Wie sich die EKM entwickelt hat

13. August 2018 von redaktionguh  
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Nach dem Rückblick auf den Brief aus Halle zur Kirchenfusion (Nr. 27, S. 5) wollte Leserin Christiane Paul wissen, wie sich die Vereinigung der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Thüringen zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in den vergangenen 15 Jahren entwickelt hat. Brigitte Andrae, Präsidentin des Landeskirchenamtes der EKM, und der Leiter des Finanzdezernates, Oberkirchenrat Stefan Große, antworten.

Hat sich das Zusammenlegen von zwei Kirchen auch innerhalb der EKD ausgewirkt?
Andrae:
Der Prozess des Zusammenschlusses der Kirchenprovinz Sachsen und der Thüringer Landeskirche ist innerhalb der EKD mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden. Das hing sicher auch damit zusammen, dass eine Vereinigung von Landeskirchen ein eher seltener Vorgang ist.

Außerdem schlossen sich zwei Kirchen zusammen, die nach Gemeindegliederzahlen annähernd gleich groß waren sowie unterschiedlichen Konfessionen und damit unterschiedlichen konfessionellen Zusammenschlüssen (UEK und VELKD) angehörten. Die EKM ist die einzige Landeskirche innerhalb der EKD, die Mitglied beider konfessioneller Zusammenschlüsse ist. Innerhalb dieser, wie auch innerhalb der EKD, hat die EKM eine wichtige Stimme.

Wie zeigt sich das?
Andrae:
Ich nenne einige Beispiele: Unsere Kirchenverfassung gilt als eine der modernsten innerhalb der EKD und war Vorbild für andere Kirchenverfassungen wie die der Nordkirche 2012. Unsere Erfahrungen im praktischen Umgang mit verschiedenen Bekenntnisgrundlagen werden immer wieder nachgefragt.

Wir haben eine Vereinheitlichung wichtiger rechtlicher Regelungen innerhalb der EKD angeregt. So ging der Anstoß, ein EKD-weit einheitliches Pfarrdienstgesetz zu schaffen, von der damaligen, aus beiden Vorgängerkirchen bestehenden Föderation aus.

Die Bischofskirche: Der Magdeburger Dom ist die Predigtkirche der Landesbischöfin. Gleich daneben, der Bischofssitz und Teilbereiche des Landeskirchenamtes. Im Erfurter Collegium maius ist das Landeskirchenamt beheimatet. Foto: epd-bild

Die Bischofskirche: Der Magdeburger Dom ist die Predigtkirche der Landesbischöfin. Gleich daneben, der Bischofssitz und Teilbereiche des Landeskirchenamtes. Im Erfurter Collegium maius ist das Landeskirchenamt beheimatet. Foto: epd-bild

Zu nennen sind auch unsere innovativen Vorhaben und Projekte wie die Erprobungsräume, das Pachtvergabeverfahren, für das die EKM 2015 den 1. Preis beim Wettbewerb »BodenWertSchätzen« der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und des Rates für Nachhaltigkeit erhielt, oder das erst kürzlich preisgekrönte Projekt »Vereinheitlichung und Optimierung des Personalmanagements nach dem Zusammenschluss der evangelischen Kirchen in Mitteldeutschland«. Diese Beispiele wären ohne die mit dem Zusammenschluss gewonnenen Ressourcen so nicht möglich gewesen. Nachgefragt werden auch unsere praktischen Erfahrungen als Kirche in einem stark säkularisierten Umfeld von anderen Landeskirchen. Die Ausgestaltung und weitere Entwicklung der EKM wird daher nach wie vor mit Interesse verfolgt. Gelegentlich machen wir dabei die Erfahrung, dass unsere Stimme, wie die anderer östlicher Landeskirchen auch, nicht ausreichend gehört wird. Es bleibt also eine wichtige Aufgabe, auf unsere spezielle kirchliche und gesellschaftliche Situation immer wieder hinzuweisen.

Brigitte Andrae. Foto: epd-bild

Brigitte Andrae. Foto: epd-bild

Konnte die vereinigte Kirche stärker ausstrahlen?
Andrae:
Das gerade Gesagte möchte ich mit dem Hinweis ergänzen, dass die EKM ein wichtiger Player im Dialog mit staatlichen Stellen auf Landes- und kommunaler Ebene und mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft ist. Auch dafür einige Beispiele:

So nehmen Landesbischöfin Ilse Junkermann und andere Leitungsverantwortliche auf allen Ebenen unserer Landeskirche regelmäßig zu wichtigen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens Stellung. Die EKM, ihre Kirchenkreise und Gemeinden öffnen mit ihren Veranstaltungen Räume für den öffentlichen Diskurs. Das gilt beispielsweise auch für das Landeskirchenamt in Erfurt, das seit 2011 zusammen mit zwei Kooperationspartnern zu der Reihe »Collegium maius Abende« einlädt. Und mit der Übernahme der Trägerschaft für die Opferberatung »ezra« (für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt) 2012 hat die EKM ein wichtiges Signal gesetzt.

Wurden die Hoffnungen auf Einsparungen erfüllt? Oder wurden diese durch Mehrausgaben an anderer Stelle nicht erreicht?
Große:
Der Zusammenschluss der beiden ehemaligen Teilkirchen zur EKM hatte einen wichtigen Kernprozess: die Strukturanpassung im übergemeindlichen Bereich. Ziel war es, die Explosion der Ausgaben oberhalb der Gemeinden zu vermeiden, Einsparungen nachzuweisen, Doppelstrukturen zu überprüfen sowie innovative Ansätze und eine qualitätsvolle Arbeit im Landeskirchenamt sowie den unselbstständigen Werken und Einrichtungen zu ermöglichen.

Stefan Große. Foto: EKM

Stefan Große. Foto: EKM

Mit Beschluss der Landessynode vom 10. November 2010 wurde dieser flächendeckende Prozess abgeschlossen. Die Ziele wurden erreicht. Die Kostendisziplin im Landeskirchenamt und den unselbstständigen Werken und Einrichtungen wurde befördert. Das gilt insbesondere für den anschließenden Prozess der Organisationsentwicklung im Landeskirchenamt.

Welche Veränderungen gibt es?
Große:
Mit dem Haushalt 2014 haben wir Finanzbudgets eingeführt, die sich an der Organisationsstruktur des Landeskirchenamtes orientieren. Damit steht den Dezernaten und der Landesbischöfin für ihre Bereiche ein Gesamtbetrag (Budget) zur Verfügung, mit dem alle anfallenden Ausgaben zu decken sind. Damit wird die Eigenverantwortung der Dezernate gestärkt, sie werden zu einer sparsamen Haushaltsführung motiviert und die laufende Bewirtschaftung wird durch die Deckungsfähigkeit der Personal- und Sachkosten auf der Ebene des jeweiligen Budgets erleichtert.

Was bedeuten die Veränderungen für die Kirchenkreise und -gemeinden?
Große:
Mit der Neufassung des Finanzgesetzes konnten wir eine bessere Umsetzung der Vorgaben aus der Verfassung erreichen. Es gewährleistet den solidarischen, sparsamen, wirtschaftlichen und transparenten Einsatz aller kirchlichen Mittel und setzt auf das eigenverantwortliche Handeln der Kirchenkreise und Kirchengemeinden gemäß der jeweils eigenen spezifischen Situation.

