Einer von uns

27. August 2018 von redaktionguh  
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Christ und Unternehmer – geht das zusammen? Konzernchef Friedhelm Loh meint: ja. Willi Wild sprach mit dem Vizepräsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) über Milliarden, Nadelöhre, Strafzölle und Bekehrung.

Es ist Ihnen wichtig, dass Menschen mit dem Evangelium in Berührung kommen. Sie lassen beispielsweise christliche Zeitschriften an Ihre Mitarbeiter verteilen. Woher dieser missionarische Eifer?
Loh:
Ich habe als junger Mann eine Entscheidung getroffen und lebe seitdem mit meinem Glauben an Jesus Christus. Das hat mich stark geprägt.

Wie kam es dazu?
Loh:
Mir hat ein Mensch erklärt, wie es ist, wenn man mit Sünde ein ganzes Leben leben muss. Wenn man all das, was in einem Leben passiert, nicht loswerden kann. Das können Belastungen sein, die Vergangenheit, die einen immer wieder einholt, so dass man nicht die Freiheit hat, nach vorne zu schauen.

Zum anderen gehörte zu diesem Prozess natürlich auch die Perspektive auf ein ewiges Leben. Die Frage: »Was geschieht danach?«, bewegt jeden Menschen. Meine Entscheidung war und ist, mich Gott anzuvertrauen – in der Hoffnung und dem Bewusstsein auf ein ewiges Leben mit ihm.

Ist so eine Entscheidung nicht ungewöhnlich für einen jungen Menschen?
Loh:
Schulderkenntnis ist uns in die Wiege gelegt. Schon ein Kind weiß sehr genau, wann es etwas falsch gemacht hat. Wir haben ein Gewissen und das meldet sich bei Lüge oder Wahrheit.

Es geht darum, ob ich mein Gewissen totschweige oder ob ich versuche, echt und ehrlich zu sein. Jeder kann sich entscheiden, wie er damit umgeht. Das ist keine Frage des Alters.

Welche Rolle spielte dabei Ihr Elternhaus?
Loh:
Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Das sehe ich als großes Privileg an. Meine Eltern haben mir Werte vermittelt und deutlich gemacht, dass das Leben mehr ist als vordergründige Ziele. Das habe ich zunächst nicht so ernst genommen, aber dann doch erkannt, dass es Wahrheit ist.

Ist der christliche Glaube vererbbar?
Loh:
Nein! Aber wir alle orientieren uns an Vorbildern, die uns auf unserem Lebensweg beeinflussen. An erster Stelle stehen mein Elternhaus und die Vorbilder, die ich in der Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes in der Bibel kennengelernt habe. Daraus beziehe ich bis heute Hilfe für meinen Alltag.

Meine eigene Familie ist natürlich auch ein wichtiges, kritisches Korrektiv. Außerdem beeindrucken mich Menschen mit Haltung im geistlichen wie auch im säkularen Bereich.

Wer begeistert Sie im säkularen Bereich?
Loh:
Ich denke da zum Beispiel an Persönlichkeiten wie Robert Bosch oder Werner von Siemens, aber auch an junge Start-Ups, Unternehmer mit Ideen, Mut und Risikobereitschaft. Namen sind z. B. Viessmann, Miele oder Trumpf.

Als erfolgreicher Unternehmer sind Sie auch Vorbild. So spenden Sie nicht nur 10 Prozent Ihres Einkommens, sondern auch 10 Prozent Ihrer Zeit. Wie schaffen Sie das?
Loh:
Die ehrenamtliche Arbeit ist mir wichtig und ich sehe darin die Sinnhaftigkeit, die mich erfüllt. Ich sehe darin auch einen klaren Auftrag Gottes an mich. Ich habe viele Möglichkeiten, die andere nicht haben, und damit eine große Verantwortung, aber es ist mir auch eine Freude, diese Gaben und Fähigkeiten einzusetzen.

Jesus hat gesagt: Geht hinaus in alle Welt. Das ist mein missionarisches Anliegen, sowie die Übernahme von sozialer Verantwortung im eigenen Unternehmen und darüber hinaus.

Sehen Sie es auch als einen missionarischen Auftrag an, im entkirchlichten Osten Deutschlands zu investieren?
Loh:
Zunächst waren es betriebswirtschaftliche Gründe, die uns nach Gera führten. Dass sich aus diesem unternehmerischen Engagement auch ein ehrenamtliches Wirken vor Ort, beispielsweise für die Christliche Schule, entwickelt hat, ist Fügung und auch ein Bekenntnis zu diesem Standort.

Foto: Bert Bostelmann/Bildfolio

Foto: Bert Bostelmann/Bildfolio

Außerdem ist es mir ein Herzensanliegen, gerade in dieser Region dazu beizutragen, dass Menschen eine berufliche Perspektive haben, aber auch eine geistliche durch die Botschaft von Gott dem Schöpfer und Erlöser.

