Abbiegen zur Gesangbuchkirche

22. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Stiftung lockt Besucher in Themenkirchen


An diesen Informationstafeln kommt man nicht vorbei – weil man direkt daran vorbei muss. »Das Besondere an Luso ist der Standort«, sagt Pfarrer Martin Bahlmann vom Förderkreis »Entschlossene Kirchen«, der diese Tafeln jetzt aufgestellt hat. Sonst sind sie immer nah bei der jeweiligen Kirche angebracht. In Luso bei Zerbst ist der Verein dem Rat von Kirchengemeinde und Ortschaftsrat gefolgt, den Platz an der Durchfahrtsstraße zu wählen. Die Kirche steht etwas abseits davon. Da kommt sonst erst einmal keiner vorbei. Doch das dürfte sich jetzt ändern.

»Wir wollten die Infotafeln zunächst an unseren spannendsten Kirchen aufstellen«, sagt Sonja Hahn von der Stiftung »Entschlossene Kirchen«. Die 2005 im Kirchenkreis Zerbst gegründete Stiftung lockt mit einigen Themenkirchen. Die Lusoer ist eine davon.

Aber die Tafel, die wie das Gesamtprojekt dank der Unterstützung der Sparkassenstiftung Anhalt-Zerbst möglich wurde, will nicht nur auf die Gesangbuchkirche Luso neugierig machen. »Wir wollten das einbinden in ein Netzwerk«, sagt Sonja Hahn. Eine Fülle von Lesenswertem gibt es zum Ort Luso wie zum Kirchenkreis Zerbst, zu Sehenswertem in der nahen Umgebung, zu weiteren Themenkirchen, wie der Osterkirche in Trüben oder der Weihnachtskirche in Polenzko, zu Städten wie dem nahe gelegenen Zerbst oder Dessau-Roßlau, Coswig und Wittenberg ein Stück weiter.

Infotafeln im Kirchenkreis Zerbst sollen auf Kirchen neugierig machen. Bei der Einweihung einer solchen Tafel in Luso waren dabei (v. l.): Ortsbürgermeister Ralf Müller, Bernd Scharrenbroich von der Kirchengemeinde, Sonja Hahn von der Stiftung »Entschlossene Kirchen«, Martin Bahlmann vom Förderkreis und Pfarrer Lutz-Michael Sylvester. Foto: Helmut Rohm

Infotafeln im Kirchenkreis Zerbst sollen auf Kirchen neugierig machen. Bei der Einweihung einer solchen Tafel in Luso waren dabei (v. l.): Ortsbürgermeister Ralf Müller, Bernd Scharrenbroich von der Kirchengemeinde, Sonja Hahn von der Stiftung »Entschlossene Kirchen«, Martin Bahlmann vom Förderkreis und Pfarrer Lutz-Michael Sylvester. Foto: Helmut Rohm

Ländliche Gegend und Weltkulturerbe in dieser Konzentration beieinander, das gebe es sonst nirgendwo, sagt Kunsthistorikerin Hahn. Lutherweg und Radwege sind da. Diese Angebote entsprechen touristischen Trends. Ohnehin arbeiten die »Entschlossenen Kirchen« mit den Tourist-Informationen der Städte zusammen oder auch dem Verein Naturpark Fläming. »Wir sprechen uns ab, ergänzen uns«, betont Sonja Hahn. So habe zum Beispiel die Stadt Zerbst eine große Infotafel am Dorfkirchenmuseum in Garitz aufgestellt. »Da bauen wir nicht ein weiteres Schild auf.« Viola Tiepelmann, die auch einen kleinen Text für Luso zugearbeitet hat, bestätigt das. »Die Stiftung ist seit vielen Jahren ein wichtiger Partner für uns, und die Themenkirchen sind fest in unser touristisches Konzept eingebunden«, so die Leiterin der Zerbster Tourist-Information.

In Luso jedenfalls lohnt das Abbiegen zur Kirche, die nicht nur eine der ersten Themenkirchen war, sondern auch eine durchweg »offene Kirche« ist. Vor allem, seit mit Gründung des Förderkreises 2008 intensiver auch für die Gesangbuchkirche geworben wurde, »nahm es rapide zu, dass uns Bücher nicht nur vorbeigebracht, sondern auch kistenweise zugeschickt wurden«, berichtet Sonja Hahn. Das waren allerdings nicht nur Gesang-, sondern auch Gebetbücher oder Bibeln. Für letztere gibt es seit 2015 die Bibelkirche in Düben.

Längst aber reichen in Luso die Kirchenbänke allein zur Ablage der derzeit etwa 1 000 Bücher nicht mehr aus. Auch nicht die zwei kleineren Regale, die zunächst aufgestellt wurden. Dafür bietet jetzt ein Riesenregal Platz, das den gesamten Triumphbogen der Kirche ausfüllt.

Dennoch werden Gesangbücher auch weiter in den Bänken zum Ansehen und Blättern zu finden sein. Für andere, die zu wertvoll sind, um sie einfach auszulegen, oder solche, die eine Erklärung bekommen sollen, wird noch nach einer Lösung zur Präsentation gesucht.

