen, bunten Bleiglasfenstern und geschnitzter Kanzel. Das ist nicht außergewöhnlich, ähnliche Kirchen stehen in Dessau, Halle oder im Bitterfelder Zentrum. Nein, die Bauermeister-Gedächtniskirche am Rande der Stadt, in der ehemaligen Kraftwerkssiedlung Deutsche Grube erzählt ein Stück Industrie- und Sozialgeschichte.
Gebaut von 1905 bis 1907, war die Kirche zunächst eine Privatkirche, bezahlt vom Unternehmer Louis Bauermeister, der eine Kohlegrube und Tonröhrenfabrik betrieb. Bauermeister und besonders seine Frau galten als sozial, und so ließ der Unternehmer einen Kindergarten, eine Schule und eben eine Kirche errichten. Denkmalschützer schwärmen, ein industriegeschichtliches Denkmal wie die neogotische Kirche in der Deutschen Grube gebe es in Sachsen-Anhalt kein zweites Mal.

Der Bitterfelder Pfarrer Johannes Toaspern erzählt diese Geschichte gerne und mit viel Enthusiasmus, aber allein aus Begeisterung heraus lässt sich kein Kirchengebäude unterhalten.
In der Kraftwerkssiedlung, zu der noch in den 1950er-Jahren eine starke christliche Gemeinde gehörte, leben inzwischen kaum mehr Christen. Nach der Wende zogen viele, die im Wolfener Neubaugebiet groß geworden sind, in die Siedlung. Menschen, die kaum christlich sozialisiert sind, schildert der Pfarrer. Inzwischen wird eine Handvoll Gemeindeblättchen verteilt, ein Aufruf vor vier Jahren, was mit der Kirche geschehen solle, blieb ohne Reaktion, und sonntags kamen so wenige zum Beten und Singen zusammen, dass seit Frühjahr 2017 keine Andachten und Gottesdienste mehr in der Bauermeister-Gedächtniskirche gefeiert werden.

Nun will die Gemeinde das Gotteshaus verkaufen. »Ich liebe diese Kirche. Je länger, desto mehr«, sagt der Pfarrer. Aber der Prediger und Seelsorger ist längst auch zum Immobilienmanager geworden. Denn die Gemeinde mit ihren 1 000 Mitgliedern kann sich auf Dauer nicht alle Gebäude leisten. Im Bitterfelder Zentrum soll die ebenfalls um die Jahrhundertwende errichtete Stadtkirche saniert und zum Gemeindezentrum umgebaut werden. Ist das geschehen, möchte die Gemeinde das Lutherhaus von 1928 veräußern – ein riesiges Haus mit Saal, Pfarrwohnung, Mietwohnungen, Büro- und Sozialräumen, Freitreppe und Terrasse.

Seit dem Frühjahr wirbt Johannes Toaspern für die Bauermeister-Gedächtniskirche. Zeitungen und Fernsehen berichteten und einige Interessenten haben sich gemeldet. Denkbar ist vieles: Die Weiternutzung als Kirche durch Freikirchen oder orthodoxe Christen, die Heimstatt für eine Communität, Wohnhaus und Ateliers für Künstler oder eine »Hochzeits-Event-Kirche«. Konkrete, ernstgemeinte Angebote mit einer überzeugenden Nutzung gibt es bislang nicht. Einen Preis hat die Kirchengemeinde nicht festgelegt. »Der Preis ist abhängig vom Nutzungskonzept«, so Pfarrer Toaspern.

Katja Schmidtke

»Unser Geschenk«

27. August 2018 von redaktionguh  
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Orgelbau: Weißenfels und Merseburg feiern den 200. Geburtstag von Friedrich Ladegast

Der Blick gen Empore fällt auf eine leere Wand. In der Laurentiuskirche in Weißenfels fehlt ein wichtiges Stück. Die Orgel ist nicht an ihrem Platz. Nichts, was den Ladegast-Verein bange macht. Ganz im Gegenteil.

»Das Instrument wird restauriert. Es ist unser Geschenk an seinen Schöpfer«, erzählt Gisela Bevier, die Vorsitzende des Ladegast-Vereins. Vor zwei Jahren fasste man den Beschluss, der 149 Jahre alten Orgel eine Kur zu bescheren. Sie gilt als die älteste erhaltene, nach dem Kegelladensystem erbaute Orgel von Friedrich Ladegast (1818–1905).