Besonders hervorzuheben ist, dass verbindlich geregelt ist, dass der Löwenanteil der kirchlichen Mittel zur Finanzierung der Aufgaben der Kirchengemeinden und Kirchenkreise einzusetzen ist. Das passiert in den jährlichen Haushaltsplänen, mit denen in den vergangenen Jahren stets der Nachweis geführt wurde, dass diese Regelung mit durchschnittlich 77 Prozent der Plansumme strikt eingehalten wird. Ganz besonders erwähnenswert ist auch, dass die EKM im Finanzgesetz die Finanzierung des Verkündigungsdienstes der Kirchengemeinden und Kirchenkreise in den Mittelpunkt rückt. Veränderungen dort bedeuten automatisch die gleichen Veränderungen im Bereich der Landeskirche. Das ist auch der Grund dafür, dass im Etat 2019 die Kürzungen im Verkündigungsdienst im gleichen Verhältnis den landeskirchlichen Anteil an der Plansumme betreffen.

Ich betone: Ohne die Kirchenfusion wären derartige Regelungen zugunsten der Kirchengemeinden und Kirchenkreise nicht gelungen, ganz abgesehen davon, dass die jeweilige Teilkirche für sich drastischer hätte einsparen müssen und die Qualität ihrer Werke und Dienste wie auch der landeskirchlichen Verwaltung nicht hätte halten oder gar ausbauen können.

Benötigt die EKM weiterhin drei Leitungsebenen, wo doch die Gemeinden zum Fusionieren aufgefordert werden, um Personal zu sparen? Käme die Landeskirche nicht mit Bischof oder Bischöfin und Superintendenten aus?
Andrae:
Was ist das für ein merkwürdiges Kirchenbild? Als Juristin verweise ich auf unsere Kirchenverfassung. Die Grundbestimmungen heben hervor, dass die EKM in den vielfältigen Formen von Gemeinden und Diensten lebt und die verschiedenen Rechtsformen (Ebenen) als Zeugnis- und Dienstgemeinschaft eine innere und äußere Einheit bilden. Innerhalb dieser Einheit nehmen die verschiedenen Ebenen ihre jeweiligen Aufgaben eigenverantwortlich wahr.

Oder ist gemeint, dass es keine Regionalbischöfinnen und Regionalbischöfe mehr in der EKM geben soll? Dem würde ich widersprechen. Das regionalbischöfliche Amt hat eine wichtige Scharnierfunktion zwischen der landeskirchlichen Ebene und den Kirchenkreisen und Gemeinden. Regionalbischöfinnen und Regionalbischöfe haben Anteil an der geistlichen Leitung der EKM, sie begleiten die Mitarbeitenden in ihrem Dienst, repräsentieren Kirche auch gegenüber staatlichen Stellen und der Gesellschaft.

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Nur »katholischer Sauerteig«?

13. August 2018 von redaktionguh  
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Anhaltgeschichte(n): Vor 400 Jahren differenzierten sich im Christentum alternative Konzepte von Heiligkeit heraus. Anhalt ging einen Weg, der radikal mit der Tradition brach.

Schon im Winter 1521/22, während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg, war sie zu Wittenberg erprobt worden, diese neue Art, Gottesdienst zu feiern: Andreas Karlstadt hatte mit dem Stadtrat eine »evangelische Messe« eingeführt. Erstmals war der Laienkelch gereicht worden; neben dem Verzicht auf einige andere Elemente hatten aber folgende Veränderungen besondere Aufmerksamkeit erweckt: Der Liturg war in ein Laiengewand gekleidet, er sprach den Einsetzungsbericht deutsch und zur Gemeinde gewandt, er verzichtete bei der Wandlung auf das Kreuzzeichnen sowie das Erheben, und die Kommunikanten nahmen Kelch und Hostie selbst in die Hand. Letzteres hatte zu unterschiedlichen Reaktionen geführt, die vor allem eines zeigten: Den Dingen eignete eine Aura, die anzog, aber auch Angst machte.

Religion hat es mit dem Paradox zu tun, das Jenseits im Diesseits zu verorten. Ihre Vorstellungen werden durch Texte, Rituale, Symbole und Dinge in der Welt anschaulich. So werden sie Teil sozialer Wirklichkeit und Glaubensgegenstand; so kommen sie aber auch mit dem profanen Leben in Berührung und müssen sich dessen Normen gegenüber behaupten. Die Konfessionen entwickelten hier unterschiedliche Strategien.

Widerstand: In der Stiftskirche in Hecklingen sollten die romanischen  Engelsreliefs im Zuge der zweiten Reformation entfernt werden. Die Bewohner wehrten sich erfolgreich dagegen. Foto: Jürgen Meusel

Widerstand: In der Stiftskirche in Hecklingen sollten die romanischen Engelsreliefs im Zuge der zweiten Reformation entfernt werden. Die Bewohner wehrten sich erfolgreich dagegen. Foto: Jürgen Meusel

Die Reformation, die sich im Reich seit den 1520er-Jahren durchsetzte, hatte zwar einerseits mit der Werkfrömmigkeit gebrochen und entsprechend viele alte Andachtsformen abgeschafft. Doch sie war auch dadurch geprägt, dass sie in der Messe vieles beibehielt. Luther hatte nämlich nach seiner Rückkehr die oben genannten Reformen allesamt zurücknehmen lassen. Sie waren aus seiner Sicht einem »fleischlichen Missverstehen« entsprungen, das nicht zur Abwertung der Dinge, sondern ihrer Überbewertung führe, indem man so sehr auf sie fokussierte. Und Luther blieb von einer leiblichen Realpräsenz Christi im Abendmahl überzeugt, die durch den Einsetzungsbericht bewirkt wurde und an die Elemente gebunden war.

Und so blieb die Liturgie der Evangelischen noch durch etwas geprägt, das seit dem Konzil von Trient zu dem Kennzeichen des Katholizismus werden sollte: Das Göttliche sollte durch Rituale, die dem Profanen besonders enthoben waren, präsent gemacht werden. Die heilswirkende Kraft der Messliturgie beruhte auf der durch den Liturgen objektivierten Präsenz Gottes in den eucharistischen Gaben. Und so setzten zum Beispiel die katholischen Reformer im Münsterland seit den 1590er-Jahren eine intensive Reform in Gang, der es gerade auf den äußerlich korrekten Vollzug des Kults und die Heiligung der Zeit wie der Orte (Kirche und Kirchhof) ankam. Die Sphäre des Göttlichen konstituierte sich hier durch Performanz und Präsenz.

In die, wenn man so will, entgegengesetzte Richtung liefen zur gleichen Zeit die Reformen in den anhaltischen Fürstentümern. Sie setzten auf Repräsentation und Innerlichkeit. Die Gegenwart Gottes wurde symbolisch verstanden: Der Gottessohn wurde im Abendmahl allein geistig gegenwärtig, und für die Aneignung der im Einsetzungsbericht verheißenen Gnade war die innere Haltung der Teilnehmer die wichtigste Bedingung. Alles, was noch den »katholischen Sauerteig« in sich trug, was also noch den Eindruck erwecken konnte, dass man Gott durch einen feierlichen Ritus quasi verobjektivieren könne, wurde seit 1596 entfernt – vom Hochaltar im Raum über die Messgewänder bis hin zur Hostie in der Kommunion.