Helmut Rohm

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Im Zeichen des »Urkantors«

22. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Traditionspflege: 11. Adjuvantentage in Kahla

Zu den 11. Thüringer Adjuvantentagen wird vom 21. bis 27. Oktober nach Kahla (Kirchenkreis Eisenberg) und auf die Leuchtenburg eingeladen. Sie werden seit 2008 jährlich von der Academia Musicalis Thuringiae organisiert. Historischer Hintergrund ist die europaweit einzigartige reiche Musikkultur in den Thüringer Dörfern des 16. bis 18. Jahrhunderts. Bauern und Handwerker halfen (lat. = adjuvare) an Sonntagen dem Kantor bei der musikalischen Ausschmückung der Gottesdienste. Seit der reformatorischen Schulreform gehörte es zum Standard, dass die Schüler ein Blas- oder Streichinstrument erlernen sollten und über die Fähigkeit des Vom-Blatt-Singens verfügten. So bildeten sich mit der Zeit die sogenannten Adjuvantenchöre, aus denen die heutigen Kirchenchöre hervorgegangen sind.

Die zum Teil umfangreichen Notenbestände aus den Pfarrbibliotheken werden seit Jahren mit Hilfe des Landesmusikarchivs Thüringen restauriert und der Praxis zugänglich gemacht. Hierzu gibt es seit 2010 eine Noten-Edition des Wartburg-Verlages!

In diesem Jahr ist das Musikfest mit der traditionellen Johann-Walter Woche verbunden, in der vom 23. bis 26. Oktober zu kleinen Konzerten um 18 Uhr in die Stadtkirche St. Margarethen eingeladen wird.

Nach dem Eröffnungsgottesdienst am 21. Oktober in der Stadtkirche (10 Uhr) wird eine Ausstellung mit Informationstafeln zu den Adjuvanten in Kahla präsentiert (11 Uhr). Im Rathaussaal ist eine weitere Exposition zu sehen: »Die Reformation und ihre Musik in Thüringen« (21. bis 28. Oktober), die der Leiter des Landesmusikarchivs, Dr. Christoph Meixner, konzipiert hat. Zum Programm gehört eine Stadtführung auf den Spuren des aus Kahla stammenden »Urkantors« Johann Walter (27. 10., 11 Uhr, ab Rathaus). Hinzu kommen musikgeschichtliche Vorträge (27. 10., 13 und 14.30 Uhr) über die Kahlaer Adjuvanten, aber auch über »Die singenden Wandervögel der Leuchtenburg« (Jugendbewegung der 1920er Jahre). Das Abschlusskonzert mit Musikschätzen aus Kahla und Prag gestaltet die »Cappella Mariana« aus Prag (27. 10., 18 Uhr, Stadtkirche). In der Porzellankirche auf der Leuchtenburg gibt es vom 22. bis 28. Oktober eine Chor-Festwoche.

Bäckermeisterin Susann Blume reicht frisch gebackene Reformationsbrötchen, die auch bei den Konzerten der Johann- Walter-Woche angeboten werden. Foto: privat

Bäckermeisterin Susann Blume reicht frisch gebackene Reformationsbrötchen, die auch bei den Konzerten der Johann- Walter-Woche angeboten werden. Foto: privat

Die Kahlaer Bäckerei Blume bietet bis zum 31. Oktober die beliebten »Reformationsbrötchen« an. Dieses ganz besondere Backwerk gibt es immer nur im Oktober bis zum Reformationstag in Kahla zu kaufen. Die leckeren Brötchen werden im Laden, aber auch bei den Konzerten der Johann-Walter-Woche in der Stadtkirche verkauft.

»Für die Herstellung der Brötchen nimmt Bäckermeisterin Susann Blume viel zusätzliche Arbeit in Kauf – und täglich auch ein ganz besonders frühes Aufstehen!«, freut sich Maren Hellwig vom Förderverein der Johann-Walter-Orgel. Mit dem Erlös unterstützt die Bäckerei das große Projekt, für dessen Vollendung noch erhebliche finanzielle Mittel aufgebracht werden müssen. Die evangelische Kirchengemeinde und der Orgelförderkreis sind dafür sehr dankbar!

Michael von Hintzenstern

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Wie war’s, Frau Braband?

22. Oktober 2018 von redaktionguh  
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EKM-Jugendsynodale bei Bischofssynode in Rom

Im Auftrag des Lutherischen Weltbundes (LWB) sprach die Erfurter Theologiestudentin Julia Braband vor der katholischen Bischofssynode in Rom über die Mitwirkung der Jugend in der Kirche. Nach ihrem Auftritt im Vatikan schildert sie hier ihre Eindrücke:

Julia Braband Foto: Stefan Kurzke

Julia Braband Foto: Stefan Kurzke

Sie mussten lange warten, weil sich der Zeitplan verschoben hatte. Wie war es, als Sie endlich an die Reihe kamen?
Braband:
Die Synode findet in einer Art Hörsaal statt. Vorne sitzt das Präsidium mit dem Papst und in den aufsteigenden Reihen die Synodenväter und Gäste. Vor mir saßen die Kardinäle, hinter mir die Bischöfe, und ich saß in der Reihe der ökumenischen Gäste. Ich habe dann von meinem Platz aus gesprochen. Am Anfang meiner Rede war ich schon aufgeregt. Ich habe mitbekommen, dass der Papst sehr aufmerksam zugehört hat. An der einen oder anderen Stelle soll er sogar geschmunzelt haben.

Wie waren die Reaktionen?
Braband:
Nach meinem Vortrag gab es Applaus. Von den anwesenden Jugendlichen gab es sogar vereinzelt Jubelrufe. Das hat mich sehr gefreut. Der Passauer Bischof Stefan Oster kam gleich danach zu mir und hat mir gedankt. Auch internationale Bischöfe haben mich angesprochen.