Die Ladegast-Orgel in der Weißenfelser Marienkirche soll umfassend restauriert werden. Für die Gemeinde ist dies ein Mammut-Vorhaben, berichten Kai Schmidt vom Gemeindekirchenrat und Gisela Bevier, Vorsitzende des Ladegast-Vereins. Foto: Constanze Matthes

Die Ladegast-Orgel in der Weißenfelser Marienkirche soll umfassend restauriert werden. Für die Gemeinde ist dies ein Mammut-Vorhaben, berichten Kai Schmidt vom Gemeindekirchenrat und Gisela Bevier, Vorsitzende des Ladegast-Vereins. Foto: Constanze Matthes

Über die Zeit nahezu im Original geblieben, habe ihr allerdings über die Jahre vor allem der Schmutz zugesetzt, sei eine Reinigung dringend notwendig gewesen, berichtet die Vereinsvorsitzende. Die Kosten in Höhe von 65 000 Euro stemmt zu einem großen Teil das Land Sachsen-Anhalt mit Mitteln aus dem Programm für Denkmalschutz. Der Rest von rund 10 000 Euro hat der Verein als Spenden gesammelt, zu Veranstaltungen wie Konzerten und Lesungen.

Mit dem Auftrag wurde das Leipziger Orgelbauunternehmen von Stefan Pilz betraut. Das Projekt begleiteten der Orgelsachverständige des Kirchenkreises Merseburg, Roland Hentzschel, sowie Holger Brülls vom Landesamt für Denkmalschutz. Im Juni haben die Arbeiten begonnen, im Dezember sollen sie abgeschlossen sein, so ist der Plan. Und mittendrin feiert der Verein mit mehreren Veranstaltungen den 200. Geburtstag des Orgelbauers am 30. August.

Seit 2007 besteht der Verein mit Sitz in Weißenfels, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Laurentiuskirche samt Orgel und der dortigen Ladegast-Sammlung in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu bringen und für Kultur im Gotteshaus zu sorgen. Zudem engagieren sich die Mitglieder, um auf das Leben und Wirken Ladegasts aufmerksam zu machen sowie die wissenschaftliche Forschung zu fördern.

Dass der Verein in Weißenfels aus der Taufe gehoben wurde, kommt nicht von ungefähr. Geboren und aufgewachsen in Hochhermsdorf/Sachsen verband Friedrich Ladegast die Liebe zur Musik und das beim Vater erworbene handwerkliche Können miteinander. 1847 ließ er sich als Orgelbauer und Instrumentenmacher in Weißenfels nieder, wirkte dort mehrere Jahrzehnte und verstarb im Jahr 1905.

Von den rund 200 Orgeln, die Ladegast erbaut hat, sind eine Handvoll in der Saalestadt und ihren Ortsteilen zu finden. Weitere Orgeln baute der »Silbermann des 19. Jahrhunderts«, wie er auch genannt wird, für den Merseburger Dom, die Leipziger Nikolaikirche, die Schlosskirche zu Wittenberg, St. Jakob in Köthen, den Tallinner Dom oder die Altenburger Bartholomäikirche. Sein größtes Instrument erklingt in Schwerin.

In Weißenfels bedarf nicht nur die Orgel in der Laurentius-, sondern auch die in der Marienkirche am Markt einer Restaurierung. Für die Kirchengemeinde gilt dies als ein Mammut-Projekt mit Kosten in Höhe von schätzungsweise 454 000 Euro. »Das Instrument wurde in der Vergangenheit oft verbaut, so dass sich sein Zustand verschlechtert hat. Wir wollen es in den Original-Zustand zurückführen«, erzählt Kirchenältester Kai Schmidt.

Vor dem 150. Geburtstag des Instruments im Jahr 2014 wurde ein Förderverein ins Leben gerufen. Vor zwei Jahren widmete sich ein Kolloquium der Orgel. Der Bund will die Sanierung mit mehr als 76 000 Euro unterstützen.

Constanze Matthes

Termine
30. August, 15 Uhr: Führung in Weißenfels (Treff: Grünanlage am Ratssaal); 19 Uhr: Orgelfest im Merseburger Dom mit Heribert Metzger (Salzburg), Michael Schönheit (Merseburg), Denny Wilke (Mühlhausen) und Jan Ernst (Schwerin)
31. August, 15 Uhr: Kranzniederlegung auf dem Weißenfelser Friedhof, 17 Uhr: Konzert in der Kirche Wengelsdorf mit Katharina Dargel und Michael Schönheit

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Einer von uns

27. August 2018 von redaktionguh  
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Christ und Unternehmer – geht das zusammen? Konzernchef Friedhelm Loh meint: ja. Willi Wild sprach mit dem Vizepräsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) über Milliarden, Nadelöhre, Strafzölle und Bekehrung.

Es ist Ihnen wichtig, dass Menschen mit dem Evangelium in Berührung kommen. Sie lassen beispielsweise christliche Zeitschriften an Ihre Mitarbeiter verteilen. Woher dieser missionarische Eifer?
Loh:
Ich habe als junger Mann eine Entscheidung getroffen und lebe seitdem mit meinem Glauben an Jesus Christus. Das hat mich stark geprägt.

