Zeitzeugen erzählen

7. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Ausstellung zur Barmer Theologischen Erklärung im Landeskirchenamt


Sie wollten um Gottes Willen nicht schweigen. Im Mai 1934 kamen evangelische Christen aus ganz Deutschland nach Wuppertal-Barmen. Sie gründeten dort die »Bekennende Kirche«, deren Fundament die Thesen der Barmer Theologischen Erklärung waren.

Organisatorinnen: Brigitte Andrae (links) und Friederike Spengler in der Ausstellung im Landes­kirchenamt. Foto: Diana Steinbauer

Organisatorinnen: Brigitte Andrae (links) und Friederike Spengler in der Ausstellung im Landes­kirchenamt. Foto: Diana Steinbauer

Welche Grundlagen diese Erklärung hatte, welchen Weg ihre Unterzeichner während der NS-Zeit und danach gingen und welche Auswirkungen diese theologischen Thesen haben, das beleuchtet die interaktive Ausstellung »Gelebte Reformation – Barmer Theologische Erklärung«, die derzeit im Collegium maius im Landeskirchenamt in Erfurt zu sehen ist. Anhand von Bildern, Filmszenen, Dokumenten und Erfahrungsberichten bringt sie Licht in eine dunkle Zeit, in der ein eigener Standpunkt und Courage nicht selten lebensgefährlich waren. Auch für evangelische Christen.

Die Barmer Erklärung war ein Protest gegen die Gleichschaltung und Instrumentalisierung der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus. Anders als viele Deutsche, für die Vaterland und Kirche zusammengehörten und die später auch den Einfluss des Führers auf die Kirche nicht kritisierten, stellen sich die Verfasser der Barmer Erklärung dem entgegen. Sie betonten in erster Linie wieder die Devise der Reformation »Verbum domini manet in aeternum« – Das Wort Gottes bleibet in Ewigkeit!«

Landeskirchenamtspräsidentin Brigitte Andrae sprach bei der Vernissage der Ausstellung von einer herausragenden Schau. »Vor allem in den persönlichen Zeitzeugenaufnahmen wird für mich die Zeit und ihr Umfeld lebendig«, erklärt Andrae. Vor allem an der Hörstation, an der man den Geschichten derer lauschen kann, die unmittelbar oder als Kinder oder Lebenspartner der Akteure an diesem Ereignis beteiligt waren. »Man kann hier eintauchen in ein Geschehen, und anhand der Einzelschicksale ergibt sich ein ganzer historischer Zusammenhang, ein geschichtliches Ereignis, von dessen Brisanz wir heute noch lernen und profitieren können.«

Andraes Referentin im Landeskirchenamt, Friederike Spengler, hat die Ausstellung, die als Beitrag zur Weltausstellung in Wittenberg 2017 konzipiert wurde, nach Erfurt geholt. Die Ausstellung kann und soll vor allem auch Schüler und Studenten, Konfirmanden- und Jugendgruppen ansprechen und das Lernen im Geschichtsunterricht unterstützen. Spengler ist froh, dass die Landeskirche von der Evangelischen Bank und der KD-Bank Stiftung unterstützt wird, um diese Schau zeigen zu können. »Es ist eine facettenreiche Ausstellung«, erklärt Friederike Spengler, »die hilft, den Kontext zu bebildern, die historische, ethische und religiöse Fragen zu klären versucht und die den Anstoß geben kann, den eigenen Standpunkt zu finden. Nicht belehrend, sondern anhand von Dokumenten.«

Diana Steinbauer

Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr im Collegium maius im Landeskirchenamt in Erfurt zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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