Beten, Bauhaus, Krankenpflege

12. August 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Fernsehtipp: Der MDR stellt am 14. August das Diakonissenmutterhaus in Elbingerode vor


Ihre bewegte Geschichte reicht bis ins Jahr 1899 zurück: Ganz im Trend der damaligen Zeit gründete Pfarrer Blazejewski ein »Gemeinschafts-Schwesternhaus« im ostpreußischen Borken bei Bartenstein. Schon ein Jahr später zog die Lebensgemeinschaft nach Vandsburg in Westpreußen um. Als dieser Ort nach dem ersten Weltkrieg an den neugegründeten polnischen Nationalstaat fiel, zogen 300 der damals 450 Diakonissen westwärts auf der Suche nach einem neuen Ort für ihre Gemeinschaft. Über Stationen in Berlin und im sächsischen Rathen gelangten sie nach Elbingerode im Harz und gründeten dort in einem ehemaligen Kurhotel das Diakonissenmutterhaus »Neuvandburg«.

Theologisch konservativ, architektonisch modern: Die Diakonissen entschieden sich Anfang der 1930er-Jahre gerade nicht für die besonders von nationalistischen Kräften propagierte »Heimatschutzarchitektur«, sondern für einen modernen Zweckbau – ganz im Geiste des vom Bauhaus geprägten »Neuen Bauens«. Foto: MDR/Philipp Bauer

Theologisch konservativ, architektonisch modern: Die Diakonissen entschieden sich Anfang der 1930er-Jahre gerade nicht für die besonders von nationalistischen Kräften propagierte »Heimatschutzarchitektur«, sondern für einen modernen Zweckbau – ganz im Geiste des vom Bauhaus geprägten »Neuen Bauens«. Foto: MDR/Philipp Bauer

Das Domizil wurde bald zu klein, und so traf die Gemeinschaft eine wichtige Entscheidung: Ein Neubau sollte entstehen. Das besondere: Sie entschieden sich Anfang der 1930er-Jahre für einen modernen Zweckbau im Geiste des Bauhauses, das damals von nationalistischen Kräften heftig bekämpft, aus Weimar nach Dessau vertrieben und später gänzlich verboten wurde. Entstanden ist ein bis heute mustergültig funktionierendes Architektur­ensemble mit Wohn- und Gemeinschaftsräumen sowie, als Clou, einem Schwimmbad unter dem Kirchensaal.

Der spannenden Geschichte der Elbingeröder Schwesternschaft mit ihrem diakonischen Engagement in dem angeschlossenen Krankenhaus geht am Dienstag, 14. August, das MDR-Fernsehen nach. Unter dem Motto »Der Osten – Entdecke, wo du lebst« gibt es einen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart des Diakonissenhauses und die Besonderheiten der Lebensgemeinschaft »evangelischer Nonnen«. Auch nach der Zukunft fragt der Film – haben die derzeit 150 hier lebenden Diakonissen doch einen Altersdurchschnitt von 78 Jahren erreicht. Nachwuchs ist nicht in Sicht. Dennoch ist der heutige Leiter, Pastor Reinhard Holmer, zuversichtlich, dass Elbingerode auch in Zukunft ein Ort der Nächstenliebe und Hilfe für Menschen bleibt. (G+H)

Der Osten – Entdecke wo du lebst, MDR Fernsehen, 14. August, 20.45 Uhr

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