Wie kam es dazu?
Loh:
Mir hat ein Mensch erklärt, wie es ist, wenn man mit Sünde ein ganzes Leben leben muss. Wenn man all das, was in einem Leben passiert, nicht loswerden kann. Das können Belastungen sein, die Vergangenheit, die einen immer wieder einholt, so dass man nicht die Freiheit hat, nach vorne zu schauen.

Zum anderen gehörte zu diesem Prozess natürlich auch die Perspektive auf ein ewiges Leben. Die Frage: »Was geschieht danach?«, bewegt jeden Menschen. Meine Entscheidung war und ist, mich Gott anzuvertrauen – in der Hoffnung und dem Bewusstsein auf ein ewiges Leben mit ihm.

Ist so eine Entscheidung nicht ungewöhnlich für einen jungen Menschen?
Loh:
Schulderkenntnis ist uns in die Wiege gelegt. Schon ein Kind weiß sehr genau, wann es etwas falsch gemacht hat. Wir haben ein Gewissen und das meldet sich bei Lüge oder Wahrheit.

Es geht darum, ob ich mein Gewissen totschweige oder ob ich versuche, echt und ehrlich zu sein. Jeder kann sich entscheiden, wie er damit umgeht. Das ist keine Frage des Alters.

Welche Rolle spielte dabei Ihr Elternhaus?
Loh:
Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Das sehe ich als großes Privileg an. Meine Eltern haben mir Werte vermittelt und deutlich gemacht, dass das Leben mehr ist als vordergründige Ziele. Das habe ich zunächst nicht so ernst genommen, aber dann doch erkannt, dass es Wahrheit ist.

Ist der christliche Glaube vererbbar?
Loh:
Nein! Aber wir alle orientieren uns an Vorbildern, die uns auf unserem Lebensweg beeinflussen. An erster Stelle stehen mein Elternhaus und die Vorbilder, die ich in der Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes in der Bibel kennengelernt habe. Daraus beziehe ich bis heute Hilfe für meinen Alltag.

Meine eigene Familie ist natürlich auch ein wichtiges, kritisches Korrektiv. Außerdem beeindrucken mich Menschen mit Haltung im geistlichen wie auch im säkularen Bereich.

Wer begeistert Sie im säkularen Bereich?
Loh:
Ich denke da zum Beispiel an Persönlichkeiten wie Robert Bosch oder Werner von Siemens, aber auch an junge Start-Ups, Unternehmer mit Ideen, Mut und Risikobereitschaft. Namen sind z. B. Viessmann, Miele oder Trumpf.

Als erfolgreicher Unternehmer sind Sie auch Vorbild. So spenden Sie nicht nur 10 Prozent Ihres Einkommens, sondern auch 10 Prozent Ihrer Zeit. Wie schaffen Sie das?
Loh:
Die ehrenamtliche Arbeit ist mir wichtig und ich sehe darin die Sinnhaftigkeit, die mich erfüllt. Ich sehe darin auch einen klaren Auftrag Gottes an mich. Ich habe viele Möglichkeiten, die andere nicht haben, und damit eine große Verantwortung, aber es ist mir auch eine Freude, diese Gaben und Fähigkeiten einzusetzen.

Jesus hat gesagt: Geht hinaus in alle Welt. Das ist mein missionarisches Anliegen, sowie die Übernahme von sozialer Verantwortung im eigenen Unternehmen und darüber hinaus.

Sehen Sie es auch als einen missionarischen Auftrag an, im entkirchlichten Osten Deutschlands zu investieren?
Loh:
Zunächst waren es betriebswirtschaftliche Gründe, die uns nach Gera führten. Dass sich aus diesem unternehmerischen Engagement auch ein ehrenamtliches Wirken vor Ort, beispielsweise für die Christliche Schule, entwickelt hat, ist Fügung und auch ein Bekenntnis zu diesem Standort.

Foto: Bert Bostelmann/Bildfolio

Foto: Bert Bostelmann/Bildfolio

Außerdem ist es mir ein Herzensanliegen, gerade in dieser Region dazu beizutragen, dass Menschen eine berufliche Perspektive haben, aber auch eine geistliche durch die Botschaft von Gott dem Schöpfer und Erlöser.

Haben Sie als Freikirchler Berührungsängste mit der verfassten Kirche?
Loh:
Ganz im Gegenteil. Wir haben einen gemeinsamen Auftrag. Die Interpretation geistlicher Inhalte ist an einigen Stellen zwar unterschiedlich, aber das verbindend starke Element ist Jesus Christus und die Aufgabe, den Menschen das befreiende Evangelium zu verkündigen. Da gibt es viel Luft nach oben.

Was können beide Gruppen voneinander lernen?
Loh:
Gemeinschaft unter Christen ist ein Privileg ohne Vergleich. Einmalig! Jesus Christus als der Mittelpunkt verbindet uns miteinander. Deswegen sollten wir das Verbindende mehr suchen als das Trennende.

