Mit Fernglas am Prospekt

7. September 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Halberstadt verfolgt ein visionäres Projekt: Die Restaurierung der Domorgel und die Wiederherstellung der historischen Lichtführung.

Es ist eine außergewöhnliche Geburtstagsfeier, die am 9. September im Halberstädter Dom St. Stephanus und St. Sixtus begangen wird: Der mächtige Orgelprospekt mit seiner ehemals außergewöhnlichen Lichtführung und den einzigartigen Seitenspieltischen ist von der 1718 geweihten Domorgel erhalten geblieben. »Mit seinen reichen Verzierungen gehört er zu den größten und eindrucksvollsten Leistungen barocker Orgelarchitektur in der mittel- und norddeutschen Orgellandschaft«, betont Carmen Presch vom Halberstädter »Förderkreis Musik am Dom«.

Der mächtige barocke Orgelprospekt ist neben dem Domschatz eine weitere Halberstädter Kostbarkeit. Die Orgel soll ihren einzigartigen Lichttunnel wieder erhalten. Foto: Domschatz Halberstadt

Der mächtige barocke Orgelprospekt ist neben dem Domschatz eine weitere Halberstädter Kostbarkeit. Die Orgel soll ihren einzigartigen Lichttunnel wieder erhalten. Foto: Domschatz Halberstadt

Für sie ist Halberstadt eine Orgelstadt mit 1 000-jährigen Orgelgeschichten – von der Domorgel über die Michael-Praetorius-Orgel in St. Martini, die Jesse-Orgel in St. Moritz und das in kommende Jahrhunderte währende John-Cage-Orgel-Projekt. Halberstadt gehört »neben Aachen und Straßburg zu den am weitesten zurückreichenden Zeugnissen der Orgelbaukunst in Deutschland, ja in ganz Europa«, bescheinigt der Orgel-Experte Felix Friedrich.

Unter dem Motto »Halberstadt – Orgelstadt« startet am 9. September, 13 Uhr, ein Rundgang zur Praetorius-Orgel und zum John-Cage-Projekt. Eine Performance hinter der Dom-Orgel als Teil der Kunst-Biennale ist ein weiterer Höhepunkt.

Die Restaurierung des barocken Prospektes mit Wiedergewinnung der historischen Lichtführung und die Erneuerung der jetzigen Orgel sind Ziel des vor drei Jahren angestoßenen Projekts »Durch die Orgel Licht«. Der Kern des Vorhabens: Den an Stelle des Spielschranks in der Mitte des Unterbaus quer durch die Orgel führenden Tunnel, »um das Licht in der Kirche durch das Werk beizubehalten«, wieder freizulegen. »Bei Um- und Neubauten der Orgel wurde im Laufe der Zeit die historische Position des mit reichen Schnitzereien verzierten Prospektes stark verändert. Der Lichttunnel wurde verschlossen, so dass nichts von der barocken Lichtführung um und durch die Orgel übrig blieb«, bedauert Carmen Presch.

So werden zum Orgeltag am 9. September nach dem Gottesdienst alle zu einer Fernglasführung am beleuchteten Orgelprospekt eingeladen und können am Modell des belgischen Orgelbauers Patrick Collon die mögliche künftige Westseite des Domes ansehen.
Die Mitstreiter vom »Förderkreis Musik am Dom« wissen: sie verfolgen ein millionenschweres, visionäres Projekt. Es könne Jahrzehnte dauern. Doch ihr Neun-Punkte-Plan steht: von der Tunnelöffnung über die große Orgel mit 80 Registern bis zu zwei Seitenorgeln mit jeweils acht Registern.

Am Vorabend des Orgeltages erhält der »Förderkreis Musik am Dom« prominente Unterstützung (8. 9., ab 20 Uhr). Der Bestsellerautor Bastian Sick (»Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod«) liest, singt und unterhält mit Geschichten und Gedichten über die deutsche Sprache, über Luther, Kirchenlieder und geflügelte Worte aus der Bibel. Halberstadts Domkantor Claus-Erhard Heinrich begleitet ihn dabei an der Orgel.

Uwe Kraus

Denkmaltag – Orgeltag

Der Tag des offenen Denkmals am 9. September fällt in diesem Jahr mit dem Deutschen Orgeltag zusammen. Mehr als 7 500 historische Baudenkmale, Parks oder archäologische Stätten öffnen ihre Türen. Das Jahresmotto lautet »Entdecken, was uns verbindet«. Zudem sollen an diesem Tag überall in Deutschland Orgeln zu sehen, zu besichtigen und vor allem zu hören sein. Bislang sind mehr als 100 Veranstaltungen registriert.

Mit dabei ist auch die Reformierte Domgemeinde in Halle. Die Restaurierung der einzig noch erhaltenen Großorgel in Halle steht kurz vor dem Abschluss. Nach dem Gottesdienst am 9. September gibt um 11.30 Uhr Orgelmusik von der Stephani-Orgel, die seit zwölf Jahren als InterimsLösung ihren Dienst tut. Je drei Orgel- und Domführungen schließen sich an. Kinder können Orgelansichten malen und basteln.

www.orgeltag.de


www.tag-des-offenen-denkmals.de

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