Wie schon 1521 ging es um Entheiligung der alten Ordnung, und wieder war das Berühren der Dinge der neuralgische Punkt. Dem Einsetzungsbericht folgend wurde nun Brot gebrochen und den Kommunikanten gereicht. Aber noch immer hätten sich diese, so verlautete es, »vor [=für] vnrein, vnheilig, vnwerdig geachtet, das geheiligte brod mit ihren henden anzurühren«. Aus Sicht der Lutheraner würde so nämlich »das Sacrament … in Verachtung kom[m]en«. Ein Bürger in Jeßnitz nahm im Sommer 1600 am neuen Abendmahl teil, aber das »calvinische Brot« dann heimlich nach Hause in seine Küche, »um es dort … zu verspeisen«. Am profanen Ort zeigte sich, dass dieses Stück Brot, dieses Ding nicht mehr über jene Aura verfügte, die bis dato die Hostie ausgezeichnet hatte.

Wie andere »reformierte« Reichsstände scheiterten die Anhaltiner mit dem Versuch, ihr Territorium zu »reformieren«. Zu stark war der Widerstand. Zu radikal war wohl auch ihr Ansatz. Aber die Idee, Gott dort zu verorten, wo Menschen das Wort hören, die Zeichen sehen und darum glauben, diese Idee hat doch bestimmt etwas für sich.

Jan Brademann

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Beten, Bauhaus, Krankenpflege

12. August 2018 von redaktionguh  
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Fernsehtipp: Der MDR stellt am 14. August das Diakonissenmutterhaus in Elbingerode vor


Ihre bewegte Geschichte reicht bis ins Jahr 1899 zurück: Ganz im Trend der damaligen Zeit gründete Pfarrer Blazejewski ein »Gemeinschafts-Schwesternhaus« im ostpreußischen Borken bei Bartenstein. Schon ein Jahr später zog die Lebensgemeinschaft nach Vandsburg in Westpreußen um. Als dieser Ort nach dem ersten Weltkrieg an den neugegründeten polnischen Nationalstaat fiel, zogen 300 der damals 450 Diakonissen westwärts auf der Suche nach einem neuen Ort für ihre Gemeinschaft. Über Stationen in Berlin und im sächsischen Rathen gelangten sie nach Elbingerode im Harz und gründeten dort in einem ehemaligen Kurhotel das Diakonissenmutterhaus »Neuvandburg«.

Theologisch konservativ, architektonisch modern: Die Diakonissen entschieden sich Anfang der 1930er-Jahre gerade nicht für die besonders von nationalistischen Kräften propagierte »Heimatschutzarchitektur«, sondern für einen modernen Zweckbau – ganz im Geiste des vom Bauhaus geprägten »Neuen Bauens«. Foto: MDR/Philipp Bauer

Theologisch konservativ, architektonisch modern: Die Diakonissen entschieden sich Anfang der 1930er-Jahre gerade nicht für die besonders von nationalistischen Kräften propagierte »Heimatschutzarchitektur«, sondern für einen modernen Zweckbau – ganz im Geiste des vom Bauhaus geprägten »Neuen Bauens«. Foto: MDR/Philipp Bauer

Das Domizil wurde bald zu klein, und so traf die Gemeinschaft eine wichtige Entscheidung: Ein Neubau sollte entstehen. Das besondere: Sie entschieden sich Anfang der 1930er-Jahre für einen modernen Zweckbau im Geiste des Bauhauses, das damals von nationalistischen Kräften heftig bekämpft, aus Weimar nach Dessau vertrieben und später gänzlich verboten wurde. Entstanden ist ein bis heute mustergültig funktionierendes Architektur­ensemble mit Wohn- und Gemeinschaftsräumen sowie, als Clou, einem Schwimmbad unter dem Kirchensaal.

Der spannenden Geschichte der Elbingeröder Schwesternschaft mit ihrem diakonischen Engagement in dem angeschlossenen Krankenhaus geht am Dienstag, 14. August, das MDR-Fernsehen nach. Unter dem Motto »Der Osten – Entdecke, wo du lebst« gibt es einen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart des Diakonissenhauses und die Besonderheiten der Lebensgemeinschaft »evangelischer Nonnen«. Auch nach der Zukunft fragt der Film – haben die derzeit 150 hier lebenden Diakonissen doch einen Altersdurchschnitt von 78 Jahren erreicht. Nachwuchs ist nicht in Sicht. Dennoch ist der heutige Leiter, Pastor Reinhard Holmer, zuversichtlich, dass Elbingerode auch in Zukunft ein Ort der Nächstenliebe und Hilfe für Menschen bleibt. (G+H)

Der Osten – Entdecke wo du lebst, MDR Fernsehen, 14. August, 20.45 Uhr

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Lust am Gestalten

12. August 2018 von redaktionguh  
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Zeit zum Innehalten und Reflektieren sollte sein, auch im hektischen Schulleben. Pia Kampelmann, Leiterin der Evangelischen Sekundarschule in Haldensleben, fand sie im Gespräch mit Renate Wähnelt.

Was hat Sie nach Haldensleben verschlagen?
Kampelmann:
Die Neugierde. 1991 wollte ich die neuen Bundesländer kennenlernen und übernachtete zufällig in Stendal. Dort las ich in der Zeitung, dass eine Jugendamtsleitung gesucht wurde, bewarb mich und wurde prompt genommen.

Ich finde es immer spannend, etwas Neues zu machen. Nach einem zweijährigen Intermezzo als Jugendamtsleiterin bei Hamburg übernahm ich gut zehn Jahre später ein Gymnasium in Brandenburg, aber die Fahrerei wurde auf die Dauer doch zu viel, sodass ich mich nach etwas Anderem umgesehen habe. Die Johannes-Schulstiftung hatte diese Stelle ausgeschrieben und wir wurden uns vor acht Jahren schnell einig.

Kurz vor den Ferien machte Ihre Schule Schlagzeilen, weil sie beste »Energiesparschule 2018« in Sachsen-Anhalt wurde und beim bundesweiten Online-Voting den 3. Platz belegte. Wie war es bei der Preisverleihung im Bundesumweltministerium?
Kampelmann:
Es war, insbesondere für unsere Schüler, schon sehr beeindruckend. Auch war schön zu sehen, wie so viele junge Leute aus 16 Bundesländern für ihr Engagement belohnt wurden.

Seit drei Schuljahren haben Sie eine Schule mit Passivhaus-Standard. Fördermittel machten den Umbau möglich. Da ist es leicht, Energiesparmeister zu werden.
Kampelmann:
Die beste Technik bringt nichts, wenn die Nutzer nicht richtig damit umgehen. Deshalb haben wir Workshops veranstaltet, Vorträge organisiert, auch die Eltern einbezogen. Mit der Landes-Energie-Agentur haben wir schon vor der Fertigstellung des Schulgebäudes Energiedetektive ausgebildet. Aber das wäre als singuläres Projekt zu wenig. So fließt das Thema überall in den Unterricht ein unter der großen Überschrift »Die Schöpfung bewahren«. Klingt doch auch viel schöner als »Energie sparen«. Es sind ganz viele kleine Bausteine im Alltag. Bisher haben wir 350 Tonnen Kohlendioxid weniger erzeugt als im gleichen Zeitraum vor der Sanierung und 90 Prozent der vorherigen Energie weniger verbraucht.

Da ziehen alle mit?
Kampelmann:
Das ist mit unseren Schülern wirklich gut möglich, da sie sich oft, besonders bei praktischen Dingen, viel interessierter zeigen als ihre Altersgenossen. Wir haben eine Schulgemeinschaft, in der es Freude macht zu arbeiten – manchmal sogar Spaß.