Wie stehen Sie zum gemeinsamen Symbol der Christen, dem Kreuz, in öffentlichen Gebäuden?
Loh:
Ich freue mich grundsätzlich über jedes Kreuz. Es ist ein Zeichen, dass es Erlösung gibt. Das Kreuz weist auf Jesus hin, der den Himmel verlassen hat und auf diese Erde gekommen ist. Er ist einer von uns. Das ist die zentrale Botschaft. Das ist eine positive und hoffnungsfrohe Aussage.

Außerdem ist das Kreuz eine Erinnerung, dass es mehr gibt als das, was uns jeden Tag bewegt. Der Schöpfergott hat sich nicht abgewandt, sondern wendet sich in Jesus uns zu.

Ob diese Erinnerung nun immer in einer Behörde stattfinden muss, will ich jetzt nicht beurteilen. Ich glaube, wir können nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass es den Schöpfergott, dass es den Retter Jesus Christus und dass es die Perspektive für die Ewigkeit gibt.

Themenwechsel. Wären Sie als Stahlverarbeiter bei Rittal auch von Trumps Strafzöllen betroffen?
Loh (lacht):
Das Thema musste ja kommen. Wir Deutsche sind aufgeregte Leute. Uns fehlt die Gelassenheit. Ich empfehle zu beobachten, abzuwarten und darüber hinaus eine nüchterne Beurteilung.

Ich bin kein Fan von Herrn Trump. Er hat uns als Europäer aber gehörig aufgeweckt, sodass wir endlich zu einer eigenen Position und einem eigenen Standpunkt in Europa kommen müssen. Das kann nur gelingen, wenn wir Europäer uns verbünden, um auf Dauer politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich unabhängig und eigenständig zu sein.

Apropos Trump. Laut »Forbes«-Magazin haben Sie den US-Präsidenten in der Liste der reichsten Menschen eingeholt. Was bedeutet Ihnen diese Rangliste?
Loh:
Überhaupt nichts. Schließlich kenne ich meine finanziellen Verhältnisse besser als die Macher dieser Liste. Die Menschheit braucht so etwas offensichtlich, aber es ist sehr weit von der Wirklichkeit entfernt.

Von Jesus stammt das Gleichnis, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr kommen kann als ein Reicher ins Reich Gottes. Da haben Sie ja schlechte Karten oder?
Loh:
Also, erstmal ist das wahr. Wobei ich an dieser Stelle feststellen möchte, dass wir Deutschen im weltweiten Vergleich fast alle reich oder sehr reich sind.
Das Gleichnis gilt für uns alle, nicht nur für die Superreichen. Da steckt viel Lebensweisheit drin.

Je reicher und unabhängiger jemand wird, desto größer ist das Risiko, dass man sich von Gott abwendet und meint, man wäre Herrscher seines eigenen Lebens.
Wenn wir an gesundheitliche, physische oder finanzielle Grenzen kommen, dann erinnern wir uns schnell daran, dass es einen Gott gibt. Dass es da jemanden gibt, der sich um uns kümmert, wenn das Leben nicht mehr so einfach funktioniert.

Wohlstand und Wohlergehen kann für die geistliche Position gefährlich sein, im Sinne dieser biblischen Aussage.

Friedhelm Loh ist ein deutscher Unternehmer, Inhaber und Vorsitzender der Friedhelm Loh Group. Der 72 Jahre alte gelernte Starkstromelektriker und studierte Betriebswirt ist Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Loh steht einer Unternehmensgruppe mit rund 11 600 Mitarbeitern vor. Die Friedhelm Loh Group operiert weltweit. In Gera hat die Gruppe eine Nieder­lassung des Schaltschrank- und Gehäuseherstellers Rittal sowie ein Unternehmen im metallverarbeitenden Bereich gegründet. Friedhelm Loh ist ehrenamtlich im Vorstand des Bibellesebundes engagiert und Stiftungsratsmitglied der Stiftung Volkenroda. Zudem ist er Vorsitzender der Stiftung Christliche Medien und engagiert sich im Kuratorium der Internationalen Martin Luther Stiftung. Loh ist verheiratet mit Debora Loh. Das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter.

www.friedhelm-loh-group.de

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Transparenz für gutes Geld

26. August 2018 von redaktionguh  
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Haben Sie Ihren Bankberater gefragt, ob der Ihren Notgroschen »nachhaltig« anlegt? Nein? Sollten Sie aber tun. Auch in Ihrer Kirchengemeinde lohnt eine Nachfrage nach deren Geldanlage. Diese sollte nachhaltig und nach ethischen Kriterien geschehen – das heißt: die Zerstörung unserer zukünftigen Lebenswelt stoppen! Ausgeschlossen sind beispielsweise Geldanlagen in Rüstungsproduktion, Glücksspiel oder Unternehmen, die die Umwelt belasten oder menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bieten. Unsere Kirche betont, ihr Geld nachhaltig anzulegen. So tut es die EKM und auch die Evangelische Kirche in Deutschland.

