Auf eine Brause mit Gott

6. August 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Wohnwagen-Treff: Pfarrerin Jeannette Lorenz-Büttner und Gemeindepädagogin Ivonne Fritschek aus Magdala finden, dass sich Jugendliche selbst ihre Räume schaffen sollten, um über den Glauben und den ganz gewöhnlichen Teenager-Alltag zu sprechen.

Als ihre Tochter im Jahr 2010 schwer erkrankte, habe sie gemerkt, was Gemeinde ausmache, sagt Ivonne Fritschek: »Ich habe mich in dieser Zeit sehr getragen gefühlt«, betont sie. Seit Mai ist sie als Gemeindepädagogin beim Kirchenkreis Jena für die Kirchengemeindeverbände Magdala mit 14 Dörfern sowie Großschwabhausen mit sieben Dörfern tätig.

Fritschek, die seit Ende der neun­ziger Jahre durch vielfältige Projekte mit Magdala verbunden ist, wohnt seit 2010 auch im Ort. Zuvor hatte sie in München, Jena und Aalen gelebt. Ivonne Fritschek ist mit Eltern aus der Region gut vernetzt: Durch ehrenamtliche und freiberufliche Tätigkeiten, wie die Leitung des Spatzenchors, die Mitarbeit im Gemeindekirchenrat sowie das Gestalten von Eltern-Seminaren im Kindergarten und von Pekip-Kursen, bei denen Eltern und Kinder im ersten Lebensjahr begleitet werden.

»Dass wir Ivonne hier als Gemeindepädagogin haben, ist etwas ganz Besonderes. Zum einen ist sie der Gemeinde bekannt und muss sich nicht erst profilieren. Zum anderen ist sie Christin und Sozialpädagogin. Sie weiß genau, was Familien in der heutigen Zeit brauchen. Beispielsweise gibt es viele Alleinerziehende«, sagt Pfarrerin Jeannette Lorenz-Büttner, die den lebenspraktischen und realitätsnahen Ansatz der Gemeindepädagogin sehr schätzt.

Lebensnah und unkonventionell: Gemeinsam mit den Jugendlichen ihrer Gemeinde wollen Jeannette Lorenz-Büttner (l.) und Ivonne Fritschek einen ausrangierten Wohnwagen zum Treffpunkt umbauen. Foto: Constanze Alt

Lebensnah und unkonventionell: Gemeinsam mit den Jugendlichen ihrer Gemeinde wollen Jeannette Lorenz-Büttner (l.) und Ivonne Fritschek einen ausrangierten Wohnwagen zum Treffpunkt umbauen. Foto: Constanze Alt

Durch ihre gute Vernetzung, gerade mit Familien, weiß Ivonne Fritschek auch, wo genau welcher Bedarf besteht. Anstatt ins Blaue hinein Angebote zu machen, bei denen keiner richtig anbeißen will, kann sie so gezielt Veranstaltungen konzipieren, die gewollt werden. So organisiert sie, abwechselnd in Magdala, Bucha und Großkröbitz, Kinderkirche und Teeniekirche. Ebenfalls wechselnd in diesen drei Dörfern findet freitags ein Generationenfrühstück statt.

Zum Selbstverständnis von Pfarrerin und Gemeindepädagogin gehört es, auch auf Menschen zuzugehen, die mit Kirche bisher noch nichts zu tun hatten. Die Idee ist es, mit einem gemütlichen Frühstück alle Generationen an einem gedeckten Tisch zu vereinen. Beim Essen besteht in zwangloser Atmosphäre die Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Für kleine Kinder wird eine Spielecke eingerichtet.

Einige ältere Menschen, so die Erfahrung der Pfarrerin und der Gemeindepädagogin, fühlen sich von Veranstaltungen, die – im Wortsinn – »für Senioren« konzipiert sind, nicht unbedingt angesprochen. Sie stehen noch mitten im Leben und fühlen sich nicht alt. »Bei einem Generationenfrühstück hingegen werden Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Lebensansätze zusammengebracht«, sagt Ivonne Fritschek.

Ausdrücklich auf junge Christen zugeschnitten sind etwa die Theatergruppe, die in jedem Sommer stattfindende Zeltwoche im Pfarrgarten oder gemeinsame Fahrten, beispielsweise zum evangelischen Jugendfestival in Volkenroda. Der Wohnwagen im Pfarrgarten ist ein weiteres Projekt. In dem ausrangierten Wohnanhänger, der ein Geschenk aus dem Umfeld der Gemeinde ist, soll ein Rückzugsort für junge Gemeindemitglieder entstehen.

»Gerade in dieser mobilen Welt sollten Jugendliche eigene Orte für sich selbst haben«, sagt Ivonne Fritschek. Gemeinsam mit den Jugendlichen soll der Wohnwagen ausgebaut und gestaltet – und somit zu einem Treff- und Anlaufpunkt werden. »Ich habe immer gedacht, die Jugendlichen brauchen einen eigenen Raum außerhalb der Gemeinderäume«, sagt Jeannette Lorenz-Büttner. Die jungen Christen sollen sich ihren Ort selbst aktiv gestalten. »Was sie selbst gemacht haben, wissen sie besser zu schätzen«, ergänzt die Gemeindepädagogin.

Constanze Alt

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