Natürlich gibt es auch schwierige Schüler und Situationen. Aber, und das ist etwas, was viele christliche Schulen auszeichnet: Wir sehen vor allem den Menschen, nicht was er an Leistung bringt. Das sage ich auch immer bei der Zeugnisausgabe: Die Noten sind nur ein ganz kleiner Teil von Euch.

Sie bieten u. a. Reha-Sport an. Ist die Schule inklusiv?
Kampelmann:
Was heißt inklusiv eigentlich? Ich glaube schon, dass wir hier noch vieles besser machen können, jedoch schon auf einem guten Weg sind. Aber manchmal denke ich, dass das Land die letzten Schritte eigentlich nur eingeleitet hat, um perspektivisch Geld zu sparen.

Wir haben ein Mädchen im Rollstuhl und weitere Kinder mit Einschränkungen, Adipositas ist in dieser bewegungsarmen Zeit auch nicht zu unterschätzen – nicht nur bei uns. In einem Trainingsraum üben wir mit diesen Kindern gezielt, parallel zum Sportunterricht, an dem sie nicht teilnehmen können: Laufband, Dehnübungen.

Es fehlt noch einiges an Geräten. Für die Anschaffung nutzen wir das Geld vom Landes-Energiesparmeister.

Die Schule entstand aus einer Elterninitiative. Wie wird sie angenommen?
Kampelmann:
Wir haben weit mehr Anfragen als Plätze. Aber wir wollen bewusst zweizügig bleiben mit höchstens 25 Kindern in einer Klasse. So ist das Gebäude angelegt. Die Schule ist überschaubar. Ich kenne noch jeden, auch wenn ich nicht alle Namen weiß.

Welche Kontakte haben Sie ins Umfeld und umgekehrt?
Kampelmann:
Da geht es uns so gut! Mit dem Kirchenkreis organisieren wir vieles gemeinsam: die Segensfeier für die 8. Klassen, den Bandworkshop mit der evangelischen Jugend, auch tagen die Synode und der Konvent manchmal bei uns, der Ortspfarrer ist Mitglied in der Arbeitsgruppe Tansania und fährt im kommenden Jahr mit den Schülern aus unserer Tansania-AG mit nach Afrika zu unserer Partnerschule Itamba High. Die Schule nutzt die Kirche für Gottesdienste, wir helfen einander; das ist eng verwoben und verzahnt.

Die meisten Eltern sind sehr zufrieden mit uns, auch wenn sich immer mal jemand beschwert, weil sein Kind eine Vier hat – wo er doch Schulgeld bezahlt. Eltern schätzen die christlichen Werte, auch wenn sie kirchenfern sind.Und die Zusammenarbeit mit den anderen Schulen und der Stadt genieße ich sehr.

Gelingt es, die Eltern einzubinden?
Kampelmann:
Vor ein paar Jahren sagte eine Mutter, dass ihr Kind ja nun Englisch lernt und sie das nicht kann. Seitdem gibt es einen Englischkurs für Eltern, inzwischen auch Spanisch mit einem jährlichen Ausflug nach England bzw. Spanien. Diese Kurse geben mir dann natürlich auch die Möglichkeit, ganz anders mit Eltern in Kontakt zu kommen und mich mit ihnen auszutauschen.

Manche Eltern haben Sorge, dass wir ihr Kind missionieren. Nein, wir bieten Brücken an. Ob die Menschen darüber gehen, müssen sie selbst entscheiden. Aus dieser Erfahrung heraus wollen wir im nächsten Jahr einen Religionskurs für Eltern anbieten. Über die Inhalte müssen wir noch diskutieren.

Auf der Homepage Ihrer Schule reiht sich Projekt an Projekt, Unterricht ist ja auch noch. Hat Ihr Tag und der der Schule mehr als 24 Stunden?
Kampelmann:
Es sind ja nicht immer Dinge und Projekte, die ich selbst mache; viele Ideen wie zum Beispiel die Ausbildung von Schülern zu Rettungsschwimmern oder der Etikette-und Benimmkurs sind Ideen aus dem Kollegium. Die Arbeit verteilt sich Gott sei Dank auf ganz viele Schultern und Gruppen, aber bestimmt finden mich meine Kollegen und Schüler manchmal ganz schön anstrengend, wenn ich wieder einmal eine neue Idee habe. Sie bremsen mich dann auch, und ich glaube, das ist auch gut so.

Am besten gelingen Vorhaben, wenn es innerhalb eines Handlungsrahmens die Freiheit gibt, selbstständig zu handeln. Und dabei Fehler machen zu dürfen – das ist ganz wichtig. Wenn was schief gelaufen ist, guckt man gemeinsam, wie man die Sache korrigiert. Das hat etwas mit Ehrlichkeit und Vertrauen zu tun. Ich bin dankbar, dass wir uns da innerhalb der Stiftung sehr frei bewegen können.

Bei aller Freiheit sind Sie auch für klare Ansagen. Darauf reagieren junge Leute meist störrisch.
Kampelmann:
Natürlich, auch das gehört zur Entwicklung der Persönlichkeit unbedingt dazu! Pädagogik bedeutet für mich auf jeden Fall stets, einerseits Grenzen zu setzen, andererseits den Kindern und Jugendlichen zu vertrauen und ihnen auch viel zuzutrauen. Auch deshalb können sie vieles selbst entscheiden.

Wir haben jede Woche unsere Schulversammlung mit ca. 300 Leuten. Lehrer, Klassensprecher, die Leitenden der Arbeitsgemeinschaften – das sind sowohl Lehrer als auch Schüler – und auch Gäste berichten dort, was Gutes und Schlechtes passiert ist. So wissen alle, was los ist und bestimmen mit.

Zum Beispiel?
Kampelmann:
Nach wiederholten Beschwerden über Schubsereien am Bäckerwagen schlug ich vor, eine Kamera zu installieren. Darüber haben dann die Klassen diskutiert und entschieden: Keine Kamera.

Diese Schulversammlung fordern die Kinder und Jugendlichen inzwischen auch ganz selbstverständlich ein. Und Ehemalige erzählten mir, dass ihnen das manchmal fehlt, vor allem das Segenslied zum Abschluss.

Was machen Sie nach Feierabend?
Kampelmann (schmunzelt):
Die Schule ist schon irgendwie gleichzeitig mein Hobby; aber es bleibt noch ein wenig Zeit für ein interessantes Fußballspiel, ein wenig Gartenarbeit und, viel zu selten, einen Besuch im Theater.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
Kampelmann:
Der Schulhof ist noch sehr langweilig. Ich hoffe, dass wir für die Gestaltung Fördermittel bekommen. Ich wünsche mir, dass das Miteinander so bleibt, dass Schüler und Lehrer und alle anderen Mitarbeitenden gern zur Schule kommen, dass Eltern weiter zur Beratung zu uns kommen, wenn sie Sorgen haben. Die Pubertät ist nicht immer einfach, das weiß ich aus eigener Erfahrung bei meinen Kindern.

Da dreht sich’s wieder um die Schule. Machen Sie denn Urlaub?
Kampelmann:
Wir fuhren dieses Jahr an die Nordsee. Die Kinder sind ja schon groß, kamen aber mit. Nach den zwei Wochen fühle ich mich 20 Jahre jünger als am Ende des Schuljahres.