Mein Eindruck von der Offenlegung der kirchlichen Finanzen im Internet: Angesichts der 12,29 Milliarden Euro Einnahmen aller evangelischen Kirchen ist der Medienauftritt sehr bescheiden. Warum nicht selbstbewusster begründen, was mit dem Geld der Kirchenmitglieder an Gutem bewirkt wird – weit über Pfarrgehälter, Kirchenerhaltung und Seniorenhilfe hinaus? Mir fehlt in der Darstellung der Kirchliche Entwicklungsdienst. Die Landeskirchen trugen 2017 dafür mit 54 Millionen Euro zur Überwindung weltweiter Not bei. Ist das nichts?

Unsere Kirchen sollten sich an positiven Beispielen orientieren: am evangelischen Hilfswerk »Brot für die Welt« oder auch an Oikocredit, der ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft. In deren Jahresberichten gibt es Klarheit bis zu den Gehältern ihrer Vorstände. Dabei sind unsere Kirchen und auch die evangelischen Banken mittlerweile führend in nachhaltigen Geldanlagen. Ich wünsche mir von meiner evangelischen Kirche mehr Mut zur Transparenz in Sachen Geld!

Wilfried Steen

Der Autor ist Oberkirchenrat i. R. und war Referent für Entwicklungspolitik im Kirchenamt der EKD.

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Der wahre Schatz der Kirche

25. August 2018 von redaktionguh  
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Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Matthäus 25, Vers 40

Meinen geringsten Brüdern und Schwestern« – sind hier alle Armen und Elenden dieser Welt gemeint? Oder hat Christus bei seiner Rede zum Weltgericht die Gläubigen in Not und Trübsal, seine jüdischen Brüder und Schwestern im Blick? Durch sie kann man, wenn man ihnen Gutes tut, Anteil am Heil erlangen. Welches besondere Licht würde Letzteres auf die Judenverfolgung werfen? Wie auch immer die Antwort auf diese Frage lautet, die enge Beziehung zwischen Gott und den Armen (»Es verleiht an den Ewigen, wer sich des Elenden erbarmt.« Spr 19,17) war stets gegeben und wird in Jesus Christus Fleisch und Blut.

Sabine Wegner, Pfarrerin in Hohenstein

Sabine Wegner, Pfarrerin in Hohenstein

Als Charakteristikum dieser Erzählung vom Weltgericht fällt wiederholt auf, dass die Angeredeten nicht wissen, dass sie, was sie den Geringsten getan oder nicht getan haben, Jesus getan oder nicht getan haben. Das absichtslose Tun ist denen auf der »rechten Seite« sogar anzuerkennen.

Doch nun ist die Geschichte erzählt. Dem Nichtwissen ist der Raum genommen. Wir dürfen zwar absichtslos Gutes tun, haben aber unsere Ahnungslosigkeit verloren. Es gilt zu schauen, wer neben uns im Staub sitzt und die Brotstücke, die von unseren Tafeln fallen, begehrt, hier oder im fernen Afrika, in dem unser Müll landet. Zum Reformationsjubiläum haben wir aus allen Ecken unsere Schmuckstücke und Persönlichkeiten geholt, entstaubt und poliert. Wo waren die Ideen für die Armen und die Menschen vor unseren Kaufhallen, oder für die in den
Hamsterrädern des Lebens, die Frustrierten und Entwürdigten, die Unwillkommenen, die Geringsten unter uns? Da wäre sicher mehr möglich gewesen. Der heilige Laurentius hätte uns ein gutes Beispiel sein können. Gefoltert, sollte er dem römischen Kaiser Valerian innerhalb von drei Tagen den Schatz der Kirche rausrücken. Doch Laurentius verteilte das Vermögen unter den Armen, sammelte die Elenden ein und präsentierte sie dem Kaiser als »den wahren Schatz der Kirche«.

Sabine Wegner, Pfarrerin in Hohenstein

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Das Kreuz mit dem Geld

24. August 2018 von redaktionguh  
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Reden wir über Geld: Denn ohne kann weder die Kirche als Institution noch der einzelne Christenmensch in unserer Gesellschaft überleben. Wie aber geht man christlich mit Geld um?

Widersprüchlich kommt die Bibel daher, wenn es um Geld geht. Aus dem 5. Buch Mose – kein Zins vom Freund, vom Angehörigen des eigenen Volkes nehmen – folgte das Zinsverbot. Zins von Fremden zu nehmen, war jedoch erlaubt. Und selbst Jesus verlangt, Geld zu den Wechslern zu geben, damit es Zins bringt (Lukas 19,23). Andererseits heißt es ganz klar bei Matthäus: »Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.« Also Geld oder Gott. Oder ist Geld als Werkzeug anzusehen, mit dessen Hilfe christliche Verantwortung praktisch umgesetzt wird?