Was nehmen Sie mit aus Rom?
Braband:
Ich habe gemerkt, dass wir in Sachen Jugendbeteiligung in unserer Landeskirche auf einem guten Weg sind. Ich hoffe, dass wir als ökumenische Gäste zeigen konnten, dass man die Jugend in der Kirche beteiligen kann. Wenn es gelingt, dass die Jugend in der katholischen Kirche nicht nur wahr- sondern auch ernstgenommen wird, wäre das ein großer Erfolg.

Die Fragen stellte Willi Wild.

Jugend im Laboratorium des Glaubens

Wortlaut: Die Rede von Julia Braband als Vertreterin des Lutherischen Weltbundes (LWB) vor der Bischofssynode in Rom

Eure Heiligkeit, Eminenzen, Exzellenzen, liebe Schwestern und Brüder in Christus, ich überbringe Ihnen herzliche Grüße vom Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Erzbischof Panti Filibus Musa, dem Generalsekretär Martin Junge sowie meiner eigenen Bischöfin Ilse Junkermann.

Als Mitglied des Rates des Lutherischen Weltbundes freue ich mich, einige Worte an Sie zu richten, die Sie sich hier zum Thema »Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung« versammeln.

Im Evangelium nach Matthäus heißt es im zehnten Kapitel: »Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.« Diesen Vers habe ich zu meiner Taufe mit auf meinen Lebensweg bekommen. Dieses Bekenntnis vor den Menschen schließt für mich das Bekenntnis zur Jugend ein. Das Bekenntnis zu verschiedenen Generationen. Das Bekenntnis zu Vielfalt. Und das Bekenntnis zu den unterschiedlichen Arten des Priestertums, zu dem wir gemeinsam durch die Taufe berufen sind.

Der Lutherische Weltbund hat schon 1984 auf seiner 7. Vollversammlung in Budapest eine Garantie für die Beteiligung junger Menschen in allen Gremien des Lutherischen Weltbundes beschlossen. Heute sind 20 Prozent aller Mitglieder in den Gremien des Lutherischen Weltbundes Jugendliche und junge Erwachsene unter 30 Jahren. Diese Quote wird inzwischen – nicht nur von uns Jugendlichen, sondern auch von vielen anderen Mitgliedern – vehement verteidigt.

Auf der Weltebene funktioniert das sehr gut. In unseren Mitgliedskirchen hat sich jedoch kaum etwas verändert. Deshalb hat die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes im letzten Jahr in Namibia noch einmal alle Mitgliedskirchen aufgefordert, die Jugendquote umzusetzen. Die Umsetzung dauert bei unseren lutherischen Kirchen manchmal etwas länger, weil darüber jede Ortskirche selbst entscheidet. Sie haben da einen Vorteil, bei Ihnen könnte es sogar schneller gehen.

In meiner eigenen Mitgliedskirche, der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, funktioniert die Beteiligung Jugendlicher sehr gut. Nicht nur in den kirchenleitenden Gremien oder bei ökumenischen Reisen unter dem Motto »Mit Luther zum Papst« 2016. Junge Menschen sind immer dabei, besonders, wenn es um ihre Zukunft geht: beim Lutherischen Weltbund wird das Thema Klimagerechtigkeit von Jugendlichen bearbeitet und auch gegenüber den Vereinten Nationen vertreten.

Die Jugend ist nicht die Zukunft der Kirche. Sie ist schon die Gegenwart und sie ist die Kirche von heute. Sie lebt im Hier und Jetzt. Jugend will nicht erst in Zukunft die Kirche gestalten, sondern jetzt, um sich in der Kirche der Zukunft geborgen und heimisch zu fühlen. Wir sind alle dazu berufen, unsere Kirchen mitzugestalten.

Der erste wichtige Schritt ist es, der Jugend zuzuhören und ihre Vielfalt wahrzunehmen, wie es in Ihrem Instrumentum Laboris heißt. Noch viel wichtiger ist es, die Anliegen der jungen Glieder der Kirche ernst zu nehmen und ihre Stimme zu einer vollwertigen Stimme in der Gemeinschaft zu machen, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Nur so kann die Kirche Kirche für alle Generationen sein.

Mit unseren guten Erfahrungen im Lutherischen Weltbund will ich Sie alle ermutigen, sich auf die Jugendbeteiligung als »Laboratorium des Glaubens« einzulassen. Oder um es mit einem anderen Wort von Papst Johannes Paul II. zu sagen: Non Abbiate Paura (Habt keine Angst).

Julia Braband arbeitet im Landesjugendkonvent der Evangelischen Jugend mit und gehört zum Synodenpräsidium der EKM.


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Die Zukunft ist sein Land

21. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Bei uns liegt er in der Schublade an der Garderobe, unser Gemeindebrief. Eine unverzichtbare Informationsquelle. Fast jede Kirchengemeinde hat einen. Die Reichweite beträgt weit über 80 Prozent. Etwa 650 000 Gemeindeglieder kommen theoretisch in den Genuss ihres Kirchenblättchens. Das ist eine unglaubliche Quote, die keine andere kirchliche Publikation erreicht. Die ehrenamtlichen Redaktionsteams in den Kirchengemeinden machen ihre wichtige Arbeit effektiv und nahezu geräuschlos.

