Einen schöneren Beruf kann es nicht geben: Liebesprediger

29. September 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, Vers 21

Untrennbar gehören sie zusammen. Wie eine Münze, die zwei Seiten hat, ist die Liebe zu Gott auf der einen und die Liebe zum Bruder auf der anderen Seite. Die Liebenden sind wir, auf beiden Seiten. Von Gott wird gesagt: Gott ist die Liebe. Wir leben aus Gottes Liebe. Und wir erwidern diese Liebe, weil die Liebe das Gegenüber sucht. Wir lieben Gott, indem wir die Liebe weitergeben an Menschen neben uns.

Sabine Kramer, Direktorin des Predigerseminars in Wittenberg

Sabine Kramer, Direktorin des Predigerseminars in Wittenberg

Doch wer sind unsere Mitmenschen? Und vor allem, wo ist die Grenze der Liebe? Wir erleben harte Auseinandersetzungen in Kirche und Gesellschaft, wem die Liebe eigentlich gilt. Da sehen die einen die eigenen Volksgenossen. Oder sind die Geschwister die Gläubigen der drei Religionen, die sich auf Abraham zurückführen: das Judentum, das Christentum und der Islam? Andere sagen: Es sind die Glaubensgeschwister in der eigenen Gemeinde. So sieht es der Johannesbrief. Er lebt das Modell der kleinen Gruppe. Jesus jedoch geht mit seiner Liebe weiter, wenn er auffordert: »Liebt eure Feinde!« Kein Gebot fordert mich mehr heraus als dieses.

In unseren Gemeinden streiten wir, wie weit die Liebe gehen kann. Dahinter steht die Frage, wer ist mein Nächster, mein Bruder, meine Schwester? Schon Adams und Evas Sohn Kain muss sich diese Frage von Gott gefallen lassen: »Kain, wo ist dein Bruder Abel?« Kain hat Abel aus Neid getötet. Trotzig erwidert er: »Soll ich meines Bruders, meines Mitmenschen, Hüter sein?« Klar gestellt wird: Lieblosigkeit, Gewalt, brutale Sprache, Hasspredigt können sich nicht auf Gott berufen. Das Bibelwort sagt nicht pauschal: Die Liebe gilt allen. Sondern: Die Liebe gilt den Menschen, die hier sind. An sie bist du gewiesen, zu lieben.

Im Predigerseminar bilden wir angehende Predigerinnen und Prediger aus. Wunderbar daran ist: Sie werden ausgebildet zu Liebespredigern! Als künftige Pfarrerinnen und Pfarrer sollen sie den Menschen Liebe ins Herz legen, Liebe zu Gott und Liebe zu den Menschen. Einen schöneren Beruf kann es nicht geben.

Sabine Kramer, Direktorin des Predigerseminars in Wittenberg

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

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