Pia Kampelmann (58) stammt aus Dortmund und ist immer noch Anhängerin des BVB und des Ruhrgebiets. Seit 27 Jahren lebt die dreifache Mutter mit Partnerin in Stendal. Die Lehrerin für Deutsch und Englisch hat einen Abschluss in Erziehungswissenschaften sowie psychotherapeutische Kenntnisse. Vor ihrem Wechsel ins Jugendamt nach Stendal arbeitete sie als Erziehungsleiterin in einem Heim. Sie trägt ein kleines, silbernes Kreuz am Hals und ist katholisch.

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Der Blasierte war hochmütig, die Jungens waren demütig

11. August 2018 von redaktionguh  
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Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

1. Petrus 5, Vers 5

Der ältere Herr, Blouson in rentnerbeige, gut behütet mit dunkelbraunem Cord, ist sichtlich bewegt. Oder aufgeregt. Schließlich spricht er in die Kamera des Lokalsenders. »Die Jungens gehör’n tüchtig belohnt. Für jeden ein’n Eisbecher. Mindestens. Aber die kennt ja keiner, die Jungens. Verschwunden sind se.« Er unterstreicht seine Verwunderung mit einer ausladenden Geste seiner Hand, in der er seinen Stock trägt.

Stefan Körner, Pfarrer in Gera

Stefan Körner, Pfarrer in Gera

Die Kamera wackelt, der Praktikant hat kurz Sorge, der Stock träfe ihn. Der Interviewer fragt, woher die Spendierlaune käme. Und der ältere Herr erzählt. Wie er am Bahnhof stand und von ferne sah, wie ein noch älterer Herr kollabierte. Herz und Hitze, Hitze und Herz. Er wollte helfen, sei aber nicht mehr so gut zu Fuß. »Sie verstehen?« Aber da standen plötzlich »die Jungens«. Zwischen »elf« und »fuffzehn«, wie er in die Kamera sagt. Und machen alles ganz schnell – Herzdruckmassage, Notarzt rufen, Notarzt lotsen. »Respekt«, sagt der ältere Herr. »Wo man doch immer nur Schlechtes von der Jugend hört.«

Auf dem Bahnsteig neben dem Wiederbelebungsknäuel stand noch ein jüngerer Mann. »Sah blasiert aus, der Bursche.« Der Kamerapraktikant weiß nicht recht, was blasiert ist, aber er kennt die Geschichte aus der Zeitung. Da hatte sich der Blasierte als Lebensretter hingestellt. Mit Bild, Pomp und Pomade. Das hatte der ältere Herr gelesen und wollte das nun richtigstellen: Der blasierte Bursche habe denen, die Hilfe leisteten, nur sein Handy geliehen. Mehr nicht. »Ne Sauerei ist das«, sagt er in die Kamera. »Sich mit fremden Lorbeeren schmücken.« Und während der eine sich schmückte, machten sich die Jungs aus dem Staub. Der Kollabierte war auf dem Weg ins Krankenhaus, da verschwanden die Jungs einfach. »Denen gehört das Lob. Und ein Eisbecher.« Das müsse die Stadt wissen, sagt der ältere Herr im Blouson. Er setzt nach: »Der Blasierte, der war hochmütig. Die Jungens aber, die waren richtig demütig.« Und der Kamerapraktikant wundert sich über die alten Worte. Aber was der Herr meint, das weiß er schon.

Stefan Körner, Pfarrer in Gera

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Echtes Glück als Schulfach

10. August 2018 von redaktionguh  
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Auf dem Stundenplan an öffentlichen Schulen in der indischen Region Delhi steht ab sofort das Fach Glück. Der Dalai Lama stellte jüngst den Lehrplan vor. Rund eine Million Kinder erforschen fortan täglich 45 Minuten lang das Glück. Das Ziel: eine bessere Welt mit glücklichen, wissenden und gutherzigen Menschen zu schaffen.

In Deutschland hat der ehemalige Berufsschulleiter Ernst Fritz-Schubert das Fach vor elf Jahren in Heidelberg eingeführt. Es gehe darum, so Fritz-Schubert, Verantwortung für sich zu übernehmen, zu lernen, Ziele zu erreichen trotz Hindernissen – und um Harmonie mit sich und in Beziehungen.

Nicht wenige betrachteten den Pädagogen als Spinner. Inzwischen bildet er an seinem Institut Glückslehrer aus – und 100 Schulen in sechs Bundesländern profitieren davon, in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und in Berlin.

Psychologen, Ärzte und Theaterpädagogen stellen die Übungen zusammen. Es geht um Fragen wie: »Wer bin ich?«, »Wo sind meine Stärken?«, »Was treibt mich an?« Nicht das schlechteste Mittel, wenn die Zahl der Menschen zunimmt, die an Depressionen oder Überforderung leiden.

In einer Welt, in der Menschen ihren Selbstwert über Social-Media-Apps definieren. In der Happiness auf Plattformen wie Instagram zur Religion erhoben wird. Wetter, Laune, Beziehungen – alles perfekt in Szene gesetzt. Ein Fach, das den Nachwuchs befähigt zu hinterfragen, was oberflächliche Happiness von echtem Glück unterscheidet, ist so wichtig wie Mathe, Deutsch und Sport.

Andrea Seeger

Die Autorin ist Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung für Hessen und Rheinland-Pfalz.

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Herz und Hand von St. Salvator

10. August 2018 von redaktionguh  
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Stadtroda: Kirchenältester Antonio Navarra engagiert sich während Vakanzzeit

Die Gemeinde von St. Salvator in Stadtroda stand im vorigen Jahr vor einer enormen Herausforderung: Im Mai verließ Pfarrer Tobias Steinke die Kirchengemeinde, im Juni wurde Pfarrer Ingolf Rothe in den Ruhestand verabschiedet. Schon im März hatte Pascal Salzmann die Kantorei der Regionalgemeinde Artern-Wiehe übernommen, nachdem feststand, dass die Kantorenstelle nicht wieder besetzt würde. Und die Frage: Wie sollte so Gemeindeleben noch möglich sein?

Gottesdienste, Konzerte, Kirchen-Kaffee: Dank Antonio Navarra war all das auch während der Vakanz möglich. Foto: Elke Rode

Gottesdienste, Konzerte, Kirchen-Kaffee: Dank Antonio Navarra war all das auch während der Vakanz möglich. Foto: Elke Rode

Es war möglich, denn es gab einen, der die Fäden während der über einjährigen Vakanzzeit in der Hand hielt: Antonio Navarra. Mit ihm hatte ein Ehrenamtlicher die Verantwortung für die Gemeinde übernommen und es vollbracht, die Gemeinschaft mit seiner engagierten Arbeit aufrecht zu erhalten. Auch ohne Pfarrer und Kantor fanden jeden Sonntag Gottesdienste statt, es gab Konzerte, Andachten und Kirchenkaffee-Nachmittage. Weil Antonio Navarra die Kirchenmusik sehr am Herzen liegt, stand er den Musikern des Posaunen-, Gospel- und Kirchenchors mit Rat und Tat zur Seite, so bei der Suche nach einem neuen Chorleiter.