Vor drei Jahren haben wir im Rahmen der EKM-Erprobungsräume mit der Entwicklung eines Gemeindebriefportals im Internet begonnen. Die Idee, Kirchenzeitung und Gemeindebriefe zusammenzubringen, hatte vor einigen Jahren Ralf-Uwe Beck, der Pressesprecher der EKM. Dank der Weitsicht der Landessynode, die damals die Projektfinanzierung beschlossen hat, kann das Redaktionsportal jetzt an den Start gehen.

Vier Gemeindebrief-Redaktionen aus Elbingerode, Naumburg, Kapellendorf und Erfurt haben ihre erste Pilot-Ausgabe im Portal erstellt. Am Sonnabend werden sie die Ergebnisse bei einem Fachtag im Landeskirchenamt vorstellen. Dazu haben sich über 100 Interessierte aus unserem Verbreitungsgebiet angemeldet. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Deshalb wollen wir im neuen Jahr für alle, die nicht dabei sein können, einen weiteren Fachtag anbieten.

Als Kirchenzeitung unterstützen wir die Gemeindebrief-Redaktionen. Auch »Glaube+Heimat« soll demnächst im Portal entstehen. Die Inhalte stehen dann sowohl gedruckt als auch im Internet zur Verfügung. Das ist neu und aufregend. Wir sind zuversichtlich: Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.

Willi Wild

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Fürbitten mit der Zwiebelmarktkönigin

21. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Mit Lisa Hoehnke (Foto) wirkte zum ersten Mal eine Zwiebelmarktkönigin beim mittlerweile 19. Zwiebelmarkt- Gottesdienst von Falk-Verein und Kirchengemeinde auf der Bühne am Herderplatz mit. Die 25-Jährige engagiert sich in der evangelischen Kirchengemeinde in Weimar-Nord. Sie hat in Jena Sozialwesen studiert und arbeitet derzeit in einem Weimarer Cafe. Der Freiluft-Gottesdienst konnte bei strahlendem Sonnenschein gefeiert werden. Die Predigt hielt Stadtkirchen-Pfarrer Sebastian Kircheis. Für die Musik sorgten der Posaunenchor der Kreuzkirche unter der Leitung von Brigitte Kliegel und der Gospelchor »Jakob Singers«. Moderiert wurde der Gottesdienst vom MDR-Journalisten und Falk-Vereins-Vorsitzenden Paul Andreas Freyer. Die Kollekte ist für das Projekt »Tafel plus« gedacht.

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

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Sie werden ein Fleisch sein

21. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Lebendspende: Auf ihren Garten sind Silke und Uwe Alberti zu Recht stolz. Hinter ihrem Haus in Apolda steigt er an. Gerade im goldenen Herbst ein Refugium mit Gewächshaus, bewachsenem Spalier, Sitzecke und Pavillon.

Das Ehepaar trinkt Espresso und genießt die Abendsonne. Als sie am 12. April 2010 die Haustüre abschließen, um nach Jena in die Universitätsklinik zu fahren, war nicht klar, ob sie diese Idylle jemals wieder gemeinsam erleben können.

Uwe hat eine Autoimmunerkrankung. Der Fachbegriff Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) kommt ihm locker über die Lippen. Eine Verengung der Gallengänge, so dass die Galle aus der Leber nicht mehr abfließen kann. Die Leber entzündet sich. Als Uwe Alberti zum ersten Mal mit 40 Fieber in die Notaufnahme muss, schreibt der Arzt auf die Einwilligungserklärung: »Die Untersuchung kann zum Tod führen.« Fünf Monate mit Fieber­schüben, Blutvergiftung, Gelbsucht, Antibiotika-Behandlung, Schmerzen und Schwächeanfällen folgen.

Dann ist klar: Besserung oder überhaupt ein Weiterleben ist nur mit einer gesunden Spenderleber möglich. Damit ist der selbstständige Fernsehtechniker-Meister einer von 3 000 Patienten, die auf eine der verfügbaren knapp 500 Spenderlebern warten. Zwischenzeitlich stabilisiert sich sein Gesundheitszustand wieder. Das ist ein Nachteil, denn auf der Rangliste der Bedürftigen rutscht er damit wieder weit nach hinten. Nur wer die nächsten 72 Stunden nicht überleben würde hat die Chance, eher dranzukommen. Die Wartezeit beträgt im Schnitt drei Jahre. Für viele kommt die Nachricht zu spät.

Freuen sich des Lebens: Ehepaar Alberti genießt die Zeit zu zweit. »Ohne Silkes Spende würde ich heute nicht mehr leben«, ist sich Uwe Alberti sicher. Foto: Willi Wild

Freuen sich des Lebens: Ehepaar Alberti genießt die Zeit zu zweit. »Ohne Silkes Spende würde ich heute nicht mehr leben«, ist sich Uwe Alberti sicher. Foto: Willi Wild

Für Silke Alberti beginnt eine stressige Zeit. Tagsüber arbeitet sie in ihrem Floristikgeschäft, abends fährt sie nach Jena und verbringt die Zeit am Krankenbett ihres Mannes. Heute sagt sie, dass es auch ein Stück weit Selbstschutz gewesen sei, als sie sich entschließt: Ich spende Uwe einen Teil meiner Leber. Der lehnt zunächst ab. »Es ist doch verrückt, einen gesunden Menschen zu zerschneiden, nur damit es mir wieder besser geht«, meint er.

Als dann aber die Untersuchungen ergeben haben, dass die Voraussetzungen für eine Lebendspende gegeben sind, und Silke unbeirrt bleibt, willigt er ein.