Geht das überhaupt? Ist Christsein in der Finanzwelt überhaupt hilfreich? Wo geraten Akteure in Widerspruch zu christlichen Werten?

Der Vorstandsvorsitzende der Bank für Kirche und Diakonie, Ekkehard Thiesler, sagt: »Ziel unserer Kreditgenossenschaft war und ist es bis heute, die Rücklagen der evangelischen Kirche als Kredite an diakonische Unternehmen weiterzugeben. Darüber hinaus investieren wir am Geld- und Kapitalmarkt, auch hier spielen ethisch-nachhaltige Kriterien eine entscheidende Rolle.« Solche Kriterien sind beispielsweise nachzulesen im »Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlagen« der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zu den am meisten nachvollziehbaren konkreten Empfehlungen der gut 50 Seiten umfassenden Publikation gehören Ausschlusskriterien wie Rüstungsgeschäfte oder die Gewinnung von Rohstoffen aus Ölsand.

Illustration  jro-grafik – stock.adobe.com

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Doch können sich Menschen in der Finanzwelt danach richten? »Ich muss mein Gewissen nicht an der Garderobe abgeben«, sagt Ekkehard Thiesler. Und Ulrich Schmidt, Vorstand der Volksbank Magdeburg, meint, dass das Agieren in der Rechtsform der Genossenschaft die Orientierung an Werten wie Demokratie, Fairness, Hilfe zur Selbsthilfe und Solidarität ermöglicht. »Und damit sind wir den christlichen Grundwerten Glaube, Liebe im Sinn von Nächstenliebe und Hoffnung doch recht nahe.«

Schmidt, ebenso Christ wie Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder, wird mit diesem das nächste Spiegelsaalgespräch unter dem Titel »Finanzpolitik in christlicher Verantwortung – Frommer Wunsch oder echte Option?« bestreiten.

Im Unterschied zu den Bankern gibt der Politiker zu, dass die Regeln der Finanzen nicht immer mit christlichen Werten harmonieren. »Rendite und Sicherheit spielen in der Finanzwelt eine große Rolle. Ein natürliches Spannungsverhältnis, das in unserer täglichen Arbeit zu berücksichtigen ist.

Zudem sehe ich als meine Aufgabe, gleichzeitig auch die Balance zwischen ethischen, sozialen und Grundsätzen der Nachhaltigkeit zu schaffen. Ich sehe die Fehlbarkeit des menschlichen Tuns.«

Politik sei immer dem Allgemeinwohl verpflichtet, so Schröder. »Die unveräußerliche Würde des Menschen steht ebenso im Vordergrund meines Handelns wie das Gebot der Nächstenliebe mit dem Grundgedanken der Solidarität in der Gesellschaft.«

Ausdrücklich ohne religiöse Einflüsse agiert die Ethikbank im thüringischen Eisenberg. Die Motive der Gründer Klaus Euler und Sylke Schröder waren mehr humanistischer Natur. Die Zweigniederlassung der Volksbank – und damit ebenfalls genossenschaftlich organisiert – stelle den Menschen in den Mittelpunkt und biete Bankdienstleistungen für Menschen an, die selbstbestimmt und verantwortungsbewusst leben und die kritisch hinterfragen, was mit dem eigenen Geld passiert, teilt Vorstand Katrin Spindler mit. Die Anlagekriterien ähneln bemerkenswert denen der EKD.

Ob im Zweifel die Rendite oder das christliche Gewissen bei einer Entscheidung gewinnt, hängt vermutlich vom Einzelfall ab. Das Leben ist da mindestens so widersprüchlich wie die Bibel.

Renate Wähnelt

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Sommerfreude pur vor der Stadtkirche

24. August 2018 von redaktionguh  
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Aktion: Merseburger laden zu Kaffee, Kuchen und guten Gesprächen ein

Eine bunte Wimpelkette hängt zwischen den Ästen der alten Linde, die direkt vor der Merseburger Stadtkirche St. Maximi steht. Im Schatten des mächtigen Baumes sind auf dem Buckelpflaster Gartentische aufgestellt, hübsch dekoriert mit gelber Goldrute. Am Eingang des Gotteshauses laden Liegestühle zum Lümmeln ein. Ein Saxofonspieler steht auf der Kirchentreppe und entlockt seinem Instrument weiche Töne: Sommerfreude pur.