Im November 2017 wurde Antonio Navarra mit der Geschäftsführung der Kirchengemeinde betraut, nachdem die Vakanzvertretung die Region verlassen hatte. Engagiert und aufgeschlossen übernahm der Ehrenamtliche nicht nur diese Aufgabe. Als im Sommer 2017 der Traktor der Kirchengemeinde vom Friedhof gestohlen wurde, dem Kinderchor das Aus drohte und die Wohnung für den neuen Pfarrer grundlegend renoviert werden musste, suchte Antonio Navarra nach Wegen und Möglichkeiten – und fand sie. Seine Kraft schöpft der Kirchenälteste aus seinen Erlebnissen auf verschiedenen Pilgerwegen in den vergangenen Jahren. Seither, sagt er, sei es ihm ein tiefes Anliegen, sein Wirken uneigennützig in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Dankbar sei er besonders für das gute Miteinander unter den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates und anderen Ehrenamtlichen.

Nun heißt es für den Kirchenältesten loslassen. Anfang August übernimmt Pfarrer Benjamin Neubert die Pfarrstelle in Stadtroda und damit die Geschäftsführung. Antonio Navarra möchte als Vorsitzender des Gemeindekirchenrates den neuen Pfarrer bei seinem Amtsantritt und darüber hinaus begleiten.

Elke Rode

Einführungsgottesdienst Pfarrer Benjamin Neubert: 12. August, 14 Uhr, St. Salvator, Stadtroda

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Kirche macht Schule

10. August 2018 von redaktionguh  
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Finnland liegt in Mitteldeutschland – betrachtet man die pädagogische Arbeit und die Evangelischen Schulen in Mitteldeutschland.

Es gibt die Orte, an denen Kirche wächst. Sichtbar ist das im Besonderen bei der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland und der Evangelischen Johannes-Schulstiftung. Zahlen machen das ganz nüchtern deutlich. 5 300 Schülerinnen und Schüler lernen im neuen Schuljahr an den Einrichtungen der Evangelischen Schulstiftung, 1 250 sind es bei der Evangelischen Johannes Schulstiftung.

»Wir wachsen weiter und das passiert vor allem durch neue Klassen«, erklärt Marco Eberl, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Schulstiftung. »Wir haben einige Schulen, die noch größer werden, so zum Beispiel die 2014 gegründete Grundschule in Halle oder auch die Gemeinschaftsschule in Erfurt.« Vor dem quantitativen Wachstum ist Eberl aber vor allem die Qualität der evangelischen Schulen wichtig. In den Einrichtungen der Schulstiftungen in Sachsen-Anhalt und Thüringen setzt man auf eine gute Lernatmosphäre, christliche Werteerziehung, gut ausgebildete Lehrer und eine hochwertige Ausstattung. »Wir wollen zuallererst gute Schule machen«, betont Eberl.

In Vergleichsarbeiten mit staatlichen Schulen auch in anderen Bundesländern schneiden die evangelischen Schulen sehr gut ab. Auch die Ergebnisse bei der PISA-Erhebung, die beispielsweise am evangelischen Gymnasium in Jena gemessen wurden, waren überdurchschnittlich. Die Schule erreichte damals ähnliche Werte wie die, die im Bildungsmusterland Finnland erreicht wurden.

Der Lehrer Deutschlands: Philipp Melanchthon (eigentlich Philipp Schwartzerdt) kam vor 500 Jahren, am 25. August 1518, um 10 Uhr in Wittenberg an. Heute verkörpert Michael Schicketanz bei seinen Stadtführungen in der Lutherstadt den leidenschaftlichen Professor. Mehr dazu auf Seite 13. Foto: Thomas Klitzsch

Der Lehrer Deutschlands: Philipp Melanchthon (eigentlich Philipp Schwartzerdt) kam vor 500 Jahren, am 25. August 1518, um 10 Uhr in Wittenberg an. Heute verkörpert Michael Schicketanz bei seinen Stadtführungen in der Lutherstadt den leidenschaftlichen Professor. Mehr dazu auf Seite 13. Foto: Thomas Klitzsch

Möglich wird das aber nur durch gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte. Dafür ist eine ausgeprägte Personalakquise nötig. Die Personalgewinnung sieht Michael Bartsch, Vorstand der Evangelischen Schulstiftung und der Evangelischen Johannes Schulstiftung, darum als die große Herausforderung im neuen Schuljahr und darüber hinaus. »Die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen locken mit Verbeamtung, darum wird die Personalgewinnung für uns nicht einfacher«, erklärt Bartsch. Deshalb müsse man in Sachen Personal am Ball bleiben und Anreize schaffen.

Im vergangenen Schuljahr ging die Evangelische Schulstiftung mit der Kampagne »Mein Montagsgefühl« an die Öffentlichkeit. Darin beschrieben Lehrer ihren Arbeitsalltag, die Lehr- und Lernatmosphäre, um junge Pädagogen für die Arbeit dort zu begeistern. Kampagnen wie diese, aber auch der Kontakt zu Universitäten und damit zu Lehramtsanwärtern soll laut Marco Eberl weiter ausgebaut werden.

Für das neue Schuljahr haben sich in Sachsen-Anhalt durch das geänderte Schulgesetz die finanziellen Rahmenbedingungen für die Sekundarstufen verbessert. »Bei den Grundschulen ist das leider nicht der Fall«, erklärt Bartsch. Dennoch geht er mit Freude und Dankbarkeit in das neue Schuljahr.

»Am 1. August haben wir die Trägerschaft für die Evangelische Grundschule in Wittenberg und die Evangelische Grundschule in Holzdorf übernommen. Das ist eine große Freude. Vor allem auch, weil wir mit Holzdorf gegen den Trend arbeiten und zeigen können, dass auch eine kleine Schule mit nur 52 Schülern Potential hat und erfolgreich arbeiten kann.« An dieser inklusiven Schule lernen nicht nur Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam. Hier erlernt jeder das Geige- und Cellospielen. Auch die Eltern machen dabei mit.

Bei der Evangelischen Sekundarschule Magdeburg freut sich Bartsch, dass hier die Theaterpädagogik in diesem Schuljahr weiter ausgebaut werden kann und Schauspieler gewonnen werden konnten, die die Schüler unterrichten. In Magdeburg stehen auch bauliche Veränderungen an. So werden Schüler und Lehrer zum Halbjahr ein Übergangsquartier in Magdeburg-Buckau beziehen, während die Bauarbeiten am derzeitigen Gebäude beginnen.

Große Investitionen stehen bei der Evangelischen Schulstiftung ebenfalls an. Sie will mit Fördermitteln von Kirche und Ländern, laut Eberl, an die 20 Millionen Euro investieren und damit beispielsweise den Schulstandort Gotha ausbauen sowie die Grundschule in Hettstedt sanieren. Auch am Gymnasium in Meiningen soll noch einmal gebaut werden. Und natürlich soll es an der Grundschule in Halle weitergehen.

Diana Steinbauer

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Das Leben ist wundervoll

6. August 2018 von redaktionguh  
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Sie gibt die Lutherin, ist verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik im Lutherhaus und man trifft sie als Stadtführerin unter anderem in Weimar, Erfurt und Eisenach: Alexandra Husemeyer. Was sie geprägt hat und bewegt, darüber sprach sie mit Sabine Kuschel.