Rückblickend sagt sie: »Mir war damals klar: das klappt. Da war ein absolutes Gottvertrauen.« Bei Uwe überwiegt die Skepsis: »Ich habe in mancher Nacht meine Todesanzeige vorgestaltet, weil ich dachte, das überlebe ich nicht«.

Vor dem OP-Termin regelt Uwe alles, als gäbe es kein Danach. Er beteiligt einen Mitarbeiter an der Firma, macht ein Testament und bestellt die Zeitung ab. Für Silke kam das nicht infrage. Sie denkt bereits an die Zeit nach dem Eingriff.

Am 13. April ist es dann endlich so weit. Um 7 Uhr wird Silke in den Operationssaal geschoben, um 10 Uhr folgt Uwe. Um 17 Uhr, 10 Stunden später, legen die Ärzte das Operationsbesteck aus der Hand. Es ist geschafft. Nun beginnt die Zitterpartie und das bange Warten. Wird das Organ im Körper angenommen? Kann die Funktionalität hergestellt werden? Wie verkraftet Silke die Entnahme von zwei Drittel ihrer Leber? Die Sterblichkeitsrate in den ersten Wochen ist bei Transplantierten sehr hoch. Uwes Ziel war es, den 49. Geburtstag noch zu erleben.

11 Tage nach der OP ist es so weit. Seinen zweiten Geburtstagstermin hat er nun immer am 13. April.

»Der Pfarrer sagte bei unserer Trauung, ihr werdet ein Fleisch sein«, meint Uwe und lächelt dabei verschmitzt. »Bei uns stimmt das. Ich habe ein Stück Silke in mir.« Die Gebete und Unterstützung von Freunden aus der Kirchengemeinde haben beiden geholfen. Silke findet Halt in der Liturgie. Für Uwe muss es eine gute Predigt sein. Mittlerweile sind über acht Jahre seit der Operation vergangen. Beide müssen sich schonen und passen aufeinander auf.

Uwe ist aktiver Rentner und studiert seit zwei Jahren in Jena Astrophysik. Silke fertigt ihre kunstvollen Blumensträuße und -gebinde von Zuhause aus. »Wir leben heute viel ruhiger als früher und genießen die Zeit, die wir jetzt miteinander haben.« Für sie war die Spende selbstverständlich und nicht der Rede wert. Uwe sieht das anders: »Silkes Lebendspende schafft eine ewige Verbindung. Etwas Größeres kann ein Mensch nicht für einen anderen tun.«

Mit dieser Erfahrung wirbt Uwe Alberti leidenschaftlich und pausenlos für den Organspendeausweis. Silke lehnt den Ausweis ab. Für sie kommt eine generelle Bereitschaft zur Organspende überhaupt nicht in Frage. Sie will nicht ausgeschlachtet werden. Die Vorstellung, dass eine Klinik Geschäfte mit ihren Organen machen könnte, macht sie wütend. Uwe lässt sich davon nicht beirren: »Bitte füllen Sie den Ausweis aus, egal wie.«

Am Vorabend vor dem gemeinsamen Gang ins Krankenhaus haben Silke und Uwe Alberti in ihrem Garten noch eine Pfingstrose gepflanzt. In der chinesischen Gartenkunst symbolisiert die Päonie ein Liebespfand. »Die mickert so vor sich hin«, sagt Uwe und lacht dabei. »Die braucht Geduld und Pflege, wie wir«, meint die Floristmeisterin Silke.

Willi Wild

www.uwe-alberti.de

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Wenn blinder Hass auf Liebe stößt

20. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Römer 12, Vers 21

Dieser Vers war doch eben erst Jahreslosung, schießt es mir durch den Kopf. Schnell google ich danach und merke: mein »eben erst« ist schon wieder sieben Jahre her. Die Zeit vergeht, und in den vergangenen sieben Jahren hat sich einiges in der Welt verändert. Und doch ist gerade diese Zeile des Römerbriefes in ihrer biblischen Zeitlosigkeit noch aktueller und zeitloser geworden, als sie es 2011 war.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Gut und böse – schwarz und weiß – sind oftmals schwer zu trennen. Dennoch nehmen der Hass und die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft stetig zu. Wir lesen die Zeilen aus Chemnitz, verfolgen die politischen Veränderungen im Land und hören von immer mehr Menschen, bei denen christliche Nächstenliebe an der Grenze endet. Populismus mit scheinbar einfachen Lösungen breitet sich aus. Die Falle der Banalität schnappt zu.

Umso entscheidender ist es doch, dass gerade wir als Christen uns nicht ebenfalls einfangen lassen, sondern das Böse mit Gutem überwinden. Dass wir in Offenheit und Nächstenliebe zeigen, was es heißt, sich eben nicht den platten Parolen hinzugeben. Mit offenem Herzen und der Vernunft des Glaubens durch das Leben zu schreiten, fällt wahrhaftig nicht immer leicht. Aber von der Leichtigkeit des christlichen Glaubens steht in der Mahnung des Paulus an die Gemeinde im 12. Kapitel des Römerbriefes auch nichts geschrieben. Christus nachzufolgen und Gott zu dienen kann, besonders im säkularen Raum, wie wir es alle allzu gut wissen, nicht immer einfach sein. Gerade das Böse mit Gutem zu überwinden scheint häufig, als müsse man gegen einen Orkan anpusten.

