Ältester Maulbeerbaum Deutschlands wird gefeiert

19. August 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Vorschau: Schildaus Kirchengemeinde steckte den ganzen Ort mit ihrer Fest-Idee an


Von eigener Seide hat vielleicht der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise geträumt. Jedenfalls soll auf seine Anordnung hin anno 1518 auf dem Kirchhof des Städtchens Schildau ein Maulbeerbaum gepflanzt worden sein, damit die Seidenraupen Futter haben. So hat es Gerhard Schollmeyer in »Der Heimatbote« im Jahr 2002 geschrieben. Der Baum im Schatten der Kirche gilt als ältester Maulbeerbaum Deutschlands. Den 500. Baumgeburtstag nahm die Kirchengemeinde zum Anlass, im Ort mit der Idee eines Maulbeerbaum-Festes zu werben. Nun wird vom 24. bis zum 26. August gefeiert.

»Wir wollen uns als Kirche öffnen, sowohl das Gebäude als auch als Gemeinde in die Kommune hinein. Ich freue mich sehr, dass das so gut funktioniert«, sagt Pfarrerin Hanna Jäger. Und meint damit sowohl die eigenen Aktivitäten als auch deren Annahme im nichtkirchlichen Bereich. Die Idee fand in dem Städtchen nämlich großen Widerhall. Die Vereine gehören ebenso zu den Organisatoren des Festes wie die Stadt selbst. Seit dem vorigen Oktober trifft sich die bunt gemischte und ständig gewachsene Projektgruppe, erzählt Hanna Jäger.

500. Geburtstag: Vor einem Baum, der einem Schatten spendet, solle man sich verneigen, fand schon Martin Luther. Schildau widmet seinem Maulbeerbaum ein Fest. Foto: Matthias Schulze

500. Geburtstag: Vor einem Baum, der einem Schatten spendet, solle man sich verneigen, fand schon Martin Luther. Schildau widmet seinem Maulbeerbaum ein Fest. Foto: Matthias Schulze

Es gibt nämlich nicht nur den Baum zu feiern. Gleich neben dem Pfarrhaus an der Kirche steht die Schule, die an dem Wochenende ihr 160-jähriges Bestehen begeht. Und auf der anderen Seite des Pfarrhauses entstand in den vergangenen Monaten ein neuer Hort. »Die Bürgermeisterin Eike Petzold fragte mich, ob wir dessen Eröffnung nicht gleich mit feiern«, erinnert sich Hanna Jäger. So begehen Kirchen- und politische Gemeinde gemeinsam Höhepunkte, über die sich die ganze Stadt freuen kann.

Kirche und Kirchhof sind neben Schule und Schulhof Veranstaltungsorte für unterschiedliche Angebote. Ein eher geistliches Konzert am Freitagabend, ein Vortrag über Schildau zur Zeit des Maulbeerbaum-Pflanzens von Gerhard Schollmeyer, eine Darbietung der Torgauer Geharnischten und vieles mehr sind zu erleben. Den Abschluss des Festwochenendes bildet ein Mitbring-Picknick unter dem Maulbeerbaum, das sich an den Festgottesdienst anschließt.

Übrigens steht im Pfarrgarten ein weiterer Maulbeerbaum, ein Morus nigra, also einer mit schwarzen Früchten, im Unterschied zu dem auf dem Kirchhof. »Das ist ein weißer, ein Morus alba. Die beiden sollen als Martin und Katharina gepflanzt worden sein. Luther war hier in der Gegend, und der Lutherweg geht direkt durch unser Festgelände. Aber dass Luther etwas mit den Bäumen zu tun hat, ist wohl eher eine Mär«, erzählt die Pfarrerin. Der Festfreude der Schildauer tut das freilich keinen Abbruch.

Renate Wähnelt

www.belgernschildau.de/veranstaltungen

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