Frau Husemeyer, Sie arbeiten für die Stiftung Lutherhaus Eisenach und verschiedene andere Projekte, sind Stadtführerin, Künstlerin, Vorsitzende des Kunstvereins, vielseitig interessiert und engagiert. Besteht nicht die Gefahr, sich zu verlieren?
Husemeyer:
Die Gefahr besteht natürlich immer. Es ist manchmal schwer, die Balance zu finden. Ich gebe sehr gerne und merke relativ spät, dass ich selbst zu kurz komme. Dann muss ich die Notbremse ziehen und Stopp sagen, um drei Tage mal allein zu sein. Bei mir laufen immer mehrere Projekte gleichzeitig. Ich liebe das aber auch so. Ich arbeite gerne schnell und auf vielen Baustellen gleichzeitig.

Wie und wo kommen Sie wieder zur Ruhe?
Husemeyer:
Ich kann am besten entspannen, wenn ich reise. Im Sommer nehme ich mir immer drei Wochen Zeit und bin dann weg. Allerdings mache ich unterwegs jeden zweiten Tag eine Stunde Büro. Als Freiberufler muss ich E-Mails checken, Anfragen beantworten. Aber ich genieße das trotzdem. Alle wissen, ich bin im Urlaub, aber ich sitze im Café und schaue aufs Meer. Ich beschränke das Arbeiten auf eine Stunde. Dann bin ich wieder frei. Das ist sogar schön. Man denkt, was für ein Luxus, ich kann jetzt hier arbeiten am Meer.

Alexandra Husemeyer in ihrem Eisenacher Zuhause. Fotos: Sabine Kuschel

Alexandra Husemeyer in ihrem Eisenacher Zuhause. Fotos: Sabine Kuschel

Wohin werden Sie diesmal im Urlaub verreisen?
Husemeyer:
Ich bin ein Campertyp, liebe die Freiheit, unterwegs zu sein und schlafe im umgebauten Berlingo. Dadurch habe ich nur zwei Sitze, aber ich brauche die Fläche sowieso für Auftrittskostüme, Instrumente, Bücher usw. Ich reise gerne gemächlich, besuche eine Freundin in Freiburg, einen Freund in Zürich. Der Weg soll dann weiter durch Ligurien nach Genua führen. Ich entdecke gerne abseits der großen Straßen Kultur und Geschichten einer Region. Wo es schön ist, halte ich an. Wenn ich Lust habe oder wenn das Geld zur Neige geht, fahre ich wieder nach Hause.

Und wenn Sie zurück sind, welche Pläne und Ideen wollen Sie verwirklichen?
Husemeyer:
Im Lutherhaus steht die Vorbereitung auf die neue Sonderausstellung und das ACHAVA-Festwochenende September 2019 auf dem Plan. Privat habe ich viele Träume und wenig Zeit. Ich möchte so viel lernen: ein Instrument, Französisch, Paragliding. Ich möchte lernen, meine Zeit noch besser zu strukturieren. Im Kalender streiche ich einfach Tage durch. Am Telefon muss ich dann sagen, ich bin ausgebucht. Sonst gibt es nie ein freies Wochenende mit Familie und Freunden.

So viele Aufgaben – wofür brennen Sie?
Husemeyer:
Ohne Unterschied für alles. Für eine Sache zu brennen, das ist für mich die Form des Arbeitens. Wenn Menschen halbherzig irgendetwas hinschludern, regt mich dies persönlich auf.

Sie sind Paramentikerin. Wie sind Sie denn zu den anderen Jobs gekommen?
Husemeyer:
Nach dem Abitur in Hermannswerder habe ich Mitte der 1990er-Jahre Ausbildungen zur Handstickerin und Handweberin in Helmstedt gemacht und zwei Gesellenprüfungen abgelegt.

Die Paramentik-Ausbildung sowie der Kirchliche Fernunterricht liefen parallel. Als bester Azubi Niedersachsens habe ich meine Auszeichnung von Gerhard Schröder bekommen, der damals noch Ministerpräsident war. Damit war ein Stipendium von 10 000 DM verbunden, mit dem ich die Meisterschule als Handweberin finanzierte. Zehn Jahre habe ich als Paramentikerin freiberuflich gearbeitet und Aufträge für München, Berlin oder Bremen gewebt.

Nach und nach musste ich einsehen, dass ich davon nicht leben kann. Wenn ich der Kirchengemeinde einen Preis von 3 000 Euro für ein Parament nannte, schlugen sie die Hände über dem Kopf zusammen. Das war dann trotzdem nur ein Stundenlohn von 5 bis 8 Euro. Ich habe jahrelang in keine Rentenversicherung eingezahlt, war teilweise nicht krankenversichert, weil ich es einfach nicht konnte.

Ich kehrte in meine Heimatstadt Eisenach zurück und wurde Stadtführerin, weil ich mich für Geschichte und Kunstgeschichte interessiere. Als die Stelle für Museumspädagogik im Lutherhaus ausgeschrieben war, habe ich mich beworben. Zudem habe ich mich fortgebildet, pädagogische Seminare sowie Rhetorikkurse belegt. Seit zehn Jahren arbeite ich nun schon halbtags im Lutherhaus. Eine ganz spannende Zeit mit Umbau, neuer Ausstellung, neuen pädagogischen Konzepten, die ich aktiv und kreativ begleiten durfte.

Paramentik ist eine sehr stille Tätigkeit, ganz anders als das, was Sie jetzt tun …
Husemeyer:
Man ändert sich im Leben. Die Paramentik hat nicht mehr richtig zu mir gepasst. Ich lebe jetzt das ganze Gegenteil, sehr extrovertiert als Künstlerin und Moderatorin.

Wie haben Sie zum Glauben gefunden?
Husemeyer:
In der Christenlehre. Meine Katechetin war Ilse Weißenborn, eine Katechetin alten Schlages. Unverheiratet und streng. Immer mit dunkelblauem Faltenrock und Lutherrose an der weißen Stehkragenbluse. Ich habe diese Frau geliebt. Weil sie genau das Gegenteil von dem verkörperte, was ich zuhause erlebte: Alkoholsucht und Ablehnung des Stiefvaters. Bei ihr war alles klar strukturiert und zuverlässig. Sie war sehr autoritär, aber hat mir zugehört wie kaum jemand.

Die Christenlehre gab Ihnen im Gegensatz zu ihrem Elternhaus Halt?
Husemeyer:
Ja, absolut. Ich habe die Bibel ganz durchgelesen. Die alttestamentarischen Geschichten, beispielsweise die Josefsgeschichte kann natürlich ein Kind verstehen, das sich ausgestoßen fühlt. Dazu haben wir Bilder mit West-Filzstiften gemalt – damals etwas ganz Besonderes.

Die Katechetin hat pädagogisch sehr gut gearbeitet. Noch heute habe ich ihre Sätze im Ohr. Als sie über die Taufe sprach, wollte ich auch getauft werden. Damals war ich neun Jahre alt. Meine Eltern lehnten dies ab. Meine Mutter war Kirchenmitglied, aber lebte das nicht mehr. Mein Stiefvater war Parteisekretär in der SED.

Ich habe lange gedrängelt. Irgendwann hat meine Mutter eingewilligt. Weil ich aber keine Paten hatte, hat sich die Katechetin darum gekümmert.

Obwohl Sie Ihre Kindheit als belastend beschreiben, sind Sie ein fröhlicher Mensch …
Husemeyer:
Da habe ich Glück. Ich empfinde die Gabe immer wieder nach vorne schauen zu können als Gottes Geschenk und bin dafür dankbar. Ich habe sehr viel Kraft, weiß aber, sie ist ein Geschenk.