Und obgleich viel Ausdauer und ein kräftiges Lungenvolumen von Nöten sind, kann jede und jeder für sich immer wieder aufs Neue dagegen angehen. Denn wenn auf ein Scheltwort ein Wort der Versöhnung folgt, wenn blinder Hass auf Liebe stößt und wenn Gewalt Friedfertigkeit begegnet, so überwinden wir das Böse mit Gutem. Jeden Tag aufs Neue. Heute, morgen und auch noch in sieben Jahren.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

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Widerspruch ist (k)eine Lösung

19. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Organspende: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich für die Widerspruchs­lösung bei der Organspende ausgesprochen. Danach solle jeder Deutsche automatisch ein Spender sein, solange nicht dagegen widersprochen wird.

Knapp ein Drittel der Deutschen besitzt einen Organspendeausweis, aber mehr als 10 000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Sie warten oft jahrelang auf eine Niere, eine Leber, ein Herz – viele vergeblich. 2017 sanken die Organspendezahlen auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren.

Bisher sind in Deutschland Organentnahmen nach dem Tod nur möglich, wenn jemand ausdrücklich zustimmt. Gesundheitsminister Spahn schlug nun kürzlich die so genannte Widerspruchslösung vor. Danach soll jeder, der nicht ausdrücklich widerspricht, automatisch als Spender gelten. Bei der so genannten Widerspruchslösung wird aus meiner aktiven und freien Entscheidung zur Organspende ein Zwang. Das ist ein schwerer Eingriff in die persönliche Integrität und individuelle Gewissensfreiheit. Hinzu kommt, dass ein sterbender Mensch eine eigene Würde besitzt. Er kann sogar die Organspende verfügt haben, aber seine Würde darf nicht dadurch relativiert und verletzt werden, dass er am Ende seines Lebens als Materiallager für andere Menschen angesehen wird. Organspende muss Spende bleiben: eine aktive und freiwillige individuelle Entscheidung.

Das lange Warten: Mit einer Plakataktion warb die Stiftung »Fürs Leben« vor vier Jahren bundesweit für Organspenden. Das Plakatmotiv zeigt Michael Stapf (28), der damals bereits seit acht Jahren auf eine Niere wartete. Er wurde für die Aufnahmen im Krankenbett zum Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin gebracht. Foto: epd-bild

Das lange Warten: Mit einer Plakataktion warb die Stiftung »Fürs Leben« vor vier Jahren bundesweit für Organspenden. Das Plakatmotiv zeigt Michael Stapf (28), der damals bereits seit acht Jahren auf eine Niere wartete. Er wurde für die Aufnahmen im Krankenbett zum Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin gebracht. Foto: epd-bild

Um die Spendenbereitschaft zu erhöhen, ist es wirkungsvoller, endlich transparent mit dem Thema Organspende umzugehen. Vorbild ist für mich der alternative Organspendeausweis, den die Evangelischen Frauen in Deutschland entwickelt haben (www.organspende-entscheide-ich.de). Er berücksichtigt drei wesentliche Aspekte: Zum Ersten die Verfügung, eine Organentnahme nur unter Vollnarkose vorzunehmen. Denn auch ein so genannter hirntoter Mensch ist ein sterbender Mensch. Niemand kann sagen, ob und was er noch erlebt und fühlt.

Zum Zweiten sieht der alternative Organspendeausweis die Begleitung durch Angehörige oder andere nahestehende Personen vor. Eine solche ist wichtig, denn der Sterbende, auch der Hirntote, wird im Blick auf die mögliche Organentnahme weiter medizinisch behandelt und wirkt darum für Anwesende nicht als sterbend. Das erschwert den Abschied von ihm oder ihr. Zur Würde des Menschen gehört auch eine Würde des Sterbens, eine Würde, die im Abschiednehmen zum Ausdruck kommt.

Und zum Dritten unterscheidet der alternative Organspendeausweis zwischen Organspende und Gewebespende. Die Gewebespende kann auch noch Stunden nach dem Tod erfolgen; ein hirntoter Mensch muss für sie nicht wie bei der Organspende künstlich am Leben gehalten werden. Von dieser Praxis weiß die Öffentlichkeit noch zu wenig.

Organspende? Ja! Als eine Spende im Wortsinne, über die jeder Mensch individuell entscheidet. Dann können Organ- und Gewebespenden sogar einen Aspekt von Nächstenliebe abbilden. Sie zur Pflicht zu machen, verletzt dagegen das Selbstbestimmungsrecht und damit die Würde des Menschen. Und zudem brauchen wir mehr individuelle und soziale Aufmerksamkeit für die Frage: Wie gelingt es uns, angemessen und menschlich mit Leid umzugehen – ohne unnötiges Leiden zu fordern oder zu fördern?

Landesbischöfin Ilse Junkermann

Aus »zeitzeichen – evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft«

www.zeitzeichen.net

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Paradies im Sperrgebiet

15. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Bad Colberg: Vor der Wende nur mit einer Sondererlaubnis erreichbar, zieht der Kurort im südlichen Thüringen heute zahlreiche Gäste an. Mit der restaurierten Kirche St. Katharina ist er nun um ein Glanzstück reicher.

Bad Colberg dürfte der unbekannteste Kurort Thüringens sein. Wer den ausgewiesenen Weg von der A 73 nimmt, kommt zunächst im Freistaat Bayern an und greift irritiert zur Landkarte. Der malerische Ort ist Coburg viel näher als Hildburghausen. Diese Halbinsellage im äußersten Süden prägte und ließ während der Zeit der innerdeutschen Teilung das Leben anders gehen und hinterließ Narben. Unmittelbar hinter einigen Häusern verlief die Selbstschussanlage der Grenze.