Einladend: Ehrenamtliche Helfer schmücken den Platz vor der Stadtkirche. Foto: Petra Wozny

Einladend: Ehrenamtliche Helfer schmücken den Platz vor der Stadtkirche. Foto: Petra Wozny

Das Wetter ist seit Wochen perfekt und die Zutaten stimmen. Das nahezu mediterrane Flair lockt, genau dies zu tun: Freude am Sommer zu haben, frisch gebackenen Kuchen zu essen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Die 90-jährige Gerda Walther macht das. »Ich gehe regelmäßig in die Kirche. Nur ist im Sommer hier in der St. Maximi kein Gottesdienst. Da kommt doch diese Aktion gerade richtig. Hoffentlich lassen sich viele von ihr anstecken«, meint die rüstige Rentnerin.

Anbieten, was bisher gefehlt hat

»Wir haben versucht aufzubauen, was uns und anderen in Merseburg gefehlt hat«, schildert Pfarrerin Susanne Mahlke. Zudem habe der Gedanke die Organisatoren beseelt, einen Farbtupfer zu setzen und der Stadt etwas Gutes zu tun. Gemeinsam mit Lydia Schubert, Fachreferentin für die Arbeit mit Ehrenamtlichen, wurde die Idee der »Sommerfreude zwischen Kirche und Linde« geboren. Nicht nur ein Wochenende, nein, gleich 21 Tage lang an je drei Terminen in jeder Woche luden die Organisatoren aus dem Kirchspiel zusammen mit dem Kirchenkreis dazu ein, kurzweilig das Leben zu genießen.

Für das Gute-Laune-Projekt wurden mehr als 20 ehrenamtliche Helfer, von Jugendlichen bis Senioren, gewonnen. Pro Aktionstag werden etwa drei Kuchen gebacken, aber auch Waffeln angeboten und herzhafte Snacks zubereitet. Und es wurden Unternehmer in der Region gefunden, die die »Sommerfreude« unterstützen.

Das Open-Air-Projekt mit Kaffee, kalten Erfrischungen und guten Gesprächen erlebt jetzt seine dritte und damit letzte Woche. Am 24. August ist der vorletzte Tag. Zum großen Abschlussfest mit vielen Überraschungen wird am 26. August zwischen 15 und 22 Uhr eingeladen. »Kommen Sie vorbei und sommerfreuen Sie sich mit«, lädt Lydia Schubert Merseburger und Gäste der Stadt ein. Und sie fügt hinzu: »Es ist wichtig, solche Projekte auszuprobieren. Vielleicht fragen sich dann andere im Kirchenkreis und darüber hinaus: Wäre das nicht auch etwas für uns?«

Pfarrerin Susanne Mahlke hält es nach der bisherigen guten Resonanz auf die »Sommerfreude« für denkbar, dass die Aktion auch im kommenden Jahr den Sommer verschönt. »Ich habe gesehen, dass sie den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert«, sagt sie.

Petra Wozny

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Raus ins wirkliche Leben

23. August 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

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Zehn Jahre ist sie jung und Aufbau ist Programm: Ab dem nächsten Jahr werden alle Klassenstufen an der Freien Schule Anhalt in Köthen zweizügig sein. Zurzeit lernen hier knapp 390 Kinder.

Es kommt in der Welt«, sagte schon Albert Schweitzer, »vor allem auf die Helfer an – und auf die Helfer der Helfer.« Die Freie Schule Anhalt in Köthen hat so einige Helfer. Über die Jahre immer mehr. Einige von ihnen sind im Förderverein engagiert, der die Arbeit der Schule, die am 24. August ihren zehnten Geburtstag feiert, nach Kräften unterstützt. »Wir finanzieren da, wo das Geld knapp ist«, fasst die Schatzmeisterin des 62 Mitglieder zählenden Fördervereins, Gertrud Feuerborn, zusammen. Das können bauliche Vorhaben sein, die Ausstattung von Räumen oder auch Klassenfahrten.

Heike Makk, die Leiterin der Freien Schule Anhalt, ist dankbar, sich der Unterstützung ihres Fördervereins gewiss sein zu können. Sie betont, dass man ohne dessen Arbeit nicht so schnell hätte wachsen können.

2008 wird die Schule gegründet. Eine Integrierte Gesamtschule in freier Trägerschaft. In Osternienburg, nahe der Bachstadt Köthen, fängt alles an: mit 26 Schülern und zwei Lehrern. Noch heute erinnert sich Ferenc Makk, der Geschäftsführer des Schulträgers, gern daran: »Wir sind dort mit offenen Armen empfangen worden und hatten sogar unsere eigene Schulkirche.« In Köthen hingegen habe es damals »keine Bereitschaft gegeben, unsere Bildungsinitiative zu unterstützen«, erinnert sich Heike Makk. Vergebens habe man nach geeigneten Räumen gesucht, und diese erst Jahre später und nach unzähligen Gesprächen in der früheren Augustenschule gefunden.