Sie spielen Katharina von Bora. Wie stehen Sie zu Luthers Frau?
Husemeyer:
Voller Respekt. Mein Bild von ihr beruht auf historischen Quellen. Von ihr sind nur wenige Briefe erhalten, viele jedoch ihres berühmten Ehemannes. Sie muss sehr selbstbewusst und couragiert gewesen sein.

Als der Schmalkaldische Krieg ausbrach, sie verwitwet war und keinen Rechtsbeistand hatte, wandte sie sich an das ranghöchste Oberhaupt der evangelischen Fürsten in Europa und schrieb dem dänischen König. Sie war gebildet und konnte sicher mit Luther ebenbürtig disputieren. Bei den berühmten Tischgesprächen durfte sie als einzige Frau anwesend sein.

Von Christine Brückner gibt es einen Text über Katharina, den ich nicht mag. Denn diese Katharina rechnet hart mit Luther ab. Ein solches Bild lässt sich meiner Meinung nach nicht belegen. Katharina von Bora war eine starke und fröhliche Frau. Sie war ein Arbeitstier und hat teilweise nur vier Stunden geschlafen, um das Pensum zu schaffen. Nach den Briefen Luthers an sie zu urteilen, haben sich die beiden oft geneckt. Das muss neben allen alltäglichen Sorgen sehr fröhlich gewesen sein. So vermittle ich sie.

Was liegt Ihnen bei Ihrer Arbeit am Herzen?
Husemeyer:
Heute bin ich glücklich. Weil ich auch andere Zeiten erlebte, versuche ich mit meiner Arbeit etwas Fröhliches und Mutmachendes nach außen zu tragen.
Ich würde gern anderen Menschen helfen, ihren Platz, ihren Sinn im Leben zu finden. Ich möchte Menschen ermutigen, ihren eigenen Ideen zu folgen. Ich sehe meine Arbeit auch als Baustein der Versöhnung zwischen Religionen und Kulturen. Ich teile gern mit anderen, weil ich im Leben auch so viel geschenkt bekam.

Früher war ich unsicher und suchte immer den Sinn meines Daseins. Jetzt ist das Leben so wundervoll! Das ist schön.

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Auf eine Brause mit Gott

6. August 2018 von redaktionguh  
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Wohnwagen-Treff: Pfarrerin Jeannette Lorenz-Büttner und Gemeindepädagogin Ivonne Fritschek aus Magdala finden, dass sich Jugendliche selbst ihre Räume schaffen sollten, um über den Glauben und den ganz gewöhnlichen Teenager-Alltag zu sprechen.

Als ihre Tochter im Jahr 2010 schwer erkrankte, habe sie gemerkt, was Gemeinde ausmache, sagt Ivonne Fritschek: »Ich habe mich in dieser Zeit sehr getragen gefühlt«, betont sie. Seit Mai ist sie als Gemeindepädagogin beim Kirchenkreis Jena für die Kirchengemeindeverbände Magdala mit 14 Dörfern sowie Großschwabhausen mit sieben Dörfern tätig.

Fritschek, die seit Ende der neun­ziger Jahre durch vielfältige Projekte mit Magdala verbunden ist, wohnt seit 2010 auch im Ort. Zuvor hatte sie in München, Jena und Aalen gelebt. Ivonne Fritschek ist mit Eltern aus der Region gut vernetzt: Durch ehrenamtliche und freiberufliche Tätigkeiten, wie die Leitung des Spatzenchors, die Mitarbeit im Gemeindekirchenrat sowie das Gestalten von Eltern-Seminaren im Kindergarten und von Pekip-Kursen, bei denen Eltern und Kinder im ersten Lebensjahr begleitet werden.

»Dass wir Ivonne hier als Gemeindepädagogin haben, ist etwas ganz Besonderes. Zum einen ist sie der Gemeinde bekannt und muss sich nicht erst profilieren. Zum anderen ist sie Christin und Sozialpädagogin. Sie weiß genau, was Familien in der heutigen Zeit brauchen. Beispielsweise gibt es viele Alleinerziehende«, sagt Pfarrerin Jeannette Lorenz-Büttner, die den lebenspraktischen und realitätsnahen Ansatz der Gemeindepädagogin sehr schätzt.

Lebensnah und unkonventionell: Gemeinsam mit den Jugendlichen ihrer Gemeinde wollen Jeannette Lorenz-Büttner (l.) und Ivonne Fritschek einen ausrangierten Wohnwagen zum Treffpunkt umbauen. Foto: Constanze Alt

Lebensnah und unkonventionell: Gemeinsam mit den Jugendlichen ihrer Gemeinde wollen Jeannette Lorenz-Büttner (l.) und Ivonne Fritschek einen ausrangierten Wohnwagen zum Treffpunkt umbauen. Foto: Constanze Alt

Durch ihre gute Vernetzung, gerade mit Familien, weiß Ivonne Fritschek auch, wo genau welcher Bedarf besteht. Anstatt ins Blaue hinein Angebote zu machen, bei denen keiner richtig anbeißen will, kann sie so gezielt Veranstaltungen konzipieren, die gewollt werden. So organisiert sie, abwechselnd in Magdala, Bucha und Großkröbitz, Kinderkirche und Teeniekirche. Ebenfalls wechselnd in diesen drei Dörfern findet freitags ein Generationenfrühstück statt.

Zum Selbstverständnis von Pfarrerin und Gemeindepädagogin gehört es, auch auf Menschen zuzugehen, die mit Kirche bisher noch nichts zu tun hatten. Die Idee ist es, mit einem gemütlichen Frühstück alle Generationen an einem gedeckten Tisch zu vereinen. Beim Essen besteht in zwangloser Atmosphäre die Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Für kleine Kinder wird eine Spielecke eingerichtet.

Einige ältere Menschen, so die Erfahrung der Pfarrerin und der Gemeindepädagogin, fühlen sich von Veranstaltungen, die – im Wortsinn – »für Senioren« konzipiert sind, nicht unbedingt angesprochen. Sie stehen noch mitten im Leben und fühlen sich nicht alt. »Bei einem Generationenfrühstück hingegen werden Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Lebensansätze zusammengebracht«, sagt Ivonne Fritschek.

Ausdrücklich auf junge Christen zugeschnitten sind etwa die Theatergruppe, die in jedem Sommer stattfindende Zeltwoche im Pfarrgarten oder gemeinsame Fahrten, beispielsweise zum evangelischen Jugendfestival in Volkenroda. Der Wohnwagen im Pfarrgarten ist ein weiteres Projekt. In dem ausrangierten Wohnanhänger, der ein Geschenk aus dem Umfeld der Gemeinde ist, soll ein Rückzugsort für junge Gemeindemitglieder entstehen.

»Gerade in dieser mobilen Welt sollten Jugendliche eigene Orte für sich selbst haben«, sagt Ivonne Fritschek. Gemeinsam mit den Jugendlichen soll der Wohnwagen ausgebaut und gestaltet – und somit zu einem Treff- und Anlaufpunkt werden. »Ich habe immer gedacht, die Jugendlichen brauchen einen eigenen Raum außerhalb der Gemeinderäume«, sagt Jeannette Lorenz-Büttner. Die jungen Christen sollen sich ihren Ort selbst aktiv gestalten. »Was sie selbst gemacht haben, wissen sie besser zu schätzen«, ergänzt die Gemeindepädagogin.

Constanze Alt

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