Wunderschön ist hier die Landschaft. Kurbetrieb gibt es seit 1910. Die moderne Terrassentherme der Median-Klinik mit ihren warmen Mineralquellen bietet Badefreude für jedermann. Einige der schmucken Fachwerkhäuser haben Ferienwohnungen, und das Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg (2016 eröffnet) sorgt für überregionale Aufmerksamkeit.

Ein »Paradies von sieben mal neun Metern«: So nannte Superintendent Johannes Haak die Bad Colberger Kirche in seiner Festpredigt zur Wiedereinweihung. Foto: Thomas Schäfer

Ein »Paradies von sieben mal neun Metern«: So nannte Superintendent Johannes Haak die Bad Colberger Kirche in seiner Festpredigt zur Wiedereinweihung. Foto: Thomas Schäfer

Seit dem vergangenen Wochenende hat sich nun ganz offiziell ein weiteres lohnendes Ziel hinzugesellt: die St. Katharina Kirche in Bad Colberg. Superintendent Johannes Haak nannte sie in seiner Festpredigt am 29. September zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten ein »Paradies von sieben mal neun Metern«. Aus der Wegkapelle, erstmalig 1528 erwähnt, wird im 17. und 18. Jahrhundert eine kleine Kirche, mal zu den Hennebergern gehörend, mal zu den Wettinern, aber immer wertgeschätztes Gotteshaus einer lebendigen Gemeinde.

Uwe Voit, Kirchenältester seit 2007, fasst es so zusammen: »Unsere Eigenständigkeit ist uns wichtig, damit wir über unser Gemeindeleben auch selbst bestimmen können.« 80 der 127 Einwohner gehören zur evangelischen Kirchengemeinde, Ort und Kirche sind eng verbunden und ehrenamtliche Arbeit ist selbstverständlich. Die permanente Mobilität erschwere jede Organisation, doch die Heimatverbundenheit bleibe. Die Kirmes wird beispielsweise mit allem Drum und Dran gefeiert, es gibt immer ein Krippenspiel, meist auch ein Osterspiel und Feiertage ohne Gottesdienst sind undenkbar.

Seit Pfarrerin Sylvia Graf von Heldburg her sieben Gemeinden zu versorgen hat, ist nur noch aller vier Wochen regulärer Gottesdienst. Dass die Kirche an den Wochenenden geöffnet und mit frischen Blumen geschmückt wird, ist Herzensangelegenheit von Marga Müller und Rosa Ameiß-Becker. »Wo Gottes Wort gepredigt wird, muss der Anblick auch würdig und passend sein«, so ihre Meinung.

Das Engagement der Gemeinde für ihre Kirche schätzt auch Ingo Kronacher vom Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld. Er half bei der Vorbereitung und Organisation der Kirchenrestaurierung. »Wenn Gemeinden sich kümmern, bin ich gern dabei und unterstütze.« Die ersten restauratorischen Untersuchungen liefen 2007 an, 2014 folgte die Fertigstellung der Bauhülle und zwei Jahre später die Innenrestaurierung, für die gut 27 000 Euro zusammengetragen werden mussten. Geholfen haben neben kirchlichen und staatlichen Stellen auch viele Einzelspender. Zu ihnen gehört jetzt auch Lothar Hoffmann. Der Tierarzt aus Heldburg überraschte die Gemeinde am Einweihungstag spontan mit 700 Euro. Er wolle damit als Jagdpächter den Colbergern für ihr Vertrauen danken und helfen, Kirchen als »Zeichen unseres Glaubens und unserer Lebensart« zu erhalten.

Uta Schäfer

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Synodenpräses: Kein Mangel an Kandidaten

15. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Dieter Lomberg über die bevorstehenden Bischofswahlen

Der Bischofswahlausschuss der EKM bekommt viel Arbeit. Regionalbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt wechselt als Landesbischöfin in die Nordkirche. Und in der EKM wird für Landesbischöfin Ilse Junkermann ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht. Dieter Lomberg, der Vorsitzende des Bischofswahlausschusses, antwortet auf die Fragen der Kirchenzeitung:

Mit Pröpstin Kühnbaum-Schmidt verliert die EKM eine profilierte Führungspersönlichkeit. Wie sieht der Zeitplan für die Wahl der Nachfolgerin, des Nachfolgers aus?
Lomberg:
Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt ist nicht nur eine profilierte, sondern auch eine prägende Persönlichkeit. Sie hat viele Anstöße zum Nachdenken gegeben, konstruktive Ideen eingebracht und Dinge kritisch und vor allem theologisch hinterfragt.

Es wird jetzt das in der EKM festgelegte Verfahren beginnen. Der Bischofswahlausschuss wird von mir einberufen, sich konstituieren, eine Findungsgruppe bilden und sich mit Kandidatinnen und Kandidaten befassen, die für das Amt geeignet sind. Am Ende steht dann die Wahl in der Synode. Wann das genau sein wird, kann ich noch nicht sagen.

Hat der Bischofswahlausschuss zur Kandidatensuche für die Nachfolge von Landesbischöfin Ilse Junkermann bereits getagt und gibt es schon Kandidaten?
Lomberg:
Zum Bischofswahlausschuss kann ich nur sagen, er macht seine Arbeit mit großem Engagement, großer Sorgfalt und nach den rechtlichen Vorgaben unseres kirchlichen Rechts.

