Ein Choral ist immer dabei

5. August 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Der Glockenspieler von Halle: Maik Gruchenberg ließ sich zum Carilloneur ausbilden

Mehr als 500 Jahre ist der Rote Turm in Halle alt. Er gehört zu den Wahrzeichen der Saalestadt. Hinter den dicken Mauern befindet sich in 30 Metern Höhe das größte Carillon Europas. Es hat 76 Glocken und ein Gesamtgewicht von fast 55 000 Kilogramm. Seit den Händelfestspielen 1999 wird es hin und wieder manuell bespielt, teils namhafte Carilloneure wurden dazu eingeladen.

Seit Kurzem erklingt es jeden Sonnabend um 15 Uhr. Möglich wurde das, weil der Förderverein des Roten Turms ein Ausbildungsprogramm für Carilloneure auf den Weg gebracht hat. Sechs Interessenten ließen sich von Diplom-Carillioneur Wilhelm Ritter ausbilden.

Der Rote Turm auf dem halleschen Marktplatz beherbergt in 30 Metern Höhe das größte Carillon Europas. Es hat 76 Glocken und ein Gesamtgewicht von fast 55 000 Kilogramm. Das jeden Sonnabend um 15 Uhr erklingende 15-minütige Konzert ist Anziehungspunkt für oft Hunderte von Zuhörern. Foto: Stadt Halle (Saale)/Thomas Ziegler

Der Rote Turm auf dem halleschen Marktplatz beherbergt in 30 Metern Höhe das größte Carillon Europas. Es hat 76 Glocken und ein Gesamtgewicht von fast 55 000 Kilogramm. Das jeden Sonnabend um 15 Uhr erklingende 15-minütige Konzert ist Anziehungspunkt für oft Hunderte von Zuhörern. Foto: Stadt Halle (Saale)/Thomas Ziegler

Unter ihnen sind auch Marktkantor Irénée Peyrot und Maik Gruchenberg. Letzterer hat auch eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, die er in Halle Anfang der 1990er-Jahre absolvierte. Er schloss noch ein Gesangsstudium an und ist seit 1999 Mitglied im Chor der Oper Halle. Zudem leitet er den Thüringer Männerchor »Ars Musica« in Suhl. Der Kirchenmusik ist er aber immer treu geblieben, ehrenamtlich. Er spielt fast jeden Sonntag zum Gottesdienst Orgel in einer Kirche im Kirchenkreis Halle-Saalkreis und leitet seit 2007 die Hallesche Kantorei, mit der er wöchentlich probt und meist drei große Konzerte im Jahr gibt. Auf das Vorhaben, in Halle eigene Carilloneure auszubilden, wurde Gruchenberg vor einem Jahr durch einen Zeitungsartikel aufmerksam. »Ich habe dann gleich Irénée Peyrot angerufen und ihn danach gefragt«, blickt Maik Gruchenberg zurück. Der Marktkirchenkantor verwies ihn an den Vorsitzenden des Fördervereins des Roten Turms, Gotthard Voß. Und schon bald ging es los: Mit fünf anderen Bewerbern begann er im Herbst eine Ausbildung zum Glockenspieler. »Es ist eine total interessante Erfahrung. Ich habe nicht gedacht, wie schwer das Glockenspiel oben auf dem Turm zu spielen ist, wie unterschiedlich die Glocken angeschlagen werden müssen«, erzählt Gruchenberg.

Maik Gruchenberg am Instrument: Hier übt er die Technik und die Stücke für seine Konzerte ein. Foto: Claudia Crodel

Maik Gruchenberg am Instrument: Hier übt er die Technik und die Stücke für seine Konzerte ein. Foto: Claudia Crodel

Das Übungsinstrument dagegen sei leicht spielbar. Dort übt er die Technik und die Stücke. »Auf dem großen Glockenspiel kann man vor dem Auftritt alles nur einmal durchspielen, man kann ja die Leute auf dem Marktplatz nicht nerven«, sagt Gruchenberg und lacht.

Für ihn ist das Glockenspiel auch deswegen faszinierend, weil Glockenklang eine Signalwirkung hat, sei es zum Läuten für den Gottesdienst oder zum Feueralarm. Dass die Glocken aber zum Instrument werden, ist eher ungewöhnlich.

Der 46-jährige Hobby-Carilloneur, der verheiratet ist und drei Kinder hat, wird vier bis fünf Mal bis zum Oktober das wöchentliche kleine Carillon-Konzert bestreiten. »Ich für mich habe mir vorgenommen, auf alle Fälle immer auch einen Choral, eine kirchliche Melodie im Programm zu haben«, erklärt er. Auch ein Konzertstück und ein Volkslied sind fester Bestandteil seiner Auftritte. Die wöchentlichen Konzerte werden bis einschließlich 27. Oktober erklingen.

Claudia Crodel

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