Haben Sie als Freikirchler Berührungsängste mit der verfassten Kirche?
Loh:
Ganz im Gegenteil. Wir haben einen gemeinsamen Auftrag. Die Interpretation geistlicher Inhalte ist an einigen Stellen zwar unterschiedlich, aber das verbindend starke Element ist Jesus Christus und die Aufgabe, den Menschen das befreiende Evangelium zu verkündigen. Da gibt es viel Luft nach oben.

Was können beide Gruppen voneinander lernen?
Loh:
Gemeinschaft unter Christen ist ein Privileg ohne Vergleich. Einmalig! Jesus Christus als der Mittelpunkt verbindet uns miteinander. Deswegen sollten wir das Verbindende mehr suchen als das Trennende.

Wie stehen Sie zum gemeinsamen Symbol der Christen, dem Kreuz, in öffentlichen Gebäuden?
Loh:
Ich freue mich grundsätzlich über jedes Kreuz. Es ist ein Zeichen, dass es Erlösung gibt. Das Kreuz weist auf Jesus hin, der den Himmel verlassen hat und auf diese Erde gekommen ist. Er ist einer von uns. Das ist die zentrale Botschaft. Das ist eine positive und hoffnungsfrohe Aussage.

Außerdem ist das Kreuz eine Erinnerung, dass es mehr gibt als das, was uns jeden Tag bewegt. Der Schöpfergott hat sich nicht abgewandt, sondern wendet sich in Jesus uns zu.

Ob diese Erinnerung nun immer in einer Behörde stattfinden muss, will ich jetzt nicht beurteilen. Ich glaube, wir können nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass es den Schöpfergott, dass es den Retter Jesus Christus und dass es die Perspektive für die Ewigkeit gibt.

Themenwechsel. Wären Sie als Stahlverarbeiter bei Rittal auch von Trumps Strafzöllen betroffen?
Loh (lacht):
Das Thema musste ja kommen. Wir Deutsche sind aufgeregte Leute. Uns fehlt die Gelassenheit. Ich empfehle zu beobachten, abzuwarten und darüber hinaus eine nüchterne Beurteilung.

Ich bin kein Fan von Herrn Trump. Er hat uns als Europäer aber gehörig aufgeweckt, sodass wir endlich zu einer eigenen Position und einem eigenen Standpunkt in Europa kommen müssen. Das kann nur gelingen, wenn wir Europäer uns verbünden, um auf Dauer politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich unabhängig und eigenständig zu sein.

Apropos Trump. Laut »Forbes«-Magazin haben Sie den US-Präsidenten in der Liste der reichsten Menschen eingeholt. Was bedeutet Ihnen diese Rangliste?
Loh:
Überhaupt nichts. Schließlich kenne ich meine finanziellen Verhältnisse besser als die Macher dieser Liste. Die Menschheit braucht so etwas offensichtlich, aber es ist sehr weit von der Wirklichkeit entfernt.

Von Jesus stammt das Gleichnis, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr kommen kann als ein Reicher ins Reich Gottes. Da haben Sie ja schlechte Karten oder?
Loh:
Also, erstmal ist das wahr. Wobei ich an dieser Stelle feststellen möchte, dass wir Deutschen im weltweiten Vergleich fast alle reich oder sehr reich sind.
Das Gleichnis gilt für uns alle, nicht nur für die Superreichen. Da steckt viel Lebensweisheit drin.

Je reicher und unabhängiger jemand wird, desto größer ist das Risiko, dass man sich von Gott abwendet und meint, man wäre Herrscher seines eigenen Lebens.
Wenn wir an gesundheitliche, physische oder finanzielle Grenzen kommen, dann erinnern wir uns schnell daran, dass es einen Gott gibt. Dass es da jemanden gibt, der sich um uns kümmert, wenn das Leben nicht mehr so einfach funktioniert.

Wohlstand und Wohlergehen kann für die geistliche Position gefährlich sein, im Sinne dieser biblischen Aussage.

Friedhelm Loh ist ein deutscher Unternehmer, Inhaber und Vorsitzender der Friedhelm Loh Group. Der 72 Jahre alte gelernte Starkstromelektriker und studierte Betriebswirt ist Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Loh steht einer Unternehmensgruppe mit rund 11 600 Mitarbeitern vor. Die Friedhelm Loh Group operiert weltweit. In Gera hat die Gruppe eine Nieder­lassung des Schaltschrank- und Gehäuseherstellers Rittal sowie ein Unternehmen im metallverarbeitenden Bereich gegründet. Friedhelm Loh ist ehrenamtlich im Vorstand des Bibellesebundes engagiert und Stiftungsratsmitglied der Stiftung Volkenroda. Zudem ist er Vorsitzender der Stiftung Christliche Medien und engagiert sich im Kuratorium der Internationalen Martin Luther Stiftung. Loh ist verheiratet mit Debora Loh. Das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter.

www.friedhelm-loh-group.de

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