Wie ist die Lage im Sprengel Halle-Wittenberg? Ist Propst Johann Schneider nach der gescheiterten Kandidatur in Oldenburg dort nun ein Kandidat auf Abruf?
Lomberg:
Er ist selbstverständlich kein Propst auf Abruf! Es ist immer eine Ehre, wenn eine Kirche jemanden für wert erachtet, für ein kirchenleitendes Amt zu kandidieren. Es gehören Mut und Gottvertrauen dazu, sich auf dieses Verfahren einzulassen.

Dieter Lomberg: Präses der Landessynode und Vorsitzender des Bischofswahlausschusses. Foto: Willi Wild

Dieter Lomberg: Präses der Landessynode und Vorsitzender des Bischofswahlausschusses. Foto: Willi Wild

Es spricht doch für die EKM, dass eine Pröpstin und ein Propst von den Wahlausschüssen anderer Kirchen für fähig gehalten wurden, das Amt einer Landesbischöfin bzw. eines Landesbischofs in ihrer Kirche gut ausfüllen zu können. Gott hat für Propst Schneider einen anderen Weg gewählt als für Pröpstin Kühnbaum-Schmidt. Anders als in den weltlichen Organisa­tionen und Unternehmen gibt es in der EKM keinen Grund, an der Loyalität zur Kirche und zum Amt zu zweifeln oder gar danach zu streben, ihn oder sie aus dem Amt zu drängen. Das wäre Unsinn.

Gehen der EKM langsam die Führungskräfte aus? Plädieren Sie eher für Lösungen von außen oder tendieren Sie mehr zu internen Kandidaten?
Lomberg:
Der EKM gehen weder schnell noch langsam die Führungskräfte aus! Wir haben viele Frauen und Männer, die sehr gut geeignet sind, Führungsämter in unserer Kirche zu übernehmen. Wir sehen sehr genau, wer sich für welches Amt wann eignen könnte und eignet. Deshalb gibt es keine pauschale Festlegung auf »außen oder innen« bei der Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten. Wir fragen: was und wen will wann Gott in welchem Amt in unserer Kirche?

Kommen für die Ämter auch Gemeindepfarrerinnen und -pfarrer infrage oder geht die Suche erst ab Superintendent los?
Lomberg:
Natürlich kommen für die Ämter auch Gemeindepfarrerinnen und -pfarrer in Frage, wenn sie geeignet sind. Wir haben solche Personen durchaus, und in der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) hat es das auch schon gegeben, dass sie in Leitungsämter gewählt wurden. Ich erinnere an Bischof i. R. Axel Noack.

Ich zitiere einen Superintendenten: Die Anforderungen für die Kirchenleitungsebene seien so hoch, dass sie vermutlich nur von Jesus selbst erfüllt werden können. Warum ist das so?
Lomberg:
Wenn ein Superintendent das meint, frage ich mich, welches theologische Verständnis von den Ämtern der Kirchenleitung dahintersteht. Ich weiß nur aus der Bibel, dass Jesus eine Vielzahl von Menschen berufen hat. Sehen Sie sich die Geschichten dieser Menschen an, dann werden Sie feststellen: Gott beruft nicht die Befähigten, sondern befähigt die Berufenen! Nehmen Sie nur Noah, Mose, Petrus und Paulus. Die haben sicherlich nicht die hohen Anforderungen erfüllt, die sich der von Ihnen zitierte Super­intendent vorstellt, aber sie haben als Werkzeuge Gottes Großes geleistet.

Die Fragen stellte Willi Wild.

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Eine geht, einer bleibt

EKM-Regionalbischöfe sind begehrt

Die Regionalbischöfin des Sprengels Meiningen-Suhl, Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt, ist neue Landesbischöfin der evangelischen Nordkirche. Die 54-Jährige erhielt bereits im ersten Wahlgang die erforderlichen Stimmen der Landessynode. Kühnbaum-Schmidt wird ihr neues Amt am 1. April 2019 antreten. Sie wird am 10. Juni, Pfingstmontag, im Schweriner Dom in ihr Amt eingeführt. Nach der Abstimmung im Kirchenparlament sagte die Theologin, sie sei dankbar für das große Vertrauen und freue sich auf Schwerin. Schwerin ist Sitz der Landesbischöfin. Aufgabe der nächsten Monate werde sein, ihren Bischofsbezirk in Thüringen »gut und geordnet« zu hinterlassen. Ihren Dienst in der Nordkirche werde sie damit beginnen, erst einmal zuzuhören.

Der Regionalbischof des Sprengels Halle-Wittenberg, Propst Johann Schneider, unterlag im dritten Wahlgang bei der Bischofswahl in Oldenburg Oberkirchenrat Thomas Adomeit. Schneider bezeichnete seine Entscheidung, die Anfrage der Präsidentin der Oldenburger Synode positiv zu beantworten und für die Wahl des Bischofs zu kandidieren, als eine positive Erfahrung. Enttäuscht zeigte sich der Theologe über die seiner Meinung nach »ungleichen Bedingungen« für die beiden Kandidaten.
Nach dem Bekanntwerden seiner Kandidatur im August habe er viele Rückmeldungen aus der EKM bekommen, die einen möglichen Wechsel bedauerten. Umso erfreuter seien diese Menschen, dass er nicht gewählt wurde, so Schneider gegenüber der Kirchenzeitung. »Das erleichtert mir das Hierbleiben, stärkt meine innere Haltung und gibt mir Mut, meinen Dienst mit neuem Elan fortzusetzen.« Er habe viele Ideen, die er gerne mit Menschen guten Willens in der EKM teilen und umsetzen möchte.

(G+H/epd)

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