Geburtstag: Geschäftsführer Ferenc Makk und Schulleiterin Heike Makk vor dem Erweiterungsbau der Freien Schule Anhalt, die am 24. August ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Foto: Heiko Rebsch

Geburtstag: Geschäftsführer Ferenc Makk und Schulleiterin Heike Makk vor dem Erweiterungsbau der Freien Schule Anhalt, die am 24. August ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Foto: Heiko Rebsch

Der Verein Gemeinschaftsschule Anhalt ist Träger der Freien Schule Anhalt. Hier lernen Schüler ab der fünften Klasse, bis sie ihren Abschluss machen: einen Haupt- oder Realschulabschluss oder das Abitur nach 13 Jahren. Eine Schule zum Wohlfühlen will man sein. Eine, die bei den Kindern und Jugendlichen Selbstständigkeit und Eigenverantwortung in der Gemeinschaft fördert. Freie und offene Arbeitsmethoden charakterisieren die Bildungsarbeit der Freien Schule. Darüber entwickeln die Schüler Methoden- und Sozialkompetenz. »Der wichtigste Pfeiler unseres Konzeptes ist das christliche Profil«, verdeutlicht Schulleiterin Heike Makk. Die Schüler leben gemeinsam den christlichen Jahreskreis, sie treffen sich regelmäßig zu Andachten in den Kirchen der Stadt, zu denen die Freie Schule einen sehr engen Kontakt pflegt, sie gehen in die Gemeinden. Diejenigen, die christlichen Glaubens sind, wählten die Schule ganz gezielt. »Sie leben bewusster an und mit der Schule«, ergänzt Gertrud Feuerborn vom Förderverein.

Das pädagogische Konzept beschreibt eine »christlich orientierte Schule, die ausgehend von einem christlichen Menschenbild den Menschen an sich und seine Einmaligkeit als Geschöpf Gottes in den Mittelpunkt stellt, der sich seiner Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen bewusst ist«. Die Schule sieht sich aber auch als lebensweltorientiert. Man gehe in Projekten zum Beispiel immer wieder »raus ins wirkliche Leben«, sagt Heike Makk. Die Freie Schule Anhalt ist außerdem ganzheitlich orientiert, weil frei nach Pestalozzi »Kopf, Herz und Hand bei uns einen harmonischen Dreiklang bilden«. Mit einer »Pädagogik vom Kinde aus« (Montessori) will man die individuellen Fähigkeiten der hier Lernenden stärken. Und nicht zuletzt ist man eine Schule in der Region, in Anhalt, was man, wo immer sich die Gelegenheit bietet, auch lebt.

Mittlerweile gerät die Schule von der Kapazität her an ihre Grenzen. Derzeit wird ein Teil des Dachgeschosses der früheren Augustenschule ausgebaut, um mehr Raum zu schaffen. Ferenc Makk, der Geschäftsführer des Trägervereins, macht allerdings deutlich, dass man nicht baue, um die Kapazität der Schule zu erhöhen, sondern um dem Bedarf gerecht zu werden. 140 Anmeldungen auf 48 zu vergebende Plätze – das sagt viel. Gertrud Feuerborn weiß von Kindern, die drei Jahre lang warteten, um dann endlich von der staatlichen zur Freien Schule Anhalt wechseln zu können.

Ab dem nächsten Jahr werden alle Klassenstufen von der fünften bis zum Abitur zweizügig sein. Damit habe man anfangs nicht gerechnet, als man 2011 in die Augustenschule gezogen war, sagt Heike Makk. Deshalb baue man immer wieder. Erst den Keller, mittlerweile das Dach. Hier bestünde die Möglichkeit, in den kommenden Jahren noch mehr Räume zu schaffen. »Sofern wir das finanzieren können, immer eins nach dem anderen«, ergänzt Ferenc Makk und betont, dass der Trägerverein auch daran interessiert sein muss, die Projekte wirtschaftlich abzubilden. Immerhin trage man nicht nur eine gewisse Verantwortung für die derzeit knapp 390 Schüler, sondern auch für mehr als 50 Mitarbeiter.

Wenn sich Ferenc Makk und seine Frau etwas wünschen dürften, dann wäre es eine stärkere Wahrnehmung und auch Wertschätzung ihres Engagements bei den institutionalisierten Kirchen. Und die Gleichberechtigung gegenüber kommunalen Schulen. Hier stehe die Freie Schule Anhalt, die in den vergangenen zehn Jahren eindrucksvoll bewiesen hat, dass ihr pädagogisches Konzept eine große Zahl Anhänger findet, noch immer hinten an. Heike Makk: »Es dürfte mittlerweile bei jedem angekommen sein, dass wir eine wertvolle Arbeit leisten.« Und das will man auch in den kommenden Jahren tun. Doch erst einmal wird gefeiert: am 24. August, wenn die Freie Schule Anhalt zehn Jahre alt wird.

Sylke Hermann

24. August, 9 Uhr: Festgottesdienst in der Jakobskirche; Schulfest von 15 bis 17 Uhr

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